Assing Helmut: Seite 8-9
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"Die frühen Askanier und ihre Frauen"

Der Ehe entstammte Adalbert, der Esicos Herrschaftsrechte nach dessen Tod übernahm und seit 1063 quellenmäßig belegt ist. Auch Adalbert fand mit Adelheid, der Tochter des Markgrafen Otto von Meißen, eine Frau aus dem Hochadel und setzte die Tradition seines Vaters und Großvaters fort. Bereits 1075 ist letztmalig von ihm zu hören. Wohl bald danach wurde er in einer Adelsfehde von Konrad dem Jüngeren aus dem Geschlecht der KONRADSBURGER-FALKENSTEINER erschlagen. Die Jahre, in denen er erwähnt ist, waren für Ostsachsen, wozu der Harz- und Saaleraum gehörte, eine sehr bewegte Zeit. Der ostsächsische Adel widersetzte sich in seiner Mehrheit in wechselvollen Kämpfen dem damaligen König HEINRICH IV. und Adalbert war daran beteiligt. Allerdings ist immer nur vom Grafen Adalbert die Rede, und wir wissen nicht genau, ob stets die gleiche Person gemeint ist. Denn einige Eigenartigkeiten ergeben ein etwas widersprüchliches Bild. In einer Urkunde von 1059, die seinen Vater letztmalig nennt, erscheint mehrerer Positionen vor dem Grafen Esico ein Graf Adalbert in der Zeugenliste, der als Sohn Esicos dort deplaziert wäre und auch nicht als Sohn bezeichnet ist. Beides war unüblich. Weitere Ungereimtheiten kommen hinzu. 1069 überfällt Graf Adalbert das Reichskloster Nienburg an der Saale und wird dafür vom König in Haft genommen, später ist ein Adalbert unter den Führern des antiköniglichen Sachsenaufstandes (1073-1075) zu finden, doch 1073 übt ein Adalbert dort Grafenrechte aus, wo sie 1071 noch Markgraf Udo II., ein anderer Führer des Aufstandes, besaß, dem sie anscheinend aberkannt waren. Schließlich ist wiederum 1073 ein Adalbert - und dies ist der ASKANIER - Vogt von Kloster Nienburg und beschenkt es. Ich halte es deshalb für möglich, dass der ASKANIER Adalbert nach seiner Haft 1069/70 auf seiten des Königs blieb und unter anderem mit der Klostervogtei über Nienburg und mit neuen Grafenrechten belohnt wurde. Der Graf Adalbert des Sachsenaufstandes wäre dann ein anderer gewesen. Von den späteren Hauptorten und Hauptburgen im Stammgebiet der ASKANIER - Ballenstedt, Aschersleben, Anhalt, Bernburg, Köthen - tritt unter Adalbert erstmals Ballenstedt hervor, doch noch nicht direkt als Burgsitz. Wir erfahren von einer Propstei, das heißt einer Gemeinschaft Geistlicher mit klosterähnlicher Lebensweise, die Adalbert "iure hereditarie" ("nach Erbrecht") besaß und die er dem Kloster Nienburg übertrug. Solche Stiftungen richtete der Adel oft auf den Eigenbesitzungen ein, manchmal aber auch auf fremden Territorium, um dieses über derartige Kirchengründungen selbst zu gewinnen. Letzteres kann für Ballenstedt nicht ausgeschlossen werden, denn bis zu Adalbert sind um Ballenstedt nur Rechte anderer bekannt. Ein sehr wichtiges Indiz für diese Vermutung liefert eine gefälschte Urkunde, die auf den 10.06.1053 datiert ist und König HEINRICH III. ausgestellt haben soll. Danach fand die Weihe der Stiftskirche an jenem Tage im Beisein des Königs statt, und dieser schenkte dem Stift Abgaben aus einigen Dörfern. Einen ASKANIER nennt die Fälschung nicht. Ein Vergleich zeigt, dass sie unter Verwendung einer für Kloster Nienburg 1041 angefertigten Urkunde entstand. Sie bezeichnet daher den erst 1046 zum Kaiser gekrönten HEINRICH III. als "rex" ("König"). Der Fälscher kannte aber anscheinen das Weihedatum, und so entlarvte er sich durch den Widerspruch zwischen Datum und der Anrede des Herrschers, die 1053 "imperator ("Kaiser") hätte lauten müssen. Als Gründer käme deshalb Esico in Betracht, und das entspräche der Urkunde Adalberts von 1073, die das Stift als dessen Erbe bezeichnet. Auch die mündliche Überlieferung im anhaltisch-askanischen Hause hat offenbar die Erinnerung an die Gründung durch Esico bewahrt, und so ist dies sehr wahrscheinlich. Doch weiter. Die Fälschung diente offenbar dazu, als Vorlage für eine echte königliche Urkunde verwendet zu werden, die erhalten ist und 1073 die angebliche Schenkung HEINRICHS III. bestätigt. Allein diese kommt aber als Fälschungsgrund in Frage, so dass ihre Wiederholung in der echten Urkunde nichts besagt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass eine kaiserliche Schenkung gar nicht existierte, HEINRICH III. der Weihe wohl auch nicht beiwohnte und die Rechte der Propstei in den Dörfern okkupiert waren. Dies wäre wiederum am ehesten ihrem Gründer zuzutrauen und ginge gut konform mit einer Okkupation des Ballenstedter Burgberges bei gleichzeitiger illegaler Heranziehung von Geistlichen Sollten die Überlegungen richtig sein, bliebe fraglich, ob Esico gleich nach der Okkupation dort den Stammsitz nahm. Verständlicher wäre, dass es erst unter Adalbert geschah, nachdem dieser die Grafenrechte für den Ballenstedter Raum erworben hatte. Adalberts Heirat mit Adelheid, der Tochter des Markgrafen von Meißen und Grafen von Weimar, sollte für die ASKANIER in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung werden, und dies zeigte sich schon in der nächsten Generation. Der Ehe entstammten die Söhne Otto und Siegfried, die beim Tode des Vaters anscheinend noch minderjährig waren.