SCHWEINFURT, GRAFEN VON
 

EURPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND I. 1 Tafel 88
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 1641
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Schweinfurt Grafen von
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Die Adelsfamilie, zur Unterscheidung von den wohl verwandten 'älteren BABENBERGER' auch als 'jüngere BABENBERGER' bezeichnet, verfügte über ausgedehnte Eigengüter im gesamten Maingebiet mit dem Zentrum Schweinfurt. Sie ging aus der Babenberger Fehde 903-906 zwischen KONRADINERN und BABENBERGERNzunächst als Verlierer hervor, erlebte aber dennoch nach dem gescheiterten Königtum KONRADS I. einen steilen Aufstieg.
Erstes namhaftes Mitglied wurde Berthold (
980), der zum Kreis der Vertrauten um Kaiser OTTO I. gehörte. Von diesem erhielt er nach der Absetzung der LUITPOLDINGER im Herzogtum Bayern 938 die Grafschaften auf dem bayerischen Nordgau und im fränkischen Radenzgau 960; dazu kam 976 der Volkfeldgau. Bertholds Stellung als mächtiger Großer im Raum zwischen Donau und Main bringt mehrfach für ihn belegte Titel 'marchiocomes' zum Ausdruck. Wichtigste Herrschaftspunkte des auf der Grundlage von bedeutenden Alloden, besonders Königsnähe und mehreren Grafschaften aufsteigenden Geschlechtes waren die Burgen Ammerthal, Creußen und Kronach. Auf seinem Höhepunkt wurde es vom Sohn Bertholds, Heinrich von Schweinfurt (980-1017), geführt, der wegen Auseinandersetzungen mit dem Bischof von Würzburg von Kaiser OTTO III. vorübergehend geächtet wurde. Bei der Königserhebung von 1002 unterstützte er den Bayern-Herzog Heinrich IV., der ihm dafür die Nachfolge im Herzogtum in Aussicht stellte, sein Versprechen nach der Wahl aber nicht einlöste. Heinrich von Schweinfurt erhob sich im Bündnis mit Herzog Boleslaw Chrobry von Polen gegen den König, der die Gegner im Sommerfeldzug 1003 niederwarf. HEINRICH II. zerstörte die Hauptburgen des SCHWEINFURTERS, entzog ihm alle Reichslehen und die Grafschaften. Dadurch schuf er die Voraussetzung für die Errichtung des Bistums Bamberg (1007). Nach der Aussöhnung 1004 restituierte der König die SCHWEINFURTER Grafen nur mehr in den Eigengütern, wodurch ihre Machtposition entscheidend beschnitten wurde. Dennoch bemühte sich das Geschlecht in der Folge wieder um verstärkte Königsnähe; Heinrichs Sohn Otto führte das königliche Heer im unglücklich verlaufenden Böhmenzug von 1040 an. Als Gegenleistung erhielt er 1048 das Herzogtum Schwaben, das er bis zu seinem Tod 1057 verwaltete. Mit ihm starb das Geschlecht in männlicher Linie aus. Die (Mark-)Grafen von Schweinfurt waren im 10. und während der 1. Hälfte des 11. Jh. das mächtigste Adelsgeschlecht im nordbayerischen Raum und haben einen entscheidenden Beitrag zu dessen kolonisatorischen Erschließung geleistet, wozu sie im Obermaingebiet zahlreiche Slaven einsetzten.

Literatur:
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R. Enders, Die Rolle der Gf.en v. S. in der Besiedlung Nordostbayerns, JbffL 32, 1972 - H. Maurer, Der Herzog von Schwaben, 1978, 30 passim.


Trillmich Werner: Seite 89
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Gestützt auf gräfliche Rechte, namentlich in Werngau, Volkfeld und Radenzgau schuf sich ein anderer Zweig des Hauses aus Allodien, Lehen und Ämtern einen weithin geschlossenen Herrschaftsraum an Obermain, Regnitz und unterer Aisch. Die Abstammung dieser "jüngeren BABENBERGER" ist nicht zweifelsfrei erweisbar. Durch Heirat dürften sie mit den bayerischen LIUTPOLDINGERN verwandt sein. Ihre Hauptburg war Schweinfurt, wo sie sich als Grablege ein Kloster errichteten. Während ihnen flussabwärts um Würzburg und Ochsenfurt nur Streugüter gehörten, besaßen sie Grundherrschaften um Bamberg und Höchstadt, dazu im Grabfeld den waldreichen Banzgau. Östlich davon, im Jura, bis ans Fichtelgebirge und zur Wasserscheide gegen die Naab, kam es während des 10. Jahrhunderts zu Rodungstätigkeit, so dass sich die Zahl der Schweinfurter Höfe, Hörigen, Zinsbauern und Ministerialen erheblich vergrößerte. Weitere Grundherrschaften entstanden im Schutze der Burgen Kronach und Creußen. Außer der Straße nach Ost-Thüringen beherrschte das mächtige Geschlecht auch den Weg nach Böhmen. Um 945 erhielt Berthold ( 980) Grafenrechte im bayerischen Nordgau bis an Donau und Böhmerwald, dazu militärische Funktionen als Markgraf an Naab und Regen. Sein Bruder oder Neffe Liutpold ( 994) wurde Markgraf des unteren Donaugaus um Straubing und Burggraf von Regensburg. Noch war der forstenreiche Nordgau weithin unbewohnt. Deshalb überließ der König den SCHWEINFURTERN zur Festigung ihrer Stellung an strategisch wichtigen Punkten wertvolle Allodien. Ihre Kolonisation begann rechts der Pegnitz, an der Hersbrucker Furt, um Lauterhofen, Ammerthal und Hohenburg an den Straßen nach Regensburg, wo sie als landtagspflichtige bayerische Herren einen eigenen Hof erwarben. Gegen Böhmen sicherten Ortschaften und Ministerialengüter die von Cham und Nabburg nach Taus führende Straße. Bei so stattlichen Erfolgen brauchte es Berthold nicht zu bekümmern, dass 973 der LIUDOLFINGER Heinrich von Bayern mit dem Bamberger Reichsgutbezirk ausgestattet wurde, zumal Liutpold 976 zum Markgrafen an der Donau aufstieg. Das verschaffte den SCHWEINFURTERN nochmals ein ausbaufähiges Amt, dessen Zubehör sich durch Rodungstätigkeit im Grenzraum gegen Ungarn beträchtlich erweitern ließ. Um das machtpolitische Gleichgewicht aufrechterhalten zu können, sah sich das Reichsregiment jedoch gegen Ende des Jahrhunderts dazu veranlasst, Heinrich (980-1017), dem Sohne Bertholds, durch verstärkte Förderung der Reichskirche Einhalt zu gebieten. In der Auseinandersetzung mit ihm hat 994 ein Würzburger Vasall den Markgrafen Liutpold erschlagen. Auch mit Bayern kam es zu blutigen Fehden. Als dessen Herzog Heinrich 1002 nach der Krone griff, stellte er dem fränkischen Großgrafen für seinen Beistand die Überlassung der frei werdenden Herzogswürde in Aussicht. Aber durch die Beherrschung des gesamten Südostens samt der nach Italien führenden Brennerstraße hätten die BABENBERGER eine für die Krone bedenkliche Machtstellung erlangt. Kein Wunder, dass der Wortbruch des LIUDOLFINGERS den Aufstand des geprellten SCHWEINFURTERS im Bunde mit Böhmen und Polen zur Folge hatte. Er unterlag. Seine Burgen wurden gebrochen, Lehen und Reichsämter konfisziert, der Nordgau in Teilgrafschaften zerlegt. Nur die Allodien blieben ungeschmälert erhalten. Jedoch erstanden zerstörte Burgen bald neu, selbst um Cham, Nabburg und Ammerthal konnte die Siedlungstätigkeit fortgesetzt werden.