SCHWEINFURT
Lexikon des Mittelalters:
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Schweinfurt
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I. Stadt:
Die Stadt Sschweinfurt in Unter-Franken (Bayern) nördlich des Main
entwickelte sich nahe einem Altstraßenkreuz (Frankfurt-Bamberg,
Würzburg-Grabfeld, 791 Namensbeleg). Unterhalb eines Sitzes (1003
castellum) der Grafen von Schweinfurt auf dem Peterstirnberg entstand
im 10. (?) Jh. ein gräfliches suburbium mit Kilianskirche. Am
Herrschaftssitz wurde Anfang des 11. Jh. ein bald zum Kl. OSB
umgewidmetes Nonnenkloster gestiftet. Mit dem Kloster kam die
(später Altstadt genannte) Siedlung über das Hochstift
Eichstätt 1263 an den Deutschen Orden (Burgausbau), wurde 1437 von
der (Neu-) Stadt Schweinfurt käuflich erworben (Niederlage der
Burg, Wüstfallen der Altstadt im 16. Jh.) und bildete die
Basis des nun entstehenden städtisches Territoriums. Westlich des
suburbiums entstand im Zuge staufischer
Reichslandpolitik im späten 12. Jh. die Neustadt Schweinfurt
(Bau von St. Johann ab Ende 12. Jh., Abschluß der
Stadtwerdung um 1200/20). Sie wurde 1230 oppidum genannt, 1234 von Heinrich (VII.) unter die civitates nostras gezählt,
zugleich aber würzburgisch-hennebergische
Konkurrenz um die Stadtherrschaft überlassen, was 1242/43
zur ersten Zerstörung führte. Ein Wiederaufbau (mit erstem
Steinbering) mag um 1282 abgeschlossen sein (Privilegierung durch RUDOLF I.);
vermutl. erfolgte auch seit 1282 die Führung des zu 1309
erstbelegten Siegels. Durch Privilegierungen KARLS IV. und
WENZELS ab
1361 gingen die königlichen Stadtherrnrechte an Burggraf und Rat
über, vor allem 1362 das Wahlrecht für die Reichsvogtstelle.
Städtische, ab 1308 mehrfach weiterverliehene Rechte sind bereits
vor 1234 anzusetzen, auf deren Grundlage sich im 14. Jh. eine
Schweinfurter Stadtrechtsfamilie ausprägte. Nach dem Erwerb der
Besitzungen des Deutschen Ordens erfolgte eine Erweiterung auf gut 36
ha innerhalb des Steinberings mit wohl ca. 2500 Einw. um 1500; im
16. Jh. verzeichnete das handwerklich geprägte, nur auf
Umlaufhandel (kein Exportgewerbe, Juden 13.-15. Jh. belegt)
ausgerichtete Schweinfurt einen erheblichen Bevölkerungszuwachs.
Vor 1299 hatte sich aus einem Schöffenkolleg ein 12er-Rat
entwickelt, der bis 1513 zum dreischichtigen Rat geformt wurde. Die
Reichsstadt nahm 1542 die reformierte Lehre an, 1554 wurde sie im
zweiten Markgrafenkrieg völlig zerstört.
F.B. Fahlbusch