Es fällt ferner auf, daß
sich im Hause STEUSSLINGEN
der Name Otto in
mehreren
Generationen wiederholt und auch im Hause
SCHELKINGEN wiederkehrt.
In
den uns bekanntgewordenen Geschlechtern
der MÖMPELGARDER,
RHEINFELDENER,
HABSBURGER
und DIESSEN-ANDECHSER
geht der Name Otto
regelmäßig
über Richlind,
die Gemahlin Kunos
von Öhningen, auf OTTO DEN
GROSSEN zuurück. Wir wüßten nicht, auf wen
sonst der Name Otto im Hause STEUSSLINGEN
zurückgehen könnte, wo er sich erstmals bei einem Bruder des
Erzbischofs
Anno II. von Köln (1056-1075),
findet, der um 1015 bis
1020 geboren sein dürfte und damit in die Generation der Ur-Enkel Richlinds bzw.
der Enkel Konrads des
Jüngeren "von Öhningen" gehören würde.
Über die ersten Generationen des Hauses
STEUSSLINGEN sind
wir fast ausschließlich aus niederdeutschen Quellen unterrichtet.
Wenn wir dies berücksichtigen, finden wir
bei den STEUSSLINGERN
wohl noch weitere "ottonische
Namen. So erscheint wiederholt
der Name Heinrich, dem
möglicherweise Heimo
als
Koseform gleichzusetzen ist. So hießen Annos
Mutter-Bruder, der Propst an Maria
ad Gradus in Köln war,
sowie ein leiblicher Bruder Annos.
Eine Schwester Annos
hieß Azecha (=
Haziga-Hadwig); sie war mit Egilolf
von Pfullingen
vermählt und Mutter jenes
Kuno, der
1066 erschlagen wurde, als er auf Betreiben seines Oheims Anno gegen
den Willen der Trierer den dortigen Erzstuhl besteigen wollte. Annos
Mutter und eine andere Schwester hießen Engela, was in
einer nichtschwäbischen Quelle wohl dem Namen Engeltrud
entsprechen dürfte. Alle diese Namen finden wir bei den
Ahnen OTTOS DES GROSSEN. Sie müssen
wohl
durch einen Angehörigen des ottonischen
Hauses vermittelt sein; Richlind,
die Gemahlin Kunos von
Öhningen, kommt dafür am
ehesten in Betracht. Die steußlingischen
Namen Werner
und Burchard sind
im Umkreis der "ÖHNINGER"
ebensowenig fremd wie Ida oder
Jutta (= Judith),
den Annos Nichte, die Äbtissin von St. Caecilien in
Köln (1056?-1074),
trug [342 Zu Ida bzw. Jutta
siehe Regesten der Erzbischöfe von Köln (wie Anm. 338) Nr.
839. - Lück (wie Anm. 338) Seite 55. - Beide Namen finden sich
unter den Töchtern Kunos
von Öhningen.].
Nach all dem halten wir es für
möglich, ja für wahrscheinlich, daß die von
Steußlingen mit der "Öhninger" (Sippe
zusammenhängen über den noch unversorgten Sohn Kuno.
Er müßte nach der Zeit der Vater des Kölner
Propstes Heimo und
der Engla sein, die sich
mit Walter
I. von Steußlingen vermählte, dem Vater der Erzbischöfe
Anno II. von Köln
(1056-1075) und Werner
von
Magdeburg (1063-1078) und ihrer Geschwister Otto, Heimo,
Adalbero, Walter,
Azecha und Engela.
Letztere war die Mutter des Bischofs
Burchard von Halberstadt
(1059-1088).
Die späteren STEUSSLINGER
stammen am ehesten von Otto
ab. Auffallen könnte lediglich, daß sich der Name Kuno
im Hause STEUSSLINGEN nicht
wiederfindet, wohl aber in
dem damit verschwägerten Haus PFULLINGEN.
Die Stamm-Mutter
der STEUSSLINGER,
Engla,
wäre nach unserer Annahme eine Ur-Enkelin OTTOS
DES GROSSEN. Dazu dürfte
trefflich passen, was die "Miracula s. Annonis" (12. Jahrhundert) von
ihrem Sohn Anno sagen,
nämlich:
Erat in regione
Saxonum celebre tum Annonis
nomen et meritum, nam et genus inde duxerat
maternum.
Damit wiederum im Einklang steht, daß ein
ganzer Zweig der Familie STEUSSLINGEN in Sachsen, in
den
östlichen Ausläufern des Harzes, Fuß fassen konnten
unnd dort noch lange eine Rolle spielte als Herren bzw. Grafen von
Arnstein und Biesenrode [345 Gerd
Heinrich: Die Grafen von
Arnstein. Mitteldeutsche Forschungen 21. 1961. Seite 9ff.]. Dies ist
wohl nur denkbar, wenn die Familie dort begütert war, was bei den
Nachkommen OTTOS DES GROSSEN freilich
keine Frage wäre.
Die STEUSSLINGER
verdankten ihre
kirchlichen Ämter somit in erster Linie ihren Beziehungen zum
Königs-Haus, dem sie offfenbar verwandtschaftlich verbunden waren.