PHILIPP
VON SCHWABEN König
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* 1177, † (ermordet)
21.6.1208 Bamberg,
⚰ Bamberg, Dom, seit 1213 Speyer, Kaisergruft im Dom
GENEALOGIE:
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Aus dem Geschlecht der STAUFER.
Vater:
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Kaiser FRIEDRICH
I. BARBAROSSA (1122–1190, siehe NDB V), Sohn des Herzogs Friedrich II. von Schwaben (1090–1147, sieheNDB
V)
Mutter;
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Beatrix
(† 1184, siehe NDB I),
Tochter des Rainald III., Graf von Burgund, Mâcon und
Vienne, und der Agatha von Lothringen
Brüder:
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Friedrich († 1169/70),
Kaiser HEINRICH VI. († 1197,
siehe NDB)
Friedrich V., Herzog von Schwaben (Taufname Konrad, 1164–1191, siehe NDB V)
Otto, Pfalzgraf von Burgund († 1200,
siehe NDB 19)
Konrad „von Rothenburg“,
Herzog von
Schwaben († 1196, siehe NDB XII)
Schwestern:
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Beatrix
(† 1181)
Agnes († 1184)
1197
oo Irene (Maria, † 27.8.1208, siehe Lex. MA), Tochter des Kaisers Isaak II. Angelos von Byzanz (1155/56-1204, siehe
Lex. MA)
4 Töchter:
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Beatrix
die Ältere († 1212,
siehe NDB I, oo Kaiser OTTO IV., † 1218, siehe NDB 19)
Kunigunde (1202–1248, oo Wenzel I., König von
Böhmen, 1205–1253)
Maria (1201–1235, oo Heinrich
II., Herzog von
Brabant)
Beatrix die Jüngere (Isabella, 1205–1235, siehe Lex
MA, ⚭ Ferdinand III., „el santo“,
König von
León und Kastilien, 1201–1252,
siehe Lex. MA)
Neffe:
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Kaiser FRIEDRICH II. (1194–1250, siehe NDB V)
Enkel:
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Alfons
X. der Weise, König von Kastilien u. León, 1257-1273
römisch-deutscher König (1221–1284, siehe NDB I)
Přemysl Otakar II. (Ottokar II.),
König von
Böhmen (1253–1278,
siehe NDB 20).
Leben:
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Philipp, dem als jüngstem Sohn des Kaiser-Paares FRIEDRICH I. und Beatrix eine geistliche
Laufbahn bestimmt war, erhielt eine gelehrte Erziehung. Von seinen
Lehrern ist der Scholastikus Gunther,
späterer Mönch zu Pairis (Oberelsaß), namentlich
bekannt. Schon als Knabe erhielt er vom Vater Stiftsherrnstellen in
Goslar und Aachen (1189–1193/94 Propst des Aachener Marienstifts und
wohl gleichzeitig 1188-1190 Propst des Stifts St.
Simon und Juda zu Goslar). 1191 zum Bischof von Würzburg
gewählt, trat er 1192/93 zurück, um seinem Bruder, Kaiser HEINRICH
VI., als Berater und Helfer zur Seite zu stehen. 1195 erhob ihn
dieser zum Herzog von Tuszien und gab ihm – in Fortführung der
imperialen Heiratspolitik BARBAROSSAS
– Irene von Byzanz, die junge Witwe des
Prinzen Roger von Sizilien († 1193), zur Frau. 1196
folgte Philipp dem am 15. August ermordeten Herzog Konrad
von Schwaben im Amt, Pfingsten 1197 erhielt er die Schwertleite.
Im September desselben Jahres brach er auf, um HEINRICHS VI. 3-jährigen
Sohn Friedrich Roger aus
Sizilien zur Königskrönung nach Deutschland zu holen, kehrte
jedoch auf die Nachricht vom Tod seines Bruders (28.9.1197) in
Montefiascone um. Ende des Jahres wurde er von Papst Cölestin wegen seiner
früheren Übergriffe auf Kirchengut exkommuniziert.
Heimgekehrt, verstand sich Philipp zunächst nur als Stellvertreter seines
Neffen, bis dessen Mutter Konstanze
von Sizilien den Verzicht auf den deutschen Königsthron
erklärte und die prostaufischen
Fürsten ihn drängten, sich selbst zum König wählen
zu lassen. Das geschah dann zu Ichtershausen/Thüringen und
Mühlhausen am 3. und 8.3.1198.
Am 8.9.1198 wurde
Philipp von Aimo,
Erzbischof von Tarentaise, zum König gekrönt, und zwar in
Mainz, nachdem der Krönungsort Aachen von seinem Gegenspieler, dem
am 9.6.1198 gewählten WELFEN
OTTO (Kaiser OTTO IV.,
1175/76-1218) eingenommen
worden war. Während OTTO
sich erst Herrschaftszeichen anfertigen lassen mußte,
verfügte PHILIPP über die auf dem Trifels verwahrten
Reichsinsignien. In dem folgenden Thronkampf gewann OTTO IV. seit 1201 die
Oberhand:
Papst Innozenz III. hatte
sich für ihn ausgesprochen, und einige wichtige Fürsten,
darunter der König von Böhmen, waren auf seine Seite
gewechselt. Erfolglos protestierten die Reichsfürsten in Halle
gegen die Einmischung des päpstlichen
Legaten (1202). Die Propaganda Innozenz'
III. verweigerte PHILIPP den Königstitel und bezeichnete ihn
konsequent als „den Herzog von Schwaben“.
Außenpolitisch eröffnete sich für PHILIPP ein neues Betätigungsfeld, nachdem sein
Schwager Alexios Angelos,
der die Kaiserherrschaft in Byzanz beanspruchte, von dort geflohen und PHILIPPS Vetter Bonifatius
von Montferrat (um 1155–1207) Anführer des sich in Venedig
sammelnden Kreuzfahrerheeres geworden war. Alexios war um die Jahreswende
1200/01 beim Papst und kam danach für längere Zeit an PHILIPPS Hof. Ende September 1201 traf auch Bonifatius ein und wurde von PHILIPP bestimmt, „seinen Schwager Alexios durch das Kreuzzugsheer
nach Konstantinopel zurückzuführen und das römische Kaiserreich zu seinem Gehorsam
zurückzubringen“ (Innozenz
III.). Um Unterstützung für dieses Unternehmen zu
gewinnen, sandte PHILIPP Unterhändler an Flamen, Franzosen,
Venetianer; die Führer des Kreuzzuges und speziell seine deutschen
Untertanen, die sich inzwischen vor Zara (heute Zadar) aufhielten,
forderte er auf, Alexios
in sein Erbe einzusetzen. Im Januar 1203 trafen seine Gesandten
zusätzlich mit einem Vertrag bei den Führern des Heeres ein:
PHILIPP verbürgte
sich für den Fall, daß man Alexios in die Herrschaft
einsetze, für die Vereinigung der byzantinischen mit der römischen Kirche, zur Zahlung von 200.000 Mark und zur
Unterstützung des weiteren Kreuzzugs durch Alexios
selbst. Die Kreuzzugsführung akzeptierte alles und lenkte den
Kreuzzug gegen große innere Widerstände nach Konstantinopel
um. Weiterreichende Ziele PHILIPPS enthielt ein
Passus aus einem Vertragsentwurf, den er 1203 dem Papst vorlegte. Darin
versprach PHILIPP die Kirchenunion, sofern „der Allmächtige
ihm | selbst oder seinem Schwager“ die
Herrschaft über Byzanz verschaffe. Nach der Eroberung
Konstantinopels (1204) ging dieser Plan nicht auf, da Venedig ihm
entgegenarbeitete und nicht nur die Wahl PHILIPPS, sondern sogar die Bonifatius' zum Kaiser des neuen
„Lateinischen Reiches“ verhinderte. Balduin von Flandern (1171–1206),
ein Anhänger OTTOS IV.,
wurde Kaiser. Im übrigen reduzierte sich die imperiale Politik der
STAUFER unter PHILIPP darauf, daß Markward von Anweiler († 1202), unterstützt von
anderen Reichsministerialen, als Prokurator von Sizilien aushielt, und
zwei Legaten nach Ober-Italien ausgesandt wurden: 1204/05 Bischof Lupold
von Worms und 1206/07 Bischof Konrad von Regensburg. Lupold gelang es, die Mark
Ancona den Päpstlichen zu entreißen.
Bereits 1203 hatte PHILIPP begonnen, seine (zwischen
1198 und 1205 geborenen) Töchter zu verloben, wobei er
ausschließlich auf die politischen Verhältnisse im
Thronstreit reagierte – ein Heiratsersuchen des lateinischen Kaisers Heinrich beschied er
abschlägig. Um den Papst auf seine Seite zu ziehen, offerierte PHILIPP ihm 1203 – erfolglos – die Heirat einer seiner
Töchter mit dessen Neffen, dem Sohn Graf
Richards von Segni. 1207
sollte Beatrix die Ältere OTTO IV. heiraten, damit dieser
auf den Thron verzichte; OTTO
lehnte ab. Außerdem wurden Maria
mit dem Sohn Herzog Heinrichs von Brabant und Kunigunde mit Wenzel, dem Sohn des Königs
von Böhmen verlobt. Auch dem Pfalzgrafen
Otto von Wittelsbach, einem der
wichtigsten Helfer in den Kriegszügen von 1203/04, war eine
Tochter (wohl Kunigunde)
versprochen worden. Formal wegen zu enger Verwandtschaft, eher aber
wegen der politisch aussichtsreicher erscheinenden Verbindungen mit dem
Papst-Neffen, mit OTTO IV.
sowie mit Brabant und Böhmen, wurde diese Verlobung durch einen
Spruch der Reichsfürsten gelöst.
Inzwischen hatte PHILIPP seine Stellung durch die Unterwerfung Hermanns von Thüringen
(17.9.1204) sowie die Übertritte des Pfalzgrafen Heinrich
bei Rhein (März/April 1204) und Adolfs von Köln (November 1204) so gefestigt, daß er am
6.1.1205 durch Erzbischof Adolf Kur und Krönung in
Aachen wiederholen lassen konnte. Zuvor war er formell
zurückgetreten. Nach dem Sieg über OTTO IV. bei Wassenberg
(27.7.1206) gewann PHILIPP infolge des Übertritts der Bürger
von Köln das ökonomische Zentrum des Gegen-Königtums. In
geheimen Verhandlungen mit dem Papst erreichte er 1207 seine
Lösung vom Bann sowie die Zusage der Anerkennung; dabei
drängten die Legaten OTTO IV.
zur Resignation, was dieser allerdings verweigerte. PHILIPPS Ansehen in Ober-Italien hob sich jetzt
schlagartig:
Als sein Legat Wolfger von
Aquileia im Mai/Juni 1208 von Rom zurückkehrend mehrere
Kommunen besuchte, versprach Siena die Auslieferung der besetzten
Reichsburgen. Im Juni 1208 rüstete PHILIPP zu einem endgültigen militärischen
Schlag gegen OTTO IV. Bei
gleichzeitiger Verwüstung Thüringens wollte er gegen
Braunschweig und anschließend Dänemark ziehen, als er am 21.
Juni in der Bamberger Pfalz von Pfalzgraf
Otto von Wittelsbach ermordet wurde.
Ob Pfalzgraf Otto
allein aus Privatrache handelte oder ob weitreichendere Ursachen
zu einer Verschwörung mehrerer oppositioneller Fürsten
führten, wird von der Forschung unterschiedlich beurteilt. PHILIPP hatte sich immerhin gegen eine neue Verbindung
Ottos mit der ANDECHSERIN Gertrud, einer
Tochter der (hl.) Hedwig von Schlesien,
ausgesprochen. Die ANDECHS-MERANIER
konnten auch wegen der Vorenthaltung von Bamberger Kirchenlehen durch PHILIPP und der Eroberung Zaras, wodurch die
Interessen ihres Schwagers Andreas
von Ungarn verletzt worden waren, Genugtuung an einer
Beseitigung PHILIPPS finden. Die Reichsministerialität und das
Kanzleipersonal PHILIPPS traten geschlossen zu OTTO IV. über, der seine
Verlobung mit Beatrix der
Älteren und die Verfolgung des
Königsmörders und seiner Helfer zusagen mußte. Nur PHILIPPS Witwe
Irene unterstützte die Königskandidatur Heinrichs von Brabant, dessen
Sohn ihr Schwieger-Sohn war, und stellte sich gegen die Verbindung
ihrer ältesten Tochter mit OTTO.
Ihr Tod am 27. August 1208 (infolge einer Frühgeburt) machte den
Weg für die Verlobung und die anschließende allgemeine
Anerkennung OTTOS IV. frei.
Klöster wurden von PHILIPP nicht gestiftet, und auch als Mäzen ist
er nicht hervorgetreten (nur kurzfristig arbeitete Walther von der Vogelweide in
seinem Auftrag als Spruchdichter). Sein Totengedenken wurde unter
anderem in Speyer,
Bamberg, Weingarten, Wilten und Zwiefalten gehalten, Mönche zu
Benediktbeuren und Salmannsweiler schrieben Klagelieder. Die Gebeine PHILIPPS ließ FRIEDRICH II. auf seinem
Speyerer Hoftag Weihnachten 1213 in die Kaisergruft
überführen. PHILIPP war „ruhigen Gemüts und von sanfter
Sinnesart, … zwar schwächlichen Körpers, aber
hinlänglich männlich, soweit er sich auf die Kraft der Seinen
verlassen konnte“, schrieb Burchard
von Ursberg 1229/30 in seiner Chronik. „Sein Antlitz war
anmutig und schön, das Haupthaar blond, die Figur
mittelgroß, eher schlank als korpulent.“ Letztere Angaben
bestätigten sich bei der Öffnung des Grabes im Speyerer Dom
im Jahr 1900.
Autor:
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Bernd Ulrich Hucker
Hucker, Bernd Ulrich, „Philipp von Schwaben“, in: Neue Deutsche
Biographie 20 (2001), Seite 370-372 [Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118593854.html