MAILBERG
 

Am 12. Mai 1082 schlug Herzog Wratislaw von Böhmen bei Mailberg die Österreicher unter Markgraf Leopold II. vernichtend.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 125
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Mailberg, Schlacht von (12. Mai 1082)
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Nachdem Herzog Vratislav II. von Böhmen infolge des Abfalls des BABENBERGERS Leopold II. die Mark Österreich von HEINRICH IV. verliehen worden war, fiel derselbe unter dem Vorwand von Grenzverletzungen in das Gebiet südlich der Thaya ein. Mit einem von Böhmen und Mährern gestellten, durch ein Kontingent Bischof Ottos von Regensburg verstärktes Heer gelang es ihm, den von HEINRICH IV. abgesetzten BABENBERGER in der Ebene zwischen Obritz und Mailberg vernichtend zu schlagen. Trotz dieser Niederlage und der sich anschließenden Plünderung des Landes bis zur Donau vermochte sich Leopold II. jedoch in der Ostmark zu behaupten.

Quellen und Literatur:
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JDG H IV. und H.V., Bd. 3, 1900, 465-467 - K. Lechner, Die Babenberger, 1976, 113 - L. Auer, Die Schlacht bei M. am 12. Mai 1082 (militärhist. Schr.reihe 31, 1984) [Lit.] - Hist. Stätten Österr. I., 1985, 398f. - H. Dienst, Gesch. (Nieder-)Österreichs 976-1141 (Gesch. Österreichs, hg. v. der Österr. AW, IV, 1991).


Auer Leopold:
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"Die Schlacht bei Mailberg am 12. Mai 1082"

Mit seinem aus Baiern, Böhmen und Mährern gebildeten Heer fiel Herzog Wratislaw II. im Frühjahr 1082, vermutlich auf der Thayatalstraße oder dem Rittsteig kommend, in Österreich ein. Wo die Vereinigung der einzelnen Heeresteile stattgefunden hat, lässt sich den Quellen leider nicht entnehmen; da sie praktisch aus drei verschiedenen Himmelsrichtungen kamen, wird man aber schon ein gewisses planvolles räumliches Zusammenwirken über größere Entfernungen voraussetzen können.
Nach der für jene Zeit typischen Art der Kriegsführung, der es hauptsächlich auf den Gewinn von Beute und auf die materielle Schädigung des Gegners ankam, richtete Wratislaw den Hauptstoß seines Angriffs wahrscheinlich in erster Linie gegen die Besitzungen des Markgrafen in der ehemaligen Böhmischen Mark, die er mit Feuer und Schwert verwüstete. Da andererseits gerade diese Gebiete seit der Zeit HEINRICHS III. gleichsam nach Art einer Militärgrenze organisiert waren, wurde damit gleichzeitig auch das Verteidigungssystem des Gegners zerstört. Als Wratislaw sodann auf der an Mailberg vorbeiführenden Nördlichen Hochstraße weiterzog, kam ihm, vielleicht aus der Richtung des Oberleiserberges, der österreichische Markgraf mit seinem Heer entgegen, um ihn an einem weiteren Vordringen zu hindern. Beide Heere trafen vermutlich in dem ebenen und daher für einen Reiterkampf wie geschaffenen Gelände zwischen Obritz und Mailberg aufeinander, wo eine noch heute im Volksmund als Schlagstatt bezeichnete Ried mit der Schlacht in Verbindung gebracht.
Nach Cosmas ist es auch zu einer Ankündigung des Kampfes durch Wratislaw gekommen. Über die Zusammensetzung von Leopolds Heer sind wir nur sehr ungenau unterrichtet. Sein eigenes militärisches Potential wird wahrscheinlich nicht allzu groß gewesen sein. Allerdings wurde er von den mächtigen FORMBACHERN, vielleicht auch von den HADERICHEN unterstützt, deren Besitzungen gleichfalls im Kampfgebiet lagen und die daher auch persönlich von den Verwüstungen durch Wratislaw betroffen waren. Beide standen überdies zu den BABENBERGERN in einem nicht völlig geklärten Verwandtschaftsverhältnis.
Aus einer nekrologischen Notiz wissen wir auch von einer Beteiligung der Vasallen oder Ministerialen des Stifts St. Florian. Da dieses Stift wie Kremsmünster und St. Pölten zu den Passauer Eigenklöstern gehörte, haben wir darin wohl einen Hinweis auf die militärische Unterstützung zu sehen, die Bischof Altmann von Passau dem Markgrafen zuteil werden ließ. Diese Unterstützung war von umso größerer Bedeutung, als die Vasallen und Hintersassen der Passauer Besitzungen in Österreich seit der Zeit OTTOS III. von allen Leistungen und Verpflichtungen gegenüber dem Markgrafen befreit waren.
Zusätzlich scheint Leopold II. auch ein Aufgebot an Teile der bäuerlichen Bevölkerung des Markengebiets erlassen zu haben, wie es in der Form der Landfolgen bei feindlichen Invasionen möglich war. Damit ließe sich aber auch sehr einleuchtend die Bemerkung bei Cosmas erklären, der österreichische Markgraf habe alle, vom Sau- bis zum Rinderhirten, mit Eisen jeder Art, vom Pfriemen bis zum Sporn, bewaffnet, zum Kampf aufgerufen. Ungeachtet der Tendenz der Chronica Boemorum, den Gegner herabzusetzen, würde sie damit doch auch einen wirklichen Sachverhalt widerspiegeln und durch die dabei zum Ausdruck kommende minderwertige Bewaffnung zumindest eines Teils von Leopolds Heer auch eine mögliche Erklärung für die schließliche Niederlage liefern.
Bei der Hauptmasse des Heeres handelte es sich freilich auf beiden Seiten mit Sicherheit um Reiterkrieger, die dem Adel oder der Ministerialität angehörten. Reiterdienst und Adel gehörten schon herkunftsmäßig zusammen, seit die Strategie des Reiterkampfes ihrerseits adelsbildend gewirkt hatte. Dass auch die Schlacht bei Mailberg im wesentlichen ein Reiterkampf gewesen ist, ergibt sich aus der dafür typischen Schilderung des Kampfverlaufs und der Wahl einer weiten Ebene, die die Entfaltung der Reiterei ermöglichen sollte. Auch die Anwesenheit der vom Bischof von Regensburg angeworbenen Söldner, die schon allein auf Grund ihrer schweren Bewaffnung beritten gewesen sein müssen, fügt sich in dieses Gesamtbild gut ein.
Über die zahlenmäßige Stärke der Heere auf beiden Seiten gewähren die zeitgenössischen Quellen keinen Aufschluss. Erst das tschechische Geschichtswerk Wenzel Hajeks von Libotschan und seine lateinische Bearbeitung durch den Olmützer Bischof Jan Dubravius, die beide im 16. Jahrhundert lebten, geben die Zahl der Böhmen mit 6.000, die der Regensburger Söldner mit 2.000 an. Ein Jahrhundert später weiß Thomas Pesina von Cechorod in seinem Mars Moravius, dass im gleich starken Heer Leopolds II. angeblich 3.000 Mann zu Fuß und 500 zu Pferd gekämpft hätten.
Nach der Darstellung bei Cosmas hatte Landgraf Leopold seine Truppen in Keilform geordnet, während Wratislaw eine Parallelaufstellung gewählt haben soll: die Mährer am linken Flügel, die Böhmen in der Mitte, die schwergepanzerten Baiern am rechten Flügel. Ob diese Schilderung ein tatsächliches taktisches Konzept widerspiegelt oder lediglich typische Elemente einer Schlachtenhistoriographie verwendet, lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. Wilhelm Erben hat immerhin sowohl für den Einsatz in Keilform wie für die Verwendung eines verstärkten rechten Flügels Beispiele aus dem Mittelalter erbracht. Eine Parallele zur Aufstellung Wratislaws zeigt vor allem die Schlacht von Tenchebrai am 20. September 1106 zwischen Herzog Robert von der Normandie und seinem Bruder Heinrich I. von England. Der englische König ließ dabei nicht nur wie Wratislaw die Ritter im Zentrum seiner Schlachtordnung absitzen, sondern postierte auch ein schwerbewaffnetes feudales Reiteraufgebot, das gleichfalls von Söldnern unterstützt wurde, auf dem rechten Flügel.
Der Beginn der Schlacht wurde auf beiden Seiten durch Hornsignale angekündigt. Den Kampf eröffneten beide Seiten nach der Vita Altmanni zuerst cum telis et pilis, ehe sie schließlich mit dem Schwert aufeinander losschlugen. Dabei darf man nicht, wie es in der älteren Literatur gelegentlich geschieht, an einen Pfeilhagel der Bogenschützen denken, weil die ersten gesicherten Belege für deren Auftreten in unserer Gegend mehr als ein Jahrhundert später einsetzen; vielmehr wird man hier eine Unterscheidung zwischen Wurf- und Stoßspeer annehmen müssen. Wenn man diese Schilderung zur Behauptung bei Cosmas setzt, Herzog Wratislaw habe seine Reiter absitzen und zu Fuß weiterkämpfen lassen, ergibt sich daraus das typische Bild eines Reiterkampfes, der mit dem Speer oder der Lanze begonnen und dann zu Fuß mit dem Schwert fortgesetzt wird, weil der Schwertkampf zu Pferd als unritterlich galt. Freilich wäre auch die Erklärung denkbar, dass eben auch den Böhmen Fußvolk, etwa in der Form des vorhin erwähnten bäuerlichen Aufgebots, gegenüberstand. Im übrigen ist gerade diese Stelle bei Cosmas durch ihre Anlehnung an die Chronik Reginos von Prüm auch vom Text her in ihrer Zuverlässigkeit in Frage gestellt.
Beide Darstellungen, auch die österreichische, stimmen darin überein, dass Herzog Wratislaw und seine Verbündeten einen vollständigen Sieg errungen haben. Über die Verluste gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die Vita Altmanni hält sie auf beiden Seiten für bedeutend, Cosmas zählt unter den Gefallenen auf böhmischer Seite lediglich vier mit Namen auf und spricht im übrigen von nur geringen Verlusten. Über das österreichische Heer brach hingegen eine jener für das Mittelalter nicht seltenen Katastrophen herein, die offenbar unvermeidlich waren, sobald einmal eine allgemeine Flucht eingesetzt hatte. Was nicht erschlagen wurde, fiel den Böhmen als Gefangene in die Hände - ein Umstand, der wegen der sich daraus ableitenden Lösegeldforderungen zusammen mit der übrigen, auch in der Vita Altmanni hervorgehobenen Beute einen wesentlichen materiellen Gewinn für den Sieger bedeutete. Nur ganz wenigen, unter ihnen dem Markgrafen, gelang die rettende Flucht; die spätere Überlieferung hat daraus die Sage von den sieben Premingern entstehen lassen. Unter den Toten werden auf österreichischer Seite die Milites des Stiftes St. Florian und des Grafen Udalrich von Formbach-Ratelnberg ausdrücklich genannt. 1899 wurden übrigens bei Bauarbeiten in Mailberg zahlreiche Menschen- und Pferdeknochen gefunden, die man mit dem Ereignis in Zusammenhang bringen wollte.
Als Folge der verlorenen Schlacht kam es zu einer Verwüstung der nördlichen Gebiete Niederösterreichs und zum Ausbruch einer Hungersnot, die die vom Kampfgeschehen betroffene Bevölkerung noch weiter dezimierte. Mit eindringlichen Worten schildert der Verfasser der Vita Altmanni die durch den Krieg verursachte Not, die der Bischof durch die Verteilung von Nahrungsmitteln zu mildern suchte. Auch die Grenze Mährens wurde bis zu dem Waldrücken, an dessen Abhang Mailberg lag, vorgeschoben, womit die PREMYSLIDEN kurzfristig jenes Gebiet zurückerlangten, das sie unter Bretislaw I. 1041 verloren hatten. Die Herrschaft Leopolds II. war anscheinend nicht in Gefahr, und von einem Anspruch Wratislaws auf die ihm von HEINRICH IV. übertragene Mark ist später nie mehr die Rede. Nach dem Tod Leopolds II. kam es im Jahr 1100 in Znaim schließlich sogar zu einer Hochzeit zwischen seiner Tochter Gerbirg und dem zweiten Sohn Wratislaws, Boriwoj II. Damit wurde unter die Ereignisse von Mailberg ein Schlussstrich gezogen, sodass, auf lange Sicht gesehen, die Folgen der Schlacht nicht sehr nachhaltig gewesen sind.