Mühlbacher Josef: Seite 114-121
**************
"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

"Wie die Ehen Kaiser FRIEDRICHS II. mit drei Töchtern königlicher Häuser von der Politik geschlossen worden waren, so waren auch seine rechten Söhne ohne Liebe gezeugt. Von den Gattinnen verlangte er männliche Leibeserben, denen er einst die Kronen, die er trug, überantworten konnte." (Erich Maschke)
In dieser Zeit war FRIEDRICH mit Sancha, der jüngsten Tochter des Königs Alfons II. von Aragonien, verlobt; der Papst, Lehensherr über Aragonien wie Sizilien, drängte auf eine Eheschließung FRIEDRICHS mit der älteren Schwester Sanchas, Konstanze.
Konstanze, die Tochter König Alfons II. von Aragonien, war zehn Jahre älter als der 14-jährige FRIEDRICH und bereits Witwe nach dem ungarischen König Emerich, der 1204 gestorben war. Sie hatte ein leidgeprüftes Leben hinter sich. Ihr Gatte Emerich wurde von seinem ehrgeizigen Bruder Andreas bekämpft, der den unmündigen Sohn Emerichs und Konstanzes, Ladislaus III., verdrängte. Ladislaus kam ums Leben und Konstanze kehrte, nachdem ihr Schwager den Thron erobert hatte, in ihre Heimat nach Aragonien zurück.
FRIEDRICH beugte sich widerstrebend dem Wunsch des Papstes. Verlockend war die Mitgift: 500 spanische Ritter unter Führung von Konstanzes Bruder, dem Grafen Alfons von Provence, die FRIEDRICH zur Bekämpfung der sizilianischen Barone nötig brauchte. Ein sizilianischer Bischof schloß als Vertreter FRIEDRICHS im Dom von Saragossa die Ehe. Am 19. August 1209 traf Konstanze mit den 500 Rittern unter dem Grafen Alfons in Palermo ein, wo die Hochzeit mit großem Pomp gefeiert wurde.
In der älteren und gereiften Konstanze, die als ehemalige Königin in verworrenen politischen Verhältnissen Erfahrung gesammelt hatte, fand FRIEDRICH nicht nur eine Ratgeberin; sie war eine vornehme, gebildete Dame aus einem geistig hochstehenden Geschlecht, die auf den noch ungezügelten blutjungen Gatten einen sittigenden Einfluß ausübte.
Sie hat mit ihrem Gatten die politischen Wirren und kriegerischen Auseinandersetzungen um die Herrschaft über Deutschland und Sizilien mutig überstanden und die ersten Glanzpunkte seiner Laufbahn miterlebt. Sie ist die einzige Frau, die FRIEDRICH auf seinen Reisen mitnahm. Ob FRIEDRICH sie geliebt hat? Den äußeren Anzeichen nach hat er sie geschätzt, wohl auch geachtet. 1211 gebar sie ihm in ihrem einzigen Kind den Erben und Thronfolger HEINRICH. Die Ehe dauerte weiterhin elf Jahre, blieb aber ohne Kinder.
Für Konstanze ergaben sich aus der politisch ruhelosen Zeit vielerlei Gefahren. 1211 war der WELFE OTTO IV., der Gegen-König, bis vor Messina vorgedrungen und bedrohte Sizilien. In Palermo standen schon die Schiffe bereit, die Konstanze und ihr Söhnlein nach Nord-Afrika bringen sollten. Konstanze bangte vor dieser Flucht, hatte die doch ihren fünfjährigen Sohn Ladislaus aus erster Ehe ebenfalls während kriegerischer Wirren verloren. Es kam nicht so weit. OTTO IV. zog sich, vom Papst gebannt, nach Deutschland zurück.
FRIEDRICH übertrug 1212 Konstanze für seine Abwesenheit die Herrschaft über das unruhige Sizilien, ein Zeichen dafür, welches Vertrauen er ihr entgegenbrachte. Seine Herrschaft über Sizilien war noch keineswegs gefestigt.
1216 rief FRIEDRICH seine Gemahlin nach Deutschland. Sie sah ihren Gatten nach vier Jahren als gekrönten König wieder und erlebte die Freude, dass ihr Sohn mit dem Herzogtum Schwaben belehnt wurde, das Rektorat über Burgund übertragen erhielt, schließlich in Frankfurt zum deutschen König gewählt wurde.
Schließlich kam auch für Konstanze der große Tag der Kaiserkrönung in Rom am 22. November 1220.
Von nun an ward Konstanze eine ruhiges Leben an der Seite FRIEDRICHS gegönnt. Der 26-jährige Kaiser stand in der Blüte seiner Schaffenskraft und seines Ruhmes. Aber Konstanze war nur noch eine kurze Lebenszeit vorbehalten. Sie starb nach 13-jähriger Ehe am 23. Juni 1222 in Catania.
Sie wurde in einem antiken Sarkophag im Dom zu Palermo beigesetzt, in einem mit Gold und Perlen bestickten karmesinroten, von Juwelen bedeckten Gewand; von dem mit Edelsteinen verzierten Diadem mit kufischen Schriftzeichen und eingravierten Delphinen hängen an den beiden Seiten nach Art der Krone byzantinischer Kaiserinnen Juwelenketten herab.
Konstanze ist die einzige seiner vier Frauen, die neben dem Kaiser ruht. Ihre Grabinschrift lautet:
Ich war Siziliens Königin und Kaiserin, Constantia. Hier wohn ich nun, FRIEDRICH, Deine Frau.