"Wie die Ehen Kaiser FRIEDRICHS
II. mit drei Töchtern königlicher Häuser
von
der Politik geschlossen worden waren, so waren auch seine rechten
Söhne
ohne Liebe gezeugt. Von den Gattinnen verlangte er männliche
Leibeserben,
denen er einst die Kronen, die er trug, überantworten konnte."
(Erich
Maschke)
In dieser Zeit war FRIEDRICH
mit Sancha, der jüngsten Tochter
des Königs
Alfons II. von Aragonien,
verlobt; der Papst, Lehensherr über Aragonien wie Sizilien,
drängte
auf eine Eheschließung FRIEDRICHS
mit der älteren Schwester
Sanchas,
Konstanze.
Konstanze, die Tochter
König
Alfons II. von Aragonien, war zehn Jahre älter als der
14-jährige
FRIEDRICH und bereits
Witwe nach dem ungarischen König Emerich,
der 1204 gestorben war. Sie hatte ein leidgeprüftes Leben hinter
sich.
Ihr Gatte Emerich wurde von seinem
ehrgeizigen Bruder Andreas
bekämpft,
der den unmündigen Sohn Emerichs
und
Konstanzes,
Ladislaus III.,
verdrängte.
Ladislaus
kam
ums Leben und Konstanze
kehrte, nachdem
ihr Schwager den Thron erobert hatte, in ihre Heimat nach Aragonien
zurück.
FRIEDRICH beugte
sich widerstrebend dem Wunsch des Papstes. Verlockend war die Mitgift:
500 spanische Ritter unter Führung von Konstanzes
Bruder,
dem Grafen
Alfons von Provence,
die
FRIEDRICH
zur Bekämpfung der sizilianischen
Barone nötig brauchte. Ein sizilianischer Bischof schloß als
Vertreter FRIEDRICHS im Dom von
Saragossa
die Ehe. Am 19. August 1209 traf Konstanze
mit
den 500 Rittern unter dem Grafen Alfons
in Palermo ein, wo die Hochzeit mit großem Pomp gefeiert wurde.
In der älteren und gereiften
Konstanze, die als ehemalige Königin in verworrenen
politischen
Verhältnissen Erfahrung gesammelt hatte, fand FRIEDRICH
nicht nur eine Ratgeberin;
sie war eine vornehme, gebildete
Dame aus einem geistig hochstehenden Geschlecht, die auf den noch
ungezügelten
blutjungen Gatten einen sittigenden Einfluß ausübte.
Sie hat mit ihrem Gatten die politischen Wirren
und
kriegerischen
Auseinandersetzungen um die Herrschaft über Deutschland und
Sizilien
mutig überstanden und die ersten Glanzpunkte seiner Laufbahn
miterlebt.
Sie ist die einzige Frau, die FRIEDRICH auf
seinen Reisen mitnahm. Ob FRIEDRICH sie
geliebt hat? Den äußeren Anzeichen nach hat er sie
geschätzt,
wohl auch geachtet. 1211 gebar sie ihm in ihrem einzigen Kind den Erben
und Thronfolger HEINRICH. Die Ehe
dauerte
weiterhin elf Jahre, blieb aber ohne Kinder.
Für Konstanze ergaben
sich aus der politisch ruhelosen Zeit vielerlei Gefahren. 1211 war der
WELFE
OTTO
IV.,
der Gegen-König,
bis vor Messina vorgedrungen und bedrohte Sizilien. In Palermo standen
schon die Schiffe bereit, die
Konstanze
und
ihr Söhnlein nach Nord-Afrika bringen sollten. Konstanze
bangte
vor dieser Flucht, hatte die doch ihren
fünfjährigen Sohn Ladislaus
aus erster Ehe ebenfalls während kriegerischer Wirren verloren. Es
kam nicht so weit. OTTO IV. zog
sich,
vom Papst gebannt, nach Deutschland zurück.
FRIEDRICH übertrug
1212 Konstanze für seine
Abwesenheit
die Herrschaft über das unruhige
Sizilien, ein Zeichen dafür,
welches Vertrauen er ihr entgegenbrachte. Seine Herrschaft über
Sizilien
war noch keineswegs gefestigt.
1216 rief FRIEDRICH
seine Gemahlin nach
Deutschland. Sie sah ihren Gatten nach vier Jahren
als gekrönten König wieder und erlebte die Freude, dass ihr
Sohn
mit dem Herzogtum Schwaben belehnt wurde, das Rektorat über
Burgund
übertragen erhielt, schließlich in Frankfurt zum deutschen
König
gewählt wurde.
Schließlich kam auch für Konstanze
der
große Tag der Kaiserkrönung
in Rom am 22. November
1220.
Von nun an ward Konstanze
eine ruhiges Leben an der Seite FRIEDRICHS
gegönnt. Der 26-jährige Kaiser stand in der Blüte seiner
Schaffenskraft und seines Ruhmes. Aber Konstanze
war nur noch eine kurze Lebenszeit vorbehalten. Sie starb nach
13-jähriger
Ehe am 23. Juni 1222 in Catania.
Sie wurde in einem antiken Sarkophag im Dom zu
Palermo
beigesetzt, in einem mit Gold und Perlen bestickten karmesinroten, von
Juwelen bedeckten Gewand; von dem mit Edelsteinen verzierten Diadem mit
kufischen Schriftzeichen und eingravierten Delphinen hängen an den
beiden Seiten nach Art der Krone byzantinischer Kaiserinnen
Juwelenketten
herab.
Konstanze ist die
einzige seiner vier Frauen, die neben dem Kaiser ruht. Ihre
Grabinschrift
lautet:
Ich war Siziliens
Königin und Kaiserin, Constantia.
Hier wohn ich nun, FRIEDRICH,
Deine
Frau.