Weller Tobias: Seite
50,342,363-365
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"Die
Heiratspolitik des
deutschen
Hochadels im 12. Jahrhundert."
Auch solle er den Burggrafen von
Regensburg dazu veranlassen,
ihr über das von ihm
zurückgehaltene Gut, das er teilweise verpfändet habe,
Rechenschaft abzulegen. Aus dieser Mitteilung ist möglicherweise
zu schließen, daß Sophia
nach
ihrer Ankunft in Deutschland zunächst der Obhut des Regensburger Burggrafen Otto
(† wohl 1143)
und seines Sohnes Heinrich
III.
(† 1174/77)
anvertraut wurde [239 Vgl.
Jaksch, Lebensgeschichte 363f., dessen These
insofern einiges für sich hat, als das Regensburger
Burggrafen-Geschlecht sowohl mit König KONRAD III. als auch mit
der
arpadischen Königs-Familie
verwandt gewesen zu sein scheint:
Burggraf
Heinrich III.
hatte die
BABENBERGERIN Bertha,
eine
Halb-Schwester
KONRADS, zur
Gemahlin (siehe unten Seite 363ff.). Auf der anderen Seite
läßt der
Gründungsbericht des Klosters Walderbach vermuten, daß Burggraf Otto
eine Schwester namens Udilhilde
hatte, die mit König Stephan II. von
Ungarn (1116-1131),
dem Vetter und Amtsvorgänger
Belas II.,
verheiratet
war (so zumindest Mayer, Burggrafen 27; Europäische Stammtafeln NF
2,
1984, Taf.154). Zweifelsfrei bewiesen werden kann letztere Verbindung
freilich nicht; vgl. Tyroller, Genealogie, Tafel 11, 167, in dessen
Genealogie der Regensburger
Burggrafen-Familie diese
Udilhilde
ebensowenig auftaucht wie in dem biographischen Überblick zu
Stephan II. bei
Krsto/Makk, Könige Ungarns 239-258, und dem
Artikel von Janos M. Bak: Stephan (Istvän) II., in: LMA 8 (1997)
114.]. Trifft diese Annahme zu,
so dürfte
mit der ferrea Egypti fornax der
bayerische Vorort Regensburg gemeint sein. Sophias Schreiben
an den Salzburger Metropoliten zeigte zumindest insoweit Wirkung, als
dieser sich an
KONRAD III. wandte und ihn um die Rückgabe eines Teils der
Ausstattung der ungarischen
Prinzessin ersuchte.
Daß Adalbert
in
der Liste der Geschwister Ottos
von
Freising fehlt, die Rahewin
(† 1170/77) im
Zusammenhang seines Berichtes vom Tod des Freisinger Bischofs
niederschrieb, hat wenig zu besagen, denn hier bleiben auch der
unerwähnt Bruder Ernst
und die Schwester Elisabeth
[101
Vgl.
Rahewin, Gesta Friderici, lib.IV, c.14, MGH SSrG
[4G], 249f. Ohnehin war Rahewin
in der Genealogie nicht
sonderlich firm. So zählt er unter den babenbergischen Schwestern Ottos von Freising
auch eine Berhta ducissa Polanorum
auf. Ottos Schwester
Bertha
war aber
vielmehr mit dem Regensburger
Burggrafen Heinrich III. verheiratet; die
betreffende ducissa Polanorum
hieß Agnes.
Dieselbe Agnes
ist
identisch mit der bei Rahewin genannten N. imperatricis
Hyspaniae
genitrix (also mit der Mutter
der Gemahlin Alfons' VII.
von Kastilien),
was dem Chronisten offenbar nicht geläufig ist. Siehe auch Anm.
221.].
b. Die Töchter Markgraf Leopolds III. (†
1136)
Über die Heiratsverbindungen der
Töchter Markgraf Leopolds III. gibt das
"Chronicon pii
marchionis' knapp aber umfassend Auskunft. Unvollständig sind
hingegen die Angaben Rahewins
und der 'Genealogia marchionum Austriae'.
Bertha, die älteste
der Markgrafen-Töchter,
wurde die Gemahlin des Regensburger
Burggrafen Heinrich III. [222 Siehe
auch Bernhardi, Konrad III. 1, 307; Lechner, Babenberger 139;
Röhrig, Leopold III. 72f.]. Dieser wiederum war ein Sohn Burggraf Ottos I. († wohl 1143),
der das Stift Walderbach
in ein Zisterzienser-Kloster umgewandelt hatte [223
Vgl.
Alberich Martin Altermatt: Walderbach (Walderbaum),
in: LThK 10 (2001) 955. - Schmid, Burggrafschaft Regensburg 16f.,
nimmt an, daß die Neugründung Walderbachs eine
territorialpolitische Reaktion auf die Gründung des diepoldingischen Hausklosters
Reichenbach gewesen sei.], und
der Adelheid von Plötzkau
[224 Vgl.
Mayer, Burggrafen 29. Zu Burggraf
Otto I. siehe
auch Tyroller, Genealogie, Taf.11, No.9,166.]. Nach dem Tod Ottos
I.
teilten sich seine Söhne in das Erbe [225
Vgl.
Mayer, Burggrafen 30f.; Schmid, Burggrafschaft Regensburg 10; Wilhelm
Störmer: Babonen, in: LMA 1 (1980) 1322f.];
Heinrich III. erhielt
neben der
Regensburger Burggrafschaft die
Grafenrechte im Umkreis der Stadt an der Donau sowie an der unteren
Altmühl und dazu die Vogteien
über St. Emmeram und Prüfening
[226 Als
Vogt von St. Emmeram ist Heinrich
III. mehrfach bei
Rechtsgeschäften bezeugt, die das Kloster betreffen (Trad.
Regensburg,
No. 876 und 877,423f.; No.880,426f.; No.885,430f.; No.899, 440f.;
No.903, 443f; No.906, 445f.; No.973, 491f.). Als Vogt von Prüfening taucht er
im
Traditionscodex des Klosters auf (Mon. Prifling., No. 42, MB 13, 48f.).]; Otto II.
wurde
mit Familiengütern im Bayerischen Wald, den Grafenrechten im
Gebiet des Regens sowie der Vogtei
über das Kloster Prüll ausgestattet, welchen
Besitzkomplex er unter dem Titel
eines
Landgrafen von Stefling regierte [227
In einer
Urkunde Bischof Heinrichs von
Regensburg von 1143
werden beide Brüder mit ihren jeweiligen Titeln genannt (vgl. Mon.
Prul., No.5, MB 15, 162f.): Otto lantgravius, frater supradicti
Henrici Praefecti.]. Daß die babenbergische
Markgrafen-Tochter ihrem Gemahl Heinrich
III. den Markt
Ybbs sowie Burg Persenbeug
zugebracht haben soll, wie man einer Nachricht des 'Landbuches von
Österreich und Steier' zufolge glauben könnte [228
Vgl.
Landbuch von Österreich und Steier, MGH DC 3/2,
717: Der marchgrave Liupolt von
Osterrich gab zu einer siner
tohter den marcht ze Ibs unt Persenpiuge unt alles daz aigen
daz dar
zu geboret, liut unt gut, diu starb an erben, unt geviel daz aeigen
wider an daz lant.], ist
unwahrscheinlich [229 Vgl.
Lechner, Babenberger 139 und 349, Anm. 90. Siehe auch BUB 4/1, No.691,
88f.].
Aus den Zeugenlisten der Herrscher-Urkunden geht hervor, daß Heinrich III. zwischen 1141
und 1174
zwar verschiedentlich den Königs- bzw. Kaiserhof besuchte,
allerdings nur, wenn dieser sich in Regensburg oder der näheren
Umgebung aufhielt [230 Vgl. DD K.III. 61 ([Juni/Juli] 1141, Regensburg), 79
([Mai]
1142, Nürnberg), 82 und 83 ([Dez.] 1142, Regensburg), 154 (Juli
1146, Bistum
Regensburg); DD F.I. 14 ([Juni/Juli] 1152, Regensburg), 70 (Februar
1154,
Bamberg), 173 und 174 (Juli 1157, Bamberg), 202 ([Jan.] 1158,
Regensburg), 509
(April 1166, Regensburg). Ob es sich bei dem zum 6. Juli 1174 in einer
in Regensburg ausgestellten Herrscherurkunde bezeugten Heinricus
Ratisponensis prefectus um Heinrich
III. oder bereits um seinen
Sohn
Heinrich IV. handelt, kann nicht sicher
entschieden werden
(vgl. 1)
F.I. 623).]. Nur einmal, im
Februar 1157, nahm
er den Weg bis nach Ulm auf sich, um am Hoftag BARBAROSSAS
teilzunehmen, und auch dies wohl nur, weil hier Belange des Klosters
St. Emmeram verhandelt wurden [231 Vgl. DF. I. 158.].
Offenbar hatte Burggraf Heinrich kein
allzu
großes Interesse an den Aufstiegschancen, die sich womöglich
aus seinem Verwandtschaftsverhältnis zu der regierenden
Herrscher-Familie ergeben konnten, war doch seine Gemahlin Bertha eine Halb-Schwester KONRADS III. und Tante FRIEDRICH
BARBAROSSAS. Als letzterer den Thron bestieg, scheint Bertha allerdings auch schon
nicht
mehr gelebt zu haben.
Sie starb wohl um 1150 [232
Vgl.
Mayer, Regesten, No 98; Ders., Burggrafen 35;
Tyroller, Genealogie, Tafel, No.12, 168. Die Klosterneuburger
Nekrologüberlieferung verzeichnet den Tod der Berhta filia Liutpoldi
marchionis Austrie zum 9.
April (Necr. Claustroneob., MGH Necr.5,25).] und hinterließ ihrem Gemahl die
beiden Söhne Friedrich und
Heinrich IV. sowie die
Tochter Adelheid, die später Äbtissin von
Obermünster in Regensburg wurde
[233
Vgl. Notae gen. Bav., MGH SS 24, 76. Zu den jeweiligen
Personen vgl. Tyroller, Genealogie, Tafel 11, No.74, 15 und 17.]. Nach dem Tod seiner
babenbergischen
Gemahlin ging Burggraf
Heinrich eine zweite Verbindung mit einer
namentlich
unbekannten Dame aus der Familie der
Grafen von Öttingen
ein [234 Notae gen. Bav., MGH SS 24, 76]. Er
selbst ist letztmals zu 1174 bezeugt [235 Vgl. Trad. Regensburg, No.906, 445f.]
und starb offenbar vor Anfang 1177 [236 Vgl. Mayer, Burggrafen 34f., dessen Datierung sich
darauf stützt, daß zu Anfang 1177 Herzog Heinrich Jasomirgott und
nach ihm
sein gleichnamiger Sohn als
Vögte des Klosters St. Emmeram bezeugt
sind; vgl. Trad. Regensburg, No. 910, 448f. (1177); No. 925, 457f.
(wohl
1179); No. 928, 460 (1179); No. 937, 468f. (1180); No. 939, 470 (1180).].