Noch im August 1196 übertrug Kaiser
HEINRICH in der Lombardei das Herzogtum
Schwaben
seinem
jüngsten 20-jährigen Bruder Philipp
(† 1208).
Ursprünglich zum Geistlichen
bestimmt
und zum
Mainzer Domprobst, dann zum Erwählten von Würzburg
vorgerückt,
hatte Philipp den Kaiser bei der
Eroberung
des normannischen Reiches im Jahre 1194 begleitet. Nachdem er dem
geistlichen
Stande völlig entsagt, war er im April 1195 zum Herzog von
Tuszien
erhoben worden, eine Würde, welche in der Folge wegen
angeblicher
Übergriffe in das päpstliche Territorium den Bannstrahl Papst
Cölestins III.
über sein Haupt brachte. Obgleich er
ohne Zweifel
von seinem Bruder noch weiterhin in dem Besitze seiner italienischen
Reichslehen
belassen wurde, mußte er sich doch nach der Verleihung Schwabens
sogleich nach Deutschland verfügen. Ihn begleitete seine
erst kurz
mit ihm verbundene Gemahlin Irene.
Eine Tochter des griechischen
Kaisers
Isaak Angelus,
war sie mit dem jungen Roger († 1193),
dem Sohne jenes Grafen
Tankred
von Lecce,
welcher von der nationalen Partei in Sizilien gegen
Kaiser
HEINRICH VI. auf den Thron erhoben wurde, verlobt, nicht
unwahrscheinlich
bereits vermählt gewesen, bei der Eroberung Palermos im Jahre 1194
in HEINRICHS Hände gefallen
und
von ihm zur Gattin seines Bruders bestimmt worden, dem sie sogar
Aussichten
auf den griechischen Kaiserthron in die Ehe brachte. In der
Heimat
verweilte
Philipp
namentlich
auf der Burg Schweinhausen,
feierte jedoch an Pfingsten 1197 auf dem Gunzenlee
bei Augsburg, dem einstigen Schauplatze mancher welfischer Feste, seine
Schwertleite aufs glänzendste. Bald nachher folgte er dem Rufe
seines
Bruders nach Italien, um dessen Sohn, den jungen Friedrich,
zur Krönung nach Deutschland abzuholen, als er zu Montefiascone
die
Nachricht erhielt, dass er erst im 32. Lebensjahre stehende Kaiser den
28. September unerwartet schnell zu Messina verschieden sei. Darauf
eilte
er ohne Friedrich
nach Deutschland
zurück, wo sich wieder die wilde Fehdelust regte, welche
während
der letzten Zeit Kaiser FRIEDRICHS I. und
unter der kräftigen Regierung Kaiser HEINRICHS
VI. niedergehalten worden. Philipp
war zunächst gewillt, seinen dreijährigen Neffen die ihm
zugeschworene
Thronfolge zu erhalten, fand jedoch nirgends genügende Neigung
für
denselben vor. Vielmehr bildeten sich jetzt zwei Parteien:
Die staufisch
Gesinnten, darunter der Erzbischof
Ludolf von Magdeburg,
die Herzoge
Ludwig
von Bayern und Bernhard
von
Sachsen, wählten Philipp
selbst am 8. März 1198 im thüringischen Mühlhausen
feierlich
zum Könige. Erst nach längerem Sträuben hatte er
sich, namentlich auf Zureden Bischof
Diethelms von Konstanz
und in der
Befürchtung, die Krone möchte sonst einem alten Feinde seines
Hauses, einem WELFEN,
zufallen,
zur
Übernahme derselben bereit finden lassen. Auch war er sicherlich
derjenige
Fürst, für dessen Wahl das meiste sich geltend machen
ließ
- sein älterer Bruder, Pfalzgraf
Otto,
ein wilder Verächter von Gesetz und Recht, ging ganz in den
Händeln
Burgunds auf -, und die Volksstimme sprach sich entschieden zu
seinen
Gunsten aus. Die den STAUFERN
feindliche
Partei dagegen, hauptsächlich rheinische geistliche und weltliche
Große, an deren Spitze der Kölner
Erzbischof Adolf,
einigte
sich nach mehrfachen Verhandlungen dahin, den Herzog Berchtold V. von Zähringen
zum Könige zu wählen. Allein bei seiner Liebe zu seinem Gelde
ließ sich Berchtold
durch den genannten Diethelm
und
den Pfalzgrafen
Rudolf von Tübingen
gegen reiche Entschädigung zum
Rücktritt
von dem immerhin mühevollen und sehr kostspieligen Unternehmen
einer
Thronbewerbung und zur Parteinahme für PHILIPP
bewegen, worauf sich seine Partei zu Ende März oder Anfang April
des
Jahres für den dritten Sohn
Herzog Heinrichs des Löwen,
Otto,
Grafen von Poitou
entschied. Als WELFE
ein Erbe des Familienbesitzes gegen die STAUFER
und von seinem reichen Oheim,
König
Richard von England, durch Geldspenden unterstützt,
wurde
OTTO
am
9. Juni in Köln gewählt und am 12. Juli von dem Kölner
Erzbischofe
zu Aachen gekrönt. Indessen erreichte PHILIPP
bei dem ihm wohlwollenden päpstlichen Legaten, dem Bischofe von
Sutri,
die Lossprechung vom Banne,
schloß den 29. Juni zu Worms ein Schutz-
und Trutzbündnis mit König
Philipp August
von Frankreich gegen ihre gemeinschaftlichen Feinde, König
Richard und König
OTTO, und wußte
sich unter anderem namentlich die südwestdeutschen Bischöfe
und
Äbte, nach einigem Schwanken auch sämtliche weltliche Herren
Schwabens zu treuer Anhänglichkeit zu verbinden. Auch ließ
er
sich, wahrscheinlich am 8. September des Jahres, zu Mainz unter lautem
Zuruf des Volkes nochmals feierlich wählen und, da der Mainzer
Erzbischof
von einem Kreuzzug noch nicht zurückgekehrt war, durch den
burgundischen
Erzbischof Haimo von
Tarantaise
krönen.
10 Jahre wütete der mit wilden Freveln
geführte
Kampf zwischen den Gegen-Königen, hauptsächlich am
Niederrhein,
in Lothringen und Sachsen; doch blieb das staufische
Stammland Schwaben, das PHILIPP
in
unmittelbarer Verwaltung behielt, abgesehen vom Elsaß, wo der
Bischof
von Straßburg zur Gegenpartei stand, ohne innere Zerrüttung
und war PHILIPP so mächtig,
dass
er den Krieg von demselben fern zu halten vermochte. Das Land tritt in
den Parteikämpfen seiner Zeit auf eine glückliche Weise in
der
Geschichte zurück, während der König selbst nicht selten
auf dessen Pfalzen verweilte, zum Beispiel im Jahre 1200 zu Ulm, 1202
zu
Eßlingen und Ulm, 1203 zu Ravensburg Hoftage hielt, an diesen
Orten
und zu Giengen, Rottweil, Weingarten auch sonst als anwesend
erwähnt
wird.
Im Jahre 1201 nahm Papst
Innocenz III. offen
die Partei
OTTOS
IV. ; dieser leistete ihm, wohl im Anschluß an
frühere
Zusicherungen, am 8. Juni des Jahres zu Reuß einen feierlichen
Eid,
worin er dem päpstlichen Stuhle Gehorsam und alle schuldigen
Dienste
und Ehren, desgleichen die Unterstützung in der Geltendmachung der
päpstlichen Ansprüche auf die Lande zwischen dem Po und der
neapolitanischen
Grenze, sowie auf das Königreich Sizilien zusagte, und wurde auf
dieses
hin am 3. Juli in der Peterskirche zu Köln durch den
päpstlichen
Kardinal-Legaten Bischof Guido
von
Palestrina kraft päpstlicher Vollmacht
feierlich als König verkündigt, während gegen PHILIPP
und
seine Anhänger der Bannstrahl geschleudert ward. Allein das
Glück
wandte sich immer mehr dem letzteren zu, dessen Macht durch den
Übertritt
des Erzbischofs Adolf von
Köln
und mehrerer bisheriger Bundesgenossen
OTTOS
verstärkt
wurde. PHILIPP zog im Beginn des
Jahres
1205 ungehindert in Aachen ein, legte, um den Schein jeder
Beeinträchtigung
der Wahlfreiheit zu vermeiden, die Krone nieder, wurde dann am 6.
Januar
einstimmig von allen Anwesenden neu gewählt und nebst seiner
Gemahlin
von dem Erzbischof von Köln gesalbt und geweiht, wogegen OTTO
nach
dem Falle Kölns und einer erfolglosen Unterredung mit PHILIPP im
Jahre 1207 hilfeflehend nach England reiste. Auch der Papst zeigte sich
jetzt zu Verhandlungen mit PHILIPP,
welcher ihm schon früher mit Anerbietungen entgegengekommen war,
geneigter
und ließ ihn im August 1207 vom Banne lösen, nachdem
derselbe
geschworen, in all den Stücken, wegen deren er exkommuniziert
worden,
den Bestimmungen des Papstes sich zu unterwerfen. Im Verein mit den
päpstlichen
Legaten bot PHILIPP nunmehr seinem
Gegner zum Zwecke friedlicher Auseinandersetzung die Hand seiner
ältesten
Tochter Beatrix
samt reicher Mitgift und das Herzogtum Schwaben an; allein
OTTO schlug
es mit der Erklärung aus, erst mit dem Tode werde er die Krone
niederlegen,
und es kam nur zu einem einjährigen Waffenstillstand. Indes
arbeiteten
PHILIPPS
Machtboten,
der Patriarch Wolfger von
Aquileja, der staufische
Dienstmann
Heinrich von Schmalneck
und andere zu Rom mit Erfolg an dem
Aussöhnungswerk
zwischen PHILIPP und dem Papste,
wobei
dem Neffen des letzteren, dem Sohne Richards
von Segni, eine Tochter des
Königs zur Ehe versprochen wurde, und nachdem der Waffenstillstand
fast abgelaufen, war beim demnächstigen Wiederausbruche des
Kampfes
PHILIPP
zu aller Hoffnung auf den Sieg berechtigt. Da traf ihn am 21. Juni
1208
in der bischöflichen Pfalz zu Bamberg der Mordstahl des Pfalzgrafen
Otto von Wittelsbach,
ohne dass es dem in des Königs Gesellschaft
befindlichen Truchsessen Heinrich
von
Waldburg gelungen wäre, den
Mörder an der Flucht zu hindern. Erbitterung, weil ihm PHILIPP
die Hand einer seiner Töchter, die er ihm einst zugesagt,
vorenthalten
hatte und weil er den König auch als Störer eines zweiten
Heiratsplanes
betrachtete, soll den gewalttätigen und wilden Pfalzgrafen zu der
Tat bestimmt haben, aber auch der Bischof
Ekbert von Bamberg
und dessen
Bruder Markgraf Heinrich von
Istrien luden den
Verdacht geheimen
Einverständnisses
auf sich.
So starb noch im Beginne der 30-er Jahre seines
Lebens,
nahe dem Ziel seiner Wünsche, der Befriedigung Deutschlands und
dem
ruhigen Besitz der Königskrone, wegen seiner Frömmigkiet und
seines fleckenlosen Wandels, seiner wohlwollenden Gesinnung und
Freundlichkeit
von Freund und Feind hochgepriesen, der mildeste der STAUFER.
Bisweilen, insbesondere in den ersten Jahren des Streites um die Krone,
hatte er es allerdings an Tatkraft fehlen lassen und hatte auch, was
freilich
unter seinen Nachfolgern in immer größeren Umfange geschah,
mit der Veräußerung von Reichs- wie staufischem
Hausgute begonnen. Beerdigt wurde er zu Bamberg, an Weihnachten des
Jahres
1213 aber durch Kaiser FRIEDRICH
II. mit
großen Feierlichkeiten in die Königsgruft zu Speier
übergeführt,
aus welcher Veranlassung FRIEDRICH den
Speierer Domherren die Kirche zu Eßlingen verleih. PHILIPPS
Witwe Irene, welche mit
zärtlicher
Liebe an ihrem Gatten hing und Erbin seiner Hausgüter wurde, starb
im Kummer über sein trauriges Geschick bereits am 27. oder 28.
August
des Jahres an einer Frühgeburt auf der Burg Staufen, wohin
sie sich nach ihres Mannes Ende zurückgezogen hatte. Von hier aus
vergabte sie acht Tage vor ihrem eigenen Tode mit den Worten:
"Unbegreiflich
sind die Gerichte Gottes und unerforschlich seine Wege", einem alten
Wunsche
ihres Gatten gemäß einen Hof in Obereßlingen an das
Kloster
Adelberg. Ihre Ruhestätte fand sie im Kloster Lorch. In
Deutschland
hatte sie, vielleicht nach der Krönung ihres Gatten im Jahre 1198,
den Namen Maria angenommen
und
wurde von Walter von der Vogelweide als
"Rose ohne Dornen, Taube sonder Gallen" in einer Anrede gepriesen,
welche
sonst nur der himmlischen Jungfrau Maria zukam. Kein Sohn, aber vier
Töchter
dieser Ehe entsprossen:
die älteste,
Beatrix,
im Jahre 1212 an Kaiser OTTO IV. vermählt;
Kunigunde,
in der Folge Gemahlin König
Wenzels I. von Böhmen;
Maria,
desgleichen Herzog Heinrichs
II. von
Lothringen und Brabant, und
mit der
ersten gleichnamig die jüngste, Beatrix,
im Jahre 1219 Gemahlin König
Ferdinands III.
von Kastilien [Im Jahre 1235 kaufte Kaiser
FRIEDRICH zu Augsburg dem Könige
Wenzel dessen Anrecht an schwäbischen
Allodialgüter
für 10.000 Mark ab, und auch
König
Ferdinand
und
sein Sohn
König
Alfons machten
wiederholt Erbansprüche geltend.].