Mühlbacher Josef: Seite 161-170
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

Nur wenigen Frauen der staufischen Familie, ob ihr angehörend oder nur zugeheiratet, war ein glückliches oder auch nur ruhiges Leben gegönnt gewesen. Das Leben der Margarete von Babenberg wurde in doppelter Weise ruhelos, war sie doch die unglückliche Gattin zweier Könige, von denen der erste ein STAUFER war.
Sie war, um 1204 geboren, die Tochter des Herzogs Leopold VI. des Glorreichen von Österreich und der byzantinischen Prinzessin Theodora Komnenos. Ihr Bruder war Herzog Friedrich II. der Streitbare. Mit Friedrich II. erlosch, da er ohne männliche Erben war, das babenbergische Geschlecht im Mannesstamm.
Kaiser FRIEDRICH II. war darauf bedacht, Österreich für sein Geschlecht zu erwerben. Er brachte die eheliche Verbindung der Margarete von Babenberg mit seinem Sohn HEINRICH (VII.) zuwege. Sie war ein Werk der Staatsraison, die des Altersunterschiedes nicht achtete. HEINRICH war 14, Margarete 21. Die Hochzeit wurde am 29. November 1225 mit großer Prachtentfaltung gefeiert. Über Margarete schreibt ein Reimchronist: "Sie wart so einfaltic und guot". War das nur eine übliche Redensart?
Margarete war um sieben Jahre älter. Sie war bereits, als begehrtes Objekt der Ansprüche Böhmens auf Österreich, mit Pribislaw, einem Sohn Wenzels I. von Böhmen und der Kunigunde von Hohenstaufen, verlobt gewesen. Eine Eheschließung hatte Kaiser FRIEDRICH II. verhindert. HEINRICH hatte sich um die Schwester des englischen Königs, Isabella, beworben, war aber abschlägig beschieden worden.
Die Ehe HEINRICHS undMargaretes drohte zu zerbrechen. HEINRICH strebte eine Scheidung an und hatte die Absicht, seine Jugendgeliebte Agnes, die Tochter König Ottokars I. von Böhmen, zu heiraten. Er mochte Agnes durch seine Tante Kunigunde, die mit dem böhmischen König
Wenzel I.
verheiratete Tochter PHILIPPS VON SCHWABEN, kennengelernt haben. Am Fürstentag im Ulm 1225 war Agnes als Gemahlin HEINRICHS vorgeschlagen worden, aber Kaiser FRIEDRICH durchkreuzte dieses Vorhaben, weil er selbst ein Augenmerk auf Agnes gerichtet hatte. Agnes machte beiden Werbungen ein Ende, sie nahm den Schleier.

1231 befahl der Kaiser seinen Sohn auf den Hoftag von Ravenna, wo auch die Eheschwierigkeiten HEINRICHS besprochen werden sollten. HEINRICH erschien nicht.
Wie Margarete die vorworrene Zeit, in welcher HEINRICH sich gegen den Vater auflehnte, um in Deutschland nach seinem Willen zu regieren, durchlebte, wissen wir nicht. HEINRICH war nicht nur ein streitbarer Rebell, sondern auch ein lebensfroher und musischer Mensch, eben ein STAUFER, unter dem Kunst und Dichtung in Deutschland eine Blüte erlebten. Schon 1235 endete Margaretes Ehe, als Kaiser FRIEDRICH II. seinen Sohn absetzte und als Gefangenen nach Italien bringen ließ.
Nach dem Tode HEINRICHS (1242) hielt sich Margarete bis 1245 am Hof ihres Schwieger-Vaters auf, zusammen mit ihren beiden Söhnen Heinrich, der als Knabe starb, und Friedrich, damals etwa 17-jährig, der in die "familia" des Kaisers aufgenommen worden war und sich als Kriegsmann bewährte. 1245 ging Margarete, vom Schwieger-Vater beschenkt, nach Deutschland zurück, zunächst ins Katharinen-Kloster in Trier, dann ins St. Markus-Kloster nach Würzburg.
Die Nachrichten widersprechen einander:
ob sie den Schleier genommen oder vom Papst daran gehindert wurde, denn sie war ein Pfand in seinen politischen Geschäften. Jedenfalls hatte sich die verwitwete Königin dem klösterlichen Leben ergaben, was nicht unbedingt für ihre Frömmigkeit sprechen muß; viele ledig gebliebene und in der Ehe gescheiterte oder verwitwete adelige Frauen zogen sich damals ins Kloster zurück, ohne das Ordensgelübde abzulegen. Ein blasses Licht auf diese Frage mag eine Episode werfen; Margarete schenkte den Dominikanerinnen im Kloster Weil bei Esslingen, die im Ruf mystisch verzückter Frömmigkeit standen, ein Drittel ihrer Königskrone.

Der Tod ihres Bruders, des Herzogs Friedrich II. von Österreich, in der Schlacht an der Leitha gegen die Ungarn 1246, veranlaßte Margarete, das klösterliche Leben aufzugeben und nach Österreich zurückzukehren, um das babenbergische Erbe zu sichern. Margarete fühlte sich als Erbin und Nachfolgerin und sie urkundete als solche in Wien ("Königin der Römer von Gottesgnaden" und "Wahrer Erbe des Landes"). Sie hatte also das politische Geschäft in die Hand genommen. War sie dazu berechtigt?
Zwar war für Österreich die weibliche Nachfolge möglich, aber Margarete war nur die Schwester des letzten Herzogs. Ihre andere Schwester Konstanze war mit dem Markgrafen von Meißen vermählt, dessen Söhne ebenfalls Erbansprüche auf Österreich erhoben. Schließlich war da noch eine Nichte, Gertrud, die damals mit dem böhmischen Wladislawvermählt war.
In dieser verworrenen Lage um das österreichische Erbe konnte nur der Kaiser ein Machtwort sprechen. Es war nicht eindeutig. Einerseits bestimmte er Margaretes Sohn Friedrich als Nachfolger, andererseits gliederte er Österreich und die Steiermark unter den Generalkapitänen Otto von Bayern und Graf Meinhard von Görz in sein Südreich ein.
Die Frage löste sich von selber. 1250 starb Kaiser FRIEDRICH II., ein Jahr nach ihm Margaretes Sohn Friedrich. Im selben Jahr hatte der böhmische König Ottokar II., von den österreichischen Herren gerufen, Österreich und Steiermark an sich gebracht. Um dies zu legalisieren, die Ansprüche anderer Anwärter auf Österreich zunichte zu machen und seine Nachkommenschaft zu sichern, entschloß sich Ottokar, Margarete zu heiraten.
So begann das alte Spiel von neuem. Ottokar war 23 Jahre alt und in seiner Art und Erscheinung den STAUFERN verwandt; seine Mutter war eine Tochter PHILIPPS VON SCHWABEN. Er war der reichste und mächtigste Reichsfürst. Die Zeitgenossen nannten ihn den "goldenen" und den "eisernen". Margarete aber war 46 Jahre, also doppelt so alt als Ottokar. Am 11. Februar 1252 fand mit festlichem Gepränge die Hochzeit des Jünglings mit der gealterten Frau in Hainburg statt.
Hatte Margarete um jeden Preis, auch den dieser Ehe, das babenbergische Erbe retten wollen? War sie durch ihre erste Ehe nicht belehrt worden?
Die erste Zeit nach der Vermählung blieb Margarete in Österreich, dann zog sie schon als Königin von Böhmen nach Prag, das ihr einen glänzenden Empfang bereitete.
Was erhofft worden war, blieb aus. 1256 versuchte Ottokar beim Papst die Scheidung zu erreichen. Vergeblich. Es heißt, Margarete habe ihren Gatten vorgeworfen, er sei an der Kinderlosigkeit schuld, denn sie habe in der ersten Ehe zwei Söhne zur Welt gebracht. Da versuchte Ottokar eine andere Lösung. Er knüpfte mit einem Hoffräulein ein Liebesverhältnis an, aus dem ein Sohn und zwei Töchter hervorgingen. Jenes Fräulein trug die Haare wie ein Page kurz geschnitten, weswegen es die Prager, die mit Scherz- und Spottworten nie geizten, "palcerik" nannten, was "Kurzhaar" bedeutet. Doch auch mit ihr kam Ottokar nicht ans Ziel seiner Wünsche. Die päpstliche Kurie legitimierte zwar die natürlichen Kinder des Königs, schloß sie aber von der Thronfolge aus. Ottokar fühlte sich mächtig genug, einen anderen Ausweg zu suchen.
Am 12. Juni 1260 hatte er Bela IV. von Ungarn bei Kroissenbrunn geschlagen. Am 18. November des folgenden Jahres heiratete er, um Frieden zwischen Böhmen und Ungarn zu stiften, Belas Nichte Kunigunde. Die Zustimmung zu dieser Ehe erwirkte er, ohne dass seine Ehe mit Margarete geschieden worden war, durch die Bischöfe von Prag und Olmütz. Bischof Johann von Prag und Bischof Bruno von Olmütz unterrichteten den Papst Urban IV. nur über die Gründe. Ottokar und Margarete seien im 4. Grad verwandt, Margarete habe in Trier ihr klösterliches Gelübde, also auch das der Ehelosigkeit, abgelegt. am 18. Oktober 1261 verließ Margarete Prag, 10 Tage später feierte Ottokar im Preßburg seine Hochzeit.
Margarete zog sich nach Österreich zurück und ließ sich in Krems nieder. "Sie ging zum zweiten Male ins Kloster, wenig von den Leuten geachtet, weil sie, um Heirat und Herrschaft willen, dem ersten Gelübde untreu geworden" (Raumer)
Margarete starb am 18. Oktober 1267, auf den Tag genau sechs Jahre, nachdem sie Prag verlassen hatte. Sie wurde in Stift Lilienfeld bei Sankt Pölten bestattet, das ihr Vater Leopold VI. gegründet hatte.
Wie weit Margarete der Handlungsweise und den Entschlüssen Ottokars zugestimmt hatte, wissen wir nicht. Es wird vermutet, sie habe schon das außereheliche Verhältnis, dann die Scheidung gebilligt. Dem würde der Bericht des steierischen Reimchronisten widersprechen, Margarete sei durch Gift aus dem Wege geräumt worden. Der Chronist des mährischen Klosters Saar bezeichnet Ottokar als den Veranlasser des Mordes.