LIUDOLF
HERZOG VON SCHWABEN
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* 930 wohl Magdeburg, † 6.9.957
Pombia (südlich vom Lago Maggiore)
⚰ Sankt Alban bei Mainz
GENEALOGIE:
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Vater:
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Kaiser OTTO DER GROSSE (912–973)
Mutter:
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Edgitha/Edith
(† 946), Tochter des angelsächsischen Königs Edward I.
des Älteren und der Aelflaed
947/48
oo IDA (932/34-986), Tochter des
Herzogs Hermann I. von Schwaben († 949, siehe NDB VIII);
1 Sohn (Otto),
1 Tochter (Mathilde); eine weitere Tochter („Richlind“) wurde dem Paar in
der neueren Forschung wohl zu Unrecht zugeschrieben.
Leben:
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Liudolf
war seit 939/40 mit Ida,
der einzigen Tochter und Erbin des Schwaben-Herzogs, verlobt.
Nach dem Tod der Königin Editha wurde Liudolf
vom Vater mit Zustimmung der Großen
zum Nachfolger im Reich designiert (Widukind
von Corvey: creavit eum regem post se). Die Heirat mit Ida, der ebenfalls
königliche Ehren zuteil wurden,
brachte ihm zusätzlich eine Anwartschaft auf Schwaben ein. Nach
Liudprand von Cremona
wurde er von Herzog Hermann I. adoptiert. Im
Februar 950 trat Liudolf die Herrschaft über Schwaben (mit
Churrätien und dem Breisgau) an. Die Zentren der herzoglichen Macht lagen vornehmlich im Süden des
schwäbischen Raumes, doch griff Liudolf auch
in die Lande nördlich der Alb über und errichtete in
Esslingen einen Stützpunkt mit Marktsiedlung. Auch die Einrichtung
eines Gestüts (Stutgarten) im Bereich des mittleren Neckartals mit
einer Burganlage, die sich später zur Stadt Stuttgart entwickelte,
geht vielleicht auf ihn zurück. Denarprägungen Liudolfs sind
aus Zürich, Breisach und Esslingen bezeugt. Er übte in
gewissem Grad auch Herrschaft über die Kirche Schwabens aus und
stand in Beziehung zu Klöstern wie St.
Gallen, Reichenau, Pfäfers und Einsiedeln. Als 951 OTTO DER GROSSE einen
Italienzug plante, eilte Liudolf ihm ohne Ermächtigung mit einem kleinen
schwäbischen Aufgebot voraus, um
seine eigene Macht südlich der Alpen auszudehnen. Hierbei spielten
vielleicht erbrechtliche Motive eine Rolle, denn die Gemahlin Liudolfs war eine „Nachkommin italienischer KAROLINGER und
der Markgrafen von Friaul“ (G. Wolf). Herzog
Heinrich von Bayern, der
jüngere Bruder OTTOS DES
GROSSEN, suchte die Pläne Liudolffs zu vereiteln. Dieser mußte ohne Erfolg
umkehren und sich dem Heer seines Vaters anschließen. Nachdem
König OTTO in zweiter Ehe Adelheid von Burgund geheiratet
hatte, verließ Liudolf im Dezember 951
den Hof und feierte das Weihnachtsfest zusammen mit unzufriedenen
Großen im thüringischen Saalfeld. Auf einem Reichstag zu
Augsburg im August 952 erhielt Herzog Heinrich
die Marken Verona und Aquileja mit Istrien, während Liudolf leer
ausging.
Er sah sich durch Heinrich
und Adelheid um seinen
Einfluß am Hof gebracht und fürchtete, als dem König
Ende 952 ein Sohn geboren wurde, um seine eigene Thronfolge. Hierin lag
wohl das Hauptmotiv dafür, daß sich Liudolf mit seinem Schwager, dem von OTTO DEM GROSSEN
enttäuschten Herzog Konrad dem Roten von Lothringen,
und bald auch mit Erzbischof Friedrich von Mainz zu offener
Revolte – seit März 953 – verband. Schwaben und weithin auch
Franken traten auf die Seite der Aufständischen, wogegen diese in
Sachsen und Bayern nur über begrenzten Anhang verfügten und
Lothringen dem König treu blieb. Liudolf und Konrad
zwangen OTTODEN GROSSEN in
Mainz, ein Pactum abzuschließen, welches wohl den Einfluß
Herzog Heinrichs beseitigen und die
Thronfolge des Schwaben-Herzogs
sichern sollte. Die Aufrührer erklärten, sie hätten die
Waffen nicht gegen den König, sondern nur gegen den Bayern-Herzog erhoben. Ob Liudolf eine
andere Konzeption von Wesen und Vollmacht der königlichen Gewalt vertrat als OTTO DER GROSSE (H. Naumann),
bleibt zweifelhaft. Der König widerrief den Mainzer Vertrag und
forderte Liudolf vergeblich auf, sich vor einem Reichstag in
Fritzlar zu verantworten. Während die Verschwörer zeitweise
in Mainz belagert wurden, griff der Aufstand in Bayern um sich. Liudolf besetzte zusammen mit dem bayerischen Pfalzgrafen Arnulf die Stadt Regensburg.
Als Anfang 954 die Ungarn in Bayern und Schwaben einfielen, nahm Liudolf
Kontakt zu ihnen auf und wies ihnen sogar Führer zu, die sie nach
Franken geleiteten. Dieses Verhalten hatte zur Folge, daß viele
seiner Anhänger zu OTTO DEM
GROSSEN übergingen. Während Konrad der Rote und Erzbischof Friedrich
sich in Langenzenn bei Fürth dem
König unterwarfen, verließ Liudolf diesen Ort heimlich und besetzte von neuem
Regensburg, wo er im Sommer 954 belagert wurde. Der weitere Widerstand
erwies sich indes als sinnlos, weil die Rebellion ihren Rückhalt
im Volk verloren hatte.
Liudolf eilte schließlich nach Thüringen und
warf sich in Saufelden (dem heutigen Thangelstedt) als Büßer
dem Vater zu Füßen. Auf einem Reichstag zu Arnstadt im
Dezember 954 mußte er auf sein
Herzogtum verzichten, behielt aber seine Eigengüter. Erzbischof Brun
von Köln richtete den entmutigten Königs-Sohn wieder
auf. 955 nahm Liudolf an
einem Slawenkrieg teil. Im September 956
wurde er von OTTO nach
Ober-Italien gesandt, das ihm wohl als Unter-Königreich zugedacht
war. Liudolf zog in
Pavia ein und besiegte Berengar
von Ivrea. Als er schon an die Rückkehr dachte, wurde er
von einem Fieber dahingerafft. – Ob der Liudolfinische Aufstand
„letztlich auf persönlichen Beweggründen beruhte“ (R.
Holtzmann, ist umstritten. Die Zeitgenossen brachten Liudolf, „mit
Recht allen Völkern teuer“, vielfach Sympathie entgegen. Sein Bild
lebte weiter in der Sage vom Herzog Ernst, die unterschiedliche
Stoffe vereinte und in der Zeit vom 12. bis zum 15. Jahrhundert eine Reihe von literarischen
Bearbeitungen fand.
Literatur:
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ADB 19; J. F. Böhmer u. E. von
Ottenthal, Die Regesten
des Kaiserreichs unter Heinrich I. und Otto I., 1893, 21967; R.
Köpke und E. Dümmler, Kaiser Otto der Große, 1876, 21962; R.
Holtzmann, Geschichte der sächsischen Kaiserzeit,
1941; G. Warnke-Zoller, König und Herzog, Dissertation
Freiburg/Breisgau 1947 (ungedruckt);
R. Schweighöfer, Die Eigenmächtigkeit der deutschen
Fürsten im Spiegel der auswärtigen Politik, Dissertation
Frankfurt 1957 (ungedruckt);
G. Wolf, Über die Hintergründe der Erhebung Liudolfs von Schwaben,
in: ZSRGG 80,
1963, Seite 315-25; H. Naumann, Rätsel des letzten Aufstandes
gegen Otto I., in: Archiv für Kulturgeschichte 46,
1964, Seite 133-84; K. Bosl, in: Rößler-Franz2; H.
Maurer, Der Herzog von Schwaben,
1978 (L);
K. J. Leyser, Rule and Conflict in an Early Medieval Society: Ottonian
Saxony, 1979; A. Wolf, Wer war Kuno von Öhningen
36, 1980, Seite 25-83;
E. Hlawitschka, Wer waren Kuno und Richlind von
Öhningen?, in: ZGORh
128, 1980, Seite 1-49; H. C. Faußner, Kuno von Öhningen DA 37, 1981, Seite 20-139;
H. Szklenar und H.-J. Behr, Herzog Ernst,
in: Vf.Lex.
d. MA2 III; F.
-R. Erkens, Fürstl. Opposition in ottonisch-salischer Zeit, in:
Archiv für Kulturgeschichte
64, 1982, Seite 307-70
Autor:
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Karl
Schnith
Schnith, Karl, „Liudolf“, in: Neue Deutsche Biographie 14
(1985), Seite 717 f. [Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd130875791.html