Nach PHILIPPS
Tode
stand der Gegen-König
OTTO in
Deutschland ohne Nebenbuhler da. Im engen Bunde mit Papst Innocenz III.
vermochte er auch die kriegsmüden Freunde des
staufischen
Hauses, darunter die
verschiedenen schwäbischen Herren, auf seine
Seite zu treten und den einzigen noch lebenden männlichen Sprossen
dieses Hauses sich selbst zu überlassen. Es war dies der
13-jährige
Sohn Kaiser
HEINRICHS VI.,
FRIEDRICH, welcher fern in dem
ererbten Königreich Sizilien weilte. Am 11. November 1208 fand
sich
zu Frankfurt eine zahlreiche Versammlung ein, in welcher insbesondere
Franken,
Schwaben und Bayern vertreten waren. Hier wurde OTTO
allseitig als König anerkannt, wogegen er eine ausgedehnte
Begnadigung
gewährte. Groß war die Teilnahme, als hier, vom Bischof Konrad
von Speier eingeführt und ganz in Tränen
aufgelöst, die
älteste Tochter König
PHILIPPS,
die noch zarte Beatrix, Gerechtigkeit
und Rache wegen der Ermordung ihres Vaters forderte. Nach gemeinsamen
Beschlusse
der Fürsten traf den Mörder die Acht, welche der Marschall Heinrich
von Kalden im folgenden Frühjahr in der Gegend von
Regensburg durch
Tötung des Missetäters vollzog. Schon bei dieser Gelegenheit
versprach OTTO den in ihn dringenden
Fürsten, Beatrix zur Gattin zu
nehmen, wenn das kirchliche Hindernis der Verwandtschaft gehoben
sei, und nahm die Fürstin in seinen vormundschaftlichen Schutz.
Auf
einem großen Hoftage zu Würzburg am 24. Mai 1209 wurde auf
Grund
der päpstlichen Dispensation von den anwesenden Fürsten die
Ehe
gutgeheißen, sodann das jugendlich blühende Mädchen von
einigen derselben vor des Königs Thron geführt. Um ihre
Einwilligung
befragt, gab sie errötend ihr Jawort. Der König umarmte,
küßte
sie, reichte ihr den Ehering und sprach: "Sehet da eure Königin,
ehret
sie, wie sich's gebühret". Der Vollzug der Ehe blieb indes wegen
der
Jugend der Braut noch ausgesetzt und sie erhielt vorerst ihren Sitz in
Braunschweig angewiesen. Da der Nachlaß
König
PHILIPPS zunächst nicht geteilt wurde, bekam der WELFE
durch
diese Verbindungen den Besitz und die Verwaltung des gesamten
staufischen
Erbgutes, welches immer noch die stattliche Menge von 350 Burgen
zählte.
Bereits vor seiner Verlobung hatte König
OTTO im Dezember 1208 und
im Beginne
des folgenden Jahres das Erbland seiner Braut besucht und am 27. Januar
zu Weingarten, dem alten Sitze seines eigenen Geschlechts, verweilt.
Auch
er behielt das schwäbische
Herzogtum in unmittelbarer Verwaltung und
sorgte daselbst kräftig für die Herstellung der Ordnung. Es
tat
dies allerdings not, denn seit König
PHILIPPS
Tode herrschte wieder wilde Fehde- und Raublust im Lande und hatten
namentlich
die Klöster viel Ungemach zu leiden. Doch gelang es OTTO
bei seinem hochfahrenden und barschen Wesen nicht, sich Liebe und
Anhänglichkeit
zu erwerben, und schon im Beginn des Jahres 1210 ließen sich
einige
Klöster des Landes, Salem und Thennenbach, von dem jungen
STAUFER FRIEDRICH zu Catania den Besitz von Gütern
bestätigen,
erkannte somit ihn als schwäbischen Herzog an, mochte auch FRIEDRICH
in den betreffenden Urkunden den Titel eines solchen sich nicht
beilegen.
In Begleitung von mehreren schwäbischen
Herren trat
König
OTTO im Juli 1209 über Ulm und Augsburg seine
Romfahrt
an. Allein kaum hatte ihm Papst Innocenz III. am 4. Oktober des
Jahres
die Kaiserkrone aufs Haupt gesetztt, als auch er sich bewogen sah,
in die Bahn seiner Vorgänger im Reiche einzulenken und den
päpstlichen
Forderungen entgegenzutreten. Er weigerte sich, die Mathildischen Güter
herzugeben, die dem Papst zugestandene Lehnsherrlichkeit über die
Mark Ancona anzuerkennen, richtete seine Angriffe auf Apulien, das Erbe
des päpstlichen Mündels FRIEDRICH,
und unterwarf sich alles Land bis Tarent. Dafür sprach Innocenz den
18. November 1210 über ihn den Bann aus, welcher im folgenden
Jahre
in Deutschland allgemein verkündigt wurde und namentlich in
Schwaben
freudige Aufnahme fand, da hier noch immer große
Anhänglichkeit
an die STAUFER herrschte. Überhaupt
bildete sich jetzt eine Gegenpartei, an deren Spitze besonders der
Erzbischof
von Mainz, König Ottokar
von Böhmen
und Landgraf Hermann von Thüringen
standen. Sie versammelten sich
erst heimlich zu Bamberg und dann öffentlich zu Nürnberg,
erklärte
OTTO
des Reichs für verlustig
und berief FRIEDRICH, für welchen
König Philipp
August von Frankreich
und sein Vormund, der Papst, wirkten, zur Übernahme der Krone.
Durch
besondere Abgeordnete, Heinrich
von Neuffen und Anselm von
Justingen, wurde
der jetzt 17-jährige König in Sizilien eingeladen, dieser
Aufforderung
Folge zu leisten. Während Heinrich
zunächst in der Lombardei
blieb und hier mit Erfolg für FRIEDRICH
warb, gelangte Anselm auf
gefahrvollen Wegen über Rom, wo er die Verhandlungen
mit Innocenz zum
Abschlusse brachte, nach Palermo zu FRIEDRICH.
Dieser nahm den Ruf an, ließ seinen ganz jungen Sohn HEINRICH,
den ihm seine Gemahlin Konstanze von Aragonien,
verwitwete Königin von Ungarn geboren, zum Könige von
Sizilien
krönen und machte sich im März des Jahres 1212 nach
Deutschland
auf. Nachdem er sich zu Rom persönlich mit dem Papste
verständigt,
gelangte er unter vielen Gefahren und Mühen über Chur wohl um
die Mitte Septembers mit 300 Mann vor Konstanz.
Inzwischen war Kaiser OTTO
bereits im Februar des Jahres von Italien nach Deutschland
zurückgekehrt
und hatte am 22. Juli zu Nordhausen das Beilager mit Beatrix
gefeiert. Allein die junge Kaiserin starb plötzlich am 11. August,
und auf die Nachricht hiervon verließen die Schwaben und Bayern
heimlich
bei Nacht mit Preisgebung ihres Gepäcks das kaiserliche Lager. OTTO
rückte im September von Thüringen an den Bodensee und
bereitete
sich eben vor, seinem Gegner den Eintritt in die Stadt Konstanz zu
verwehren,
als FRIEDRICH die Bürger und den
anfangs schwankenden Bischof gewann. Sie nahmen ihn in die Stadt und
ließen
den Kaiser, welcher drei Stunden später in der sicheren Hoffnung
auf
ungehinderten Einzug vor derselben erschienen war, wieder abziehen,
ohne
ihm Einfluß zu gewähren. Gerettet zog FRIEDRICH
über Basel in das an altem Stammgute seines Hauses reiche
Elsaß
und fand hier offenbar Aufnahme, wie er denn überhaupt durch sein
gefälliges Wesen und durch reiche Spenden sich schnell
großen
Anhang erwarb. So sah er bereits in den ersten Monaten eine Reihe
schwäbischer
Grafen um sich geschart und verband sich noch weiter vom Elsaß
aus
mit dem, dem Kaiser schon lange feindlichen Könige
Philipp August von Frankreich:
Die einschlägigen Verhandlungen
wurden von FRIEDRICH persönlich
den 18. November zu Vaucouleurs bei Toul mit Philipp
Augusts Erstgeborenen, Ludwig,
geführt. - OTTO seinerseits war
auf der Schwarzwaldseite des Rheins hinabgerückt, mußte aber
auch von Breisach wieder schmählich abziehen und fliehend in
seiner
sächsischen Heimat Rettung suchen. Im Norden und Nordwesten
Deutschlands
hatte er überhaupt noch immer einen bedeutenden Anhang, als die
Schlacht
bei Bouvines, welche er am 27. Juli 1214 gegen den französischen
König
verlor, seine Macht völlig brach. Er blieb fortan auf seine
Erblande
beschränkt, wenngleich er seinen weiteren Ansprüchen bis an
seinen
Tod (19. Mai 1218) nie förmlich entsagte.