Partenheimer Lutz: Seite 15-22
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"Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt."

Dieser älteste bekannte ASKANIER, Graf Esico, erscheint gesichert erstmals in einer am 26. Oktober 1036 in der Königspfalz Tilleda am Kyffhäuser ausgestellten Urkunde Kaiser KONRADS II. Wer Esicos Vater war, wissen wir nicht. Unbekannt ist auch der Name seiner Mutter, aber deren Vater und ihr Bruder werden in einer Quelle genannt [Wieder stammen diese Informationen vom Annalista Saxo (MG SS 6, Seite 678 - zum Jahre 1030). - Selbst neuere Darstellungen geben an, daß Esicos Eltern Adalbert und Hidda geheißen hätten (siehe Lorenz Friedrich Beck: Herrschaft und Territorium der Herzöge von Sachsen-Wittenberg (1212-1422) (Bibliothek der Brandeburgischen und Preußischen Geschichte (6). Potsdam 2000, Seite 51 f., 71-73,127). Das sind jedoch nur Vermutungen, den die Quellen überliefern die Namen nicht (siehe Otto Heinemann: Albrecht der Bär (wie EN 1), Seite 295, Anm. 8)]. Der Vater des ersten namentlich überlieferten ASKANIERS Esico heiratet also eine Tochter des Markgrafen Hodo.
Mit Bezug auf Esicos Vater, der nach Otto von Heinemann noch zu den "mäßig begüterten" Angehörigen des askanischen Hauses gehört haben soll, gibt Helmut Assing berechtigt zu bedenken, daß Markgraf Hodo, den der Chronist Thietmar von Merseburg immerhin "berühmt" nennt, seine Tochter wohl kaum einem relativ kleinen Adligen zur Frau gegeben haben dürfte.
Fassen wir zusammen: Die ursprünglichen Güter der ASKANIER lagen unter den Vorfahren Esicos, des ersten bekannten Vertreters des Geschlechts, wohl in der Mitte bzw. im Osten des Gaues Serimunt, vielleicht im Raum Köthen. Frühestes Zentrum könnte das ehemalige Hohenköthen gewesen sein. Spätestens seit Esico übte die Familie Grafenrechte in den südlichen und südwestlichen Teilen des Gaus Serimunt aus. Im Schwabengau, wo bisher die Stammsitze des Hauses ANHALT - und zwar in Ballenstedt und Aschersleben - vermutet wurden, verfügte der erste bekannte ASKANIER wohl zunächst nur über geringe Güter bei Ballenstedt, mit deren Ausbau er aber offenbar begann. In der Umgebung Ascherslebens verwaltete Esico Grafenrechte, die eventuell auch für den Ort selbst galten. Vor ihm hatte die Familie dort wohl keine umfangreichen Besitzungen. Ebenfalls im Schwabengau lagen zwei überlieferte Grundherrschaften Esicos, nämlich Fulkmeresroth - wohl die heutige Wüstung Volkmannsrode bei Stangerode -, das bereits in der Hand seines Vaters gewesen sein dürfte, sowie Wirintagaroth (vermutlich zwischen Harzgerode und Mansfed), das offenbar nach dem Erlöschen der CHRISTIAN-Sippe (1032-10034) an die ASKANIER fiel. In der Region wischen Delitzsch und Eilenburg, dem damaligen Gau Susilin, verfügte Esico über das Gut Rogaz, das er durch seine Mutter aus dem Erbe ihres Vaters, des Markgrafen Hodo, erlangt haben könnte.
Von ihren Stammgütern im Köthener Gebiet waren die frühen ASKANIER demnach wohl schon vor dem Ende der Nachkommen des Markgarfen Christian in den Schwabengau eingedrungen, so daß Esicos Vater, der ja immerhin die Tochter eines der mächtigsten Männer des deutschen Ostens zur Frau erhielt, kaum ein so relativ kleiner Adliger gewesen sein kann, wie es bei Albrechts Biographen den Anschein hat. Eine Übernahme von Besitzungen der Familie Christians durch Esico hat es vermutlich gegeben, zum Beispiel im Falle Wirintagaroths. Allerdings war das Ausmaß der so an die ASKANIER gefallenen Güter und Rechte wohl geringer als durch Otto von Heinemann angenommen, auch verlief dieser Prozeß zumindest teilweise offenbar weniger reibungslos.
Während das Erbe der CHRISTIAN-Sippe beim Aufstieg der Vorfahren Albrechts des Bären also vermutlich nicht den Ausschlag gab, muß - neben der Annahme anderer dazu damals gebräuchlicher Anstrengungen wie Gewaltanwendung, Kauf usw. - die geschickte Heiratspolitik berücksichtigt werden. Verband sich schon sein Vater durch die Ehe mit der Tochter des berühmten Markgrafen Hodo mit hohen Adelskreisen, so gingt Esico noch weiter, indem er Mathilde heiratete, deren Schwester Gisela mit Kaiser KONRAD II. (1024-1039) vermählt war [Zu allen folgenden Informationen über Mathilde siehe mit Quellenbelegen Paul Leidinger: Untersuchungen (wie EN 18), Seite 51-67. Früher wurde Mathilde oft als Halbschwester Giselas eingestuft, da man annahm, daß diese der zweiten Ehe ihrer Mutter, jene der ersten entstammte, siehe CDA 1, Seite 91. Gegen Kritiker wird wird P. Leidinger unterstützt von Eduard Hlawitschka: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um "Kuno von Öhningen" (Vorträge und Forschungen; Sonderband 35). Sigmaringen 1987, Seite 52 mit Anmerkung 159, 138 mit Anmerkung 108, 152 mit Anmerkung 183.]. Giselas Sohn, Kaiser HEINRICH III., bezeichnet denn auch den Mann seiner Tante gelegentlich als Verwandten. Mathilde entstammte der Ehe zwischen Herzog Hermann II. von Schwaben (997-1003) und Gerberga, deren Vater immerhin König Konrad I. von Burgund (937-993) aus dem Hause der WELFEN ist.
Esicos Frau Mathilde hatte bereits ein bewegtes Leben hinter sich. In erster Ehe heiratete sie Herzog Konrad I. von Kärnten (1004-1012), dessen Bruder Heinrich der Vater Kaiser KONRADS II. war. So wurde Mathilde die Mutter des jüngeren Konrad, der bei der Königswahl von 1024 seinem Vetter unterlag und später Herzog von Kärnten wurde (1036-1039), sowie des Würzburger Bischofs Bruno (1034-1045). Nach dem Tod ihres Mannes vermählte sich Mathilde in zweiter Ehe mit Herzog Friedrich II. von Ober-Lothringen, der 1026/27 starb, während er einen Aufstand gegen den König vorbereitete. Mathilde, immerhin die Mutter des Verlierers der Wahl von 1024, unterstützte das Komplott ihres Gemahls wohl, denn sie nahm in dieser Zeit Kontakte zum polnischen König Mieszko II., einem damaligen Feind des Reiches auf. Vielleicht wollte sie nach dem Tod ihres zweiten Gatten diese konspirative Politik fortsetzen, indem sie mit Esico nun einem Manne die Hand reichte, dessen Onkel Siegfried zu 1030 ja auch als Bundesgenosse der Polen überliefert ist. Leider wissen wir nichts über eine etwaige königsfeindliche Haltung ihres dritten Gemahls. Stimmen diese Überlegungen, dann hätte Esicos Eheschließung den askansichen Aufstieg vielleicht zunächst eher gefährdet als begünstigt, falls sich der Graf nämlich dadurch auf eine geegn das Reichsoberhaupt gerichtete Linie ziehen ließ - sofern er nicht selber bereits in dem Sinne eingestellt war.
Wenn zwischen Mathilde und ihrem kaiserlichen Schwager damals Spannungen bestanden haben, dann scheinen sie aber bald beigelegt worden zu sein. Denn ihr Sohn aus erster Ehe, Bruno, ist seit 1027 als Kanzler nachweisbar; 1030 feierte Mathilde Ostern am Hofe, und nach ihrem Tod (1031/32) adoptierte ihre Schwester, die Kaiserin Gisela, die beiden unmündigen Töchter aus Mathildes zweiter Verbindung. Esicos Ehe hat also nur wenige Jahre gedauert, letztlich dürfte er aber von seiner Verschwägerung mit dem Kaiser profitiert haben. Mathilde starb im Alter von etwa 40 Jahren, nachdem sie dem ASKANIER die Kinder Adalbert und Adelheid geschenkt hatte.
Neben Uta soll Esico noch weitere Geschwister gehabt haben, nämlich den Ballenstedter Propst Dietrich, Ludolf, angeblich Mönch im Kloster Corvey bei Höxter an der Weser, und die Äbtissin Hazecha von Gernrode.
Insgesamt wird Graf Esico ab 1036 neunmal urkundlich bezeugt, zuletzt wahrscheinlich 1059 in einer Urkunde des Erzbischofs Adalbert von Bremen. Wann er starb, wissen wir nicht, ebensowenig, ob er sich nach dem Tode Mathildes erneut vermählte und wo er begraben liegt. Vermutlich wurde er in dem anscheinend zumindest unter seiner Mitwirkung auf dem Ballenstedter Burgberg gegründeten Kollegiatstift beigesetzt.