Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 1554
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Kruto, Fürst der Abodriten
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Kämpfte im Gefolge der heidnischen Reaktion von 1066 und legitimiert durch einen Wahlakt gegen die Dynastie der christlichen NAKONIDEN, zu der seine aus Wagrien (Ostholstein) stammende Familie in Rivalität stand. 1075 nach der endgültigen Ausschaltung von Butue (Budivoj), dem von den Sachsen unterstützten Sohn des Fürsten Gottschalk, erlangte Kruto die Samtherrschaft über die Abodriten und verhalf so der Gentilreligion zu alleiniger Geltung. In die Zeit von Krutos Herrschaft fällt die Gründung der Burg Bucu an der Stelle des späteren Lübeck. Um 1090 wurde Kruto das Opfer eines Komplotts, das von Heinrich von Alt-Lübeck, dem jüngeren Sohn Gottschalks, inszeniert worden war.
Literatur:
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W. Lammers, Die Slawen (Geschichte Schleswig-Holsteins
IV/1, 1964/72, 133-138.
34. Vom Tode Cruto's.
Es ereignete sich, daß, als Cruto,
der Fürst der Slaven und der Verfolger der Christen, von Altersschwäche
heimgesucht wurde, Heinrich, der Sohn
Godescalks,
Dännemark verließ und in das Land seiner Väter zurückkehrte.
Da ihm aber Cruto jeglichen Zutritt
versperrte, so sammelte er bei den Dänen wie bei den Slaven eine Anzahl
Schiffe, und überfiel Aldenburg und die ganze slavische Küstengegend,
und führte davon eine unermeßliche Beute hinweg. Und als er
das zum zweiten und
dritten Male that, geriethen alle slavischen Bewohner
der Inseln und der Küstenländer in große Furcht, so daß
selbst Cruto unverhoffter Weise sich
mit Heinrich auf Friedensbedingungen
einließ, ihm die Heimkehr gestattete und ihm die ihm gefälligen
Orte zum Bewohnen einräumte. Jedoch handelte er so nicht mit aufrichtigem
Herzen, sondern er lauerte nur darauf, den jungen, tapferen und kriegskundigen
Mann, den er mit Gewalt nicht überwinden konnte, durch List
zu überwältigen. Daher suchte er von Zeit zu Zeit beim sorgfältig
eingerichteten Gastmahle die Gemüthsart desselben kennen zu lernen,
indem er eine günstige Gelegenheit suchte, ihn aus dem Wege zu räumen.
Jenem aber fehlte es, sich zu schützen, weder an Klugheit, noch an
List. Denn Frau Slavina, die Gemahlin
Cruto's,
warnte ihn wiederholt und hinterbrachte ihm, daß man ihm nach dem
Leben trachte. Zuletzt sann sie, da ihr der nicht mehr junge Gemahl zuwider
war, darauf, Heinrich
wo möglich
zu heirathen. Daher lud dieser auf ihr Anrathen den
Cruto zum Gastmahl, und als derselbe vom vielen Trinken berauscht,
das Gemach, in dem sie gezecht hatten, taumelnd verließ, traf ihn
ein Däne mit einer Streitaxt und schlug ihm mit einem Streiche das
Haupt ab. Heinrich aber heirathete
die Slavina und erhielt die Herrschaft
des Landes. Er besetzte die Burgen, die bisher
Cruto inne gehabt hatte, und nahm Rache an seinen
Feinden. Auch begab er sich zum Herzog Magnus von
Sachsen, weil er mit ihm verwandt war, und wurde von demselben hoch erhoben
und leistete ihm den Eid der Treue und des Gehorsams. Aber auch die Völker
der Nordelbinger, welche Cruto sehr
geplagt hatte, rief er zusammen und schloß mit
ihnen einen festen Vertrag, den kein Krieg zerreißen
sollte. Und es freuten sich die Holzaten, so wie die Sturmaren und die
übrigen Sachsen, deren Grenznachbaren die Slaven waren, daß
ihr größter Feind, der sie dem Tode, der Gefangenschaft und
der Vernichtung preisgegeben hatte, gestürzt und statt einer
ein neuer Fürst da war, welcher das Heil Israels
wünschte. Ihm waren sie von Herzen ergeben, so daß sie mit ihm
in manche Kriegsgefahr sich stürzten, bereit, mit ihm Leben oder Tod
tapfer im Kampfe zu theilen.
oo 1. Slawina
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Literatur:
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Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte
- Bork Ruth: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte
des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Dissertation
Greifswald 1951 Seite 157,160 - Helmhold von Bosau, Slavenchronik
Buch I Kapitel 34,46 -