Mühlbacher, Josef: Seite 77-85,96
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"Lebensweg und Schicksale der staufischen Frauen"

Nur wenige Ehen der STAUFERINNEN wurden glücklich oder auch nur gut, keine aber ist so dunkel und verworren wie die der Beatrix. Beatrix wurde von den Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit heimgesucht. Ihr Leben verband sich schließlich auf Umwegen mit dem Gegner ihres Vaters und Geschlechts, dem WELFEN OTTO IV. Obwohl sie mit ihm nur knapp einen Monat verheiratet war, kann ihr Leben nicht losgelöst von dem OTTOS erzählt werden.
Sie wurde vermutlich ein Jahr nach der Vermählung PHILIPPS mit Irene 1198 geboren. Sie war es, die der Vater 1203 dem Papst Innozenz III. zur Verlobung mit dessen Neffen anbot, um eine Versöhnung der STAUFER mit den Päpsten herbeizuführen. Noch einige Male erscheint danach Beatrix als Objekt politischer Erwägungen. PHILIPP versprach nach dem Feldzug gegen Thüringen 1204 Beatrix dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, der ihn bei dem Kriegszug unterstützt hatte. PHILIPP aber zögerte, sein Versprechen aufrechtzuerhalten, Charakter und Lebensart des bayerischen Pfalzgrafen stießen ihn ab. Cäsarius von Heisterbach beschreibt Otto in seinem "Dialogus miraculorum" als einen hartherzigen und jähzornigen, wilden und zügellosen Menschen.
Im Frühjahr 1208 wurde im Zusammenhang mit den in Rom zwischen dem Papst und den Abgesandten König PHILIPPS geführten Verhandlungen der frühere Heiratsplan, König PHILIPPS Tochter Beatrix und den Neffen des Papstes betreffend, wieder aufgegriffen. Einen Monat später, am 21. Juni überfiel Pfalzgraf Otto von Wittelsbach aus Rache für die Auflösung der Verlobung mit Beatrix in Bamberg König PHILIPP und tötete ihn.
Nach der Ermordung PHILIPPS war OTTO IV. der alleinige König. Auf dem Reichstag in Frankfurt am 11. November 1208 wurde er wiedergewählt. Auf diesem Reichstag führte der Bischof von Speyer, Heinrich von Scharfenberg, die 10-jährige Beatrixvor die Versammlung der Fürsten, erinnerte an die Untat des Königsmordes an PHILIPP, und Beatrix erbat weinend von dem Feind ihres Vaters und Geschlechts Schutz und Hilfe. Die Versammlung forderte Vergeltung für die Bluttat. Beatrix wurde von OTTO in Obhut genommen und nach Braunschweig gebracht. OTTO IV. hatte sich unter dem Vorwand solcher Hilfeleistung für die Tochter seines ehemaligen Widersachers eines Faustpfandes gegen die STAUFER versichert, die staufische Beatrix sollte ein Garant für seine Herrschaft in Deutschland und im Imperium sein, zumal zwei ihrer Schwestern bedeutenden Herrscher-Häusern verlobt waren. Eine Rolle spielte auch OTTOS Absicht auf das sich in verworrenem Zustand befindliche Byzantinische Reich, denn die Mutter der Beatrix war eine Tochter des Kaisers von Byzanz.
OTTO IV. wurde 1182 als Sohn Heinrichs des Löwen geboren, war also zwei Jahre jünger als PHILIPP VON SCHWABEN. Diesem, einem zartem, blonden, milden, liebenswürdigen, gebildeten und frommen STAUFER war der WELFE in jeder Hinsicht gegensätzlich, nämlich groß von Gestalt, ungewöhnlich kräftig, schroff und derb, stolz und nach Kampf und Abenteuern begierig. Den Deutschen galt er als landfremd, war er doch in England von seinem kinderlosen Oheim Richard Löwenherz erzogen und verwöhnt worden.
OTTO war einer der Ritter gewesen, die Richard Löwenherz als Geiseln stellte, als er die Geldforderungen nach der Gefangennahme durch HEINRICH VI. einzulösen hatte; OTTO war damals, noch sehr jung, auf dem Trifels festgehalten worden. 1196 von Richard Löwenherz mit dem aquitanischen Herzogtum und der Grafschaft Poitou beschenkt, nahm OTTO an der Seite der Engländer am Kriegszug gegen den französischen König Philipp II. August teil. Schon in den Jahren des Krieges zwischen PHILIPP VON SCHWABEN und OTTO hatte der auf Frieden bedachte PHILIPP eine Verbindung seiner Tochter Beatrix mit dem WELFEN erwogen; dieser Plan war vom Papst gefördert worden, aber nicht weiter gediehen.
Auf einer Versammlung am Sonntag nach Pfingsten 1209 in Würzburg, ein Jahr nach PHILIPPS Ermordung, wurde von den Reichsfürsten der Wunsch einer Verlobung OTTOS mit der staufischen Beatrix öffentlich geäußert. Da entschied sich OTTO. Er reichte vor der Fürstenversammlung Beatrix den Verlobungsring, küßte sie als seine Braut und sagte zu den Versammelten: "Schaut eure Königin; ehrt sie, wie ihr gebührt!"
Ihre Jugend  - sie war 11 Jahre alt - verhinderte die Eheschließung, die erst unter dem Druck der Verhältnisse nach drei Jahren überstürzt vollzogen werden sollte.
OTTO kehrte aus Italien zurück, verwüstete das Land des abgefallenen Landgrafen von Thüringen und drang bis Weißensee vor, das er belagerte. Während der Kampfhandlungen um Weißensee schloß OTTO am 22. Juli 1212 in Nordhausen in aller Eile und unter großer Prachtentfaltung die Ehe mit Beatrix. OTTO mußte während der Belagerung des ihm hartnäckig trotzenden Weißensee die Nachricht erhalten haben, dass der 18-jährige FRIEDRICH am 1. Mai in Genua gelandet war. Um sich gegen FRIEDRICH Krone und Reich zu sichern, erfolgte die überstürzte Vermählung OTTOS mit Beatrix am 22. Juli 1212, doch kaum einen Monat nach der Hochzeit starb Beatrix am 11. August. Das Faustpfand war OTTO aus der Hand geglitten.
OTTO zog sich nach der Niederlage bei Bouvines (27. Juli 1214) mit seiner zweiten Gemahlin, der brabantischen Maria, in sein ihm verbliebenes braunschweigisches Stammland zurück.
Er starb auf der Harzburg. Das Ende des ungestümen WELFEN war düster. "Von einem unsagbaren Weltschmerz befallen", heißt es in den Annalen des Abtes Albrecht von Stade, "so dass er seinen Köchen befahl, sie sollten auf seinen Nacken treten" (in collum suum conculbarent), starb er am 19. Mai 1218 im Alter von 36 Jahren. Die letzten irdischen Worte, die er vernommen, waren das Lied "Mitten wir im Leben sind vom Tod umfangen", das, nachdem alle bis auf die Priester und seine Gattin das Sterbegemach verlassen hatten, gesungen wurde.
Einzelne Chronisten berichten, OTTO habe sterbend den Wunsch ausgesprochen, seine Gebeine nach Rom zu bringen, damit der Papst ihn vom Banne löse. Dies sei auch geschehen, bevor er im Dom St. Blasien von Braunschweig bestattet wurde, wo vier Jahre vor ihm seine erste Gemahlin, die staufische Beatrix, beigesetzt worden war. Jetzt ruhen OTTO und Beatrix in dem von Herzog Anton Ulrich 1707 für die Angehörigen seines Hauses angelegten Sammelgrab. Auf dessen Messingplatte stehen auch die Namen OTTO und der Beatrix verzeichnet.
OTTO war bis 1212 in kurzer Ehe von wenigen Tagen mit Beatrix der Älteren, einer Tochter König PHILIPPS VON SCHWABEN vermählt gewesen. Am 19. Mai 1214 verlobte sich OTTO in Maastricht mit Maria, der Tochter Heinrichs I. von Brabant, und feierte bald darauf in Aachen die Hochzeit.
Herzog Heinrich I. unterstützte seinen Schwieger-Sohn OTTO, der bei Bouvines geschlagen worden war und gebrochen und hilflos nach Köln kam. Hier machte OTTOS zügellose Gemahlin, eben die brabantische Maria, so große Spielschulden, dass OTTO unter dem Vorwand, er gehe auf die Jagd, aus der Stadt ritt und seine in Köln verhaßt gewordene Gemahlin ihm heimlich in Pilgertracht nach Braunschweig folgte. Diese brabantische Maria mag den letzten Lebensjahren des gebrochenen und verzweifelten WELFEN OTTO IV. wenig Glück gebracht haben.