Thietmar von Merseburg: Seite 228,230
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"Chronik."


Kapitel 21
 
Als darnach der König an einen Ort, Namens Hatheresburgdi kam, raubte Magan, ein Ritter des Markgrafen, mit seinen Knappen ihm seinen ganzen Schatz, der vor ihm hergeführt wurde; diesen theilten sie dann unter einander und kehrten frohlockend nach Amardela zurück. Der König aber setzte ihnen nach, belagerte sie und brachte sie, indem er die Sturmwerkzeuge in Bereitschaft setzen ließ, durch treue Vermittler dahin, gegen Uebergabe der Stadt und der Beute nur ihr Leben auszubedingen. Darauf zerstörte er die Burg von Grund aus, vertheilte die Menge der gefangenen Polen unter die Seinen, und begab sich nach der Burg Crusni [129 am Roten Main südlich Bayreuth.] hin, wo ein Bruder des Grafen Heinrich, Namens Bucco [130 vielleicht Burggraf von Regensburg.], dessen Gemahlin Gerberge sammt ihren Kindern bewachen sollte. Das rings im Kreise herumlagernde königliche Heer griff darauf der Graf Heinrich mit den Seinen an, jedoch nur an der äußersten Seite, und verwundete einige Königliche; auch erschlug er andere, die sorglos Pferdefutter sammelten. Der König suchte nun sogleich sorgfältig weiteres Unheil zu verhüten, indem er 400 Krieger ausstellte. Er zwang den Feind, sich in den verborgensten Theil eines Thales zurückzuziehen. Die Stelle aber, an der der Feind dort lagerte, wurde den königlichen Wachtposten durch die schwatzhafte Zunge eines Bauern verrathen. Die Königlichen zogen nun in der Hitze des Mittags auf versteckten Pfaden heimlich heran, und erhoben, so wie sie des Lagers ansichtig wurden, die Ihrigen zusammenrufend, mit lauter Stimme das Kyrie eleison; die Feinde aber flohen, alles zurück lassend. Gefangen ward indeß nur Ernast. Darob größtentheils mißgestimmt heimkehrend, verbreiteten die Königlichen doch unter ihren Waffengefährten große Freude. Den vor den König geführten Gefangenen aber ward von den Richtern das Todesurtheil gesprochen, welches jedoch auf dringende Verwendung des Erzbischof Willigis von Mainz nach des Königs Verfügung in eine Geldbuße umgewandelt wurde. Graf Bucco aber ward, als er von der Flucht seines Lehnsherrn und Bruders Kunde bekam, schmerzlich ergriffen, und berieth sich mit seinen Gefährten, was er nun zu thun habe. Von diesen bekam er verschiedene Antworten. Einige sagten, wegen der ihrem Herrn gelobten Treue und der ihnen sonst zeitlebens vorzuwerfenden Feigheit wollten sie lieber sterben, als jemals die Burg mit solchen Unterpfändern dem Könige überliefern, und da ja auch noch ihr Herr am Leben war, so hofften sie noch immer auf Entsatz. Andere aber, die umsichtiger waren, erklärten, reißendem Wasser und einem mächtigen Manne sei schwer zu widerstehen, Besiegte erhielten selten oder nie Verzeihung, und behaupteten, sie würden jetzt, wo sie noch von keiner Wunde beschwert und unversehrt seien, vom Könige die Erlaubniß erwirken, sammt ihrer Herrin und aller Habe und Mannschaft frei abzuziehen. Diesem letzteren Rathe gemäß sprach Bucco, der Befehlshaber der Burg, mit Otto, dem Bruder seiner Gebieterin, und übergab mit dessen Bewilligung die Burg in die Gewalt des Königs; er selbst zog mit allen ihm anvertrauten ungefährdet ab. Sofort befahl der König, die Burg von Grund aus zu vertilgen;
weil aber die Vollstrecker dieses Auftrags derselben schonten, so wurde sie sammt den Gebäuden zum großen Theile erhalten.