Nur wenigen Frauen der staufischen
Familie,
ob ihr angehörend oder nur zugeheiratet, war ein glückliches
oder auch nur ruhiges Leben gegönnt gewesen. Das Leben der Margarete
von Babenberg wurde in doppelter Weise ruhelos, war sie doch
die unglückliche Gattin zweier Könige, von denen der erste
ein
STAUFER
war.
Sie war, um 1204 geboren, die Tochter des Herzogs
Leopold VI. des Glorreichen von
Österreich und der
byzantinischen Prinzessin
Theodora
Komnenos. Ihr Bruder war Herzog
Friedrich II. der
Streitbare.
Mit Friedrich II.
erlosch, da er ohne männliche Erben war,
das babenbergische Geschlecht im Mannesstamm.
Kaiser FRIEDRICH
II. war
darauf bedacht, Österreich für sein Geschlecht zu erwerben.
Er
brachte die eheliche Verbindung der Margarete
von Babenberg mit seinem Sohn HEINRICH
(VII.) zuwege. Sie war ein Werk der Staatsraison, die des
Altersunterschiedes
nicht achtete. HEINRICH war 14, Margarete
21. Die Hochzeit wurde am 29. November 1225 mit großer
Prachtentfaltung
gefeiert. Über Margarete schreibt
ein Reimchronist: "Sie wart so einfaltic und guot". War das nur eine
übliche
Redensart?
Margarete war um
sieben Jahre älter. Sie war bereits, als begehrtes Objekt der
Ansprüche
Böhmens auf Österreich, mit Pribislaw,
einem Sohn Wenzels I. von Böhmen und
der Kunigunde von Hohenstaufen, verlobt
gewesen. Eine Eheschließung hatte Kaiser
FRIEDRICH II. verhindert. HEINRICH
hatte sich um die Schwester des
englischen Königs, Isabella,
beworben, war aber abschlägig beschieden worden.
Die Ehe HEINRICHS
undMargaretes
drohte zu zerbrechen.
HEINRICH strebte
eine Scheidung an und hatte die Absicht, seine Jugendgeliebte Agnes,
die Tochter König
Ottokars I. von Böhmen,
zu heiraten. Er mochte Agnes durch
seine Tante Kunigunde, die mit dem
böhmischen
König
Wenzel I. verheiratete Tochter PHILIPPS
VON SCHWABEN, kennengelernt haben. Am Fürstentag im Ulm
1225 war Agnes als Gemahlin
HEINRICHS
vorgeschlagen worden, aber
Kaiser FRIEDRICH
durchkreuzte
dieses Vorhaben, weil er selbst ein Augenmerk auf Agnes
gerichtet hatte. Agnes machte beiden
Werbungen ein Ende, sie nahm den Schleier.
1231 befahl der Kaiser seinen Sohn auf den
Hoftag von
Ravenna, wo auch die Eheschwierigkeiten HEINRICHS
besprochen werden sollten. HEINRICH
erschien nicht.
Wie Margarete die
vorworrene Zeit, in welcher HEINRICH sich
gegen den Vater auflehnte, um in Deutschland nach seinem Willen zu
regieren,
durchlebte, wissen wir nicht. HEINRICH
war nicht nur ein streitbarer Rebell, sondern auch ein lebensfroher und
musischer Mensch, eben ein STAUFER,
unter dem Kunst und Dichtung in Deutschland eine Blüte erlebten.
Schon
1235 endete Margaretes Ehe, als Kaiser
FRIEDRICH II. seinen Sohn absetzte und als Gefangenen nach
Italien
bringen ließ.
Nach dem Tode HEINRICHS (1242)
hielt sich Margarete bis 1245 am Hof
ihres Schwieger-Vaters auf, zusammen mit ihren beiden Söhnen
Heinrich,
der als Knabe starb, und
Friedrich,
damals etwa 17-jährig, der in die "familia" des Kaisers
aufgenommen
worden war und sich als Kriegsmann bewährte. 1245 ging Margarete,
vom Schwieger-Vater beschenkt, nach Deutschland zurück,
zunächst
ins Katharinen-Kloster in Trier, dann ins St. Markus-Kloster nach
Würzburg.
Die Nachrichten widersprechen einander:
ob sie den Schleier
genommen oder vom Papst daran gehindert wurde, denn sie war ein Pfand
in
seinen politischen Geschäften. Jedenfalls hatte sich die verwitwete
Königin dem klösterlichen Leben ergaben, was nicht
unbedingt
für ihre Frömmigkeit sprechen muß; viele ledig
gebliebene
und in der Ehe gescheiterte oder verwitwete adelige Frauen zogen sich
damals
ins Kloster zurück, ohne das Ordensgelübde abzulegen. Ein
blasses
Licht auf diese Frage mag eine Episode werfen; Margarete
schenkte den Dominikanerinnen im Kloster Weil bei Esslingen, die im Ruf
mystisch verzückter Frömmigkeit standen, ein Drittel ihrer
Königskrone.
Der Tod ihres Bruders, des Herzogs Friedrich II. von
Österreich, in der Schlacht an der Leitha gegen die Ungarn
1246,
veranlaßte
Margarete, das klösterliche
Leben aufzugeben und nach Österreich zurückzukehren, um das babenbergische
Erbe
zu sichern. Margarete
fühlte sich
als Erbin und Nachfolgerin und sie urkundete als solche in Wien
("Königin der Römer von Gottesgnaden" und "Wahrer Erbe
des Landes"). Sie hatte also das politische Geschäft in die Hand
genommen. War sie dazu berechtigt?
Zwar war für Österreich die weibliche
Nachfolge
möglich, aber Margarete war nur
die Schwester des letzten Herzogs. Ihre andere Schwester Konstanze
war mit dem Markgrafen von Meißen vermählt, dessen
Söhne
ebenfalls Erbansprüche auf Österreich erhoben.
Schließlich
war da noch eine Nichte, Gertrud,
die damals mit dem
böhmischen Wladislawvermählt
war.
In dieser verworrenen Lage um das
österreichische
Erbe konnte nur der Kaiser ein Machtwort sprechen. Es war nicht
eindeutig.
Einerseits bestimmte er Margaretes
Sohn Friedrich als Nachfolger,
andererseits
gliederte er Österreich und die Steiermark unter den Generalkapitänen
Otto von Bayern und Graf Meinhard von Görz in sein
Südreich ein.
Die Frage löste sich von selber. 1250 starb
Kaiser
FRIEDRICH II., ein Jahr nach ihm Margaretes
Sohn
Friedrich. Im selben
Jahr hatte der
böhmische
König Ottokar
II., von den österreichischen Herren gerufen,
Österreich
und Steiermark an sich gebracht. Um dies zu legalisieren, die
Ansprüche
anderer Anwärter auf Österreich zunichte zu machen und seine
Nachkommenschaft zu sichern, entschloß sich Ottokar,
Margarete zu heiraten.
So begann das alte Spiel von neuem. Ottokar
war 23 Jahre alt und in seiner Art und Erscheinung den STAUFERN
verwandt; seine Mutter war eine Tochter PHILIPPS
VON SCHWABEN. Er war der reichste
und mächtigste Reichsfürst.
Die Zeitgenossen nannten ihn den "goldenen" und den "eisernen".
Margarete aber war 46 Jahre, also doppelt so alt als Ottokar.
Am 11. Februar 1252 fand mit festlichem Gepränge die Hochzeit des
Jünglings mit der gealterten Frau in Hainburg statt.
Hatte Margarete um
jeden Preis, auch den dieser Ehe, das babenbergische Erbe retten
wollen? War sie durch ihre erste Ehe nicht belehrt worden?
Die erste Zeit nach der Vermählung blieb Margarete
in
Österreich, dann zog sie schon als
Königin von Böhmen
nach
Prag, das ihr einen glänzenden Empfang bereitete.
Was erhofft worden war, blieb aus. 1256
versuchte Ottokar
beim Papst die Scheidung zu erreichen. Vergeblich. Es
heißt,
Margarete
habe ihren Gatten vorgeworfen, er sei an der Kinderlosigkeit schuld,
denn
sie habe in der ersten Ehe zwei Söhne zur Welt gebracht. Da
versuchte
Ottokar
eine andere Lösung. Er knüpfte mit einem
Hoffräulein
ein Liebesverhältnis an, aus dem ein Sohn und zwei Töchter
hervorgingen.
Jenes Fräulein trug die Haare wie ein Page kurz geschnitten,
weswegen
es die Prager, die mit Scherz- und Spottworten nie geizten, "palcerik"
nannten, was "Kurzhaar" bedeutet. Doch auch mit ihr kam Ottokar
nicht ans Ziel seiner Wünsche. Die päpstliche Kurie
legitimierte zwar die natürlichen Kinder des Königs,
schloß
sie aber von der Thronfolge aus. Ottokar fühlte
sich mächtig genug, einen anderen Ausweg zu suchen.
Am 12. Juni 1260 hatte er Bela
IV. von Ungarn bei Kroissenbrunn geschlagen. Am 18. November
des folgenden Jahres heiratete er, um Frieden zwischen Böhmen und
Ungarn zu stiften, Belas Nichte Kunigunde.
Die Zustimmung zu dieser Ehe erwirkte er, ohne dass seine Ehe mit Margarete
geschieden worden war, durch die Bischöfe von Prag und
Olmütz.
Bischof Johann von Prag und Bischof Bruno von Olmütz
unterrichteten
den Papst Urban IV. nur über die
Gründe. Ottokar
und Margarete seien im 4. Grad verwandt,
Margarete
habe in Trier ihr klösterliches Gelübde, also auch das der
Ehelosigkeit,
abgelegt. am 18. Oktober 1261 verließ Margarete
Prag, 10 Tage später feierte Ottokar im
Preßburg seine Hochzeit.
Margarete zog sich
nach Österreich zurück und ließ sich in Krems nieder.
"Sie
ging zum zweiten Male ins Kloster, wenig von den Leuten geachtet, weil
sie, um Heirat und Herrschaft willen, dem ersten Gelübde untreu
geworden"
(Raumer)
Margarete starb am
18.
Oktober 1267, auf den Tag genau sechs Jahre, nachdem sie Prag verlassen
hatte. Sie wurde in Stift Lilienfeld bei Sankt Pölten bestattet,
das
ihr Vater Leopold VI.
gegründet hatte.
Wie weit Margarete
der Handlungsweise und den Entschlüssen Ottokars
zugestimmt hatte, wissen wir nicht. Es wird vermutet, sie habe schon
das
außereheliche Verhältnis, dann die Scheidung gebilligt. Dem
würde der Bericht des steierischen Reimchronisten widersprechen, Margarete
sei durch Gift aus dem Wege geräumt worden. Der Chronist des
mährischen
Klosters Saar bezeichnet Ottokar als
den Veranlasser des Mordes.