Liudolf Herzog von Schwaben
(930/31-6.9.957) und
Konrad
der Rote Herzog von Lothringen (ca. 920-10.8.955)
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König
OTTO
I. hatte aus seiner ersten Ehe mit Edgith
zwei Kinder, einen Sohn Liudolf und
eine Tochter Liutgard.
Liudolf
heiratete
die Erb-Tochter Herzog Hermanns von Sschwaben, Ida,
und ist der Nachwelt vor allem durch seinen Aufstand bekannt, der einen
dichterischen Nachklang im "Herzog Ernst" fand. Der wichtigste
Bündnispartner
Liudolfs
in seinem Aufstand war Konrad
der Rote, der als einer der zuverlässigsten
Helfer König
OTTOS in den schwierigen
ersten Regierungsjahren schließlich mit der Herzogswürde von
Lothringen belohnt und zudem mit der Königs-Tochter
Liutgard
vermählt wurde. Liutgard ist als
die Ur-Großmutter
KONRADS II. diejenige
Angehörige der Königs-Familie,
über die die SALIER-Kaiser
ihre Abstammung von OTTO DEM GROSSEN
herleiten.
1. Der Weg Liudolfs in den Aufstand
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Liudolf, der Sohn
OTTOS
I. und Edgiths, wurde 930/31
geboren. Bereits 939 wurde er mit Ida,
der einzigen Tochter Herzog Hermanns von Schwaben,
verlobt. Hermann hatte
sich während der Aufstände zu Beginn der Regierungszeit OTTOS
I. als eine der wichtigsten Stützen des Königs
ausgezeichnet, der den König nicht nur in lothringischen und
westfränkischen
Angelegenheiten beriet, sondern auch bei der politischen Verbindung des
Reiches mit Burgund mitwirkte. Für OTTO I.
konnte es nur von Vorteil sein, diesen wichtigen Mann durch
die Verlobung seines Sohnes mit der einzigen Tochter des mächtigen
Herzogs noch enger an sich zu binden. Hermann verfügte neben
seiner
Stellung als Herzog auch noch über reiches Allod im Weserland und
hatte zudem Grafschaftsrechte in Hessen übertragen bekommen:
Ida
war somit die "Erb-Tochter ihrer
Zeit", deren Gemahl der Erbe der reichen
Besitzungen seines Schwieger-Vaters werden mußte. OTTO
DER GROSSE sicherte mit dem Verlöbnis den Anfall dieser
Rechte an die Familie der LIUDOLFINGER
und dies sogar für den präsumptiven
Nachfolger. Zudem war damit
auch das Herzogtum Schwaben, in dem die Herrschaft der
Sachsen-Könige
nicht so intensiv war wie in den Kernlandschaften des Reiches - also in
Sachsen und seit dem Tode Herzog Eberhards auch in Franken -
in den Kreis
der zukünftig königsnahen Landschaften einbezogen; dies
würde
spätestens der Fall sein, wenn Liudolf
dereinst
die Nachfolge seines Vaters als König des Reiches antreten sollte.
Die Ehe zwischen dem Königs-Sohn
Liudolf und der Herzogs-Tochter
Ida wurde um die
Jahreswende 947/48 geschlossen und auf einem
Umritt durch das Reich bekannt gegeben. Am 10. Dezember 949 starb Herzog
Hermann von Schwaben,
Anfang des folgenden Jahres trat Liudolf
auf
dem Erbweg in die Stellung seines Schwieger-Vaters ein:
er wurde Herzog
von Schwaben, Graf im
Hessengau und am mittleren Niederrhein. Die Quellen
betonen ausdrücklich die erbrechtliche Nachfolge Liudolfs.
Kurz bevor König OTTO
I.zu
seinem ersten Italienzug aufbrach, designierte er Liudolf
zu
seinem Nachfolger im Reich.
Wie Wolfgang Giese dargelegt hat, war
eine solche Bestellung des Nachfolgers eine Vorsichtsmaßnahme
für
Situationen, in denen man um das Leben des Königs fürchtete:
dessen Tod würde die Herrschaftskrise auslösen. So nahm man
eine
Designation vor, wenn der König im Sterben lag oder aber, wenn er
sich auf ein gefahrvolles Unternehmen begab, wie dies zum Beispiel der
bevorstehende Italienzug war. "Es wird mit der Designation praktisch
ein
Wahrer der königlichen Rechtsordnung bestellt, ein Vertreter des
Königs,
der auch bei einem möglichen Tod des Regenten ohne
größere
Verhandlungen in die Alleinherrschaft eintreten kann". Im
Italienprojekt
König
OTTOS I. lag allerdings auch der Keim zum kommenden Konflikt
zwischen Vater und Sohn.
2. Der Weg Konrads des Roten in den
Aufstand
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Konrad
der Rote
gehörte zu Beginn der Regierungszeit
König
OTTOS I., während des Aufstandes des jungen Heinrich,
des Bruders OTTOS DES GROSSEN, zu den
wichtigsten Helfern des Königs. Seine Machtstellung am mittleren
Rhein
gründete sich auf die Grafschaftsrechte im Wormsgau, Speyergau und
Nahegau, die schon Konrads
Vater, Graf Wernher, innegehabt hatte.
Nach dem Tod Herzog
Ottos, des Sohnes Richwins, im Jahre
944 ernannte
König
OTTO I. Konrad
den Roten zum neuen Herzog in
Lothringen. Dieses Gebiet, das immer noch
nicht für das ostfränkisch-deutsche Reich gesichert war, war
durch besondere Gegensätze im Adel gekennzeichnet. Die ältere
Forschung hat in der Erhebung Konrads
die erste Einsetzung eines Amts-Herzogs
gesehen, da man annahm, Konrad sei ein Landfremder gewesen. Konrad hatte
zwar mit dem einheimischen Adel enorme Schwierigkeiten, die nach
einigen
Jahren der Beruhigung sofort wieder aufbrachen, als sich Konrad im Liudolf-Aufstand
auf die Seite des Schwaben-Herzogs
stellte. Doch Konrad entstammte
dem lothringischen
Adel des Trierer Raumes und darf daher keinesfalls als Landfremder
eingestuft
werden; er gehörte vielmehr zu den vom König besonders
bevorzugten
Großen einer der lothringischen Adels-Familien.
Herzog Konrad entwickelte sich in
den Jahren bis zum
ersten Italienzug zum Sachwalter der königlichen Politik im
Westen.
Da sich OTTO I. nicht voll auf die
Vorgänge im Nachbarreich konzentrieren konnte, übertrug er
Herzog
Konrad die Aufgabe, in seiner Vertretung vermittelnd einzugreifen.
Der wichtige Herzog wurde darüber hinaus
noch in
den ottonischen
Familienzusammenhang
eingebunden:
der König vermählte Konrad
mit seiner Tochter Liutgard
(wahrscheinlich 947), damit "hanc
quoque Conrado vinclis
sociavit amoris...munere
qui talis dignus constabat honoris". Konrad sollte also in seiner
Treue
zum König bestärkt und gesichert werden. Auch in den Jahren
nach
der Hochzeit war Konrad
in wichtigen diplomatischen Aufgaben für OTTO
I. tätig. die letzte dieser Missionen war diejenige im
Frühjahr 952:
Konrad sollte mit Berengar
von Ivrea, der sich zum König von Italien hatte krönen
lassen, zu einem Ausgleich kommen und dessen künftige Stellung
klären:
"Persuasus quoque rex Bernharius a
Cuonrado duce, cui Papia
cum presidio militari rellicta reat custodienda,
regem subsecutus est in Germaniam, pacem cum eo facturus et omnibus
quae
imperavisset obtemperaturus."
3. Liudolf in Italien
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Wie wir aus der Continuatio Reginonis und aus
Hrotsviths
Gesta Oddonis wissen, zog Liudolf im
Frühjahr oder Sommer des Jahres 951 - also noch vor dem Italienzug
seines Vaters, der im September begann - über die Alpen in das
langobardische
Königreich. Dort stieß er aber auf Schwierigkeiten, die er
dem
Intrigieren seines Onkels, Herzog
Heinrich von
Bayern, zu verdanken hatte. Wie konnte sich Liudolf
zu
solch einer eigenmächtigen Aktion berechtigt fühlen, die er
anscheinend
ohne jegliche Absprache mit seinem Vater unternommen hatte.
In jüngerer Zeit trug Gunter Wolf in seinem
Aufsatz
über die Hintergründe des Liudolf-Aufstandes die recht
einleuchtende
These vor, Liudolf habe auf Italien
Anspruch erheben können, weil seine Gemahlin Ida
nicht nur mit den italienischen
KAROLINGERN, sondern auch darüber hinaus mit der Königin
Adelheid, der Witwe König
Lothars
von Italien und jetzt Gefangenen Berengars,
verwandt war:
die Mutter der Adelheid,
die Königin
Bertha, war eine Tochter
Herzog Burchards I. von Schwaben und
dessen Gemahlin Reginlind
gewesen;
Reginlind aber war in
zweiter Ehe mit dem Nachfolger Burchards,
Herzog
Hermann I. von Schwaben vermählt
worden und hatte mit diesem eine
Tochter, eben Liudolfs Gemahlin Ida.
Ida
und
Bertha waren somit Stief-Schwestern,
Liudolf selbst der Onkel der gefangenen
Adelheid. Reginlind, die Mutter Idas,
könnte
zudem nach einer Hypothese von Emil Kimpen - die letztlich freilich
nicht
beweisbar bleiben wird - über ihre Mutter eine Ur-Enkelin
Kaiser
LUDWIGS DES FROMMEN gewesen sein. Weiter weist Wolf darauf hin,
Bischof Liutprand von Cremona habe die
Stellung Liudolfs
nach der Heirat mit Ida mit den Worten
beschrieben, er solle "hereditate magnificus" werden; in der
gleichen
Tendenz läßt sich aber auch Widukind von Corvey lesen, der
zuerst
die Rechtmäßigkeit des Erbganges beim Übergang der
Herzogswürde
betont und sodann zwischen dieser Vererbung der Herzogswürde an Liudolf
und
dessen Verhalten in der folgenden Zeit einen Kausalschluß
herstellt:
"Accepta autem potestate animum
tranquillum, quem in puero gessit, exuit,
armatumque militem in Italiam ducens..." In den zitierten
Quellenstellen
sieht Wolf einen deutlichen Hinweis darauf, daß sich Liudolf
erst
durch die Heirat mit der schwäbischen
Herzogs-Tochter und seine Nachfolge
im Herzogtum dazu berechtigt gefühlt habe, sich in Italien
einzuschalten.
Möglicherweise - das wollen wir hier noch anführen - hat Liudolf
aber
auch eine verwandtschaftliche Verpflichtung gespürt, sich für
die arme Verwandte, die, wie es hieß, in einem finsteren
Verließ
schmachten müsse, einzusetzen und zu versuchen, sie zu befreien.
Herzog
Heinrich von Bayern
hatte nun seinerseits durch die Eheschließung mit Judith,
der Tochter Herzog Arnulfs des Bösen, gewisse
Anrechte auf Friaul
erworben oder glaubte zumindest, diese erworben zu haben; ein solches
Anrecht
mag dann auch König
OTTO I. mit
der Übertragung der Oberhoheit über Friaul und Venetien an Herzog
Heinrich auf dem
Reichstag zu Augsburg anerkannt haben. Schon
Herzog Arnulf habe - so argumentiert
Wolf weiter - durch die Verwandtschaft
der LUITPOLDINGER mit den
Markgrafen von Friaul
seinen Italienzug von
933/34
legitimieren können, mit dem er für seinen Sohn Eberhard die
langobardische Königskrone (als Gegen-König
gegen Hugo
von der Provence) erwerben wollte.
In seinen weiteren Ausführungen verweist
Wolf auf
den Bericht des Continuator Reginonis über den Italienzug Liudolfs
und insbesondere über die schon erwähnten Schwierigkeiten,
die
Liudolf
sein Onkel, Herzog Heinrich,
habe bereiten lassen; die Intrigen Heinrichs
setzen ein starkes Interesse an dem Vorgehen Liudolfs
voraus. Ein solches Vorgehen, so Wolf weiter, könne auf der
Verletzung
des Interessenbereiches des bayerischen Herzogs beruhen. Mit den
Intrigen
Heinrichs
habe die Gegnerschaft zwischen Heinrich und
Liudolf
ihren
Anfang genommen:
sie entwickelte sich später zum Initial- und Zentralkonflikt
des Liudolf-Aufstandes (so man den
Aufständischen und ihren Aussagen Glauben schenkt) weiter. Neues
Öl
in das nun angefachte Feuer der Gegnerschaft zwischen den beiden
süddeutschen
Herzögen goß die Umstrukturierung des königlichen
Rates,
in dem Heinrich
von Bayern eine
gewichtigere
Rolle zu spielen begann und Liudolf
und Konrad den Roten
allmählich verdrängte. Dies wird
uns erstmals bei dem um drei Tage hinausgezögerten und somit
brüskierenden
Empfang für Berengar von Ivrea und
dessen Verhandlungspartner Herzog
Konrad spürbar.
4. Der Kreis der Aufständischen
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Eng mit der Suche nach den Motiven, die zum
Aufstand
führten, ist die Frage nach dem Kreis der Beteiligten an dieser
Auseinandersetzung
verknüpft. Im Zusammenhang hiermit müssen wir auf einen vor
wenigen
Jahren erschienenen Aufsatz von Gerd Althoff eingehen, in dem dieser
die
These vertritt, die Aufstände der OTTONEN-Zeit
seien von einer gildeartigen Organisation sächsischer Adliger
getragen
worden, die in Saalfeld am Thüringer Wald ihren traditionellen
Versammlungsort
gehabt habe und daher von Althoff "Saalfelder Vereinigung" genannt
wird;
diese Vereinigung sei überregional verbreitet gewesen mit einem
sächsischen
Zentrum, ihr Mitgliederkreis habe sich aus höchster sozialer
Herkunft
rekrutiert, die Treffen an einem traditionellen Versammlungsort
veranstaltet,
ein gemeinsames Totengedenken gepflegt und den Mitgliedern Schutz und
Hilfe
geboten.
Wir wollen nun die einzelnen Punkte durchgehen,
die
Althoff
zu seinem auf den ersten Blick überzeugenden Gedankengebäude
führen. Er geht aus von dem relativ großen Kreis von
Beteiligten
an den jeweiligen Aufständen. Dieser Teilnehmerkreis rekrutierte
sich
aus Angehörigen der vornehmsten Adelsfamilien, zu denen sich
einflußreiche
Reichsbischöfe gesellten. Nach Althoff könne man wohl kaum
für
die Bischöfe deren Beteiligung am Aufstand mit dem Motiv einer
latenten
Unzufriedenheit erklärt werden, wie dies die Forschung für
die
Adligen als Beweggrund angibt. Die Reichsbischöfe entstammen
jedoch,
was Althoff hier nicht erwähnt, aus denselben einflußreichen
Adelsfamilien wie diejenigen Teilnehmer der Aufstände, die dem
Laienstand
angehörten; daher scheint es nicht zulässig, eine
grundsätzliche
Trennung zwischen Adligen einerseits und Reichsbischöfen
andererseits
im Kreis der Aufständischen vorzunehmen, wie dies Althoff
postuliert,
sondern nur Adlige, die entweder dem Laien- oder aber dem Klerikerstand
angehörten.
Althoff läßt nun die Aufstände
Revue
passieren und stellt fest, es sei nicht immer das bzw. ein Zentrum in
Sachsen
gewesen, sondern darüberhinaus einige Personen bzw. verschiedene
Generationen
ein- und derselben Familie immer wieder an den Aufständen
beteiligt.
Auffallend sei auch, daß viele der Aufständischen zum
weiteren
Verwandtenumkreis der Königs-Familie gehörten oder aber mit
dieser
versippt waren. Hier muß zu Althoffs Ausführungen noch der
Hinweis
auf die Grundbedingung aller Aufstandsbewegungen, die sich gegen den
König
wendeten bzw. wenden konnten, nachgetragen werden, daß
nämlich
als Sammlungspunkt und Anführer offenbar konstitutiv ein Mitglied
der LIUDOLFINGER-Familie unabdingbar
erforderlich war. Althoff resümiert seine ersten Beobachtungen,
die
Aufstände seien jeweils von einem sehr ähnlichen
Personenkreis
getragen worden, dessen Mitglieder bereits vor den Aufständen
durch
besondere Beziehungen miteinander verbunden gewesen seien.
Im weiteren Verlauf seiner Überlegungen
zieht
Althoff
nun seine an anderer Stelle publizierten Studien zur
Gedenküberlieferung
der BILLUNGER-Familie
heran:
im Totengedenken dieser Familie ließen
sich die Bindungen der BILLUNGER
an die übrigen Teilnehmer der Aufstände
nachweisen. Und - so Althoff - es sei "jedoch nicht eben
wahrscheinlich,
daß man diese Verpflichtungen [zum Gebetsgedenken für die
übrigen
Aufständischen] erst anläßlich der Aufstände
einging".
Für diese Annahme kann er allerdings keine weiteren Argumente
vorbringen;
wir werden später sehen, daß durchaus auch gegenteilige
Überlegungen
plausibel sein können.
Im Gebetsgedenken ist ein konstituierendes
Element der
Gemeinschaftsbildung im Mittelalter zu sehen. Weiter zur
Gemeinschaftsbildung
trägt auch der Eid bei, der die Eidesleistenden zu
gemeinschaftsförderndem
Verhalten verpflichtete, und ebenfalls das "convivium", in dem sich das
Gemeinschaftsleben realisiert. Bei der resümierenden Zusammenschau
der von ihm vorgetragenen Gesichtspunkte kommt Althoff zu dem Ergebnis,
man könne eine Gilde oder Bruderschaft erkennen, in der
ständig
Potential von Genossen bereitstand, auf deren Hilfe man gegebenenfalls
zurückgreifen konnte.
Dieses Ergebnis exemplifiziert Althoff am Liudolf-Aufstand.
Wir hatten schon erwähnt, daß sowohl für den Aufstand Heinrichs
wie auch für den Liudolfs
der
Ort Saalfeld als Ort eines "conviviums"
bezeugt ist. Diese Ortswahl hält
Althoff für auffallend:
Saalfeld liege weder zentral noch habe es
in der OTTONEN-Zeit irgendeine andere
Bedeutung; hierbei bezieht sich Althoff als Literaturnachweis auf den
einschlägigen
Band des "Handbuchs der historischen Stätten". Deshalb könne
man in Saalfeld den traditionellen Sammelpunkt der danach zu
benennenden
"'Saalfelder Vereinigung'" sehen. Schlägt man nun im "Handbuch der
historischen Stätten" unter "Saalfeld" nach, so hat Hans Patze,
der
Autor des Artikels, eine Erklärung für die Stellung Saalfelds
in den beiden Aufständen: "Die Schlüsselstellung des Platzes
Saalfeld zwischen Norden und Süden des Reiches mag der Anlaß
gewesen sein, daß sie zweimal in den Aufständen, die das
Königtum
OTTOS
I. gefährdeten, eine Rolle spielte." Es läßt
sich denken, daß Heinrich, der
Bruder OTTOS I., den Platz Saalfeld
wählte, weil er in der Nähe seiner Machtzentren lag, aber
trotzdem
zurückgezogen genug war, um seine Pläne nicht sofort ruchbar
werden zu lassen, während Liudolfs
Entscheidung für gerade diesen Ort symbolhaften Charakter hatte:
der
Ort, an dem sein Hauptgegner den Aufstand gegen OTTO
I. begonnen hatte, diente nun Liudolf dazu,
selbst seine geplanten Aktionen gegen eben diesen Heinrich
einem Kreis von Unzufriedenen vorzustellen. Wir erklären somit das
zweimalige Auftreten Saalfelds aus den persönlichen Aversionen
zwischen
den jeweiligen Führern der Aufstände; für diese
Überlegung
spricht auch, daß für die weiteren Empörungen der OTTONEN-Zeit,
vor allem für die Aufstände Heinrichs
des Zänkers, eine solche Schlüsselrolle für
Saalfeld
nicht mehr bezeugt ist. Hätte doch - den Überlegungen
Althoffs
zufolge - dieser Ort weiterhin als Versammlungsort Erwähnung
finden
müssen.
Gegen die Überlegungen Althoffs
läßt
sich weiter vorbringen, wie sich eigentlich das Modell der Gilde mit
einem
relativ frei gewählten Oberhaupt (wie dies die Gilde-Forschung
herausgearbeitet
hat) mit der Beobachtung verträgt, daß für die
Aufstände
der gesamten OTTONEN-Zeit immer die
Anführerschaft eines Mitglieds der LIUDOLFINGER-Familie
konstititiv für das Zustandekommen der Rebellion ist. Kam doch
gerade
bei den Wahlen der Gildemitglieder kein höherer Wille, kein
Gotteswille
bei der Bestimmung des Anführers zum Ausdruck. Skeptisch zu
Althoffs
Gilde-Thesen stimmt auch, wenn man sieht, wieviele Monate nach dem
Saalfelder
Weihnachtsfest und den Magdeburger Vorgängen um Berengar
vergehen mußten, bis die Aufständischen um die Jahreswende
952/53
mit den Kampfhandlungen gegen Heinrich von Bayern
beginnen, wo demgegenüber die Gildeorganisation eigentlich einen
hohen
Grad an Stabilität und Verfügbarkeit aufweisen sollte.
Durchaus richtig gesehen - da in den Quellen
belegt -
ist die Verwendung der Organisationsformen, wie sie die Forschung zu
den
Gilden für diese herausgearbeitet hat, auch in den Aufständen
der OTTONEN-Zeit:
Eid ("conjuratio"),
gemeinschaftsbildendes Mahl ("convivium") und gegenseitige
Verpflichtung
zum Totengedenken ("memoria") kennzeichnen sowohl die Gildeorganisation
wie auch das Leben unserer Aufständischen. Was mir die Quellen
dagegen
nicht herzugeben scheinen, ist die Annahme Althoffs, die Vereinigung
der
Aufständischen sei über die Jahre zwischen den Erhebungen
hinweg
stabil geblieben. Für dieses Weiterbestehen kann Althoff nur zwei
Argumente vorbringen: Es sei erstens nur wenig wahrscheinlich,
daß
die Memoria erst anläßlich des Aufstandes eingegangen worden
sei. Wir können aber auch an eine ad-hoc-Gebetsverbrüderung
denken,
mit der für das bevorstehende, Leib und Leben gefährdende
Unternehmen
Gemeinschaft geschaffen und die Bewahrung der Memoria auch über
den
eventuellen Tod hinaus sichergestellt werden sollte. Auch das zweite
Argument
für ein andauerndes Bestehen der Vereinigung der
Aufständischen,
das zweimalige Auftauchen des Platzes Saalfeld, konnten wir mit anderen
Gründen erklären als mit der Annahme, Saalfeld sei das
Zentrum
einer ständigen gildeartigen Vereinigung gewesen. Dagegen wird von
dem Gildemodell Althoffs nicht erklärt, warum ein unzufriedenes
Mitglied
der königlichen Familie für das Zustandekommen eines jeden
Aufstandes
als Katalysator offenbar konstitutiv notwendig gewesen ist.
Gut verwendbar erscheint mir aus dem Aufsatz
Althoffs
die Beschreibung der Organisationsform der Aufstände zu sein, die
in gleicher Weise auch in den mittelalterlichen Gilden Verwendung fand.
Für überzogen, da aus den Quellen nicht erweisbar, halte ich
die These zur Kontinuität des Zusammenhaltes zwischen den
Aufständen
hinweg. Auch die Teilnahme einiger Personen bzw. Angehöriger der
gleichen
Sippen aus verschiedenen Generationen an mehreren Aufständen kann
man einfacher erklären als mit der gelehrt erscheinenden
Konstruktion,
diese seien Mitglieder einer Gilde gewesen. Für ein
beständiges
Gemeinschaftsgefühl unter den Personen höchsten sozialen
Ranges
hat sicher auch die Adelsethik dieser Zeit gesorgt.
5. Der Aufstandsverlauf
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Wir wollen nun kurz den Aufstandsverlauf
rekapitulieren
und bei dieser Gelegenheit auf die beiden neueren Aufsätze zum Liudolf-Aufstand
von Helmut Naumann und Franz Reiner Erkens näher zu sprechen
kommen.
Die ersten Stationen - Saalfeld (Weihnachten
951),
Magdeburg
(Ostern 952), Augsburg (August 952) - haben wir schon angesprochen.
Nachzutragen
in der Chronologie ist die Geburt Heinrichs,
des ersten Sohnes König
OTTOS I. von
seiner zweiten Gemahlin Adelheid; diese
Geburt ist für die Jahreswende 952/53 anzusetzen. Nach dem Zeugnis
des westfränkischen Chronisten
Flodoard sollte Heinrich
an die Stelle Liudolfs als
Thronfolger
treten.
Das Osterfest des Jahres 953 sollte in der
Ingelheimer
Pfalz gefeiert werden. Doch als die Vorbereitungen für den
Aufstand
ruchbar wurden, entschloß sich König
OTTO I., lieber in das befestigte Mainz zu ziehen als in die
offene Ingelheimer Pfalz. In Mainz wurde der König nun nur sehr
zögernd
aufgenommen:
der Mainzer Erzbischof stand, wie sich noch
herausstellen
sollte, mit den Empöreren im Bunde. Bald erschienen
Liudolf
und Konrad vor
dem König und erklärten, sie würden
nichts gegen ihn, OTTO I., im Schilde
führen; wenn aber Heinrich von Bayern,
der Königs-Bruder, in
die Ingelheimer Pfalz gekommen wäre, hätten
sie ihn gefangengesetzt. Zur Osterfeier reiste König
OTTO dann nach Dortmund, wurde dort von seiner Mutter freudig
und in geziemender Weise aufgenommen und erhob das königliche
Ansehen,
das er in Franken beinahe verloren hätte, in seiner alten Heimat
wieder
zu alter Herrlichkeit. In Dortmund widerrief der König nun das "irritum
pactum", das ihm - offenbar in Mainz - von den
Aufständischen abgerungen
worden war. Von diesen war nur Erzbischof Friedrich von Mainz in
Dortmund
anwesend und setzte sich für die "pacta
pristina" ein. Aus dem Plural,
den Widukind von Corvey
verwendet, zieht Helmut Neumann in seinem Aufsatz
zu den Rätseln des Liudolf-Aufstandes
den Schluß, es sei um mehrere Verträge gegangen, und zwar
neben
dem Vertrag von Dortmund (953) auch um einen Vertragsabschluß des
gleichen Erzbischofs Friedrich von Mainz, den dieser
während des Aufstandes
des Königs-Bruders Heinrich im
Jahr 939 zwischen den streitenden Parteien vermittelt habe. Mittels
weiterer
Beobachtungen und Überlegungen, die hier nicht im einzelnen
wiedergegeben
werden können, kommt Neumann zu dem Ergebnis, es sei dieser
Vertrag
auf einer Gleichberechtigung beider Parteien, des Königs und der
Herzöge,
aufgebaut, und macht die Aufständischen zu Vertretern einer von
der
Anschauung OTTOS I. differenzierenden
Auffassung vom Königtum: während sich König
OTTO I. als herausgehoben aus der Schicht der Fürsten
gesehen
haben soll und deshalb auch kein "pactum" auf einer gleichberechtigten
Ebene habe schließen wollen, hätten Liudolf
und
Konrad als Herzöge
sich als "pactum"-fähig und somit grundsätzlich
gleichrangig mit dem König angesehen. Diese Konstruktion ist
gelehrt,
wie Erkens zu Recht bemängelt hat, und die Quellentexte
müssen
gedreht und gewunden werden, um einen Dissens in der "pactum"-Frage
herauslesen
zu können. Das Erklärungsmodell hingegen, das Erkens im
Aufsatz
vorträgt, erscheint wesentlich einfacher und damit einleuchtender:
durch die Bevorzugung Heinrichs von Bayern
sei - so Erkens - das grundlegende Recht der Fürsten, am Reich
teilzuhaben,
verletzt worden. Liudolf und Konrad
hätten sich schließlich gegen Heinrich
von Bayern erhoben, um für dieses, ihr hergebrachtes Recht
zu streiten.
Nachdem dieser Ausgleichsversuch gescheitert
war, brach
der Konflikt ungezügelt los. Der König zog gegen die
Aufständischen,
die sich in Mainz verschanzt hatten, und belagerte die Stadt zwei
Monate.
Während dieser Zeit weitete sich der Kreis der Empörer mehr
und
mehr aus; neben anderen gingen die bayerischen
LUITPOLDINGER, bei denen
der landfremde Heinrich trotz der
Verschwägerung
durch dessen Heirat mit ihrer Schwester Judith äußerst
unbeliebt
war, zu den Aufständischen über. Diese veränderte Lage,
die auch im Heer des Königs zu Unzufriedenheit führte, bewog
König
OTTO zu neuen Verhandlungen.
Liudolf und Konrad
erschienen im Lager des Königs, erwiesen OTTO
I. die schuldigen Ehrenbezeugungen und beteuerten, niemals etwas
"contra regem" unternommen zu haben oder unternehmen zu wollen.
Da OTTO
den beiden anscheinend nichts Gegenteiliges nachweisen konnte,
hatte er keine rechtliche Handhabe, um gegen sie vorzugehen: "Rex autem
non inveniens, quomodo meritas poenas filio inferret..." OTTO wiederholte
die schon in Dortmund erhoben Forderung, die Mitverschwörer
auszuliefern,
was aber nach wie vor unerfüllbar war. Die Verhandlungen waren
damit
gescheitert.
Enttäuscht über diesen Fehlschlag,
fielen in
der nächsten Nacht auch die Bayern im königlichen Heer ab und
zogen mit Liudolf
nach Regensburg,
der alten bayerischen Hauptstadt. In Sachsen waren neue Unruhen zu
befürchten,
Lothringens Lage gab Anlaß zur Sorge, und Bayern war in der Hand
der Aufständischen. Das ganze Reich stand in Aufruhr, einzig die
Franken
standen noch auf der Seite des Königs.
König OTTO
I. zog
seinem Sohn nach Regensburg nach und belagerte dort die
Aufständischen,
die sich in der Stadt verschanzt hatten: doch Ende 953 mußte die
Belagerung von Regensburg erfolglos aufgehoben werden. Die Lage stand
für
OTTO
I. schlecht, überall schwelte der Aufstand weiter. Da
brachte
eine kleine, an sich unbedeutende Schlacht die Trendwende. Bischof Ulrich
von Augsburg hatte sich, nachdem die Belagerung von Regensburg
aufgehoben
war, nach Schwabmünchen zurückgezogen. Pfalzgraf Arnulf, ein
Bruder Judiths, der
Gemahlin Heinrichs
von Bayern,
belagerte den Bischof, der über keine großen Truppen
verfügte.
Als die Lage für Ulrich
allmählich bedrohlich wurde, kam unerwartet
Entsatz, und Arnulf
wurde überrascht und geschlagen.
In diesem Jahr 953 hatte OTTO
DER GROSSE noch eine weitere Entscheidung von großer
politischer
Tragweite getroffen:
sein Bruder Bruno, Erzbischof
von Köln, war in Lothringen zum "archidux" eingesetzt worden.
Beim Eintreffen in Rimlingen mit
Herzog Konrad dem Roten
konnte
Brun
einen Kampf vermeiden (in dem Brun
unterlegen wäre), da es ihm gelang,
Konrad zu
überzeugen, sein Kampf sei "contra
regem"; dieses "contra
regem" konnte Naumann einleuchtend in dem Sinne erklären,
es drohe
der Verlust Lothringens, und damit ginge der Aufstand eben "gegen den
König":
ein weiterer, sehr deutlicher Hinweis, daß die Angabe der
Aufständischen
zutraf, sich mit ihrem Aufstand nur gegen Heinrich
von Bayern, nicht aber gegen den König zu wenden.
Zum eigentlichen Umschwung kam es aber erst im
folgenden
Jahr 954, und zwar durch eine Einwirkung von außen. Die Ungarn
sahen
im inneren Hader des Reiches eine gute Gelegenheit, sich erneut Tribute
zu sichern. Beide Parteien im Reich sollten sich später vorwerfen,
die Reiterhorden ins Land gerufen zu haben. Liudolf
kaufte
Bayern durch "Geschenke" von Plünderungen frei. Konrad der Rote bewirtete
diese "Gäste" am Palmsonntag in Worms und gab ihnen Führer in
den Westen mit:
mit den Führern verließen die Ungarn Ende
März
Lothringen und zogen plündernd durch das westfränkische Reich.
Im Reich hatte der Ungarn-Einbruch die Stimmung
gegen
Liudolf
und Konrad
gewendet. Trotz der empfangenen "Geschenke" müssen
die Horden fürchterlich gewütet haben. König
OTTO rückte im Frühjahr wieder nach Bayern vor
und
stieß jetzt auf keinerlei Widerstand mehr. "Boioarii civili exercitu
externoque fatigati - nam Ungariis egressis exercitu regali premuntur -
coacti sunt de pace tractare." Es wurde Waffenstillstand bis zu
einem Tag
in Langenzehn vereinbart.
Auf diesem Tag waren die Hauptbeteiligten beider
Seiten anwesend:
die beiden Ankläger
König
OTTO und Herzog Heinrich
auf der einen Seite, auf der anderen Konrad, der sich dem
königlichen
Lager seit Rimlingen wieder angenähert hatte,
Liudolf,
schwankend, da ohne Rückhalt, und Friedrich von Mainz, der sich
seit
Beginn der offenen Kampfhandlungen zurückgezogen hatte. Der
König
verzichtete dieses Mal auf die bisher stets erhobene Forderung, die
Mitverschworenen
auszuliefern. Daraufhin konnte sich Konrad dem königlichen
Lager anschließen.
Auch Erzbischof Friedrich beteuerte, niemals
etwas gegen den König
im Schilde geführt zu haben, und erlangte Verzeihung. Nur die
beiden
Hauptkontrahenten, Liudolf und Heinrich,
gingen aufeinander los und warfen sich gegenseitig vor, die Ungarn ins
Land gerufen zu haben. Liudolf brachte
zu seiner Verteidigung vor, er habe sich mit den "Geschenken" lediglich
von den Feinden freigekauft, um die Verwüstungen von Bayern
abzuwenden.
Der Königs-Sohn war
jedoch auf dem Tag in seiner Partei isoliert und
konnte auf keinerlei Unterstützung mehr von Friedrich von Mainz oder
von Konrad dem Roten
rechnen.
In der nächsten Nacht verließ Liudolf
mit
seinen Mannen heimlich den Tagungsort und zog sich nach Regensburg
zurück.
OTTO
hatte offenbar auch in Langenzehn keine Möglichkeit gehabt, gegen
den aufständischen Sohn einen Prozeß einzuleiten, geschweige
denn, ihn zu bestrafen. Mit Konrad
einigte sich der König auf der
Basis eines Vergleichs:
Konrad verzichtete auf
die Amtsgewalt in Lothringen,
durfte jedoch seinen Herzogsrang behalten:
er kann somit als der erste
Titular-Herzog der deutschen Geschichte angesprochen werden.
Liudolf setzte
allein
den Widerstand gegen seinen Vater fort. Nach weiterer zweimonatiger
Belagerung
Regensburgs war er gezwungen, erneut in Verhandlungen einzutreten. Ein
neuer Waffenstillstand wurde ausgehandelt; der König kehrte
daraufhin
nach Sachsen zurück.
Herzog Heinrich besetzte
nun die Unterstadt, während die Oberstadt immer noch Widerstand
leistete.
Heinrich
ließ in der nächsten Nacht seinem Neffen die Stadt über
dem Kopf anzünden, worauf
Liudolf nach
Saufeld flüchtete und sich seinem Vater, der dort auf der Jagd
war,
vor die Füße warf und um Verzeihung bat. König
OTTO I.
mußte Großmut üben: "Amore itaque paterno
susceptus in gratiam spondet se obtemperaturum consensurumque omni
paternae
voluntati."
Der endgültige Frieden zwischen König
und
Empörern
wurde im Dezember 954 auf dem Reichstag zu Arnstadt geschlossen. Konrad
und Liudolf
wurde das Herzogtum
aberkannt, ihr Allod durften sie jedoch behalten. Nachfolger Liudolfs
in
Schwaben wurde Burchard II.,
der Sohn des 926 vor Novara gefallenen Herzog
Burchard I. Burchard II.
war bzw. wurde in der gleichen Weise wie vor Jahren
Konrad der Rote in den ottonischen
Familien-Zusammenhang
eingebunden:
er wurde bzw. war mit Hadwig,
einer Tochter Herzog
Heinrichs von Bayern
vermählt:
der Zeitpunkt der Eheschließung ist jedoch nicht
bekannt,
was uns weitere Schlußfolgerungen verbietet.
6. Der weitere Weg der
Aufständischen
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In den nächsten Monaten hielt sich Konrad der Rote
in der Umgebung des Königs auf und erhielt auch einige Aufgaben
militärischer
Art im Osten übertragen. Er fiel in der Lechfeld-Schlacht, in der
er
sich, in der vordersten Reihe kämpfend, bemüht hatte, seine
Verfehlungen
vergessen zu machen. Konrads
mutigem Einsatz ist der bedeutende Sieg OTTOS
DES GROSSEN an diesem Tag mit zu verdanken.
Nach dem Tag von Saufeld erscheint der Königs-Sohn
Liudolf für einige Zeit nicht mehr in den Quellen.
Es sieht
so aus, als ob Brun von
Köln den Ausgleich zwischen Vater und Sohn zustande
gebracht
hätte. So erhielt
Liudolf im Jahre
956 den Auftrag, in Italien Berengar von Ivrea
dazu
zu zwingen, die auf dem Reichstag zu Augsburg übernommenen
Verpflichtungen
wieder zu beachten, nachdem dieser während der inneren Unruhen im
Reich die Gelegenheit genützt hatte, seine italienische Stellung
neu
aufzubauen.
Liudolf gelang es,
die Anerkennung der ottonischen
Herrschaft
in Italien wieder zu befestigen, bis er nach einjährigem
Aufenthalt
überraschend verstarb. Seine Kinder Otto,
der spätere Herzog von Schwaben
und Bayern, und Mathilde,
die spätere Äbtissin in
Essen werden sollte, wurden von OTTO
DEM GROSSEN "loco filiorum"
angenommen und am Hofe erzogen.
Die Frage nach den Motiven OTTOS
DES GROSSEN, Liudolf mit
der Mission in Italien zu betrauen, ist nicht eindeutig zu beantworten.
Man könnte daran denken, Liudolf habe
mit dieser Aufgabe aus dem Reich nördlich der Alpen, in dem er
nach
wie vor eine potentielle Gefahr für die Herrschaft OTTOS
DES GROSSEN darstellte, entfernt werden sollen.
Möglicherweise
wurden hiermit aber auch die Ansprüche Liudolfs,
die er 951 mit seinem Italienzug programmatisch erhoben hatte,
wenigstens
teilweise anerkannt. Diese These ließe sich mit der Beobachtung
stützen,
dass Liudolf in
Italien rasch Anhängerschaft finden konnte.
7. Zusammenfassende Würdigung
Liudolfs und
Konrads
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Eine Wertung der Person des Königs-Sohnes
Liudolf ist
nicht einfach vorzunehmen, da wir trotz intensiver Forschungen
über
die Motive und Hintergründe seines Kampfes keine letzte Klarheit
und
keine Sicherheit gewonnen haben. Auch an Liudolf
sehen
wir, wie wichtig für König OTTO
I.und
für die Stabilisierung der königlichen Herrschaft es gewesen
sein muß, seine nahen Verwandten mit einer Aufgabe und einem Amt
auszustatten, das ihrem Rang als Mitglied der königlichen Familie
entsprach.
Liudolf erhielt
das
Herzogtum Schwaben übertragen; hiermit wurden zugleich die Rechte
in die königliche Familie zurückgeführt, die an Herzog Burchard
I. und an Herzog Hermann übertragen worden
waren. Als die Neustrukturierung
des königlichen Rates nach dem ersten Italienzug und der Heirat
des
Königs mit Adelheid den Königs-Sohn
Liudolf aus seiner Teilhabe am
Reich verdrängte, sah sich Liudolf in
den Aufstand getrieben. Ein solches Verhalten ist aus der
karolingischen Tradition durchaus verständlich, und auch
für OTTO II. ist ein derartiges
Begehren in einer Anektode überliefert, die uns Ekkehard IV. von St.
Gallen erzählt. Auf dem Rückweg aus Italien besuchten
die beiden
OTTONEN,
Vater und Sohn, am Himmelfahrtstag 972 das Kloster St. Gallen. Der alte
Kaiser stand im Kirchenschiff und ließ seinen Stab auf den Boden
fallen, um die Disziplin der Mönche auf die Probe zu stellen. Als
dies dem Sohn berichtet wurde, sagte er: "Miramur'...'cum tam firmiter
imperium teneat, quod baculus decideret. Enimvero quasi leo regna, que
ad-huc cepit, firmisse tenuit. Neque mihi, quamvis filio, partem vel
unam
dedit."
Konrad
der Rote
war einer der zuverlässigsten Vertrauten
des Königs in den ersten, für OTTO so
schweren Regierungsjahre. Die Vermählung mit der Königs-Tochter
Liutgard sollte ihn vor den anderen Fürsten auszeichnen
und für seine Verdienste belohnen, ihn aber zugleich auch enger an
den König binden. Wie Liudolf
geriet er in Opposition gegen den König,
als der königliche Rat umstruktuiert wurde, und kämpfte
für
sein Recht.