Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite
1520-1523
********************
Österreich
-------------
I. VÖLKERWANDERUNG UND KAROLINGER-ZEIT
In der Spätantike gehörte dieser
Raum zu den
Provinzen Noricum ripense und Pannonia prima. Dazu kam das von den
Germanen
punktuell besiedelte Wald- und Hügelland im Norden der Donau.
Vorort
Ufernoricums war Ovilava (Wels), das im 5. Jh. von Lauriacum (Lorch)
abgelöst
wurde. Der bedeutendste Ort an der westpannonischen Donau war
Carnuntum.
Seit dem 5. Jh. war das Donauland der Willkür wandernder
Stämme
ausgeliefert. Nach 454 setzten sich nördlich der Donau die
ostgermanischen
Rugier fest (Zentrum: Krems-Stein), die ihre Herrschaft nach Westen bis
über den Strengberg ausbreiteten. Aus dieser Zeit ist das Wirken
des
Mönchs Severinus
überliefert, dessen Einfluss bis über Iuvavum
(Salzburg) hinaus reichte. 488 wurden die Rugier von den Herulern
verdrängt,
die ihrerseits 508 den Langobarden weichen mussten. Diese rückten
bis ins Tullner Feld und in die Gegend um Wien vor. Ihnen folgten nach
568 die Avaren, mit denen die Slaven ins Ostalpenland einsickerten, wo
sie auf die Bayern trafen. Der Antagonismus dieser Völker sollte
im
7. und 8. Jh. den norischen Donauraum entscheidend prägen. Obwohl
die Bayern um 660 den Wienerwald erreicht haben dürften, bildete
sich
der Ennsfluss als Grenze der Interessensphären heraus. Das im
Ostalpenraum
entstandene Karantanenreich berührte von Süden her
"österreichisches"
Gebiet. Verbindungen zu der nördlich des Semmerings bestehenden
sogenannten
Köttlacher Kultur sind anzunehmen. Die bayerische Siedlung
erfolgte
entlang der Römerstraßen, vor allem westlich der Traun. Agilolfingische Herzogshöfe befanden
sich in Ranshofen,
Ostermiething, Mattighofen, Alkoven, vielleicht auch in Lorch und
Attersee.
Zwischen Enns und Wierwald ist mit einer Pufferzone zu den Avaren zu
rechnen.
Slaven siedelten vorwiegend in diesem bereich, aber auch westlich der
Enns
im Kremstal und im Windischgarstener Becken.
Über die kirchliche Entwicklung jener Zeit
ist wenig
bekannt. Christliche Kultkontinuität kann in Lorch und am
Georgenberg
(Kremstal) angenommen werden, während das Bistum Lorch die
Völkerwanderung
nicht überdauert hat. Neue Anstöße kamen im 8. Jh.
durch
die agilolfingischen
Klostergründungen
(Mondsee 748, Kremsmünster 777).
Die Beseitigung der agilolfingischen
Herrschaft und die Zerstörung des Avaren-Reiches durch die KAROLINGER
führten
zu einer Neuorganisation des Gebiets. Das bayerische Ostland wurde von
der Verwaltung des Herzogtums getrennt, das eroberte Gebiet in eine
Mark
zwischen Enns und Wienerwald und in eine Mark Ober-Pannonien (Prov.
Avarorum,
Hunia, Sclavinia) geteilt. Nordöstlich davon etablierte sich ein
kleines
slavisches Fürstentum am unteren Kamp. Die fränkische
Grafschaftsverfassung
scheint im Ostland nicht durchgedrungen zu sein. Genannt wird nur der
Grunzwitigau
(östlich des Dunkelsteiner Waldes), den man als Kerngebiet einer
politischen
Raumgestaltung ansehen kann. Die Kolonisation, die auch Gebiete
östlich
des Wienerwaldes betraf, wurde vielfach von Klöstern getragen
(Kremsmünster,
Mettem, Moosbach, Herrieden, Niederaltaich). Kirchlich gehörte der
Donauraum bis zur Diözese Passau, das südliche
Niederösterreich
zur Diözese Passau. Seit 856 war die marchia orientalis direkt KAROLINGERN
unterstellt (Karlmann, ARNULF) und
wurde in deren Auseinandersetzung mit dem Großmährischen
Reich
und den Grenzgrafen verwickelt. Seit 881 beunruhigten die Ungarn das
Ostland;
907 kam es durch die Niederlage der Bayern bei Preßburg zum
Zusammenbruch
der Markenorganisation. Das Gebiet östlich der Enns musste
aufgegeben
werden, ein Grenzgraf unter ungarischer Oberhoheit dürfte
weitergewirkt
haben. Die Ungarn haben sich in Österreich nirgends in
größerem
Umfang niedergelassen und jenseits ihrer militärischen
Präsenz
kaum Einfluss ausgeübt.
II. ZEIT DER BABENBERGER
Nach der Niederlage auf dem Lechfeld 955
räumten
die Ungarn das Land bis zum Wienerwald. 970 wird ein Markgraf Burchard
genannt. Die ottonische
Mark gliederte
sich um die Donau und war mehr den Siedlungs- und Verkehrsgegebenheiten
angepasst als die größere, in die Tiefe des Raumes angelegte
karolingische Mark. Jene verlief etwa von der Enns
über
die Voralpen und den Wienerwald bis zu den Tullnbächen;
nördlich
der Donau reichte sie geringfügig in den Nordwald (Machland,
Ispertal).
976 wurde die Mark einem Grafen Liutpold übertragen, mit
dem
die babenbergische Periode
begann. 996
wird erstmals der Name Ostarrichi für einen Teil der Mark
gebraucht
(DD O III. 232), ohne dass daraus staatsrechtliche Konsequenzen
abgeleitet
werden könnten. Im Norden und Osten war die Mark "offen"; hier war
die Erweiterung des Reichsgebiets möglich: 991 überschritt
der
Markgraf den Wienerwald, 995 wird nördlich der Donau die urbs
Krems
genannt. Um die Mitte der 11. Jh. war im Norden die Thaya erreicht,
während
sich gegen Ungarn die Leithagrenze allmählich festigte. Unter Markgraf
Ernst wurden die kleinen salischen Marken
im Vorfeld der BABENBERGER (Böhmische Mark, Neumark) mit
den
Herrschaftsgebiet vereint. Diese Erweiterung des Reichslands hatte eine
Siedlungwelle im Gefolge, die auch dem Nordwald zugute kam. Eine
hauptsächlich
von markgräflichen Ministerialen getragene Rodungsbewegung nahm
jetzt
ihren Anfang. Die Ostausweitung der Mark bedingt eine Verlagerung des
babenbergischen Zentrums von Melk nach Tulln, aber auch
nach
Gars (Thunau, wo das slavische Kleinfürstentum 1041 vernichtet
worden
war. Der Investiturstreit bedeutete für die Entwicklung des
Donaulandes
einen Einschnitt. Markgraf Leopold II. wechselte auf die Seite
der
Gregorianer, worauf ihm die Mark ab- und dem kaisertreuen Herzog Vratislav
II. von Böhmen zugesprochen wurde. Doch konnte sich
Leopold II.
trotz seiner Niederlage in der Schlacht bei Mailberg (1082) in der
Mark halten. Ansätze einer Territorialisierung Österreichs
lassen
sich unter Markgraf Leopold III. erkennen, dem sich durch
seiner
Heirat mit Agnes, Tochter HEINRICHS
IV., neue Herrschaftsmöglichkeiten eröffneten. Leopold
betrieb energisch den Ausbau der markgräflichen Stellung, wobei er
die edelfreien Geschlechter mehr und mehr ausschaltete. In der
Spätzeit
Leopolds
III. wurde für die Mark erstmals der Ausdruck 'Austria'
verwendet
("offiziell" 1147 in DD Ko. III. 173). Die Übernahme des
bayerischen
Herzogtums durch die BABENBERGER drohte Österreich zu
einem
Nebenland absinken zu lassen. Als Kaiser FRIEDRICH
I. im Zuge seiner Ausgleichspolitik Österreich 1156 zu
einem von Bayern unabhängigen Herzogtum erhob (Privilegium minus),
trug er der verfassungsgeschichtlichen Entwicklung Rechnung. Der
Traungau
gehörte weiterhin zu Bayern, die Rodungsherrschaften nördlich
der Donau in der Riedmark kamen an die BABENBERGER. Im
Waldviertel
führte die fortschreitende Rodung zu einem Konflikt mit
Böhmen,
so dass FRIEDRICH I. die Grenzen
zwischen
diesem und dem Herzogtum Österreichfestlegen
musste (1179 Hoftag in Eger). 1180 war auch die karantanische Mark von
Bayern getrennt und zum Herzogtum erhoben worden. Leopold V.
schloss
mit dem neuen Herzog Otakar IV. 1186
einen Erbvertrag ("Georgenberger Handfeste"),
der 1192 die Steiermark an Österreich brachte. Unter Leopold
VI.
wurden die Erwerbsstrategien fortgesetzt: Erbschaft, Kauf, Enteignung
vermehrten
den landesfürstlichen Besitz vor allem im Donautal, im Wald- und
Mühlviertel.
Doch wurden auch die inneren Strukturen Österreichs durch die
Privilegierung
von Städten und die Förderung von Handel und Verkehr
verbessert.
Bemühungen um die Errichtung eines Bistums in Wien scheiterten.
Die
mannigfaltigen Krisen unter Herzog Friedrich II. gipfelten in
der
Auseinandersetzung mit dem gleichnamigen Kaiser, der den Herzog
ächtete
und die beiden Herzogtümer als heimgefallen betrachtete (1236/37).
Doch änderte sich die politische Konstellation, und 1245 war der
Kaiser
bereit, Österreich zu einem
Königreich
zu erheben. Der weitgediehene Plan kam wegen des
staufisch-päpstlichen
Gegensatzes nicht zur Ausführung. Die erste Aufzeichnung des
österreichischen
Landrechts zeigte an, dass die Landwerdung zu einem Abschluss gekommen
war. Das plötzliche Ende des Herzogs 1246 ließ Österreich
und
Steiermark aufgrund ihres fortgeschrittenen territorialen Status zu
einem
begehrten Objekt fürstlicher Aspiration werden.
Am Landesausbau in babenbergischer
Zeit
beteiligten sich vor allem die Reformklöster (unter anderem
Göttweig,
Heiligenkreuz, Zwettl, Geras, Baumgartenberg). Die Neusiedler waren
überwiegend
Bayern, doch lassen die engen Verbindungen des Adels im Reich auch eine
andere Herkunft vermuten. Die slavische Bevölkerung des Donauraums
wurde bereits in karolingischer
Zeit
assimiliert, slavische Ortsnamen blieben erhalten. Am Ende des 10. Jh.
sind passauische Diözesansynoden in der Mark überliefert.
Seit
dem Investiturstreit wurde die kirchliche Organisation verbessert:
Urpfarren,
Dekanate, Archidiakons-Sprengel gliederten das Land vor allem westlich
der Ybbs. Im 12. Jh. nahm die Zahl der Klostergründungen stark zu,
so dass besonders das Gebiet zwischen Inn und Enns als dichte
Kloster-Landschaft
bezeichnet werden kann.
III. SPÄTMITTELALTER
Ottokar
II. Premysl von Böhmen und Bela
IV. von Ungarn teilten sich im Vertrag von Ofen das babenbergische
Erbe. Dabei erhielt der Böhmen-König Österreich,
vermehrt um die Grafschaften Pitten, Wiener Neustadt und den Traungau.
Damals wurde der Adel des Landes westlich der Enns
herschaftsmäßig
von der Steiermark getrennt. Bereits 1252 taucht für jenes Gebiet
der Name 'Austria superior'
auf. Nach Ottokars Tod belehnte
König
RUDOLF VON HABSBURG seine
Söhne ALBRECHT
und Rudolf "zu gesamter Hand" mit den
erledigten Reichslehen (1282).
Die Alleinherrschaft
ALBRECHTS I. (seit
1283) bedeutete einen Rückschlag für die Position des
österreichischen
Adels. Der neue Herzog bevorzugte schwäbische Gefolgsleute. In
dieser
Zeit wird die Entstehung eines selbständigen Landes ob der Enns
schrittweise
sichtbar. Dazu trug wesentlich die Ausweitung der herzoglichen
Juridiktion
auf die landesrechtlichen Sonderbezirke (Machland, Riedmark, Ischlland)
bei. In der nächsten Generation wurde der Ausdruck 'dominum
Austriae'
als
Sammelbegriff für die habsburgische
Herrschaft verwendet: die Bezeichnung für das Land wurde auf die
Dynastie
bezogen. Unter Albrecht II.
gelang den HABSBURGERN
die Erwerbung Kärntens (1335); in den 40-er Jahren häuften
sich
Naturkatastrophen und Seuchen in den habsburgischen
Ländern, deren Höhepunkt die Pest 1348/49 darstellte. Kaiser
KARL IV. verlieh dem Herzog das "Privilegium de non
evocando",
das einen weiteren Schritt in Richtung Landeshoheit in Österreich
bedeutete.
Albrechts
Sohn
Rudolf IV. lebte in
ständiger Rivalität mit den
LUXEMBURGERN und trachtete,
Österreich
den
seit der Goldenen Bulle (1356) bevorrechteten kurfürstlichen
Territorien
anzugleichen. Zu diesem Bestreben gehörte der vom Herzog
initiierte
Komplex gefälschter Königsurkunden, deren bekannteste das
sogenannte
Privilegium mauis ist. Eine folgenreiche Ausweitung der
habsburgischen
Herrschaft gelang Rudolf mit der Erwerbung Tirols
(1363). Seine
Brüder teilten 1379 diese vom Elsaß bis nach Ungarn
reichende
Ländermasse, wobei das eigentliche Österreich im Besitz der
älteren
(= albertinischen) Linie verblieb. Hier vermochte Albrecht III.,
die letzten reichsunmittelbaren Herrschaften (Schaunberg, Hardegg) in
das
Herzogtum einzugliedern. Zwischen 1395 und 1411 kam es zu
fortwährenden
Besitzteilungen und Herrschaftsregelungen, die allmählich zur
Herausbildung
von drei Länderblöcken um die Kerngebiete Österreich,
Steiermark und Tirol führten. Das 15. Jahrhundert entbehrt in Österreich
der großen historischen Linien.
ALBRECHT
V. förderte zwar die Melker Reform, machte aber von
seiner
Kirchenhoheit schrankenloser Gebrauch. 1420 ließ er Juden
vertreiben,
denen er unter anderem Verbindungen zu den Hussiten vorwarf. Diese
suchten
das Land nördlich der Donau weiderholt schwer heim. Dagegen schuf
ALBRECHT
V. (seit 1438 deutscher
König) ein Verteidigungssystem,
das die Vierteleinteilung von Nieder-Österreich
vorsah
(1478 auch in Ober-Österreich übernommen).
ALBRECHTS nachgeborener Sohn
Ladislaus
Postumus stand unter der Vormundschaft FRIEDRICHS
V. (aus der steierischen Linie), dem aber die
mächtig
gewordenen Stände entgegenarbeiteten. Diese politische Situation
prägte
die Jahre bis zu Ladislaus' frühem
Tod (1457) und mündete in die Auseinandersetzung des 1452 zum
Kaiser
gekrönten
FRIEDRICH III. mit seinem
Bruder Albrecht VI. (1451
Mailberger, 1460 Göllersdorfer Bund).
Dieser herrschte seit 1458 selbständig in Linz und belagerte 1462
den Kaiser in der Wiener Burg. In der Zeit politischer Beruhigung nach
Albrechts Tod
verwirklichte
FRIEDRICH III. den
alten Bistumsplan für Wien (1469, ebenso Wiener Neustadt). In den
70-er Jahren begann der langwierige Kampf gegen Matthias
I. Corvinus von Ungarn, der 1487 ganz Nieder-Österreich besetzte.
Erst 1490 eroberte MAXIMILIAN I. das
Land zurück und vereinte somit den gesamten habsburgischen
Besitz wieder in einer Hand. Er unternahm eine Verwaltungsreform seiner
Erblande, in denen er sogenannte Regimente einsetzte. Österreich
wurde
mit Steiermark, Kärnten und Krain zu einer Einheit
zusammengefasst.
Im Rahmen der Reichskreiseinteilung wurden alle österreichischen
Länder
zu einem Kreis vereinigt (1512)
Zum Schutze Bayerns vor den heidnischen
Ungarn waren im
900 Befestigungen und Zufluchtsstätten rings um die Ennsburg
errichtet
worden. Den ersten Stoß der Feinde hatten die Grafen im Traun-
und
Donaugau mit ihren Vasallen aufzufangen. Deutsche Gegenangriffe
wurden
erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld möglich. Dem Burggrafen
Burkhard
von Regensburg, einem Verwandten des Herzogshauses, gelang es, die
Grenze
von Pöchlarn aus an die Traisen vorzuverlegen. 976 übertrug OTTO
II. seine Ämter und Lehen dem BABENBERGER Leopold (976-994),
der die Grafschaft um Passau im unteren Donaugau innehatte und bei
Regensburg
Güter besaß. Um 985 machte er Burg Melk zum Mittelpunkt
seiner
Herrschaft. 991 erreichte ein weiterer Vorstoß die Gegend von
Wien.
1002 erhielt Markgraf Heinrich (994-1018), durch
königliche
Schenkung Grundbesitz zwischen Liesting und Triestling, Kamp und March
zu eigen. Zwischen Deutschland und Ungarn herrschte nun friedliches
Einvernehmen,
da der ARPADEN-Fürst Stephan
die
Taufe erhalten und OTTO III. ihm
durch
Erhebung zum König die Anerkennung der Christen verschafft hatte.
Während der Regierung HEINRICHS II.,
dessen Schwester Gisela seit 995 Stephans
Gemahlin
war, verbanden die Nachbarn sogar gemeinsame militärische
Interessen,
denn Polen drohte nach der Besetzung Mährens und der westlichen
Slowakei
weiter auszugreifen. Die in schwere Abwehrkämpfe verwickelten
Österreicher
betrachteten damals (1015-1017) jeden Fremden als Spion und henkten aus
übergroßen Misstrauen bei Stockerau sogar den irischen Pilger
Koloman. In den folgenden Jahren verursachte Mährens
Rückeroberung
durch die tschechischen PREMYSLIDEN neue Unruhe,
und bei den Ungarn erregte
der fortschreitende Ausbau der Donaumark wachsendes Misstrauen. Noch
war
deren Rückhalt am Herzogtum Bayern unentbehrlich. Die LIUDOLFINGER
beanspruchten zwar allen Boden "Österreichs",
der "Königslandes im Osten", wie es 996 genannt wird, errichteten
aber keine eigenen Grundherrschaften, sondern zogen es vor, die zu
Dienstleistungen
verpflichtete Reichskirche durch Schenkungen von
Ödländereien
und Forsten am Landesausbau zu beteiligen, vornehmlich die
Bistümer
Passau, Regensburg, Salzburg und Eichstätt, die Klöster
Niederaltaich,
Tegern und Herrieden. Auch weltliche Große wurden mit Land
ausgestattet.
An Sonderrechten verfügte der BABENBERGER Markgraf, der seinen
Standesgenossen an Grundbesitz, Vasallen und Hintersassen kaum
überlegen
war, nur über den Heerbann, gräfliche Rechte außerhalb
aller Immunitäten und das "Marchfutter", eine Kriegssteuer
für
den Unterhalt des berittenen Aufgebots. HEINRICH
II. berief die österreichischen BABENBERGER in
höchste
Vertrauensstellungen. Von den Brüdern des Markgrafen Adalbert (1018-1055),
der sich ständig um freundschaftliche Beziehungen zu Ungarn
bemühte,
erhielt Ernst I. (1012-1015) das Herzogtum Schwaben, Poppo (1016-1047)
das Erzbistum Trier und die
Vormundschaft über seinen verwaisten Neffen.
Landzuweisungen in der Donaumark verpflichteten die adligen und
kirchlichen
Empfänger, zur Verstärkung der Grenzgebiete beizutragen. Von
Melk bis ins Tullnerfeld entstand infolgedessen ein dichtes Netz
befestigter
Fronhöfe und Burgen, zwischen denen wehrfähige,
bäuerliche
Siedler bayerischer und mainfränkischer Herkunft unter
vorteilhaften
Rechtsbedingungen Einzelhöfe oder Angerdörfer errichteten. Um
die Jahrtausendwende wurden in weit vorgeschobener Lage Wien,
Deutsch-Altenburg
und Ortschaften zwischen Kamp und March angelegt. Nun befuhren
Kaufleute,
Gesandtschaften, Missionare und Pilger die Donau. Sogar Byzanz war von
Belgrad aus wieder auf dem Landwege erreichbar.