Auch die Beziehungen zwischen den ANDECHSERN und
König
PHILIPP VON
SCHWABEN vertieften sich seitdem. Der
STAUFER
erklärte
sich nicht nur damit einverstanden, daß Herzog Otto VII. die Grafschaft
Windberg an Bischof Manegold von
Passau verkaufte. Er bot ihm überdies
auch die Hand seiner Nichte Beatrix,
der Erbin der Freigrafschaft Burgund,
an.
Da PHILIPP VON SCHWABEN nur
Töchter besaß und FRIEDRICH,
der Sohn HEINRICHS VI., wegen zu
naher
Verwandtschaft ausschied, lag es nahe, unter den staufischen
Parteigängern nach einem geeigneten Ehemann Ausschau zu halten.
Herzog
Otto VII. nahm das
Angebot des Königs an.
Er traf Anfang
1208 mit
seinem Bruder Ekbert am
königlichen Hof in Straßburg ein. Hier
dürfte vor allem über die Höhe des Heiratsgutes
gesprochen
worden sein, das der Bräutigam seiner Braut geben mußte.
Außerdem
werden die Bedingungen ausgehandelt worden sein, unter denen der MERANIER
die Belehnung mit der Freigrafschaft erhalten würde.
Möglicherweise
bestimte man schon damals den 21. Juni 1208 als Tag der
Eheschließung.
PHILIPP VON SCHWABEN
sammelte im Frühjahr 1208 ein starkes Heer, da er nach Ablauf des
Waffenstillstands am 24. Juni gegen den WELFEN
zu Felde ziehen wollte. Er fand Gelegenheit, an der Hochzeit seiner
Nichte
mit dem MERANIER
teilzunehemen
und verlieh dem Fest durch seine Anwesenheit
zusätzlichen Glanz. Bischof
Ekbert segente die
Ehe ein. Der König
verlieh im Anschluß an die kirchliche Feier dem Herzog die
burgundische
Herrschaft. Nachdem die Festlichkeiten zu Ende gegangen waren, gab der
König den Vermählten das Geleit bis vor die Stadt. Dann
kehrte
er in den Palast des Bischofs zurück.
Der König gedachte, die Ruhe des
samstäglichen
Nachmittags zu genießen: In drei Tagen würde man das Fest
Johannes'
des Täufers feiern, dann wäre auch das Ende des
Waffenstillstands
gekommen. Noch einmal würden Kriegsgeschrei und Waffenlärm
sich
erheben, zuletzt er selbst als Sieger aus dem Thronstreit hervorgehen.
In PHILIPPS
Umgebung
ließ man es an jenem denkwürdigen Festtag an der
nötigen
Vorsicht fehlen. Daher konnte Pfalzgraf
Otto von Wittelsbach,
ein naher
Verwandter Herzog Ludwigs I.
von Bayern, wie
dieser als
Anhänger des
STAUFERS
bekannt, gegen drei Uhr nachmittags ungehindert zum König
gelangen.
Er trat in das Zimmer, in dem der Herrscher sich ausruhte, zog das
Schwert
und durchbohrte sein Opfer. Es dauerte einige Zeit bis
der Mord entdeckt
wurde. Das verschaffte dem Pfalzgrafen Gelegenheit, unbehelligt den
Palast
des Bischofs zu verlassen und aus der Stadt zu fliehen.
Mit dem gewaltsamen Tod PHILIPPS
VON SCHWABEN war die Hoffnung auf ein staufisches
Königtum fürs erste
geschwunden. Die Aussicht, daß ein
Reichsfürst an die Stelle des Ermordeten träte, der den Kampf
gegen einen zwar angeschlagenen, aber noch nicht besiegten Gegner
aufnähme,
erschien gering. Im übrigen war nicht damit zu rechnen, daß
der Papst sich mit einem solchen Vorgehen einverstanden erklärte.
Es schien daher ratsam, sich mit der neuen Lage abzufinden und den
ehemaligen
Gegner anzuerkennen.
Das galt insbesondere für Herzog Ludwig I. von Bayern,
den Verwandten des
Königsmörders. Seine Familie besaß
die
Herzogswürde seit 1180. Ihr Bestand war aber jetzt insofern
gefährdet,
als damit zu rechnen war, daß die WELFEN
darauf wieder Anspruch erheben würden. Nur ein rascher
Übertritt
auf die Seite OTTOS IV. konnte
diese
Gefahr bannen. Herzog Ludwig I.
besaß die Einsicht und Entschlossenheit,
diesen Schritt so rasch wie möglich zu vollziehen.
Über die Beweggründe des
Königsmörders
herrschte zunächst Unklarheit. Der wittelsbachische
Pfalzgraf konnte dazu
nicht befragt werden, weil er sich der
Festnahme durch die Flucht entzogen hatte. Für den bayerischen
Herzog
wie für seinen neuen
welfischen
Herrn konnte es aber nur von Nutzen sein, wenn die Tat als das Werk
eines
Einzelgängers erschien, der aus privater Rache gehandelt hatte.
Doch
nicht zufällig ging sehr rasch das Gerücht um, Pfalzgraf Otto von
Wittelsbach habe den STAUFER ermordet,
weil dieser sein Versprechen gebrochen habe, ihm eine Tochter zur Frau
zu geben. Bei dieser Erklärung blieb es. Sie war um so bequemer,
als
König
OTTO IV.
dadurch von vornherein nicht in den Verdacht
der Mitwisserschaft geriet.
Auch Herzog Ludwig I.
mußte als naher Verwandter
des Mörders bestrebt sein, den Verdacht der Komplizenschaft zu
entkräften.
Eine Mitschuld am Tod des STAUFERS traf
auf jeden Fall Bischof Ekbert und
den Markgrafen von Istrien,
weil sie
für die Sicherheit des Königs nicht in ausreichendem
Maße
gesorgt hatten. Wer nach Genossen des Verbrechers suchte, konnte den
Verdacht
der Mitwisserschaft daher leicht auf die ANDECHSER lenken. Bald sprach
man davon, daß der Pfalzgraf von Wittelsbach mit den beiden
Fürsten
im Bunde gestanden hatte, daß er ohne deren Hilfe sein Verbrechen
überhaupt nicht ausführen hätte können.
Jetzt begann die Lage für den Bischof und
seinen
markgräflichen Bruder gefährlich zu werden. Sie konnten
zweifellos
auf die Treue der Andechser Ministerialen
rechnen, wenn eine
aufgebrachte
Menge den bischöflichen Palast zu stürmen versuchte. Aber vor
den Mauern der Stadt lag viel fremdes Kriegsvolk, das PHILIPP
VON SCHWABEN für seinen Feldzug gegen OTTO
IV. gesammelt hatte und das sich durch den unerwarteten Tod
des Königs um den erhofften Sold gebracht sah. Der Bischof und der
Markgraf taten deshalb gut daran, der unsicher gewordenen Stadt den
Rücken
zu kehren und bei ihrer Schwester Gertrud
am ungarischen Hof Zuflucht zu suchen.