BUCHEGG
(Adels-Geschlecht)
Die Grafen von Buchegg waren eine Hochadels-Familie, die
über mehrere Generationen das Landgrafenamt über die
Landgrafschaft
Burgund im schweizerischen Mittelland ausübten.
Sie hatten ihren Stammsitz auf einer Burg in der heutigen Gemeinde
Kyburg-Buchegg
im Kanton
Solothurn. Ihre Herrschaft umfasste weite Teile des Bucheggbergs und
des
angrenzenden Limpachtals. Bemerkenswert sind
die drei Brüder in der letzten Generation der Grafen-Familie: Dank
Beziehungen von Hugo II.
zur Kurie in Avignon kam Berthold
an die Spitze des Fürstbistums Strassburg, Matthias
wurde Erzbischof und Kurfürst von Mainz. Die Familie starb in der
Mitte des 14. Jahrhunderts aus.
Geschichte:
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Ab 1130 trat Hugo I. von
Buchegg im Gefolge der Herzöge von Zähringen auf.
Ihr ursprünglicher Sitz war vermutlich die Teufelsburg
(Rüti
bei Büren) [1 Thomas Bitterli-Waldvogel,
Schweizerischer Burgenverein (Hrsg.): Burgenkarte der Schweiz – West.
Objektbeschrieb und Detailkarten. Bundesamt für Landestopographie
swisstopo, Wabern 2007, ISBN
978-3-302-09801-2,
Seite 42 (Koordinaten 599 090/221 830).].
Für das Jahr 1185 ist altes Eigengut der Buchegg in Cressier NE
erwähnt. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die
Familie von den ZÄHRINGERN
aus der West-Schweiz in den Oberaargau versetzt
worden war. Der Besitz in der Gegend ihres späteren Stammsitzes am
Bucheggberg, einer
Burg an der Stelle des heutigen Buechischlösslis
bei Kyburg-Buchegg,
stellte keine geschlossene Herrschaft dar und wurde ihnen vermutlich
von den ZÄHRINGERN
aus ursprünglich verstreutem Reichsgut
übertragen. Die Grafen von Buchegg waren Kastvögte des
St. Ursenstift
in Solothurn, das 932
von der Burgunder-Königin Berta von Alamannien (*
um 907; † nach 2. Januar 966)
gegründet worden war.
Die beiden Brüder Arnold und Kuno, zum Gefolge der ZÄHRINGER gehörend, waren Söhne von Hugo I. Nach dem Aussterben der Herzöge 1218 suchten die BUCHEGG den Anschluss an das Grafen-Haus KYBURG, als deren Dienstmann Peter I. (erwähnt ab 1218, † vor 1276) um 1253 bis etwa 1255 Schultheiss der Stadt Bern war. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist Peter I. als Landgraf von Burgund fassbar. Ob sie schon früher von den ZÄHRINGERN als Statthalter in dieses Amt eingesetzt wurden, kann nur vermutet werden.
Peters Sohn Heinrich übernahm 1276, hier erstmals erwähnt, als Nachfolger der Edelknechte von Balmegg die Herrschaft Balmegg auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Balm bei Messen. Für das gleiche Jahr ist ein Landtag belegt, den er als Landgraf auf der Dingstätte Jegenstorf abhielt [2 Jufer 1994, Seite 137; Plüss 1900, Seite 33.]. Vermutlich auf Betreiben der HABSBURGER gab Heinrich 1313 das Landgrafenamt über Burgund an die Grafen von Neu-Kyburg. Heinrich wurde 1316 letztmals erwähnt, als er seinen abwesenden Sohn Hugo als Schultheiss in Solothurn vertrat. Er starb als Deutschordensritter 1320.
Der erste seiner Söhne, Graf Hugo II., trat die Laufbahn als Ritter an und diente 1301 König ALBRECHT I. VON HABSBURG in den Rheinlanden gegen die rheinischen Kurfürsten. 1306 nahm er an der Eroberung Böhmens teil, 1310 beteiligte er sich am Italienzug von König HEINRICH VII. VON LUXEMBURG, wofür er als Pfand den Reichszoll der Stadt Bern erhielt. Für weitere Kriegsdienste gab ihm HEINRICH VII., nun Kaiser, kurz vor seinem Tod 1313 in Pisa als Pfand das Schultheissenamt von Solothurn. Hugo II. trat danach in die Dienste des Königs von Neapel, Robert von Anjou, genannt der Weise, und nahm 1316 an der Eroberung Genuas teil. Mit diesen Kriegsdiensten war Hugo II. der erste bedeutende Reisläufer aus Solothurn. Nach diesen Kriegszügen weilte er für längere Zeit am Hof von Papst Johannes XXII. in Avignon. Dies ermöglichte es ihm, als Fürsprecher seiner beiden Brüder deren geistliche Karriere zu fördern: sein erster Bruder Berthold wurde Fürstbischof von Strassburg, sein zweiter Bruder Matthias Erzbischof und Kurfürst von Mainz sowie Reichserzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Ab 1335 war Hugo II. Burger der Stadt Bern.
Hugo II. von Buchegg starb 1347. Mit ihm und seinen Brüdern erlosch die Grafen-Familie der BUCHEGG. Über seine Schwester Johanna von Buchegg kam die Herrschaft des Grafen-Hauses an Ritter Burkhard I. Senn von Münsingen, Herr zu Buchegg. Sein gleichnamiger Sohn wurde 1360 von Kaiser KARL IV. in den Freiherrenstand erhoben [3 Tina Maurer: Senn von Münsingen im Historischen Lexikon der Schweiz Verschiedene Urkunden im Staatsarchiv Bern, so zum Beispiel Urkunde vom 10. Juni 1365, abgerufen am 7. Juli 2010.]. Dessen Tochter Elisabeth (III.) von Buchegg verkaufte 1391 die Herrschaft Bucheggberg – die Burg Buchegg selbst war 1383 im Burgdorferkrieg von den Grafen von Neu-Kyburg niedergebrannt worden – mitsamt dem Burgstall der Teufelsburg [1 Thomas Bitterli-Waldvogel, Schweizerischer Burgenverein (Hrsg.): Burgenkarte der Schweiz – West. Objektbeschrieb und Detailkarten. Bundesamt für Landestopographie swisstopo, Wabern 2007, ISBN 978-3-302-09801-2, Seite 42 (Koordinaten 599 090/221 830).], Erbe ihres Vaters, der Stadt Solothurn. Diese richtete dort die Vogtei Bucheggberg ein, die bis 1798 bestand.
Mit Judenta von Buchegg
stellte die Grafen-Familie auch eine der
Äbtissinnen im Zisterzienserinnen-Kloster Fraubrunnen.
Sie amtete dort von 1326 an und resignierte 1348 [4 Helvetia
Sacra, Klöster und Bistümer,
Fraubrunnen und Judenta von Buchegg, abgerufen am 14. Dezember 2009.].
Wappen:
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Das Wappen der Grafen von Buchegg ist in zwei Varianten
überliefert [5 Hans Bloesch,
Burgergemeinde Bern (Hrsg.): Wappenbuch der burgerlichen
Geschlechter der Stadt Bern. Verlag Benteli A.-G., Bern 1932 (Wappen nach den Originalen
von Bernhard von Rodt und Paul Boesch).].
Blasonierungen:
- In Gold pfahlweise drei rote Rosen. Als Helmzier ein wachsender Männerrumpf in Gold mit drei roten Rosen pfahlweise, roter Mütze und goldenem Stulp. Die Helmdecken sind aussen Rot, innen Gold [6 So verwendet beispielsweise für Berthold von Buchegg als geviertetes Landkomturenwappen (1311) in der grossen Wappentafel aus dem 18. Jahrhundert im Chor der Schlosskirche zu Altshausen. Bernhard Peter: Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 344. In: Einführung in die Heraldik. 14. März 2007, abgerufen am 10. Dezember 2010 (erstes Wappen oben links). Die Helmdecken nach Bloesch 1932: Wappenbuch sind umgekehrt: aussen Gold, innen Rot.].
- In Rot ein goldener Pfahl, belegt mit drei golden besamten silbernen Rosen mit silbernen Kelchblättern. Als Helmzier ein goldenes Hirschgeweih in Form eines Zehnenders, die Enden belegt mit den gleichen silbernen Rosen. Die Helmdecken sind aussen Rot, innen Gold.
Die zweite Form des Wappens übernimmt den Pfahl aus dem
Stammwappen der Senn
von Münsingen, die im roten Schild einen silbernen Pfahl und ein
silbernes Haupt führten [7 Ludwig
von Wurstemberger: Buchegg,
die reichsfreie Herrschaft, ihre Grafen und Freiherren und die
Landgrafschaft Klein-Burgund urkundlich bearbeitet. Jenni, Bern 1840, Seite 160 (Google
Books, abgerufen am 10. Dezember
2010).].
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Die Grafen von Buchegg und in weiblicher Abstammung die Freiherren von Buchegg aus der Familie der Senn von Münsingen [8 Kocher 1952: Stammtafel 3.].
- Hugo I. (erwähnt
1130), Graf von Buchegg
- Arnold
(erwähnt 1175–1180), Graf von Buchegg (comes de
Bovccecca)
- Peter
I. (erwähnt 1218; † 1276), Graf von Buchegg, Landgraf
von Burgund (nach 1250), Schultheiss
von Bern
(1253)
- Ulrich (erwähnt 1243–1261), Graf von Buchegg
- Heinrich (erwähnt 1250; †
14. August 1320), Graf von
Buchegg, Landgraf von Burgund
∞ Adelheid
von Neuenburg-Strassberg
- Hugo II. (erwähnt 1273; † 1347), Soldunternehmer, Schultheiss von Solothurn 1. ∞ Margarita Galarda; 2. ∞ 1337 Margarethe von Neuenburg
- Peter II. (erwähnt 1273–1288), Mönch in Murbach
- Hartmann (erwähnt 1273)
- Elisabeth (II.) (erwähnt 1273–1341) 1. ∞ Freiherr Ulrich II. von Aarburg († vor 1305); 2. ∞ Graf Egino II. von Freiburg († 1317); 3. ∞ ? von Klingen
- Berthold (erwähnt 1279; † 24. November 1353 in Molsheim), Ritter und Komtur des Deutschen Ordens, Bischof von Speyer und Strassburg
- Cuno II. (erwähnt 1302)
- Matthias (erwähnt 1303; † 9. September 1328 in Miltenberg, Beigesetzt im Dom zu Mainz), Mönch und Kustos in Murbach, Propst in Luzern, Erzbischof von Mainz und Reichserzkanzler des Heiligen Römischen Reichs
- Anastasia (erwähnt 1313–1362) ∞ Ulrich III. von Signau (erwähnt 1313–1362)
- Judenta (erwähnt 1326; † 1348), Äbtissin von Fraubrunnen
- Johanna († vor 19. März 1338), Erb-Tochter ∞ Burkhard I. Senn (erwähnt 1308; † vor 13. September 1337), Ritter, Begründer der Linie der Freiherren von Buchegg
- Elisabeth (I.) (erwähnt 1250–1302) 1. ∞ 1276 Freiherr Heinrich von Jegenstorf (erwähnt 1276); 2. ∞ 1282 Ritter Ulrich I. von Bubenberg (erwähnt 1267–1293), Schultheiss von Bern; 3. ∞ vielleicht 1302 Heinrich Schriber von Solothurn
- Tochter ∞ Walfried von Sumiswald
- Peter
I. (erwähnt 1218; † 1276), Graf von Buchegg, Landgraf
von Burgund (nach 1250), Schultheiss
von Bern
(1253)
- Cuno
I. (erwähnt 1180)
- Arnold
(erwähnt 1175–1180), Graf von Buchegg (comes de
Bovccecca)
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- Burkhard
I. Senn von Münsingen (erwähnt 1308; †
vor 13.
September 1337), Ritter
∞ Johanna von Buchegg († vor 19. März
1338), Erb-Tochter
- Johann II. Senn von Münsingen (ca. 1308; † 30. Juni 1365 in Basel, beigesetzt im Münster).
- Konrad II. Senn von Münsingen (erwähnt 1337; † vor 10. Juni 1365), Propst von Moutier-Grandval
- Burkhard
II. Senn von Münsingen (erwähnt 1337; †
nach 10.
Juni 1365), ab 1360 Freiherr von Buchegg ∞ Agnes von
Baden-Hachberg († um 1405),
Tochter von Markgraf Rudolf
II. von
Hachberg-Sausenberg (* 1301; † 1352) und von Gräfin Katharina von Thierstein († 21. März 1385)
- Elisabeth (III.) von Buchegg (erwähnt 1365–1418) 1. ∞ Henmann von Bechburg, (erwähnt 1371; † 15. November 1386 in der Schlacht bei Sempach), Ritter; 2. ∞ nach 1418 mit Hans genannt Schulthess von Grünenberg (erwähnt 1406–1418), Junker und „zu Solothurn gesessen [9 Käser 1855: Seite 192.]“
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- Franz Senn von Münsingen (erwähnt 1364; † 1398), Freiherr von Buchegg, Komtur von Köniz und Beuggen
- Heinrich von Buchegg, † vor 27. November 1380 [10 Urkunde zu einer Vergabung von Margaretha, Witwe des Heinrich von Buchegg, für das Kloster Fraubrunnen. Staatsarchiv Bern, 27. November 1380, abgerufen am 26. Oktober 2011 (HTML, deutsch).]
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Anastasia von Signau, Tochter von Anastasia von Buchegg und Ulrich III. von Signau, wurde am 30. Dezember 1325 in Burgdorf mit dem Grafen Eberhard II. von Neu-Kyburg (* 1299; † 17. April 1357) verheiratet [11 Plüss 1900: Seite 57.].
Aus der zweiten Ehe von Elisabeth (I.) von Buchegg mit Ulrich I. von Bubenberg stammte Ritter Johannes II. der Jüngere von Bubenberg (* 1291; † 1369/1370), der bedeutendste adelige Schultheiss des mittelalterlichen Bern.