Esicos Sohn und Nachfolger war Adalbert.
Er erscheint zwischen 1063 und 1074 elfmal in den Quellen. 1063 wird er
in drei Urkunden
König HEINRICHS IV. einmal
als Graf im Nordthüringgau [An Orten werden genannt: Hohen-
oder Niederndodeleben und Irxleben (westlich von Magdeburg); Detzel (nordwestlich
von Haldensleben) sowie Sohlen (südlich von Magdeburg) (D H IV., Nr.
107; UBM, Nr. 150; CDA 1, Nr. 139; UBM, Nr. 150). - Vgl. aber Gerd Heinrich:
Die Grafen von Arnstein (MDF 21). Köln/Graz 1961, Seite 294f., Anm.
1339, der bestreitet, daß hier Adalbert von Ballenstedt gemeint
ist.] und zweimal als Graf im Schwabengau genannt. Mit dieser Bezeichnung
erwähnen ihn auch zwei weitere Herrscherdiplome, eines aus dem Jahre
1064, das andere von 1073 [Im Schwabengau erscheinen als Orte in Adalberts
Grafschaft 1063 Aderstedt (westlich von Bernburg) (D H IV., Nr. 110; CDA
1, Nr. 140) und Reinstedt (westlich von Aschersleben) (D H IV., Nr. 117;
CDA 1, Nr. 141), 1064 Rieder (südlich von Quedlinburg) und Bicklingen
(wüst am Bicklingbach zwischen Quedlinburg und Rieder, dort auf halbem
Weg zwischen beiden Orten noch die Ruine der "Bicklinger Warte") (D H IV.,
Nr. 130 (10. Juli); CDA 1, Nr. 142 (11. Juli) und 1073 Asmarsleben (wüst
nördlich von Ballenstedt, dort beim Vorwerk Asmusstedt Flurname "Dorfstelle",
siehe dazu auch H. Assing: Köthen (wie EN 13), Seite 184 mit Anm.
67), Welbsleben (südlich von Aschersleben), Badeborn (nördlich
von Ballenstedt) Westholze, Rothallasburc
(nach E.
Weyhe: Landeskunde (wie EN 55, Band 2, Seite 590) in Verbindung mit Seite
661, wüst Rolesesborch, heute Roseburg zwischen Rieder und Ballenstedt)
und Emmelestorp (eventuell Amesdorf zwischen Aschersleben und Bernburg,
so A. Schroeder: Grundzüge (wie EN 57), Seite 25 (D H IV., Nr. 261;
CDA 1, Nr. 146).]. Letztere Urkunde überliefert erstmals
askanischeGrafenrechet
im Ballenstedter Raum. 1069 bezeugte
Adalbert zu Mühlhausen
einen Vertragsabschluß zwischen Erzbischof Siegfried I. von Mainz
und Abt Widerad von Fulda über Zehnten aus Thüringen.
Im gleichen Jahr lehnte er sich im Streit um die Thüringer
Hinterlassenschaft des 1067 söhnelos gestorbenen Markgrafen Otto von
Weimar-Orlamünde gemeinsam mit Markgraf Dedi II. von der Ostmark aus
dem Hause WETTIN - der Ottos Witwe Adela von Löwen geheiratet hatte
- gegen den König auf. Dabei spielte sicher die Ehe Adalberts,
der mit Ottos Tochter Adelheid vermählt war eine große
Rolle. Adelheid, die nur zwei Schwestern besaß, von denen
eine kinderlos blieb, während der anderen in drei Ehen lediglich Töchter
beschert wurden, hatte den ASKANIER gewiß schon als Mitgift
weimar-orlamündische
Güter zugebracht [Von Adelheids zwei Schwestern heiratete Oda
Markgraf Ekbert II. von Meißen, der 1090 - angeblich bei der Selkemühle
(unter der Burg Anhalt) - erschlagen wurde. Die Ehe blieb kinderlos.
Kunigunde
war in erster Ehe mit Großfürst Izjaslaw
von Kiew, nach dessen Tod (1078) mit Kuno von Beichlingen, ermordet
1103 (Brüder: Heinrich der Fette von Northeim (nördlich von Göttingen)
und Siegfried III. von Boyneburg (Burg südlich von Eschwege), und
dann mit Wiprecht von Groitzsch (südlich von Leipzig) verheiratet.
Aus der Ehe mit dem Großfürsten ging eine Tochter hervor, die
einen Grafen Günther, wohl einen KÄFERNBURGER, heiratete. Kunigunde
die Jüngere, Tochter aus der Vermählung mit dem BEICHLINGER,
ehelichte Wiprecht den Jüngeren von Groitzsch, ihre Schwester Adela
den Grafen Dietrich von Katlenburg, nach dessen Tod (1106) den Grafen Helperich
von Plötzkau. Aus der dritten Verbindung Kunigundes
der Älteren - mit Wiprecht dem Älteren - gingen vier
Töchter hervor (Annalista Saxo zu 1062, MG SS 6, Seite 693; Hans Patze/Walter
Schlesinger (Hg.): Geschichte Thüringens. 2. Band, 1. Teil: Hohes
und spätes Mittelalter (MGF 48/2/2/1). Köln/Wien 1974, Seite
180). Graf Adalbert konnte sich also nicht über Mangel an erlauchten
Schwägern beklagen.], [Richtigstellung: Die vier Töchter
Kunigundes
der Älteren sind ihrer zweiten Ehe mit Kuno von Beichlingen
zuzurechnen] wenn wir auch deren Lage nicht kennen. Vermutlich versuchte
Adalbert nun, als Gemahl seiner Frau Anspruch auf Ottos Hinterlassenschaft
oder zumindest Teile davon zu erheben.
Vielleicht steht ein überlieferter Brief des Paderborner
Domkapitels an den König mit Adalberts Parteinahme gegen HEINRICH
im Jahre 1069 in Zusammenhang. Darin bitten die geistlichen den Herrscher
unter anderem um die Rückgabe eines Gutes Haion an
der Saale, das ihnen Graf Adalbert entrissen habe. Als dann HEINRICH
IV. nach Thüringen zog und die von Dedo besetzten Burgen
Beichlingen und Scheidungen nahm, mußte mit dem WETTINER
auch Adalbert, der die Reichsabtei Nienburg in seine Gewalt
gebracht hatte und sich die königlichen Güter der Umgebung dienstbar
zu machen suchte, kapitulieren. Beide wurden einige Zeit in Haft genommen
[Über Dedis Erhebung berichtet der Chronist Lampert von Herfeld (MG
SS rer. Germ. 38), Seite 106-108. Daß Adalbert beteiligt war,
melden die Annalen des bayerischen Klosters Niederaltaich zum Jahre 1069
(MG SS rer. Germ. 4), Seite 77: Nec mora, urbem quandam,
nomineScidingun,
episcopi
Babenpergensis,
marchio (Dedi II. von der Ostmark - L.P.) occupavit,
Adalbertus
autem
regiam abbatiam,
Nienburg dictam,
invasit et praedia regis,
quae
in circuitu erant,
sibi servire coegit. Siehe zum Sachverhalt
auch S. Pätzold: Wettiner (wie EN 40) Seite 18-21, mit ausführlichen
Quellenzitaten. - H. Beumann: Kloster Hecklingen (wie vorige EN), Seite
249, vermutet im Aufstand des WETTINERS und des
BALLENSTEDTERS eine
Reaktion auf die Einrichtung der Grafschaft Plötzkau in Zusammenhang
mit der Burgenpolitk
HEINRICHS IV.
Dieser hatte die Herren von Kakelingen (Wüstung westlich von Staßfurt)
mit den neuen Amt belehnt.]. 1073 war der Sachsenaufstand gegen HEINRICH
IV. ausgebrochen. Dessen Burgenbau im Harz brachte besonders
die Fürsten gegen den Herrscher auf, die in dieser Region ebenfalls
Besitzungen hatten und an deren Erweiterung und innerer Festigung arbeiteten.
Das waren vor allem der Erzbischof von Magdeburg, der Bischof von Halberstadt,
der Herzog von Sachsen sowie die Markgrafen von der Nordmark, der Ostmark
und Meißen. Otto von Heinemann dürfte recht haben, wenn er annimmt,
daß der ASKANIER schon wegen der Lage seiner Güter und
der verwandtschaftlichen Bindungen auf seiten der Opposition stand. Wichtiger
ist aber die Erwähnung eines Grafen Adalbert unter den sächsischen
Fürsten, die 1073 dem König entgegentraten, in den Annalen Lamperts
von Hersfeld. In den späteren Quellen iszt in dem Zusammenhang von
Adalbertus
marchio de Ballenstede die Rede, wobei der Markgrafentitel offensichtlich
auf einem Irrtum des Schreibers - zum Beispiel einer Verwechslung mit dem
Enkel Albrecht dem Bären beruht. Adalberts Schwiegermutter
war nach Lampert stark an der Anfachung des Aufstandes beteiligt.
In die Jahre um 1073 fallen drei Zeugnisse, die den ASKANIER
mit dem Kloster Nienburg verbinden. Das eine Schriftstück ist die
schon erwähnte Erlaubnis Adalberts für das Stift - als
dessen Vogt mit ihm hier erstmals ein Angehöriger des Hauses
ANHALT bezeichnet wird -, in der Landschaft Nizizi Bauholz schlagen
zu lassen [CDA 1, Nr. 147. - H. Assing: Köthen (wie EN 13), Seite
182, macht wahrscheinlich, daß den ASKANIERN die Übernahme
der Nienburger Vogtei erst zu diesem Zeitpunkt gelang. Vielleicht
hat sie Adalbert als Ergebnis seines Gealtaktes gegen die Reichsabtei
aus dem Jahre 1069 (siehe EN 105) behauptet oder diesen in Zusammenhang
mit dem Ausbruch des Sachsenaufstandes wiederholt, und er bzw. seine Nachfahren
konnten später die Legalisierung der eventuell derart erpreßten
Vogtei erreichen. Spätestens dadurch war der Familie auch der Weg
nach Osten gewiesen, denn das Kloster hatte um 1000 vom Königtum umfangreichen
Besitz in der Nieder-Lausitz bekommen und nach den durch die folgenden
Polenkriege für diesen Raum anzunehmenden Verwüstungen zumundest
den ANspruch darauf auch in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts
aufrechterhalten. Sie dazu D. Claude: Magdeburg 2 (wie EN 26), Seite 326-330,
und Gertraud Eva Schrage: Das Kloster Nienburg an der Saale und die Niederlausitz.
Ein Beitrag zur mittelalterlichen Siedlungs- und Verfassungsgeschichte.
In: Niederlausitzer Studien 28/1997, Seite 147-157. - Im Gau Niziz befanden
sich auch die zwei kleinen Slawendörfer Nauzedele und Nimiz (östlich
von Dessau), die nach einer Urkunde Abt Arnolds von Ballenstedt aus dem
Jahre 1159 zum Teil durch die Vorfahren Albrechts des Bären
an den Konvent gekommen waren (siehe unten Seite 144 mit EN 1235). Wenn
der Plural stimmt - also mindestens zwei Ahnen des Markgrafen
- müßte spätestens seine Großvater dort gelegene
Güter dem Ballenstadter Stift überlassen haben.]. Darüber
hinaus ist die Quelle noch in vielerlei Hinsicht bedeutsam: Einmal handelt
es sich um die erste überlieferte Urkunde, die ein ASKANIER
ausstellen ließ, zum anderen existiert sie im Original, auf das zudem
das älteste erhaltene Siegel eines Angehörigen der Familie aufgedrückt
wurde, und schließlich erscheint hier der am weitesten im osten gelegene
Besitz des Hauses vor Albrecht dem Bären. Die zweite Notiz
verzeichnete verschiedene Stiftungen, die Adalbert dem Nienburger Kloster
zum Andenken an seine Eltern überwies. Auch hier ist der zugestandene
Holzeinschlag in der Provinz Niziz erwähnt, außerdem die Übertragung
eines Ortes Huckno. In die gleiche Zeit gehört eine weitere
Urkunde des ASKANIERS, in der er die Ballenstedter Propstei, die
ihm nach Erbrecht gehörte, dem Kloster Nienburg überträgt,
wobei er sich und seinem Sohn [Zu dem Zeitpunkt hatte er also erst einen
Sohn, wahrscheinlich Otto. Dazu gleich weiter unten Seite 25 mit
EN 124. die Vogtei vorbehält [CDA 1, Nr. 148. Diese Handlung des Grafen
Adalbert müßte vor dem 26. Juli 1073 erfolgt sein, denn
an dem Tag heißt es in einem Diplom des Königs, daß die
Ballenstedter Kirche der Abtei Nienburg gehörte (D H IV., Nr. 261;
CDA 1, Nr. 146). - Gerlinde Schlenker: Mittelalterliche Klöster im
westlichen Anhalt, vor allem Ballenstedt. In: Christof Römer (Hg):
Anhaltischer Harz. Profile und Kultur einer historischen Landschaft vom
Hochmittelalter bis zum 19. Jahrhundert (Harz-Forschungen, Forschungen
und Quellen zur Geschichte des Harzgebietes 12). Berlin 2000, Seite 87-99,
hier Seite 90, wertet die Überweisung des Klosters Ballenstedt an
die Nienburger Abtei durch Graf Adalbert als mögliche Sühne
für seine Gewalttaten gegen das Reichskloster. Sie fügte hinzu:
"Wie lange diese Schenkung in Kraft blieb, ist nicht bekannt." Auf der
nächsten Seite heißt es jedoch: "Im Ergebnis des Wormser Konkordats
erfolgte die Loslösung des Ballenstedter Klosters von der Abtei Nienburg
und seiner Verselbstänmdigung durch die Umwandlung in ein von der
Halberstädter Diözesangewalt exemptes Kloster." Siehe unten Seite
131 mit EN 170.]. Schließlich ist ein Schreiben des Papstes an den
Grafen und dessen Gemahlin aus dem Jahre 1074 überliefert, in dem
Gregor VII. beide auffordert, die kirchlichen Vorschriften in bezug auf
solche Priester zu beobachten, die der Simonie und der Liederlichkeit schuldig
seien.
Kehren wir zum Sachsenaufstand zurück: Mit den anderen
rebellierenden Fürsten mußte sich auch Graf Adalbert
im Oktober 1075 dem siegreichen König unterwerfen. In diesem Zusammenhang
nennt ihn - wenn der ASKANIER gemeint ist - Adelbertus comes
de Turingia [Lampert von Hersfeld (MG SS rer. Germ. 38) zu 1075,
Seite 238. Allerdings haben wir keine Sicherheit, daß der Chronist
hier wirklich an den ASKANIER und keinen anderen, sonst unbekannten
thüringischen Grafen dachte (so auch Walter Schlesinger: Die Entstehung
des Landesherrschaft. Untersuchungen vorwiegend nach mitteldeutschen Quellen
(Sächsische Forschungen zur Geschichte 1). Dresden 1951 (ND Darmstadt
1964), Seite 175). - Andere Adlige erhalten in den damaligen Quellen ebenfalls
zuweilen den Titel eines Grafen von Thüringen, so zum Beispiel 1108
in einer Königsurkunde Wiprecht von Groitzsch (comes Wicpertus
de Thuringia) (Dobenecker 1, Nr. 1043). Hier könnte dessen Ehe
mit Kunigunde von Orlamünde (siehe
EN 103) eine Rolle gespielt haben. 1109 bezeichnete Bischof Reinhard von
Halberstadt einen gewissen Wichmann als comes de Thuringia nepos meus (Dobenecker
1, Nr. 1053). 1114 nennt die Urkunde Kaiser HEINRICHS
V. (siehe EN 107) den Grafen Erwin (von Tonna) comes de Turingia.].
Das dürfte dann wohl weniger auf Adalberts
Grafenamt im alten
Nordthüringgau zurückzuführen sein, als vielmehr darauf,
daß er durch seine Gemahlin bereits Besitzungen in Thüringen
übernommen hatte [Für Otto von Heinemann: Albrecht der Bär
(wie EN 1), Anm. 77 auf Seite 307 f., gelangten zumindest größere
Teile des Orlamünder Komplexes des Weimer-Orlamünder Herrschaftsgebietes
schon vor dem Tod des letzten Weimarer Grafen (1112) an Adalberts
Sohn Siegfried.].
Der ASKANIER wird mit anderen Aufrührern
in die vom Chronisten geschilderte Haft genommen und 1076 freigelassen
worden sein. Denn in diesem Jahr verließen den inzwischen gebannten
König nun auch viele Fürsten außerhalb achsens, darunter
solche denen HEINRICH IV. die Besiegten
zur Verwahrung übergeben hatte. Nach Hause zurückgekehrt, mußte
Adalbert
gewiß feststellen, daß sich die Anhänger des Königs,
mit deren Hilfe der die Aufständischen im Jahr zuvor besiegt hatte,
inzwischen auch an den askanischen Besitzungen vergriffen hatten.
Vielleicht beim Versuch, diese Güter zurückzuerlangen, wurde
der Graf von Egino dem Jüngeren von Konradsburg erschlagen
[Annalista Saxo zu 1062 (MG SS 6, Seite 693): Adelheidis
(Tochter Graf Ottos von Weimar-Orlamünde, des Markgrafen von Meißen)
vero
coniuncta fuit Adalberto comiti de Ballenstide, quem Egeno
iunior de Conradesburch, filius Burchardi,
nepos Egenonis
senioris, campane sono proditum,
superveniens interfecit.
Zu 1117 berichtet der Sächsische Annalist (ebenda, Seite 754): Nam
Egeno senior de Conradesburch genuit Burchardum seniorem;
Burchardus
gennuit Egenonem,
qui interfesit Adalbertum comitem
de Balenstide ... Diese Information haben die Magdeburger Annalen (MG
SS 16, Seite 182) zum gleichen Jahr übernommen. - Hierbei handelte
es sich vermutlich um den gleichen Egeno, der 1070 den Bayern-Herzog Otto
von Northeim vor König HEINRICH IV.
anklagte (Otto von Heinemann: Albrecht der Bär (wie EN 1), Seite 21,
zustimmend H. Beumann: Kloster Hecklingen (wie EN 104), Seite 249f.). -
Die Konradsburg, auf der spätestens zu Beginn des 12. Jh. ein
Kloster entstand, liegt zwischen Ballenstedt und Aschersleben südlich
von Ermsleben, also inmitten askanischer Besitzungen. Die KONRADSBURGER
sind die Vorfahren der vom 12. bis zu ihrem Aussterben im 14. Jh. auf der
Burg Falkenstein über dem Selketal sitzenden Grafen von Falkenstein.
Von der Ruine der Burg Anhalt ist der Bergfried des knapp 10 km
östlich liegenden Falkensteins zu sehen.].
Da der sehr ausführlich über die Ereignisse
jener Zeit im Harzraum und in Thüringen berichtende Lampert den Mord
nicht erwähnt, schloß Leopold von Ledebur, daß die Tat
frühestens 1077 erfolgt sein könne, denn mit Informationen zu
diesem Jahr enden die Aufzeichnungen des Chronisten. Und weil ab 1083 Adalberts
Söhne ohne Erwähnung ihres Vaters in den Quellen auftreten, starb
der zweite bekannte ASKANIER anscheinend zwischen 1077 und 1083.
Auch sein Grab befindet sich vermutlich im Kloster Ballenstedt.
Auf persönliche Anfrage an den Autor:
Warum Adalbert erschlagen wurde, sagen die Zeugnisse
leider nicht, nur daß er von Egino von der Konradsburg - "vom Klang
einer Glocke" - verraten, getötet wurde. Darüber ist schon viel
gerätselt worden. Egino soll evtl. der Egino sein, der Otto von Nordheim
vor König HEINRICH IV. des Hochverrats
zieh. Dieser Ankläger soll später blind geworden und ein elendes
Dasein gefristet haben. Man vermutet, daß Adalbert, aus der
Gefangenschaft bei HEINRICH IV. zurückgekehrt,
mit Egino, der als Parteigänger des SALIERS
vielleicht inzwischen askanische Besitzungen an sich gerissen hatte,
in Fehde geriet. Vielleicht in einen Konradsburger Hinterhalt geraten,
versteckte er sich - in einem Kirchturm hinter der Glocke???, und irgendein
Glockenklang soll dem Blinden Adalberts Versteck verraten haben.
Das sind aber nur Mutmaßungen in der älteren Literatur.