Decker-Hauff Hansmartin: Band III Seite 346
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"Die Zeit der Staufer"

AGNES VON WAIBLINGEN
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* Sommer 1072, 24.9.1143

Tochter des Kaisers HEINRICH IV. und seiner 1. Frau Bertha von Savoyen, Tochter von Graf Otto

Agnes von Waiblingen heißt in manchen Quellen auch Adelheid (nach der savoyischen Großmutter bzw. nach einer verstorbenen älteren Schwester Adelheid (* 1070). Durch Agnes wurde der alt-salische Familienname "VON WAIBLINGEN" zusammen mit der Pfalz und dem zugehörigen Ort auf die STAUFER übertragen.
Die neuerdings geäußerte Ansicht, Leopold III. habe vor seiner Ehe mit Agnes von Waiblingen mit einer Österreicherin (? Perg-Machland) den Sohn Adalbert gezeugt. Die Quellen, vor allem Otto von Freising, wissen nichts davon, dass Adalbert nur ein Halb-Bruder des Agnes-Kinder gewesen sei.
Die folgenden BABENBERGER sind keine STAUFER im engeren Sinne, gelten aber für das Mittelalter - weil "Kinder eines Leibes" - mit Recht als Nächstverwandte. Die salische Kaiser-Tochter und Erbin Agnes brachte durch ihre zwei Ehen (Schwaben, Österreich) beide großen Geschlechter das Gut und die Ansprüche des erloschenen Kaiserhauses zu. Folgerichtig betrachteten sich STAUFER und BABENBERGER in den nächsten Generationen nahezu als Mitglieder eines Hauses.
Agnes wurde mit ihrem zweiten Gatten, Leopold von Österreich, in Klosterneuburg begraben.

Halbgeschwister der STAUFER von Mutterseite:

a) Adalbert (um 1107-1137); als Sohn der Agnes neuerdings umstritten
b) Heinrich Jasomirgott (um 1108-1177)
c) Bertha (um 1109-1136/50)   1124/25 oo Heinrich Burggraf von Regensburg
d) Agnes (um 1110-1157)   1124/27  oo Wladislaw II. König von Polen
e) Leopold (um 1111-1141)
f) Otto (um 1112-1158) Bischof von Freising
g) Ernst (um 1113-nach 1136/37) unverheiratet
h) Judith (um 1114-nach 1168)   1130/32  oo Wilhelm Markgraf von Montferrat
i) Konrad (um 1115-1168) Bischof von Passau
j) Gertrud (um 1116-1151)   um 1131/32  oo Wladislaw Herzog von Böhmen
k) Elisabeth (um 1117/18-1143)   1142  oo Hermann Graf von Winzenburg

Die nachfolgende Reihe der Kinder der Kaiser-Tochter Agnes von Waiblingen aus ihrer Ehe mit Friedrich von Staufen überrascht zunächst. Auch noch in der jüngsten BABENBERGER-Literatur wird gutgläubig die alte Klosterneuburger Stiftstradition aus dem Spätmittelalter  weitergereicht, dass Agnes als junge Frau in ihrer ersten, 18 bis 19 Jahre währenden staufischen Ehe nur drei, dann aber zwischen ihrem 34. und etwa 46. Jahre in wenig mehr als einem Jahrzehnt 18 (!) lebende Kinder geboren habe. Daß dies biologisch unmöglich ist, hat bisher niemanden gestört. Der Irrtum wird dadurch nicht geringer, daß er ein ehrwürdiges Alter hat und inzwischen in die Handbücher übergegangen ist. Sein Zustandekommen ist leicht zu erklären. Man wußte (richtig), dass Agnes 21 oder gar 22 lebende Kinder geboren hat. Davon zog man die drei in Klosterneuburg allein bekannten Kinder aus der ersten staufischen Ehe (Friedrich den Einäugigen, König KONRAD III. und Pfalzgräfin Gertrud) ab und behielt somit 18 Kinder übrig. Elf Kinder der zweiten babenbergischen Ehe der Agnes mit dem heiligen Leopold waren in Klosterneuburg gleichfalls (richtig) bekannt. Das ergab einen Rest von sieben Kindern, die man nun bedenkenlos und ohne Rücksicht auf die biologische Wahrscheinlichkeit alle der zweiten Ehe zuschrieb, sie dann allerdings, um ihren Verbleib zu motivieren, als "jung verstorben" ausgab. Wäre dem wirklich so, dann hätte Agnes als junge Frau nur etwa alle neun Jahre ein Kind geboren, als ältere Frau jedoch ein volles Jahrzehnt lebende Zwillinge bringen müssen. Will man den ununterbrochenen Zwillingssegen nicht glauben, so muß man statt dessen annehmen, Agnes habe (mindestens!) bis in ihr 53. Jahr hinauf unentwegt und in dichtester Folge lebensfähige Kinder geboren.
Horst Gaiser und Heinz Bühler gaben den ersten Anstoß, diese Anschauungen zu korrigieren. Nach ihrer einleuchtenden These hat Agnes aus der ersten staufischen Ehe eine weitere (um 1088/89 geborene) Tochter Bertha gehabt, ("Bertha von Boll", Gattin des Grafen Adalbert, des Stifters von Elchingen und Mutter der Liutgard, Frau Konrads des Großen von Wettin). Das stimmt, und dann kann die Anzahl der BABENBERGER Kinder nicht mehr stimmen. Ist erst einmal das Prinzip durchbrochen, dann können auch andere "BABENBERGER-Kinder" den langen Ehejahren der staufischen Ehe zugerechnet werden, ja man muß den ganzen Kindersegen zwischen STAUFERN und BABENBERGERN neu verteilen.
Agnes war schon 34 Jahre alt, als sie Leopold heiratete. Elf lebend geborene Kinder hat sie ihm dann noch geboren. Wenn diese Kinder sehr dicht aufeinander folgten, wenn keine Pausen und keine Fehlgeburten dazwischen lagen, dann reicht es mit den babenbergischen Kindern bis zum Ende der Gebärfähigkeit der Agnes gerade noch hin. Die übrigen Kinder jedoch können dann überhaupt nur aus der ersten, staufischen Ehe stammen. Damit aber wird jene Kinderliste des Herzogs Friedrich und der Agnes aus dem "Roten Buch" des Klosters Lorch wieder diskutabel, die den wenigen Forschern, die sich bisher mit ihr beschäftigten, viel Kopfzerbrechen machte. Denn dort sind nicht weniger als 11 Kinder genannt, von denen drei leicht zu erkennen sind, nämlich Friedrich der Einäugige, KONRAD III. und Gertrud. Hermann Röemer und Karl-Otto Müller kannten die Reihe wohl, glaubten aber, sie verwerfen zu müssen, da für so viele STAUFER-Kinder neben den bekannten 18 BABENBERGERN ja  keinesfalls mehr Platz sei. Diese Liste lautet ("e caudata" zu ae transscribiert):
"Hadalwigis seu Heilicae comitissae Friderici comitis/Bertradae seu Berthae comitissae Adalberti comitis/Friderici ducis Judittae ducissae Agnetis ducissae/Hildegardis (Wort unleserlich)/Cuonradi regis Gertrudis reginae item Gertrudis reginae/Gisilhildis seu Gisilae/Henrici pueris/Beatricis abbatissae/Cunigundis seu Cunissa [? Cunizzae] ducissae Henrici ducis/Sophiae comitissae Adalberti comitis/Fidis seu Gertrudis palatinae Herimanni palatini/"
Nach diesem Text hatten die sicher erkennbaren STAUFER Friedrich der Einäugige, KONRAD III. und Gertrud noch acht weitere Vollgeschwister, die hier dem Alter nach gereiht erscheinen. Trifft die Liste zu, dann war KONRAD III. zweimal hintereinander mit einer Gertrud verheiratet, wobei der ersten Gattin die Bezeichnung regina wohl auf Grund ihrer Krönung in Monza 1128 zukam. Unschwer zu erkennen ist auch das zweite Kind Bertrada sei Bertha mit dem Gatten Adalbertus: hier haben wir die Bestätigung für die Richtigkeit der Kombination von Gaiser und Bühler - es sind tatsächlich Adalbert von Elchingen und Bertha von Boll. Nicht gelingen will dagegen die Identifizierung der Äbtissin Beatrix. Ihre Schwester Sophie soll mit einem Grafen Adalbert verehelicht gewesen sein, der um diese Zeit in Schwaben schwer unterzubringen ist. Und welchen Herzog Heinrich soll Kunigunde geheiratet haben? Die Auswahl ist gering; gut passen würde nur der damals unverheiratete WELFE, Herzog Heinrich der Stolze, der demnach etwa zur selben Zeit, als seine Schwester Judith den STAUFER Friedrich heiratete (1119/21), seinerseits dessen Schwester Kunigunde heimgeführt hätte. Das wäre die klassische "Kreuz-Heirat", die im mittelalterlichen Hochadel so beliebt war, weil sie die Mitgiftregelung sehr erleichterte. Spätestens um 1126 müßte die STAUFERIN verstorben sein, denn Heinrich der Stolze heiratete 1127 die Kaiser-Tochter Gertrud von Supplinburg.
Die älteste Tochter Heilica, etwa 1087/88 geboren, und ihr Gatte Graf Friedrich, dürften in dem Paar Friedrich von Lengenfeld und Heilica zu finden sein, den mütterlichen Großeltern des ersten bayerischen Herzogs aus dem Hause WITTELSBACH. Herzog Ottos sehr nahe Verwandtschaft zu FRIEDRICH I. BARBAROSSA ist zwar gut bezeugt, aber bisher so eng nicht nachzuweisen. Über den Knaben Heinrich und seine Schwester Hildegard (vielleicht eine Nonne) läßt sich bisher nichts feststellen.