Seitenlinie der Grafen von Spanheim
Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 1482
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Ortenberg (heute Ortenburg bei Passau), Grafen von, Grafschaft
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Das Geschlecht geht auf die SPANHEIMER
zurück.
Rapoto I. († 1186), der
um 1120 die Burg Ortenberg
errichtete, schuf zunächst eine Nebenlinie der SPANHEIMER in Nieder-Bayern
und erbte Kraiburg/Ober-Bayern von seinem Bruder. Durch seine Ehe mit Elisabeth von Sulzbach erhielt
er bedeutenden Besitz nördlich der Donau mit Murach im
Oberpfälzer Wald.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts bildeten sich wiederum zwei Linien
der Grafen von Ortenberg,
so daß eine zweite Burg in Ortenberg errichtet wurde. Graf Heinrich I. gründete
bereits 1206 in Vilshofen/Donau eine Stadt (Markt?).
Graf Rapoto II. († 1231) aus der anderen Linie
der ORTENBERGER wurde 1210 bayerischer Pfalzgraf; mit seinem Sohn Rapoto III. endete 1248 dieser
Zweig; die Tochter Elisabeth
(oo Graf von Werdenberg/Schweiz) mußte ihren Ortenberger Besitz an die Wittelsbacher Herzöge
übergeben. Auch im Familienstreit der anderen Enkel Rapotos I. waren die WITTELSBACHER
Hauptnutznießer.
Nur Rapoto IV. († 1296) konnte die Familie
fortpflanzen, die jedoch für einige Zeit in die
Landsässigkeit herabgedrückt wurde.
1391 erwarb der bayerische Herzog sogar das Öffnungsrecht
über die Ortenberger Burgen.
Trotzdem gelang es den ORTENBERGERN
im 14. und 15. Jahrhundert, einige Herrschaften in Nieder-Bayern
zu erwerben. Kern des Hausbesitzes war die Reichsgrafschaft Ortenberg mit den beiden Burgen Alt-
und Neu-Ortenberg und dem
gleichnamigen Markt. Das Territorium Ortenberg war weitgehend von herzoglichen bayerischen Gebiet
umschlossen. Die ORTENBERGER traten zeitweise in Dienste der bayerischen Herzöge,
des Bischofs von Passau und des französischen Königs.
W. Störmer
Teile des Formbacher
Erbes fielen an die Grafen von
Ortenburg, die nach den ANDECHSERN
und WITTELSBACHERN
das einflussreichste Dynasten-Geschlecht Bayerns wurden. Aus
dem rheinfränkischen
Hause der SPANHEIMER hervorgegangen, die
von 1090 mit kurzen Unterbrechungen bis 1170 die Markgrafschaft Istrien
und vom 1122 bis 1276 das Herzogtum Kärnten innehatten,
die dortigen Alpenpässe kontrollierten und das Hospital Spittal an
der Drau gründeten, kamen die
ORTENBURGER
zur Zeit Kaiser
HEINRICHS IV. und
HEINRICHS
V. nach Bayern, erwarben Besitz und
Grafschaftsrechte im Rottachgau sowie Lehen vom Hochstift Salzburg im
Chiemgau.
Hauptsitze des Geschlechtes waren, neben der Stammburg Ortenburg
westlich
Passau, die Kraiburg am Inn südlich Mühldorf und
Marquartstein;
hinzu kamen Lehen von Passau und Bamberg und die Vogteien über
Frauenchiemsee,
Baumburg und Aldersbach. Im Oberinntal setzten sich die ORTENBURGER
in Schindelburg, Itter, ferner in Sperten nördlich
Kitzbühl fest.
Damit legten sich die Besitzungen der Ortenburger wie ein
Sperrgürtel
von Tirol über den Chiemgau und das Rottal bis zur Donau, wo sie
in
Hilgartsberg, Pleinting und Vilshofen eine feste Stellung
besaßen.
Sie hemmten somit das weitere Vordringen der WITTELSBACHER
und ANDECHSER in
östlicher Richtung, was für die weitere Geschichte
dieser beiden Häuser und Bayerns insgesamt von großer
Bedeutung
werden sollte.