Als König
Ludwig das Kind,
der letzte ostfränkische
KAROLINGER,
am 24. September 911 starb, war er erst 18 Jahre alt und noch
unverheiratet
und ohne Kinder. Es war zu befürchten, dass sich nunmehr das
Franken-Reich
nach den vier Hauptstämmen auch in vier Teilstaaten auflösen
würde.
Die Franken und die Sachsen folgten dem
Vorschlag Ottos
des Erlauchten von Sachsen, KONRAD I.,
den Sohn Konrads des
Älteren, zum neuen König
zu wählen.
Diese Wahl fand am 10. November 911 in Forchheim an der Regnitz statt.
Damit trugen die Herzöge der Notwendigkeit der Erhaltung des
Reiches
Rechnung. Schwaben und Baiern, die beiden übrigen der vier
Hauptstämme,
hielten sich zunächst noch zurück, schlossen sich aber
schließlich
durch Nachwahlen dieser Entscheidung an, nicht zuletzt von den
geistlichen
Herren ihrer Herzogtümer dazu bewogen, weil für sie ein
Auseinanderfallen
des Reiches einer Katastrophe gleichgekommen wäre.
Durch ihr entschlossenes und gemeinsames Handeln
hatten
Franken und Sachsen mit dem nunmehr entstandenen Ostfränkischen
Reich
unter den
KONRADINERN,
den Vorgängern
des Reiches der Deutschen, dem deutschen Gedanken Rechnung getragen. Widukind
von Corvey bekundet in seiner Sachsengeschichte, dass Franken
und Sachsen
gleicherweise entschlossen gewesen seien, 911 die Würde des
Königtums
Otto dem Erlauchten zu
übertragen, dass dieser jedoch wegen seines
hohen Alters abgelehnt habe, dass er aber dennoch hinter den Kulissen
als
wirklicher König ohne Krone gewirkt habe.
Sehr bald erkannte KONRAD
I.,
dass die Herzöge in der Vergangenheit immer stärker geworden
waren und dass ihre Macht in ihren eigenen Herzogtümern groß
war. Jeder dieser vier großen Stämme handelte zunächst
für sich. Der Gedanke einer freiwilligen Unterordnung unter die
Reichseinheit
wurde von ihnen noch nicht begriffen. Dies traf vor allem auf die
beiden
nördlichen Herzogtümer Franken und Sachsen in ihrem
Verhältnis
zu den südlichen Schwaben und Baiern zu.
Zunächst versuchte KONRAD
I. die "lothringische Frage" zu lösen und damit auch das
Westfränkische Reich unter seine Herrschaft zu bringen. Die drei
zu
diesem Zweck zwischen 912 und 913 geführten Feldzüge blieben
jedoch erfolglos. In den Bestrebungen, die Herzöge kurzzuhalten,
wurde
KONRAD
I. von den Bischöfen der fränkischen,
schwäbischen
und baierischen Kirche unterstützt. In Sachsen hingegen schlugen
sich
die Bischöfe auf die Seite des Herzogs. Als Herzog Otto der Erlauchte
von Sachsen am 30. November 912 starb, trat sein einziger ihn
überlebender
Sohn Heinrich an seine Stelle als neuer
Herzog von Sachsen.
KONRAD versuchte
nun, diesen starken Widersacher aus dem Sattel zu heben. Da die
Nachfolge
des Sachsen-Herzogs bereits erblich war, konnte Heinrich
I. diese Würde, die er nach dem Tode seines Vaters
angetreten
hatte, nicht entzogen werden. Deshalb galt KONRADS
Bemühen zunächst der Ablösung Thüringens aus dem
Herzogtum
Sachsen. Thüringen, das seit vier Jahren mit Sachsen verbunden
war,
sollte wieder dem Reich eingegliedert werden.
Nachdem KONRAD I.
diesen Schritt getan und Thüringen aus dem Herzogtum Sachsen
gelöst
hatte, kam es 913 zum Eklat. Der erste Gegenzug Herzog
Heinrichs
bestand in einem Feldzug
gegen Hatto, den Erzbischof von Mainz, der in
Thüringen große
Güter besaß. Diese nahm nun
Herzog
Heinrichs an sich, wobei er mehrfach zu den Waffen griff, wenn
die dort sitzenden Verwalter des Erzbischofs nicht gehorchten. Erzbischof
Hatto verwand
diesen Schlag nicht und starb am 15. Mai 913.
Die Sage, dass sich KONRAD
I.
dieses Erzbischofs bedient habe, um den Sachsen-Herzog
Heinrich zu beseitigen, indem Hatto ihn mit einer goldenen
Kette
erdrosselt, die er ihm als Geschenk umlegen wollte, entbehrt jeder
Grundlage.
Im Kampf gegen Schwaben blieb KONRAD zunächst
politisch siegreich. Als er jedoch 915 eine Doppelaktion gegen die
Schwaben
und Sachsen gleichzeitig unternahm, erlitt er abermals Schiffbruch. KONRAD
I. entsandte seinen Bruder Eberhard nach Sachsen und
ernannte ihn zum Markgrafen der
Sorbischen Mark. Von dort aus sollte er
Heinrichs
Stellung
in Thüringen untergraben und die Macht an sich reißen. Als Eberhard
mit einem fränkischen Heer durch Sachsen zog, wurde er bei der
Eresburg
auf dem Obermarsberg, die bereits einige sächsisch-fränkische
Kämpfe gesehen hatte, durch sächsische Truppen gestoppt. Heinrichs
Panzerreiter
trugen den Sieg davon. Danach wandte sich Heinrichs
Sachsentruppe dem Hohentwiel zu, wo Burchard II. von Schwaben, der
nach
der Verbannung Herzog Erchangers dort Herzog
geworden war, in seiner Herzogsburg
von KONRADS I. Truppen belagert wurde.
Der König gab die Belagerung beim Herannahen der Sachsen auf. Heinrich
I. zog sich nach diesem Sieg in die Pfalz Grone bei
Göttingen
zurück. KONRAD folgte ihm, doch
nun nicht mehr in kriegerischer Absicht, sondern in einem Bemühen,
ein Abkommen zu erzielen, das den Frieden sicherstellte.
Da beiden Seiten gefährliche Widersacher in
den
Ungarn erstanden waren, die auf ihren Streifzügen nach Norden in
Thüringen,
Sachsen und Schwaben eingefallen waren, kam ein Vergleich rasch
zustande.
Der gestürzte schwäbische
Herzog Erchanger,
der ins Exil geschickt
worden war, kehrte nach Schwaben zurück. Er bot gemeinsam mit
seinem
Nachfolger und nun wieder Vorgänger Burchard und seinem Bruder Berchtold
ein Heer auf, das bei Wahlwies gegen die königlichen Truppen
siegte.
Erchanger wurde im Herbst
915 zum Herzog der Schwaben ausgerufen. 916 gelang
es König KONRAD
schließlich,
die Baiern zu schlagen. Herzog
Arnulf von Baiern wurde in
Regensburg belagert,
er konnte zu den Ungarn fliehen und mußte dem König das Feld
überlassen.
Die am 20. September 916 in Hohenaltheim tagende
Synode
der Kirche, auf der außer den Geistlichen von Schwaben, Baiern
und
Franken auch
König KONRAD
anwesend
war, sah auch den päpstlichen Legaten am Ort der Synode. Alle
Versammelten
traten für die Sache KONRADS
ein.
Auch diesmal glänzte die sächsische Geistlichkeit durch
Abwesenheit.
Dies bedeutete, dass sie sich auf Heinrichs
Seite
gestellt hatte.
Da sich Arnulf
von Bayern ebenfalls nicht der Synode
stellte, wurde er kurzerhand abgesetzt. KONRAD
ernannte seinen Bruder Eberhard
zum Verwalter des Herzogtums
Baiern. Auch die Schwaben hielten sich nicht an den
Beschluß von
Hohenaltheim; deshalb zog
KONRAD wider
die Brüder Erchanger und
Berchtold zu Felde. Er
ließ seine beiden
Schwäger (KONRAD hatte sich mit
Kunigunde, der Schwester Erchangers
und Berchtolds, die
Witwe war, vermählt) und einen Neffen, nachdem
er sich ihrer bemächtigt hatte, am 21. Januar 917 in Aldingen
hinrichten.
Doch auch dadurch konnte er Schwaben nicht
einnehmen,
denn der Bundesgenosse der beiden Brüder und zugleich Rivale in
der
Herzogswürde, Burchard II.,
sprang in die Bresche und schwang sich
zum Herzog von Schwaben auf.
Die Ungarn leisteten schließlich den
Baiern
ungewollte
Schützenhilfe, als sie durch Baiern und Schwaben nach Lothringen
einfielen.
Arnulf nutzte die Chance,
kehrte nach Bayern zurück, verjagte Eberhard,
den Statthalter des Königs und
königlichen Bruder, und enteignete
die Kirche, indem er sie säkularisierte und für sich und
seine
Vasallen die Kirchengüter als Morgengabe in Besitz nahm.
KONRAD I. hatte
damit
nach anfänglichen Erfolgen Niederlagen am laufenden Band erlitten.
Kurz bevor er am 23. Dezember 918 starb und sein Grab im Kloster
von Fulda eingerichtet wurde, wußte er, dass sein Nachfolger ein
starker Mann sein mußte, wenn es ihm gelingen sollte, das
Ostfränkische
Reich wieder zusammenzubringen.
Da KONRAD
kinderlos
war, setzte er seinen Bruder Eberhard
als seinen Nachfolger im Herzogtum
Franken ein. Als königlichen Nachfolger aber bestimmte er
den Sachsen-Herzog
Heinrich. Diese Art der Benennung eines Nachfolgers war zur
genannten Zeit bis ins 13. Jahrhundert hinein ein Verfügungsrecht,
das allen Fürsten zustand. Es konnte das Geblütsrecht
hintansetzen.
Damit stellte eigentlich erstmals in der deutschen Geschichte ein
Herzog
den Gedanken an die Vorherrschaft seines Stammes zurück und
designierte
den Nachfolger, den er als den stärksten unter den Starken erkannt
hatte.
Nach Widukind
von Corvey soll der Bruder des sterbenden
Königs dessen letzten Willen, die Reichsinsignien an Heinrich
zu
überbringen, sofort zugestimmt haben.