Entgegen allen anderen Erwartungen -
vermutlich auf
Anregung
von Herzog Leopold selbst und auf Rat des
mit dem BABENBERGER
blutsverwandten Bischofs Konrad von Regensburg -
entschied sich Kaiser
FRIEDRICH für Margarete,
die älteste Tochter Herzog
Leopolds, als Gattin
für seinen
Sohn, König HEINRICH.
Schon Ende
November 1225 fand die Hochzeit König
HEINRICHS
mit
Margarete von Österreich
in Nürnberg statt. Mit dieser 1225 geschlossenen ehelichen
Verbindung
zwischen dem Sohn des Kaisers und der Tochter
des österreichischen
Herzogs wurde die schwere
Gegnerschaft des Böhmen-Königs heraufbeschworen,
der bereits alle Aussicht gehabt hatte, selbst Schwieger-Vater des
deutschen
Königs zu werden.
Im babenbergischen
Erbstreit nach dem Tode Friedrichs
II. des Streitbaren stand der Papst mehr auf Seite Gertruds
und suchte Margarete mit dem Grafen
Hermann von Henneberg,
einem Neffen des Gegen-Königs
HEINRICH RASPE und einem Halb-Bruder des Markgrafen Heinrich
des Erlauchten von Meißen, zu verheiraten. Sie, die immer
noch hoffte,
dass einem ihrer Söhne aus der Ehe mit König
HEINRICH (VII.), Heinrich oder
Friedrich,
die Herrschaft - wenn schon nicht im Reich, so in den
österreichischen
Ländern - zufallen würde, lehnte ab, nahm aber die
päpstliche
Dispens von einem etwaigen Ordensgelübde als gegeben. Es ist
interessant
zu verfolgen, wie in den Jahren 1246-1252 die beiden Frauen, Tante und
Nichte, teils verbündet, teils in offenem Gegensatz und in
Konkurrenz,
den Gewinn der österreichischen Länder anstrebten, wobei der
Papst abwechselnd die eine oder die andere Seite förderte. Das
zeigt
sich bereits deutlich im Herbst des Jahres 1246, als Königin
Margarete - als
heres legitima - die Schenkung des einst
dem Kämmerer Gottfried gehörigen
Hauses mit der Dreifaltigkeitskapelle
auf dem Kienmarkt in Wien an den Kämmerer
Berthold durch
ihren verstorbenen
Bruder bestätigt.
Margarete, die
sich teils in Wien, teils in Hainburg aufhielt, ausgesprochen kaiserlich-staufisch
gesinnt war, Gertrud
hingegen päpstlich wie ihr Schwieger-Vater,
der König von Böhmen.
Aber das Interesse des Papstes an Gertrud war
im Erlöschen. Sie ging ihre eigenen Wege, immer bestimmt von
Eifersucht
und Abneigung, ja Haß gegen ihre Tante Margarete,
die Schwester Herzog Friedrichs II. Diese lebte
zurückgezogen
in Hainburg an der Donau. Aber schon in den nächsten Jahren sollte
sie ins Rampenlicht treten. Es waren die österreichischen
Landesherren
selbst, die - der Unruhe und Unsicherheit im Lande
überdrüssig
- nach einem starken Landesfürsten riefen. Sie wendeten sich an
den
mächtigsten Fürsten des
Reiches, den König
Wenzel I. von Böhmen. Der wies sie an seinen zweiten Sohn,
Ottokar Premysl,
Markgraf von Mähren.
Die Landesherren wandten sich im
November 1251 an ihn, und er rückte sofort in Österreich ein.
Schon am 16. November 1251 nannte sich Ottokar
marchio Moravie et dux Austrie. Ihm schien es aber
zunächst
klug und notwendig, seine Herrschaft durch die Heirat mit der Erbin
Margarete zu legitimieren und zu sichern.
So vermählte er sich bereits am 11. Februar 1252 mit Margarete,
Königin-Witwe und Schwester des letzten regierenden BABENBERGERS,
auf ihrer Feste in Hainburg. Papst
Innocenz IV.
bestätigte am 6. Mai
1252 den rechtmäßig erfolgten Übergang der
Herzogtümer
Österreich und Steiermark an Ottokar und
Margarete. Erst am 5. Juli 1253 langte
die Dispens des Papstes wegen des zu nahem Verwandtschaftsgrades des
Ehepaares
(gemeinsamer Ur-Großvater bzw Ur-Ur-Großvater) ein. Am 16.
Juni 1252 führt Margarete in einer
Urkunde, mit der sie der Propstei Ardagger ihr Mautrecht sichert, neben
ihrem Titel Romanorum (quondam) regina zum ersten Mal auch
den Titel ducissa Austrie et Stirie ac marchionissa Moravie.
Aber auch Gertruds
Tante Margarete
brachte
die Politik keinen dauernden Gewinn. 1260 urkundet sie als domina
regni
Bohemie. Im Lager von Laa an der Thaya stellte sie als Königin
von Böhmen und Herzogin
von Österreich und Steier eine
Urkunde aus, worin sie mit Zustimmung ihres Gemahls dessen Diplom
vollinhaltlich
bestätigt, womit er die Verleihung der alten Grenzgrafschaft Raabs
an Wok von Rosenberg
ausgesprochen hatte.
Im Jahre 1261 hatte sich Ottokar
von Margarete getrennt und sich mit
Kunigunde
von Halics, einer Enkelin
König
Belas IV. von Ungarn, vermählt.
Margarete
zog sich nach Krumau am Kamp zurück, wo sie im Mai 1262 für
Heiligenkreuz
urkundete, und dem Stift ein Bergrecht in Thallern schenkte. Dem
Kloster
Zwettl bestätigte Margarete im
Jahr 1264 - gemäß den Urkunden König
KONRADS III., ihres Vaters Leopold
und
ihres Bruders Friedrich
- die Freiheiten und Rechte des Klosters.
Die letzte nachweisbare Urkunde
Margaretes
stammt vom Jahre 1266 und betrifft eine Schenkung des Dorfes Grafenberg
in der Pfarre Eggenburg an das Kloster Lilienfeld, wo sie sich ihre
Grabesstätte
erwählt hatte. Margarete hielt
sich vorwiegend in Krumau auf, im Winter in Krems. 1266 ist sie
gestorben und wurde an der Seite ihres Vaters in Lilienfeld beigesetzt.
Das Schicksal Margaretes können
wir aus ihren Titeln ablesen. Nach der Trennung von Ottokar
(1261) nennt sie sich wieder Romanorum quondam regina,
behält
jedoch den Titel ducissa Austrie et Stirie bei (1264). 1266
aber
urkundete sie als quondam filia Livpoldi illustris ducis
Autrie
et Stirie et Romanorum regina. Zuletzt also blieb über alles
hinweg
der Hinweis auf den Vater.