Partenheimer Lutz: Seite 26,43-45,52,73,75,80,83
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"Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt."

Das Jahr 1106 brachte Veränderungen in Sachsen, die gerade auch für das Haus ASKANIEN Bedeutung erlangen sollte. Das Geschlecht der BILLUNGER starb mit Magnus im Mannesstamm aus. Somit traten die politischen Folgen der Ehe Ottos von Ballenstedt ein. Der Graf hatte nämlich Eilika, eine der beiden Töchter des Herzogs Magnus und seiner Gemahlin Sophia die Hand gereicht [Ihrem zweiten Gemahl, Herzog Magnus von Sachsen, gebar Sophia die Töchter Wulfhild, wohl spätestens um 1075, und Eilika, anscheinend um 1080. Die Eheschließung zwischen Otto und Eilika erfolgte wohl um 1095 bis 1100. Nach den Stader Annalen (MG SS 16), Seite 326 (zu 1144), wollte erst der 1106 gestorbene Markgraf Udo III. von der Nordmark aus dem Hause STADE Eilika zur Gemahlin nehmen, lernte dann aber beim Grafen Helperich von Plötzkau dessen Schwester Irmgard kennen und änderte seinen Plan. Da Eilika als eine der beiden billungischen Erbtöchter sicher eine wesentlich bessere Partie war als die PLÖTZKAUERIN, erreichte sie deren überlieferte große Schönheit bei weitem nicht. Zu dieser Annahme paßt ihr sich später zeigender recht energischer Charakter, von welchem sie Albrecht dem Bären eine ordentliche Portion vererbt zu haben scheint.]. Über Ottos Frau gelangte nun ein Teil der billungischen Erbgüter an die ASKANIER. Allerdings ist unklar, um welche Gebiete es sich dabei im einzelnen handelte. Bernburg könnte dazu gehört haben [1138 residierte Eilika auf der Bernburg], des weiteren die Orte bei Weißenfels [Vermutlich Burgwerden (nördlich von Weißenfels) und das östlich benachbarte Kreichau. In Burgwerden hatte Eilika der Gosecker Chronik zufolge eine Burg errichten lassen; die Annalen  des Klosters Pegau (südwestlich von Leipzig) nennen sie Herrin von Werben. 1139 wird die Mutter Albrechts des Bären als Eilika von Werben bezeichnet, und sie verfügt über Besitz in Kriechau. Auch das Dorf Obschütz (bei Weißenfels, vielleicht auch Oetzsch bei Lützen) scheint dazugehört zu haben, denn es ist wohl jenes Ouziz, das Albrecht des Bären Tochter Hedwig am 5.1.1197 im Landgericht Schkölen dem Kloster Altzella schenkt, wobei sie es als väterliches Erbe bezeichnet. Die Vogtei des Klosters Goseck (westlich von Weißenfelds) hatte Eilika ebenfalls inne, allerdings den thüringischen LUDOWINGERN abgerungen.] und Halle [1130 war Albrechts Mutter bei Halle in Kampfhandlungen verwickelt. Ob hier billungische Ansprüche bestanden, ist aber offen.]. Auch der spätere Besitz Albrechts des Bären in der Altmark stammte vielleicht - zumindest in Teilen - aus dem Erbe der BILLUNGER. [Es bleibt die Frage offen, ob Eilika ihren Anteil an der BILLUNGER Erbschaft nach dem Tod Herzog Magnus' (1106) ihrem Gemahl Otto übergab oder ob ihn erst beider Sohn Albrecht nach Ottos Ableben (1123) oder sogar erst nach Eilikas Tod (1142) erlangte.].
Für 1130 melden die Chronisten noch ein Ereignis, bei dem zwar nicht Albrecht, aber seine Mutter erwähnt wird, die als eine offensichtlich energische Dame ebenfalls Politik machte. Ob sie ihre Aktionen mit dem Sohn abstimmte, wissen wir nicht. Bei Halle war Eilika in Kämpfe mit den Bürgern der Stadt verwickelt. Konrad von Eichstädt, ein Verwandter des Markgrafen, wurde dabei erschlagen; die BILLUNGERIN konnte mit Mühe fliehen. Möglicherweise hing dieser Zwist mit der askanischen Abwehr der Restitutionspolitik Erzbischof Norberts zusammen, dem Halle gehörte.
Schließlich legte sich Albrechts Mutter um das Jahr 1130 noch mit dem Ludwig an, den LOTHAR III. wohl Anfang 1131 zum Landgrafen von Thüringen erhob. Eilika ließ sich vom Bremer Erzbischof Adalbert II. die Vogtei des von seinem Vorgänger gegründeten Klosters Goseck übertragen. Nach beigelegtem Zwist mit Ludwig behauptete Albrechts Mutter die Schutzherrschaft über Goseck. Das Kloster westlich von Weißenfels war sicherlich vom nördlich dieser Stadt gelegene Burgwerben, das Eilika gehörte, in deren Blickfeld geraten. Vielleicht wollte sie auf diese Weise das wettinische Weißenfels in die Zange nehmen.
Für diese Zeit gibt es einige Quellenhinweise auf Aktivitäten von Albrechts Mutter Eilika. Die von ihr dem Grafen Ludwig von Thüringen entrissene Vogtei des Klosters Goseck handhabte sie energisch, indem sie um 1133 dessen angeblich unfähigen Abt Bertold vertrieb, obwohl sie sich dadurch viel Haß zuzog. Als Bertold dann starb, sorgte Eilika dafür, daß ein Mönch Nenther aus dem Konvent zu Pegau neuer Abt von Goseck wurde, den sie selbst am 24. November 1134 mit einer feierlichen Ansprache an das Volk in sein Amt einführte. Ferner tauschte Albrechts Mutter wohl 1132 oder 1133 vom König Güter ein, die dieser auf gleichem Wege von Graf Siegfried von Ertheneburg erworben hatte. Sie lagen in der Nähe von Goseck und vergrößerten Eilikas Besitz in dem Raum. Des weiteren verzichtete die Gräfin mit ihrem Sohn und dem Herzog von Bayern auf eigentlich dem Kloster Corvey an der Weser zustehenden Fischereirechte.
Auch die erste militärische Niederlage mußte Herzog Albrecht der Bär noch 1138 hinnehmen, obendrein in den askanischen Stammlanden: Die Bernburg, auf der seine Mutter Eilika saß, wurde vom Feind angesteckt. Der sächsische Annalist und die Magdeburger Jahrbücher geben an, daß Bernburg zum Angriffsziel wurde, weil Eilika von dort aus Gewaltherrschaft geübt hätte. Das kann bedeuten, daß die Mutter Albrechts Besitzungen seiner Feinde angreifen ließ oder daß sie versuchte, eigene Machtinteressen durchzusetzen. Vielleicht handelte es sich auch nur um eine Bemäntelung des Anschlages auf Bernburg.
Am 3. Juni 1139 bestätigte König KONRAD einen vor ihm und den Fürsten des Reiches auf dem Würzburger Hoftag abgeschlossenen Gütertausch zwischen Erzbischof Adalbert von Bremen und der edlen Frau Eilika von Werben, deren Sohn, Markgraf Albrecht, zustimmt. Dieser scheint also mit seiner Mutter Anfang Juni in Würzburg beim König gewesen zu sein.
Inzwischen hören wir nur ewtas von Albrechts Mutter Eilika, die Papst Innocenz II. samt ihren Gütern in einer zwischen 1138 und März 1141 im Lateran ausgestellten Bulle in seinen besonderen Schutz nimmt, wofür sie dem Heiligen Stuhl jährlich eine halbe Mark zahlen sollte. Da das gewiß auf Bitten der BILLUNGERIN erfolgte, sieht es so aus, als ob sie angesichts der kritischen Lage des Sohnes Unterstützung in Rom gesucht hat.
Am 14. September 1141 wir der ASKANIER in einer zu Köln ausgestellten Königsurkunde zum letzten Mal als Herzog von Sachsen bezeichnet. In dieser vor allem für ihn, aber sicher auch für sie bitteren Situation starb Albrechts Mutter Eilika am 16. Januar 1142 [Nach dem 1519 verfaßten Bericht Heinrich Basses (wie EN 48), Seite 11, wurde im Kloster Ballenstedt bei ihrem 19 Jahre zuvor gestorbenen Gemahl Otto bestattet: Heylicha vero ejus Uxor ... supulta ibidem juxta maritum suum.]. Sie hatte 1112 den Gemahl zur Würde ihres Vaters aufsteigen und fallen sehen, erlebt, wie der Sohn Markgraf wurde, stürzte, den Titel von neuem erhielt, und endlich den sächsischen Herzogshut trug. Am Ende des Lebesn mußte sie erfahren, das auch Albrecht das Amt nicht behaupten konnte. Mit dem Tod der stolzen und herrschsüchtigen Tochter des letzten sächsischen Herzogs vom Stamme der BILLUNGER erlosch dieses Geschlecht endgültig.