HEINRICH
VI. war ein
harter, rücksichtsloser, ja grausamer, in Weltreichpläne
vergrübelter
Kaiser, der "das Volk der Deutschen groß und gefürchtet
gemacht
bei allen Völkern". "Dem Volk war er wenig freundlich noch
wohlgesinnt",
stellte der Patriarch von Aquileja fest. Innozenz III. schrieb über
ihn: "Des Nordsturms Wut durchfährt die kalabrischen Berge mit
einem
neuen Beben der Erde, und durch die Ebenen des flachen Apulien jagt er
in Wirbeln den Wanderern und Bewohnern Staub in die Augen." Wenn es von
HEINRICH
heißt, er sei wie "der Nordsturm und Winter in den Rosengarten
Sizilien"
eingebrochen, so spricht daraus auch die allgemeine Abneigung der
Sizilianer
und Italiener gegen die Deutschen, die ihnen als eigenwillig und
rechthaberisch
galten und plump, roh und unhöflich erscheinen, deren Sprache
ihnen
wie Hundegebell und Krächzen klang. HEINRICH
hat diese Urteile und Vorwürfe durch sein Verhalten in Sizilien
herausgefordert.
Konstanze war kurz
nach dem Tod ihres Vaters Roger II. 1154
geboren worden, ihre Mutter, die dritte
Gemahlin Rogers
II.,
Beatrix
von Rethel (Ardennen), entstammte mütterlicherseits
lothringischem
Adel. Konstanze war schön,
stolz und tatkräftig und blieb auch nach ihrer
Vermählung
eine normannisch-sizilische Patriotin,
was den Verdacht weckte, sie sei
gegen die STAUFER
mitverschworen gewesen
Der Minorit Salimbene von Parma nannte sie
"ein schlechtes Weib und den
Gattinnen ihrer Brüder und der ganzen Familie zur Last."
HEINRICHS Mutter
Beatrix
von Burgund soll von Konstanze
in
schweren Träumen verfolgt worden sein. Zeichendeuter des
normannischen
Hofes hatten vorausgesagt, sie werde ihr Vaterland ins tiefste
Verderben
stürzen. Dass die Verbindung Konstanzes
mit
HEINRICH VI. die Vereinigung
Siziliens mit Deutschland brachte, schon das war ein unerhörtes,
ein
die Welt aufschreckendes Ereignis.
Konstanze hatte
jahrelang
im Kloster der Basilianischen Nonnen, nahe dem königlichen Palast
in Palermo, und in anderen Klöstern, gelebt. Ob sie freiwillig
oder
von ihren Verwandten veranlaßt ins Kloster gegangen war, wissen
wir
nicht, auch nicht, ob sie den Schleier genommen; jedenfalls wurde ihr
zum
Vorwurf gemacht, das Kloster verlassen zu haben, um zu heiraten. Vor
ihrer
Vermählung wurde Konstanze 1185
nach Rieti gebracht, mit einer Aussteuer, deren Schilderungen ans
Fabelhafte
grenzen. Konstanze war groß
und blond und von heller Hautfarbe, sie wirkte trotz des
byzantinischen
Prunks bescheiden. Sie war 32, HEINRICH 22
Jahre alt.
Die Trauung fand am 27. Januar 1186 in Mailand
statt.
Da der Dom noch nicht vollendet war, fand die Eheschließung in
der
Kirche San Ambrogio statt, die aus einem Kornspeicher in einen halbwegs
würdigen Zustand versetzt worden war. Der Patriarch von Aquileja
vollzog
die Vermählung ohne Zustimmung des Papstes. HEINRICH
und
Konstanze
wurden zugleich mit der Eisernen Krone der Lombarden
gekrönt
und Konstanze empfing von einem
deutschen
Bischof die deutsche Königskrone. Nach der Trauung begab
sich
HEINRICH
mit
Konstanze
zur Kaiserkrönung nach Rom.
Während der Italienzuges HEINRICHS
VI. zur Eroberung Siziliens 1191 - ein Jahr nach dem Tod FRIEDRICHS
I. BARBAROSSAS - geriet Konstanze
in die kriegerischen Auseinandersetzungen, und auf die falsche
Nachricht
hin, der Kaiser sei in Neapel der Seuche erlegen, in die Hände der
Gegner HEINRICHS VI. Sie wurde in
einem
Turm in Salerno festgehalten, wo sie sich mutig und tapfer verteidigte,
bis sie nach ihrer Auslieferung in Messina von ihrem illegitimen
Neffen
Tankred
würdig aufgenommen, aber als Geisel betrachtet wurde;
schließlich
mußte sie Tankred auf Befehl
des Papstes, reich beschenkt, nach Deutschland bringen lassen.
Wenige Tage nach der Krönung zum König
von
Sîzilien (Weihnachten 1194) erreichte HEINRICH
die Nachricht, dass Konstanze am
zweiten
Weihnachtstag in Jesi in der Mark Ancona einen Sohn zur Welt gebracht
hatte.
Die Geburt FRIEDRICHS
veranlaßte den kampagnischen Dichter und Weisen Petrus von Eboli,
Vergils 4. Hirtengedicht von der Verheißung eines
Friedensfürsten
auf den Neugeborenen zu deuten; Gottfried
von Viterbo begrüßte
ihn als den die Zeit erfüllenden Cäsar, als den erwarteten
Weltenkönig.
Die Umstände der Geburt gaben Anlaß
zu einer
überreichen, meist böswilligen Legendenbildung. Konnte das
Kind
von einer 40-jährigen Frau nach neunjähriger unfruchtbarer
Ehe
geboren worden sein? Konstanze
selbst
wollte befürchteten Verdächtigungen zuvorkommen. Sie habe,
heißt
es, das Kind in einem Zelt zur Welt gebracht, in welchem jede
verheiratete
Frau der Geburt beiwohnen konnte; sie habe sich auf dem Markt dem Volk
mit entblößten Brüsten beim Stillen des Kindes gezeigt.
Die Verdächtigungen konnten dadurch nicht
aus der
Welt gebracht werden. Der Abt Albert
von Stade berichtet in seinen Annalen:
Die Ärzte aus Salerno "ließen aber Konstanzes
Gebärmutter durch Arzneien allmählich anschwellen,
so dass der Kaiser fest glaubte, sie sei schwanger. Inzwischen aber
sahen
sich die Ärzte nach einem Kinde um, so dass von verschiedenen
schwangeren
Frauen, die zur Zeit der Niederkunft Konstanzes
gebären mußten, nach einem streng geheimen Plan ein Kind
geraubt
wurde, um zur Zeit der Niederkunft Konstanzes
in den Palast an ihr Bett getragen zu werden, wo es so, obwohl woanders
geboren, gleichsam von Konstanze
geboren
wurde und der Sohn eines anderen für den Sohn des Kaisers und der
Kaiserin gehalten worden ist. Man sagte aber, es sei zweifelhaft, ob
jenes
Knäblein der Sohn eines Arztes oder eines Müllers oder aber
eines
Falkners gewesen sei; aber die Leute beteuern wahrhaftig, es sei der
Sohn
eines dieser drei gewesen." Der STAUFER-feindliche
Minorit Salimbene von Parma hat FRIEDRICH
für den Sohn eines Fleischers
gehalten, was FRIEDRICH
Zeit seines Lebens vorgeworfen wurde.
HEINRICH ließ
seine Gemahlin für Ostern
1195 nach Bari kommen, wo er einen Reichstag
abhielt. Der kleine FRIEDRICH blieb
in den folgenden drei Jahren in Foligno in der Obhut des Herzogs von
Spoleto,
zu dem Konrad von Urslingen
erhoben worden war. Nach Bari hatte der Kaiser
auf 160 Maultieren aus Palermo den Kronschatz und die Reichsinsignien
bringen
lassen, die nach der Reichsfeste Trifels weiterbefördert wurden.
Als nach dem Reichstag von Bari HEINRICH
neuerdings nach Deutschland aufbrach, stellte er Konstanze
an die Spitze des Regentschaftsrates
über Sizilien. Mit Hilfe ausgiebiger
Geschenke an die Fürsten ließ HEINRICH
seinen noch ungetauften zweijährigen Sohn FRIEDRICH
zum
deutschen König wählen.
In Sizilien war das Blutgericht vom Stephanstag
1194
nicht vergessen. Die sizilianische Unabhängigkeitsbewegung gegen HEINRICH
und die Deutschen überhaupt nutzte die Abwesenheit HEINRICHS,
und es wurde vermutet, Konstanze
unterstütze
oder dulde sie. In Unter-Italien schürte Richard von Acerra, der Schwager
König
Tankreds, den Widerstand
gegen HEINRICH. Dieser sah sich
zur
Rückkehr nach Italien gezwungen. Was HEINRICH
nun an Grausamkeiten verübte, hat mit einer Bestrafung von
Aufständischen
nichts mehr zu tun. Richard von Acerra
ließ er von Pferden durch
die Straßen von Capua schleifen; als er nach zwei Tagen noch
immer
lebte, nachdem er an den Füßen aufgehängt worden war,
erlöste
ihn sein Hofnarr von den Qualen durch um den Hals gebundene Gewichte,
an
denen Richard von Acerra
erstickte. In Palermo ließ HEINRICH
den Grafen Giordano, der als
Haupt des Widerstandes galt, auf einen eisernen
glühenden Thron setzen und ihm eine glühende Krone mit
Nägeln
an den Kopf schlagen. Diesen und anderen Folterungen mußt Konstanze
an der Spitze ihres Gatten beiwohnen. Was Wunder, dass sie vor soviel
Grausamkeit
zurückschreckte und mit ihren gepeinigten Verwandten und
Landsleuten
fühlte? Sie wurde, vom Kanzler
Walther von Pagliara bewacht, im königlichen
Palast gefangengehalten.
Am Reichstag von Bari hatte HEINRICH
einen Kreuzzug gelobt. Als sich das Heer einzuschiffen begann, brach in
Sizilien eine neuer Aufstand los - HEINRICH
versprach eine Generalamnestie. Wollte er die Sizilianer auf diese
Weise
für sich gewinnen? War das nach dem, was geschehen war, noch
möglich?
Auf der Jagd im Waldgebirge unterm Ätna
erkrankte HEINRICH.
Er wollte nach Palermo gebracht werden, kam aber nur bis zu dem in
maurischem
Stil erbauten Schloß von Favara. In Fieberfantasien sprach der
Kaiser
von dem Weltreich, das er zu schaffen gedachte. Dann diktierte er,
wieder
bei klaren Sinnen, sein Testament - ein Dokument der Zerknirschung. Am
28. September 1197 "fällte ihn der Neid des Todes". Er starb an
der
den STAUFERN verhängnisvollen
Malaria.
Konstanze
war
anwesend - es lag schon im Stil der Zeit, sie des Giftmordes an ihrem
Gemahl
zu bezichtigen. Er wurde im Dom von Palermo bestattet.
Die verwitwete,
schwergeprüfte Konstanze
versuchte tatkräftig, der heillosen Verwirrung in Sizilien Herr zu
werden; es gelang ihr nicht mehr. Ein Jahr nach dem Tod ihres Gemahls
erkrankte
sie. Sie ließ, wohl in der Ahnung ihres nahen Endes, ihren
vierjährigen
Sohn am 17. Mai 1198 zum König von Sizilien krönen und
übergab
ihn und das Land der Obhut des Papstes. Am 27. November starb
sie,
ein Jahr nach dem Tode HEINRICHS.
Sie
wurde neben ihm im Dom zu Palermo, der Ruhestatt ihres Vaters
beigesetzt.