Masson Georgina: Seite 37
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"Friedrich II. von Hohenstaufen"

An seinem 14. Geburtstag, am 26. Dezember 1208, wurde FRIEDRICH volljährig, neun Monate später vermählte er sich mit Konstanze von Aragon, die der Papst für ihn ausersehen hatte. Sie war die Witwe des Königs von Ungarn und zehn Jahre älter als FRIEDRICH. Er scheint von dieser Ehe nicht sehr begeistert gewesen zu sein; doch war immerhin vereinbart worden, dass sie zur freien Verfügung ihres Gemahls 500 Ritter unter der Führung ihres Bruders, des Grafen Alfons von Provence, mit in die Ehe bringen sollte. Als FRIEDRICH am 19. August Konstanze empfing - nachdem der Ehevertrag schon Anfang des Jahres 1209 in Syrakus unterzeichnet worden - hatte er bereits einen Zug durch die Insel unternommen. Die Hochzeit wurde mit großem Pomp in Palermo gefeiert; Edelleute aus dem ganzen Königreich eilten herbei, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.
Was die beiden Hauptgestalten - die Braut und den Bräutigam - voneinander hielten, ist uns durch keine Indiskretion der Chronisten oder Hofleute überliefert worden. Die 24-jährige Konstanze hatte bereits als Königin regiert; FRIEDRICH hingegen, ein 14-jähriger Knabe, der seine Tage mit Waffenspiel und Jagd, seine Nächte über Büchern verbrachte, dessen Gewohnheiten vulgär und dessen Manieren rüde waren, lernte wahrscheinlich zum erstenmal in seinem Leben eine vornehme Dame von Welt kennen.
Die Jahre, die sie trennten, hätten in jedem anderen Lebensalter kaum etwas ausgemacht; aber zwischen einem Knaben von 14 und einer jungen Frau von 24 Jahren, die bereits verheiratet und Mutter eines Sohnes gewesen war, mußte sie eine fast unüberbrückbare Kluft sein. Die Ehe war zwar aus rein politischen Gründen geschlossen worden und hatte nichts Romantisches an sich, aber sie gab FRIEDRICH das, was ihm fehle, den Schliff eines Hofmannes. Nach einigen Jahren gebar Konstanze einen Sohn, der HEINRICH getauft wurde. Kurz danach wurde FRIEDRICHS erstes uneheliches Kind Enzio geboren. Dennoch übte diese Ehe eine nachhaltige Wirkung auf FRIEDRICHS persönliches Leben aus. Zum ersten Mal seit dem Tode seiner Mutter gab es einen Menschen, dessen Interessen mit den seinen unlösbar verbunden waren. Mit der Geburt eines Sohnes verstärkte sich diese Bindung, die bis zu einem gewissen Grade FRIEDRICH die furchtbare Last der Einsamkeit, die seine Kindheit überschattet hatte, abnahm.
Auch Konstanze war sehr viel mehr, als sie zunächst erwartet hatte, auf ihren jungen Gemahl angewiesen, denn zwei Monate nach der Hochzeit wurden ihr Bruder und fast alle Ritter das Opfer einer heftigen Seuche.
Im Jahre 1212 wurde FRIEDRICHS Sohn HEINRICH zum König von Sizilien gekrönt und Konstanze als Regentin eingesetzt, während sich FRIEDRICH nach Deutschland begab. Als FRIEDRICHS Stellung in Deutschland gefestigt war, ließ er 1216 seine Gemahlin Konstanze und seinen Sohn nachkommen.
Am 22. November 1220 wurde Konstanze gemeinsam mit ihrem Gemahl in Rom zum Kaiser gekrönt. Am 15. Dezember 1220 kam sie in Begleitung FRIEDRICHS II., der auf ein deutsches Heer verzichtet hatte, mit wenigen Begleitern in Capua an.
Während sich FRIEDRICH noch auf dem Festland befand, starb am 23. Juni 1223 seine Gemahlin Konstanze in Catania. Sie war Mitte 30 und wesentlich jünger als FRIEDRICHS Mutter zur Zeit seiner Geburt. Sie hatte nach den Aufregungen und Wirren der ersten Jahre ihrer Ehe mit FRIEDRICH von 1216 an ein, zumindest äußerlich gesehen, ruhiges Leben geführt. Noch als sie starb, trug sie die langen blonden Flechten, die ein der Hauptzierden ihrer Jugend gewesen waren. Konstanze wurde im Dom zu Palermo in der Nähe von FRIEDRICHS Eltern begraben, ihr Leichnam mit Juwelen bedeckt und in ein karmesinrotes, mit Gold und Perlen besticktes Gewand gehüllt. Man hatte ihr ein merkwürdiges Diadem in einer Schatulle an die Seite gelegt; es war mit Edelsteinen geschmückt, in die Delphine und kufische Lettern eingeschnitten waren, von den Seiten hingen lange Juwelenketten im byzantinischen Stil herab, wie sie von dem Mosaikporträt der Kaiserin Theodora in Ravenna bekannt sind.
Die erste Ehe FRIEDRICHS scheint, obwohl er der um zehn Jahre älteren Frau zunächst wenig Neigung entgegenbrachte, weitaus die beste gewesen zu sein; übrigens lebte Konstanze länger als seine beiden späteren Gemahlinnen, die um viele Jahre jünger waren. Anders als diese, wurde sie tatsächlich zur Kaiserin gekrönt, und FRIEDRICH scheint sie mit einer Achtung behandelt zu haben, die er keiner anderen Frau erwiesen hat. So lange Konstanze lebte, wurden ihr alle einer Kaiserin zukommenden Ehrungen zuteil; doch scheint FRIEDRICH ihr seine eheliche Aufmerksamkeit, nachdem sie im Jahre 1216 zu ihm nach Deutschland gekommen war, bald entzogen zu haben, da sie, obwohl erst Ende der 20, nach der Geburt von HEINRICH keine weiteren Kinder gebar.