Spindler Max: Seite 334-337
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"Handbuch der bayerischen Geschichte"

Da Welf V. kinderlos starb, folgte ihm sein Bruder Heinrich IX. der Schwarze [Der spät belegte Beiname gründet nach Riezler I 2, 206 eher auf einem Bild, das ihn in der schwarzen Tracht des Laienmönches zeigt, als auf einer schwarzen Haarfarbe.], der ebenfalls auf kaiserlicher Seite an den Verhandlungen von Würzburg und Regensburg im Jahre 1121 beteiligt war, die dann schließlich auf dem Wormser Reichstag vom 22. September 1122 zum Konkordat mit dem Papsttum führten. Die Tatsache, dass das welfische Geschlecht nun schon in 3. Generation in Bayern herrschte, dass es hier auch durch kluge Heiraten und überlegte Besitzpolitik hatte Fuß fassen können, schließlich die seit der Aussöhnung des Jahres 1096 unerschütterliche Treue zur Reichsgewalt, schienen alle Möglichkeiten zu bieten, dass nach dem Abtreten der LUITPOLDINGER wieder ein Herzogsgeschlecht im Lande verwurzeln und dem Stamm einen dynastischen Rückhalt geben könnte. Jedoch noch in die Regierungszeit Heinrichs des Schwarzen fällt der Keim des Konflikts mit den STAUFERN, der zum Untergang der welfischen Machtstellung in Bayern führen sollte.
Nach dem Tode Kaiser HEINRICHS V. am 23. Mai 1125 schien sein Neffe, der schwäbische Herzog Friedrich von Staufen, zum Nachfolger vorbestimmt zu sein. Bei der Wahlversammlung, die im August in Mainz zusammentrat, war er auch einer der drei Kandidaten, die neben Lothar von Supplinburg und dem BABENBERGER Markgrafen Luitpold von den Vorwählern aus den vier deutschen Stämmen erhoben wurden. Verzichtete Liutpold von sich aus auf eine Kandidatur, so gelang es der geschickten Verandlungsführung des Erzbischofs Adalbert von Mainz, den STAUFER zu überspielen und die Wahl auf Lothar von Supplinburg zu lenken. Schwankend war die Stellungsnahme Herzog Heinrichs IX. von Bayern. Der STAUFER war mit Heinrichs Tochter Judith verheiratet, diese Verwandtschaft ließ ihn auf der Wahlversammlung selbst energisch für seinen Schwiegersohn eintreten; doch schwenkte er bald zu LOTHAR über. Über die Gründe für diesen Parteiwechsel, der LOTHARS Königtum erst ermöglichte und der zugleich der Anlaß für den staufisch-welfischen Konflikt war, erfahren wir nichts. Man wird jedoch bedenken müssen, dass Heinrichs Interessen auch sehr stark in Sachsen verwurzelt waren. Er selbst war verheiratet mit Wulfhilde, der Tochter des Herzogs Magnus, des letzten BILLUNGERS. Als dieser im Jahre 1106 ohne männliche Nachkommen gestorben war und der große private Besitz an die beiden Erbtöchter Eilika und Wulfhilde kam, waren durch diesen Erbfall die WELFEN auch in Sachsen begütert. Wulfhildes Eigengüter waren um Lüneburg gelagert, und so hatten die WELFEN durch diese Heirat Heinrichs des Schwarzen mitten im sächsischen Stammesgebiet Fuß gefaßt, sie mußten daran interessiert sein, ihre Stellung und ihren Einfluß hier nicht durch die Gegnerschaft zu Lothars von Supplinburg aufs Spiel zu setzen. Zudem scheint bei den Mainzer Wahlverhandlungen des Jahres 1125 eine andere Heirat besprochen worden zu sein, die den welfischen Besitz in Sachsen abermals vermehren mußte, die Heirat von Herzog Heinrichs gleichnamigen Sohn Heinrich dem Stolzen mit Gertrud, der einzigen Tochter Lothars von Supplinburg; 1127 wurde in Merseburg diese Ehe geschlossen. Auch Gertrud erwartete einst ein reiches Erbe; diese doppelten Möglichkeiten, die sich für die WELFEN in Sachsen boten, mögen sie wohl zum Bruch mit den STAUFERN bestimmt haben. Dem Konflikt jedoch, in Ausübung der Reichsacht gegen seinen staufischen Schwiegersohn zu Felde ziehen zu müssen, entzog sich Heinrich der Schwarze durch seinen Eintritt als Laienmönch in das Kloster Weingarten, wo er bereits am 13. Dezember 1126 starb.