Begraben: Bamberg, Dom
Ältester Sohn des Herzogs
Heinrich
II. des Zänkers von Bayern (†
28.8.995) aus dem
Hause der LIUDOLFINGER-OTTONEN und der
Gisela
von Hoch-Burgund, Tochter von König
Konrad;
Bruder von Bischof Brun von Augsburg († 29.4.1029), Königin Gisela von Ungarn († 9.5.
nach 1060), Äbtissin Brigida von Andlau,
Stief-Bruder von Erzbischof Arnold von
Ravenna (†
17.11.1018/19) und Äbtissin
Gerberga
von Frauenchiemsee, Ur-Enkel vom Deutschen König HEINRICH
I. († 2.7.936) und Herzog Arnulf von Bayern († 14.7.937), Neffe von König Rudolf III. von Hoch-Burgund († 5./6.9.1032
), Königin Bertha von Frankreich († nach 1010),
Herzogin Gerberga (Guepa) von Schwaben († 7.7.1018/19), Gräfin Mathilde von Genf und
Bischof Burchard
II. von Lyon († 10.6.1031),
Groß-Neffe vom römischen
Kaiser OTTO I. DEM GROSSEN (†
7.5.973)
und der
Römischen Kaiserin Adelheid von Burgund († 16./ 17.12.999)
Lexikon des Mittelalters: Band IV
Spalte 2037
********************
HEINRICH II., hl.
(Fest: 13. Juli), Kaiser, deutscher
König
-------------------
[1] Leben und Regierung:
* 6. Mai 973 (978?) in Bayern, †
13. Juli 1024 Pfalz Grone
Begraben: Bamberg,
Dom (Grabdenkmal von
T. Riemenschneider, 1513 aufgestellt)
Ur-Enkel König Heinrichs I.
Eltern: Herzog Heinrich der Zänker von Bayern und Gisela von
Burgund
oo Kunigunde
998/1000, ohne Kinder
Ausgebildet für den
geistlichen Stand zunächst in Hildesheim, wohl auf
Anweisung Kaiser OTTOS II., der damit die
Nachkommenschaft seines Gegners von jeder Teilhabe an der Reichsgewalt
ausgeschaltet wissen wollte; dann in Regensburg
unter der Leitung Bischof Wolfgangs. Im dortigen
Kloster St. Emmeram lernte er auch die vom Kloster Gorze
ausgehende monastische Reform
kennen. Doch wurde er bald von seinem Vater an den
Regierungsgeschäften beteiligt und folgte ihm 995 als Herzog Heinrich IV. von Bayern.
Nach OTTOS
III. plötzlichem Tod fand der geblütsrechtlich
legitimierte und durch äußere Umstände seinen
Gegenkandidaten gegenüber begünstigte Heinrich zunächst nicht
die einhellige Zustimmung der Großen; wahrscheinlich hegten sie
auch Zweifel am Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte. In
Mainz wurde er am 7. Juli 1002 durch die Mehrzahl der geistlicher
und weltlicher Fürsten Ober-Deutschlands zum König gewählt und
von Erzbischof Willigis
gekrönt. Dem
nachfolgenden Umritt durch weite Teile des Reiches wird man weniger als
Vervollständigung des Wahlaktes, vielmehr als Bestätigung
allgemeiner Anerkennung seiner Herrschaft zu deuten haben. Seine
Regierung zeigte, daß auf den Visionär OTTO III. ein zäher
Realpolitiker gefolgt war, der, durchdrungen von der Sakralität
seines Amtes, Unsicherheit und Zweifel nicht kannte und das Reich
konsolidierte.
Zunächst standen die Grenzprobleme des Ostens im Vordergrund
seiner Politik. Gegen den polnischen
König Boleslaw Chrobry
führte
er drei Kriege. Durch das Ärgernis, das sein Bündnis mit den
heidnischen Lutizen erregte, mit denen
er gegen das christliche Polen zog,
ließ er sich nicht beirren.
Im Frieden von Bautzen (1018)
konnte Polen schließlich die Lausitz und das Milsener
Land als Lehen behaupten.
Im Westen des Reiches von Flandern
bis Burgund griff er mit
unterschiedlichen Erfolgen gegen die erstarkenden Territorialgewalten
ein.
Dreimal zog HEINRICH II.
nach Italien, wo sich nach OTTOS
III. Tod Arduin
von Ivrea als König durchgesetzt hatte.
Auf dem 1. Zug (1004) empfing er in Pavia die langobardische Königskrone;
auf dem 2. Zug krönte Benedikt
VIII., dem er
gegen die CRESCENTIER
Rückhalt
gewährt hatte, ihn am 14. Februar 1014 in St. Peter in Rom zum Kaiser.
Zum dritten Mal zog er 1021/22 nach Italien, um dem Papst und dem süditalienischen Fürsten
Meles von Bari
gegen Byzanz beizustehen; auf dem Rückmarsch setzte er in
Montecassino einen neuen Abt
ein und ließ in Pavia eine Synode (1. August 1022) abhalten, die
den Zölibat einschärfte, um den Bestand des Kirchengutes zu
sichern.
Innerlich festigte HEINRICH
II.
das Reich durch noch engere Verflechtungen mit der Kirche. Durch
Schenkungen stabilisierte er die Bistümer als Stützen
königlicher Macht und beanspruchte sie dafür zu
Dienstleistungen. 1004 stellte er das Bistum
Merseburg wieder her. Durch die
Gründung des Bistums Bamberg 1007
aktivierte er den Obermainraum als Mitte seiner Macht und als neues
Glied der Reichskirche.
Die Widerstände gegen die Neugründung brach er nicht ohne
Verschlagenheit.
Dem Bischof Heinrich I. von Würzburg,
der einen großen Teil seines Jurisdiktionsgebietes abzutreten
hatte, versprach er Rangerhöhung zum Erzbischof;
nach dem Tode des Eichstätter
Bischofs
Megingaud, der jede
Abtretung verweigert hatte, ernannte er einen ihm willfährigen
Nachfolger (Gundekar
I.) zum Bischof.
Insgesamt vollendete er die Königshoheit in der Reichskirche,
indem er unbekümmert um Vorschläge von Domkapiteln und
Konventen tüchtige Bischöfe und Äbte einsetzte.
Klösterliche Reformbewegungen mit spirituellem lothringischen
Einschlag förderte er, ohne sie zu institutionalisieren. 1023 nahm
er zusammen mit König Robert II. von Frankreich
eine Reformsynode in Pavia in Aussicht, die jedoch nicht mehr
zusammentrat.
Kurz nach seinem Tode fand der Kaiser
Eingang in die Liturgie, und bald bemächtigte sich die
Legende seiner Gestalt: »sie deutete seine Kinderlosigkeit als
heroische Tugend und vereinfachte die widerspruchsvollen Züge
seines Charakters ... zu einem frommen Idealbild«
(H. Appelt). 1146 wurde er von Eugen III. kanonisiert.
Deutschland, B. VI.
Bibliographie:
-----------------
Bibliogr. zur Gesch. von Stadt und Hochstift
Bamberg
1945-1975 (Hist. Verein ... Bamberg, 10. Beih., 1980), 427-436
Quellen:
----------
MGH DD H. II.- RI II, 4 [Neudr. 1971]
MGH SS IV, 679-695; 787-820
BHL, Nr. 3811-3816
Literatur:
------------
NDB VIII, 310-313
TRE XV, 1-3
JDG H. II., 3 Bde, 1862-75
W. v. d. Steinen, Ks. H. II. der Hl., 1924
Th. Schieffer, H. II. und Konrad II., DA 8, 1951, 384-437 [Sonderausg.
1969]
R. Klauser, Der H.s- und Kunigundenkult im ma. Bm. Bamberg (95.
Ber. des Hist. Vereins ... Bamberg, 1957), 1-208
R. Reinhardt, Ks. H.II. und seine Gemahlin Ksn. Kunigunde, Bavaria
Sancta I, hg. G. Schwaiger, 1970, 233-248
R. Schneider, Die Kg.serhebung H.s II. i. J. 1002, DA 28,
1972, 74-104 MGH DD H II. - RI II, 4 [Neudr. 1971] - MGH SS
IV,
679-695;
787-820 - BHL, Nr. 3811-3816
L. Auer, Geburtsjahr und Herkunft Ks. H.s II., ebd., 223-228
K.J. Benz, H.II. und Cluny, RevBén 84, 1974, 313-337
O. Meyer, Varia Franconiae Historica I, II, 1981
K. Guth, Die Hl.en H. und Kunigunde, 1986.
Begraben: Bamberg, Dom
Vater:
-------
Herzog Heinrich II. der Zänker (951-995)
Mutter:
----------
Gisela von
Burgund († wohl
1006)
oo Kunigunde von Luxemburg (um 975-1033)
Erziehung durch Bischof
Abraham von Freising
und
Bischof
Wolfgang von Regensburg.
995 bayerischer
Herzog.
Loyal gegenüber dem Kaiser.
Zog mit OTTO III.
zweimal nach Italien.
1002 in Mainz von bayerischen und
fränkischen
Großen
zum König gewählt.
1014 in Rom Kaiserkrönung.
1020 Papstbesuch in Bamberg, um HEINRICH
zum Eingreifen in Süd-Italien zu bewegen.
1007 Gründung des Reichs-Bistums Bamberg und
Ausstattung
desselben vor allem mit bayerischem Königsgut.
1146 Kanonisierung durch Papst Eugen III.
Literatur:
----------
NDB 8; BWB 1; R. Holtzmann, Gesch. d.
sächs.
Kaiserzeit,
1955.
K 26
Me: 6.5. Natalis
dies Heinrici
imperatoris † Kaiser
HEINRICH
II.
Me: 7.6. Ordinatio
secundi
Heinrici regis
Das Merseburger Necrolog erwähnt
den Geburtstag
(973)
und den Tag der Königserhebung
HEINRICH
II.
in Mainz aus dem Jahre 1002.
Zum Todestag ist wohl deshalb kein Eintrag
verzeichnet,
weil das Necrolog nach 1018 nicht mehr kontinuierliche geführt
wurde;
siehe dazu oben Seite 154.
Die Erwähnung des Geburtstages gehört
nicht
der Ergänzungsschicht an, dagegen die Notiz seiner
Königserhebung.
Nach Meinung der Forschung wurde der Geburtstag eigenhändig von
Thietmar
von Merseburg eingetragen; vgl. BG Nr. 1483a;
zum Geburtstag vgl.
Geldner,
Geburtsort, Geburtsjahr, Jugendzeit Kaiser Heinrichs
II., Seite 520ff.
Beide Einträge dokumentieren die Initiative HEINRICHS
II. bei der Neustiftung der ottonischen
Gedenktradition
in Merseburg, bei der auch bayerische Traditionen aus der Familie HEINRICHS
nach
Merseburg transferiert wurden; vgl. dazu ausführlich oben Seite
198.
Allg. vgl. NDB 8, Seite 310ff.; Biographisches
Wörterbuch
1, Spalte 1065ff.; FW K 44. Zum Todesdatum: BG Nr. 2063a
VI. 31.
HEINRICH II.
----------------------------
* (973) V 6, † 1024
VII 13
995-1004 und 1009-1017 als Heinrich
IV. Herzog
von Bayern
1002 VI
7 König des Deutschen Reiches
1014 II 14 Kaiser
Frühsommer 1000
oo KUNIGUNDE,
Tochter des Grafen Siegfried von Luxemburg
* 975, † 1033
III 3
Kaiser
HEINRICH II.
(der als bayerischer Herzog
als Heinrich
IV. gezählt wird!) ist als Sohn Herzog
Heinrichs II. von Bayern ("des Zänkers") unter anderem
bezeugt
bei
Thietmar IV c. 20, Seite 154, ebd. IV c. 49, Seite 188 und ebd. V
Prolog,
Seite
220; weitere Belege haben BU. 1144c und ebenso BG. 1483a/b gesammelt.
Urkundlich ist HEINRICH
II.
zusammen mit seinem Vater, dem Zänker,
in D O III. 155 von 994 XI 23 erwähnt. Der Tag der Geburt Kaiser HEINRICHS II. ist
bei Thietmar VI c. 60, Seite 348, und im
Merseburger
Nekrolog überliefert.
Für die Bestimmung von HEINRICHS
Geburtsjahr gibt es zwei unterschiedliche Hinweise. Thietmar VI c. 60,
Seite 348, berichtet zum Jahr 1012, die Bamberger Domkirche sei am 35.
Geburtstag
des Königs geweiht worden: das ergäbe das Geburtsjahr 978.
In
einem Bamberger Epitaphium, das im Codex Udalrici überliefert ist
(gedruckt bei Jaffe, Bibl. rer. Germ. Bd. 5, S. 34), heißt es, Kaiser
HEINRICH II. sei im 52. Lebensjahr verstorben:
dieser Angabe
zufolge müßte er 973 geboren sein.
Mit BG. 1483a ist der
Bamberger
Tradition der Vorzug zu geben. Möglicherweise ist HEINRICH
II. in Hildesheim geboren:
dies berichtet zumindest die
Fundatio
ecclesiae Hildensemensis c. 4, SS XXX/2 945.
Die Belegstellen für
die gegebenen Daten zu Kaiser HEINRICH
II.
sind zu finden bei BG. 2063a (Todestag), BG. 1483yy (Krönung zum
König)
und BG. 1800b (Krönung zum Kaiser).
Der Zeitpunkt der Eheschließung des Bayern-Herzogs
Heinrich IV. mit der luxemburgischen
Grafen-Tochter Kunigunde ist von
Wampach,
Altluxemburgisches UB. Bd. 1, Nr. 214, ermittelt; die Lebensdaten Kunigundes
hat Renn, Grafenhaus Seite 82 und 101, festgestellt.
Die Gemahlin des letzten Kaisers aus der Dynastie der
OTTONEN
stammte aus dem Hause der Grafen von Luxemburg,
wie uns Thietmar IV
c.
51, Seite 190 (in Verbindung mit ebd. V c. 19, Seite 243), bezeugt.
Die Eltern der Kaiserin
Kunigunde
waren der Graf Siegfried von Luxemburg
(bezeugt unter anderem durch eine
genealogische
Tafel aus der Münchener Handschrift clm 29093, gedruckt in SS II
314)
und dessen Gemahlin Hadwig
(bezeugt durch den Eintrag ihres Sterbetages
XII 13 im Nekrolog von Ranshofen).
Doch ist der Vater der Kaiserin
Kunigunde zugleich eine der rätselhaftesten Gestalten
des
10. Jahrhunderts. So ist nicht einmal mit letzter Sicherheit zu
entscheiden,
welcher der beiden Grafen Siegfried, die im 10.
Jahrhundert gelebt
haben,
denn der Vater der Kaiserin Kunigunde
war.
Die einzelnen Thesen, die in der Forschung zu dem Komplex der Ahnen der
Kaiserin
Kunigunde entwickelt wurden, sind jetzt bequem von Geldner,
Tatsachen Seite 28-52, zusammengestellt. Grundlegend für alle
Fragen
ist die Studie von Renn, Grafenhaus, heranzuziehen, der es Seite 57-65
sehr
wahrscheinlich gemacht hat, daß der ältere der beiden Grafen
Siegfried der
Vater Kunigundes
war.
Doch hat das von Renn erarbeitete System einen Angriffspunkt:
Siegfried
(I.) ist spätestens in den Jahren zwischen 915 und 920
geboren
worden,
doch sind die Kinder Graf Siegfrieds (I./II.) von Luxemburg
erst
100-120
Jahre später gestorben. Diesen vorauszusehenden Einwand hat Renn
mit
der Überlegung zu entkräften versucht, Graf Siegfried (I.)
könne
ja schließlich erst mit 40 Jahren geheiratet haben; dies sei zwar
sicher nicht der Normalfall, aber dürfe deshalb nicht
ausgeschlossen
werden. Um Renn zu stützen, sei darauf hingewiesen, daß auch
OTTO
DER GROSSE bei seiner Eheschließung mit
Adelheid
bereits
39 Jahre alt war!
Auf die Probleme um die Grafen von Luxemburg ging
Mathilde
Uhlirz in ihren beiden Aufsätzen "Domnus Sicco" und "Grafen" ein.
Sie setzte den "Domnus Sicco,
imperatorius f(rate)r" des Indiculus
loricatorum
(MGH Const. I, Nr. 436) mit Graf Siegfried (I.) von Luxemburg
gleich,
wobei
sie die Formulierung "imperatorius
frater" als die Bezeugung einer
Verwandtschaft
der Luxemburger Grafen mit den OTTONEN
interpretiert, die aber - wie Mathilde Uhlirz konstatiert - nicht
weiter
erklärbar sei. Es sei angemerkt, daß die fragliche
Formulierung
"imperatorius frater" auf eine
Taufpatenschaft OTTOS
I. für Siegfried
hindeuten könnte, wobei dann in
der
"Aufgebotsliste Siegfried (II.)
gemeint sein müßte und so
jener
"Sicco" nicht mit Siegfried (I.) gleichgesetzt
werden dürfte.
Den jüngeren Vorschlag, die Fragen um die
Ahnen
der Kaiserin Kunigunde
zu
klären,
machte Geldner, Tatsachen Seite 40-45. Er griff auf bereits früher
angestellte
Überlegungen zurück und versuchte erneut, Hadwig, die Mutter
der Kaiserin
Kunigunde, mit jener
gleichnamigen
Tochter Herzog Giselberts von Lothringen und
dessen Gemahlin Gerberga,
der Schwester OTTOS DES GROSSEN,
gleichzusetzen.
Doch impliziert dieses System eine Nahehe im Verhältnis 3:3, die HEINRICH
II. dann mit der luxemburgischen Grafen-Tochter
eingegangen sein müßte, was bei der bekannten
Gegnerschaft HEINRICHS
II. gegen solche, gegen die kanonischen Ehehindernisse
verstoßenden
Verbindungen nur schwer vorstellbar erscheint. Trotzdem Geldner noch
versucht,
diesen Einwand mit dem Hinweis auf die von HEINRICH
II. und Kunigunde
geführte
Josephsehe zu entkräften, ist der Beweisgang Geldners wegen der
Notwendigkeit,
eine Verwandtenehe anzunehmen, abzulehnen.
Die Belege für das Todesdatum der Kaiserin
Kunigunde sind bei Wampach, Altluxemburgisches UB. Bd. 1,
Nr.
243, zusammengestellt.
HEINRICH
(IV.) II. DER HEILIGE
----------------------------------------------
* 6.V.973, †
Pfalz
Grona 13.VII.1024
Begraben: Bamberg Dom
995/1002 HERZOG
VON BAYERN,
gewählt Mainz 7.VI.
gekrönt Aachen 8.IX.1002
Rom 14.II.1014
1046
kanonisiert
oo Frühsommer 1000
KUNIGUNDE VON
LUXEMBURG
(WIGERICHE)
† Bamberg 3. III 1033
Tochter von Graf Siegfried
Begraben: Bamberg Dom
gründet 1017 Stift Kaufungen
Keller Hagen: Seite 133-134
***********
"Schwäbische Herzöge als
Thronbewerber:
Hermann
II. (1002), Rudolf von Rheinfelden (1077), Friedrich von Staufen
(1125).
Zur Entwicklung von Reichsidee und Fürstenverantwortung,
Wahlverständnis
und Wahlverfahren im 11. und 12. Jahrhundert"
in: Zeitschrift für die Geschichte des
Oberrheins
131. Band
Heinrich von
Bayern
hat 1002 von vornherein die Initiative an sich gerissen. Er scheint
nicht
daran gezweifelt zu haben, daß ihm das Königtum zustehe, auf
das, wie man es in seiner engeren Verwandtschaft sah, schon sein
Großvater
936 einen berechtigten Anspruch hätte anmelden können und
nach
dem sein Vater 984 vergeblich gegriffen hatte. Was man in der Familie Heinrichs
in
Frage stellte, war nicht, jedenfalls aus der späteren Perspektive,
die Entscheidung für die Individualsukzession, sondern der Vorzug,
den die OTTO-Linie vor der Heinrich-Linie
durch die Designation von 929/30 und die Thronfolge von 936
erhalten
hatte.
Dennoch soll Heinrich, als er vom
Tode
OTTOS
III. erfuhr, die Königswürde zunächst dem
Herzog
Otto von Kärnten
angeboten haben, der durch seine Mutter Liutgard
ein Enkel OTTOS
I. und somit -
wenn
solche Vorstellungen galten - ein näher berechtigter Erbe war und
außerdem durch Ansehen, Alter und Erfahrung, durch seine
Verbindung
mit OTTO III. und als Vater Papst
Gregors
V. in der Königs-Sippe
zweifellos einen Vorrang genoß. Ob
dies
ein ernstgemeintes oder nur formales Angebot war, durch das einer
möglichen
Konkurrenz aus der eigenen Sippe vorgebaut werden sollte, mag
unentschieden
bleiben; der Vorgang selbst zeigt jedenfalls, daß Heinrich ganz
in erbrechtlichen Kategorien dachte und daß man deshalb wohl auch
sein weiteres Verhalten aus diesem Anspruch verstehen muß.
Als
der
Zug mit dem Leichnam OTTOS III. in
Bayern anlangte, empfing Heinrich
ihn
an der Grenze des Herzogtums und übernahm betont die Sorge
für
den Toten, ließ die Eingeweide in Augsburg beisetzen und
verfügte
eine umfangreiche Seelgerätstiftung, wie dies normalerweise die
Nachfolger
im Königtum für ihre Vorgänger zu tun pflegten. Er zwang
den Erzbischof von Köln, die Reichsinsignien herauszugeben, und
erzwang
auf brutale Weise, indem er den Erzbischof in Haft nahm, daß ihm
die Heilige Lanze, die man
heimlich schon nach Aachen vorausgeschickt
hatte,
ausgehändigt wurde. Wo er konnte, so auch während er im
Trauerzug
dem toten Kaiser das Geleit durch sein Herzogtum gab, übte er
Druck
auf die Großen aus, um ein Wahlversprechen oder eine Huldigung zu
erlangen. Ohne einen Wahltermin abzuwarten, sicherte er sich durch
weitere
Aktivitäten und heimliche Treffen mit Parteigängern aus
anderen
Stämmen die Machtbasis, um die Königsherrschaft
übernehmen
zu können. Durch einen Beauftragten ließ er sich den in
Werla
versammelten Sachsen als künftiger König vorstellen und jedem
reiche Geschenke versprechen, der seinen Anspruch anerkannte; und es
gelang
ihm mit Unterstützung der Schwestern OTTOS
III., mögliche Gegenkandidaten auszuspielen und eine
Mehrheit
für die Bestätigung seines "Erbrechts" zu gewinnen. Kaum war
seine Übermacht gegenüber anderen Kandidaten gesichert,
unternahm
er einen Feldzug nach Mainz und
ließ sich dort von den Bayern und
Ost-Franken zum König wählen
und sofort krönen. Eine
allgemeine
Wahlversammlung war von ihm offensichtlich gar nicht angestrebt worden.
Wer in Mainz nicht dabei war, konnte an anderem Ort, in einem
nachträglichen
Erhebungs- und Huldigungsakt, der Wahl beitreten. Das Verhalten Herzog
Heinrichs ist ganz von dem Anspruch oder der
Überzeugung
bestimmt, daß ihm das Reich zustehe, das heißt, daß
er
einen erblichen Anspruch auf die Herrschaft habe, der durch
formale
Anerkennungsakte und zeremonielle Herrschaftsübergabe in die
Realität
umgesetzt werden mußte. Einer von diesen Akten war die Wahl: sie
war unentbehrlich, weil sie die Zustimmung zu seiner Herrschaft
manifestierte,
aber sie war für sein Königtum nicht allein konstitutiv. Ihre
Form spielte für Heinrich
offensichtlich
eine geringe Rolle.
Trillmich Werner: Seite 142
***************
"Kaiser Konrad und seine Zeit"
Das Ende HEINRICHS II.
Kaiser HEINRICH
II. litt
seit vielen Jahren an einem schmerzhaften
Steinleiden, das
seine
mit ständigen Reisen durch das Reich verbundene
Regierungstätigkeit
immer beschwerlicher machte. Seit Weihnachten 1023 lag der
52-jährige
Kaiser drei Monate lang in Bamberg darnieder, bevor er sich soweit
wiederhergestellt
fühlte, dass der Hof nach Sachsen aufbrechen konnte, um das
Osterfest
in Magdeburg bei Erzbischof Hunfrid zu feiern, der sein
Amt wenige
Monate
zuvor angetreten hatte. Am Palmsonntag, dem 29. März 1024,
stellten
sich in der thüringischen Pfalz
Allstedt neue Beschwerden
ein, die
den Zug verlangsamten. Gründonnerstag und Karfreitag verbrachte
man
still in Nienburg an der Saale. Außer der Kaiserin duldete der
Kranke
nur wenige Vertraute in seiner Nähe. Der Bevölkerung zeigte
er
sich nicht. Am Sonnabend erreichte man Magdeburg,
wo am 5. April
feierliche
Ostergottesdienste stattfanden. Da sich das Befinden des Herrschers
besserte,
brach er bald danach wieder auf, so daß ihm wenige Tage
später
der vor kurzem ernannte Bischof Branthog
von Halberstadt in seiner
Residenz
einen festlichen Empfang bereiten konnte, doch schon in Goslar
erkrankte
HEINRICH
wieder. Dort mußte er wohl bis Ende Juni verweilen. Als man
endlich
weiterzuziehen wagte, zwang ein heftiger Rückfall zu erneutem
Aufenthalt
an der Leine in der Pfalz Grone. Hier ist HEINRICH
am 13. Juli 1024 verstorben. Die Kaiserin und der Hof
geleiteten
seine Leiche nach Bamberg. Wie er gewünscht hatte, wurde der
letzte
männliche LIUDOLFINGER
weltlichen
Standes im Dome des von ihm gestifteten, liebevoll
privilegierten, aber
auch rücksichtslos genutzten Bistums beigesetzt.
Mit ihm schied ein frommer, trotz
körperlicher
Beschwerden
rastlos tätiger Herrscher dahin. Sein Werk stellt sich nicht nur
als
traditionsbewußte Fortsetzung des überkommenen Erbes der OTTONEN
dar,
sondern auch als entschlossener Neubeginn zur Überwindung der
durch
OTTO
III. verursachten Unsicherheit.
HEINRICH
war nicht eigentlich schöpferisch, besaß aber im Vertrauen
auf
Gottes Führung Fleiß und Zähigkeit, um trotz
schärfster
Kritik gegen harten Widerstand unbeugsam die ihm verliehen Macht zu
gebrauchen
und zu mehren. Dabei zeigte er sich in der Wahl seiner Mittel recht
unbedenklich,
verschlagen, zuweilen sogar hinterhältig und wortbrüchig.
Seine
Standhaftigkeit sicherte ihm zwar bewundernde Anerkennung, aber nur
wenig
Liebe. Dem Nachfolger hinterließ er Deutschland als
mächtiges,
befriedetes Reich.
Der kinderlose Kaiser scheint keinerlei
Andeutung
gemacht
zu haben, wem er die Herrschaft zu hinterlassen gedachte. Eine für
die bevorstehende deutsche Königswahl richtungsweisende
Designation
lag also nicht vor. Trotzdem blieb es, anders als im Jahre 1002,
überall
im Lande ruhig. Anwärter auf den Thron, die ihren Anspruch
vernehmlich
mit den Waffen anmelden können, gab es diesmal nicht. Noch lebten
Nachfahren der zum Regiment befähigten LIUDOLFINGER-Sippe.
Weinfurter, Stefan: Seite 269
****************
"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der
Zeiten"
Epilog
HEINRICH II.,
so
wird
man sicherlich sagen dürfen, war für seine Zeit kein bequemer
Herrscher, weder als Herzog noch als König und Kaiser. Sein
Auftreten und seine Entscheidungen erwecken den Eindruck von
Härte,
Unbeugsamkeit und rastlosem Eifer. Mit Mißtrauen muß er
seine
Umgebung beobachtet haben. Nichts habe er vergessen, so erfahren wir,
und
"niemand konnte ihn täuschen". Ein Vertrauensverhältnis zu
ihm
war wohl nur möglich, wenn man sich ihm und seinem Herrscherwillen
völlig unterordnete. Gegen seine Autorität durfte sich
niemand
erheben, denn durch ihn wurde die Autorität Gottes vertreten.
Daher,
so formulierte es Thietmar von
Merseburg,
"demütigte er jeden, der
gegen ihn aufstand, und zwang alle, ihm in gebeugtem Nacken zu
huldigen".
Unerbittlich bestand er auf Sühneleistungen und scheute auch vor
jahrelangen
Konflikten nicht zurück. Das Pauluswort von der gottgegebenen
Gewalt,
der jedermann zungehorchen habe, war zu keiner Zeit soverbreitet wie
während
der Herrschaft HEINRICHS II.
Aber man darf nicht übersehen, daß
das
autokratische
Herrschaftsverständnis HEINRICHS II.
auch größte Probleme hervorrief, wenn es galt, das
Kirchenrecht
gegenüber der Königsautorität zu behaupten. Das war der
Fall bei der Gründung Bambergs. Daß sich der König hier
durchsetzte und daß die Bischöfe den Gehorsam gegenüber
der von Gott gegebenen Gewalt über ihr eigenes Rechtssystem
stellten,
bedeutete die höchste Steigerung seines Ansehens. So stellte die
Bischofskirche
von Bamberg von Anfang an das Symbol seiner Autorität und seines
Königtums
dar. Gleichzeitig verkörperet sie, wie sich zeigte, das Testament
des Königs, der damit sein Königtum an Christus, den
König
des Himmels, zurückgab. Diese innige Verbindung HEINRICHS
mit der Kirche von Bamberg, die er eben nicht nur als seine Grablege
dienen
sollte, sondern auch Ausdruck seines Herrschaftsprogramms war, hat sich
später recht treffend in der Bezeichnung "Heinrich der
Bamberger"
(Heinricus
Babenbergensis)
niedergeschlagen.
Beginnend bereits seit der Kaiserkrönung
1014,
verstärkt
dann seit etwa 1018, nachdem er mit Boleslaw
Chrobry
einen
"Resignationsfrieden" geschlossen hatte, tritt bei HEINRICH
II. ein stärkerer Zug zur Verantwortlichkeit für
die
gesamte christliche Kirche in den Vordergrund. Sein Eingreifen in
Süd-Italien
1022, seine synodalen Entscheidungen und auch seine Kontakte mit
König
Robert
II. von Frankreich 1023 weisen alle in diese Richtung. Sein
Kaisertum, das er auch für die Legitimation seiner Herrschaft in
Italien
gegen Arduin von Ivrea
benötigte, verstand er als
"Petruskaisertum",
das nicht auf die Herrschaft über Rom, sondern auf Schutz für
die römische Kirche ausgerichtet war. Zusammen mit einer zunehmend
monastischen Frömmigkeitshaltung, von der er ganz persönlich
ergriffen wurde, bestimmt dies das Bild seiner letzten Jahre. In
Bamberg
dagegen wurde das Bild des heilgen Kaisers aufgebaut. Die eigentliche
Verklärung
HEINRICHS
II.
durch eine besondere "Heiligkeit" ist dann um die Mitte
des 11. Jahrhunderts zu fassen. Schließlich erreichte die
Bamberger
Kirche, in der durch die jährliche Totenmesse sein Andenken
wachgehalten
wurde, 1146 die Heiligsprechung HEINRICHS II.
durch Papst Eugen III.
Diese Entwicklung freilich verdrängte
vollkommen
das Bild, das in seiner eigenen Zeit vor allem in weiten Kreisen der
Großen
von ihm vorgeherrscht haben dürfte. Bei ihnen hat HEINRICHS
Handlungsweise
Unverständnis und erbitterten Widerstand hervorgerufen und immer
wieder
zu langjährigen Konflikten geführt. Vielen von ihnen,
insbesondere
den führenden Adelsfamilien in den westlichen Gebieten des
Reiches,
aber auch in Teilen des sächsischen Adels, dürfte er eher als
Unglück für ihr Rechts- und Ordnungsempfinden vorgekommen
sein.
Er durchbrach die vom Adel geübten Regeln der Konfliktlösung
und traf Entscheidungen, die man nur mit großem Murren hinnahm.
Das
Wort vom illegitimen "Gewaltherrscher" (invasor regni) entstand, und HEINRICHS
Verfolgung
der hochadligen Nahehen hat die Feindschaften weiter vertieft. Es kam
sogar
soweit, dasß man heimlich den Vorwurf erhob, "der Gesalbte des
Herrn
tue Sünde", denn, so war damit gemeint, er lasse dem Volk nicht
Gerechtigkeit
widerfahren.
1000
oo Kunigunde von Luxemburg, Tochter des
Grafen
Siegfried
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