Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 2155
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WELS-LAMBACHER
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Bedeutendes Grafengeschlecht, seit dem 10. Jh. im Traungau nachweisbar, mit Stammburg und Allod zu Lambach. Wels-Lambach fiel als ursprüngliches Königsgut an. Seit dem 10. Jh. erweiterten die WELS-LAMBACHER ihren Herrschaftsbereich zwischen Inn, Hausruck, Enns und den Voralpen; sie ließen vermutlich auch die Burg Steyr erbauen. Teile des Wels-Lambacher Besitzes fielen Mitte des 11. Jh. an die Grafen von Formbach, die Grafen von Regau, das Hochstift Würzburg (Verwaltungssitz Wels-Lambach) und an die OTAKARE, die ihnen 1056 auch als Markgrafen der Kärntner (Karantanischen) Mark an der Mur und als Vögte über Lambach folgten. Erste bezeugte WELS-LAMBACHER sind Arnold I. (+ 1. März ca. 1020), Graf an der Traun zu Lambach, seine Schwester Mathilde (oo Babo I., Burggraf von Regensburg) und Berthold, Graf an der Donau. Arnolds I. Söhne waren Aribo von Ennsburg und Arnold II. (+ 3. März ca. 1055; oo mit Reginlind [Regilla] von Verdun). Der Ehe entsprossen Gottfried (1042 als Markgraf nahe Pitten siegreich über die Ungarn, ermordet 8. Februar 1050), Arnold III. (+ 1050), Adalbero, Bischof von Würzburg (+ 6. Oktober 1090, begraben in Lambach), und Mathilde (oo Rapoto, Graf von Cham). Gottfrieds Tochter Mathilde (+ ca. 1100) wurde Gemahlin Ekberts I., Graf von Formbach (+ 1109), eine namentlich nicht genannte Tochter soll mit Markgraf Otakar II. von Steier verheiratet gewesen sein. Arnold II. gründete anstelle seiner Burg Lambach ein Kollegiatsstift, das 1056 von Bischof Adalbero in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde.
Literatur:
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K. Trotter, Die Grafen von 'Lambach' und Formbach (Genealogisches
Handbuch zur bairisch-österreichischen Geschichte, hg. O. Dungern,
1931) - P. J. Joerg, Die Heimat und die Vorfahren des hl. Adalbert, Würzburger
Diözesangesch.sbll. 14/15, 1952/53 - F. Tyroller, Genealogie des altbayer.
Adels im HochMA (Genealog. Taf. zur mitteleurop. Gesch., hg. W. Wegener,
1962-1969.
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Prinz Friedrich:
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"Bayerns Adel im Hochmittelalter"
Die Grafen von Lambach-Wels (ADALBERONEN), deren Verbindungen zu den OTAKAREN ungeklärt sind, bauten ihr Herrschaftsgebiet um die Burgvogtei Wels und Lambach auf, im Westen reichte es an der Ager bis gegen Vöcklabruck (Rebgau) und an den Attergau heran, im Norden trugen sie Lehen von Passau am Hausruck und am Kesslawald bis zur Donau, ihr Besitz stieß im Osten an die geschlossene Kremsmünsterer Grundherrschaft, umgriff an der unteren Alm ebenfalls zwei Komplexe dieser Abtei und erweiterte sich im Alpengebiet um den Almsee und in der späteren Herrschaft Klaus durch intensiven Landesausbau. Die LAMBACHER lassen sich als Grafen im Traungau bis an den Beginn des 10. Jahrhunderts zurückverfolgen; ihre Burgvogtei Wels war ursprünglich karolingisches Königsgut; von einem alten Königsgutbezirk aus entwickelte sich somit die markgräfliche Stellung und Herrschaft dieses Geschlechtes, das mit Adalbero, Bischof von Würzburg, Sohn des Markgrafen Arnold II., 1090 ausstarb und von den verwandten FORMBACHERN beerbt wurde.
Trillmich Werner: Seite 106
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Ähnlich wie die OTAKARE verhielten sich die Grafen von Lambach-Wels, deren Hauptburg Lambach an der Traun stand. In Wels besaßen sie Markt und Zoll, in der Agger und Traun bis Vöcklabruck Fischereirechte. Passauer Lehen am Hausruck und am Kesselwald reichten bis an die Donau. Graf Arnold, der im Rott- und Attergau Grafschaftsrechte ausübte, heiratete die Grafentochter Reglindis von Heinsberg. Durch sie erwarb er Güter in Mainfranken, die später beider Sohn Adalbert als Bischof von Würzburg (1045-1090) seinem Stift zubrachte.
Joerg Peter Josef: Seite 244
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"Adalbero Bischof von Würzburg"
Nach dem Tode Gottfrieds war Adalbero, der
1045 Bischof von Würzburg geworden war, der letzte überlebende
männliche Nachkomme des so mächtigen Geschlechtes der WELS-LAMBACHER
Grafen
im Traungau. Von dem reichen Erbe fiel der größte Teil, darunter
die Stadt Wels und die Stammburg Lambach, mit den dazugehörenden Orten,
Gütern und Gerechtsamen, an den Bischof Adalbero und durch
diesen dann an das Bistum Würzburg. Die Allode in dem Gebiete von
Pütten und das Donautal an der Roten Salete bis Schönhoring erhielten
die Erbtochter Mechthild und ihr Gemahl Ekbert I. von Formbach.
Der übrige Besitz der Lambacher Grafen diesseits und jenseits der
Traun und in der Kärntner Mark kam an den Chiemgauer Grafen Otakar.