Kurowski Franz: Seite 204-208
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"Schwertgenossen Sahsnotas"

Als König Ludwig das Kind, der letzte ostfränkische KAROLINGER, am 24. September 911 starb, war er erst 18 Jahre alt und noch unverheiratet und ohne Kinder. Es war zu befürchten, dass sich nunmehr das Franken-Reich nach den vier Hauptstämmen auch in vier Teilstaaten auflösen würde.
Die Franken und die Sachsen folgten dem Vorschlag Ottos des Erlauchten von Sachsen, KONRAD I., den Sohn Konrads des Älteren, zum neuen König zu wählen. Diese Wahl fand am 10. November 911 in Forchheim an der Regnitz statt. Damit trugen die Herzöge der Notwendigkeit der Erhaltung des Reiches Rechnung. Schwaben und Baiern, die beiden übrigen der vier Hauptstämme, hielten sich zunächst noch zurück, schlossen sich aber schließlich durch Nachwahlen dieser Entscheidung an, nicht zuletzt von den geistlichen Herren ihrer Herzogtümer dazu bewogen, weil für sie ein Auseinanderfallen des Reiches einer Katastrophe gleichgekommen wäre.
Durch ihr entschlossenes und gemeinsames Handeln hatten Franken und Sachsen mit dem nunmehr entstandenen Ostfränkischen Reich unter den KONRADINERN, den Vorgängern des Reiches der Deutschen, dem deutschen Gedanken Rechnung getragen. Widukind von Corvey bekundet in seiner Sachsengeschichte, dass Franken und Sachsen gleicherweise entschlossen gewesen seien, 911 die Würde des Königtums Otto dem Erlauchten zu übertragen, dass dieser jedoch wegen seines hohen Alters abgelehnt habe, dass er aber dennoch hinter den Kulissen als wirklicher König ohne Krone gewirkt habe.
Sehr bald erkannte KONRAD I., dass die Herzöge in der Vergangenheit immer stärker geworden waren und dass ihre Macht in ihren eigenen Herzogtümern groß war. Jeder dieser vier großen Stämme handelte zunächst für sich. Der Gedanke einer freiwilligen Unterordnung unter die Reichseinheit wurde von ihnen noch nicht begriffen. Dies traf vor allem auf die beiden nördlichen Herzogtümer Franken und Sachsen in ihrem Verhältnis zu den südlichen Schwaben und Baiern zu.
Zunächst versuchte KONRAD I. die "lothringische Frage" zu lösen und damit auch das Westfränkische Reich unter seine Herrschaft zu bringen. Die drei zu diesem Zweck zwischen 912 und 913 geführten Feldzüge blieben jedoch erfolglos. In den Bestrebungen, die Herzöge kurzzuhalten, wurde KONRAD I. von den Bischöfen der fränkischen, schwäbischen und baierischen Kirche unterstützt. In Sachsen hingegen schlugen sich die Bischöfe auf die Seite des Herzogs. Als Herzog Otto der Erlauchte von Sachsen am 30. November 912 starb, trat sein einziger ihn überlebender Sohn Heinrich an seine Stelle als neuer Herzog von Sachsen.
KONRAD versuchte nun, diesen starken Widersacher aus dem Sattel zu heben. Da die Nachfolge des Sachsen-Herzogs bereits erblich war, konnte Heinrich I. diese Würde, die er nach dem Tode seines Vaters angetreten hatte, nicht entzogen werden. Deshalb galt KONRADS Bemühen zunächst der Ablösung Thüringens aus dem Herzogtum Sachsen. Thüringen, das seit vier Jahren mit Sachsen verbunden war, sollte wieder dem Reich eingegliedert werden.
Nachdem KONRAD I. diesen Schritt getan und Thüringen aus dem Herzogtum Sachsen gelöst hatte, kam es 913 zum Eklat. Der erste Gegenzug Herzog Heinrichs bestand in einem Feldzug gegen Hatto, den Erzbischof von Mainz, der in Thüringen große Güter besaß. Diese nahm nun Herzog Heinrichs an sich, wobei er mehrfach zu den Waffen griff, wenn die dort sitzenden Verwalter des Erzbischofs nicht gehorchten. Erzbischof Hatto verwand diesen Schlag nicht und starb am 15. Mai 913.
Die Sage, dass sich KONRAD I. dieses Erzbischofs bedient habe, um den Sachsen-Herzog Heinrich zu beseitigen, indem Hatto ihn mit einer goldenen Kette erdrosselt, die er ihm als Geschenk umlegen wollte, entbehrt jeder Grundlage. Im Kampf gegen Schwaben blieb KONRAD zunächst politisch siegreich. Als er jedoch 915 eine Doppelaktion gegen die Schwaben und Sachsen gleichzeitig unternahm, erlitt er abermals Schiffbruch. KONRAD I. entsandte seinen Bruder Eberhard nach Sachsen und ernannte ihn zum Markgrafen der Sorbischen Mark. Von dort aus sollte er Heinrichs Stellung in Thüringen untergraben und die Macht an sich reißen. Als Eberhard mit einem fränkischen Heer durch Sachsen zog, wurde er bei der Eresburg auf dem Obermarsberg, die bereits einige sächsisch-fränkische Kämpfe gesehen hatte, durch sächsische Truppen gestoppt. Heinrichs Panzerreiter trugen den Sieg davon. Danach wandte sich Heinrichs Sachsentruppe dem Hohentwiel zu, wo Burchard II. von Schwaben, der nach der Verbannung Herzog Erchangers dort Herzog geworden war, in seiner Herzogsburg von KONRADS I. Truppen belagert wurde. Der König gab die Belagerung beim Herannahen der Sachsen auf. Heinrich I. zog sich nach diesem Sieg in die Pfalz Grone bei Göttingen zurück. KONRAD folgte ihm, doch nun nicht mehr in kriegerischer Absicht, sondern in einem Bemühen, ein Abkommen zu erzielen, das den Frieden sicherstellte.
Da beiden Seiten gefährliche Widersacher in den Ungarn erstanden waren, die auf ihren Streifzügen nach Norden in Thüringen, Sachsen und Schwaben eingefallen waren, kam ein Vergleich rasch zustande. Der gestürzte schwäbische Herzog Erchanger, der ins Exil geschickt worden war, kehrte nach Schwaben zurück. Er bot gemeinsam mit seinem Nachfolger und nun wieder Vorgänger Burchard und seinem Bruder Berchtold ein Heer auf, das bei Wahlwies gegen die königlichen Truppen siegte. Erchanger wurde im Herbst 915 zum Herzog der Schwaben ausgerufen. 916 gelang es König KONRAD schließlich, die Baiern zu schlagen. Herzog Arnulf von Baiern wurde in Regensburg belagert, er konnte zu den Ungarn fliehen und mußte dem König das Feld überlassen.
Die am 20. September 916 in Hohenaltheim tagende Synode der Kirche, auf der außer den Geistlichen von Schwaben, Baiern und Franken auch König KONRAD anwesend war, sah auch den päpstlichen Legaten am Ort der Synode. Alle Versammelten traten für die Sache KONRADS ein. Auch diesmal glänzte die sächsische Geistlichkeit durch Abwesenheit. Dies bedeutete, dass sie sich auf Heinrichs Seite gestellt hatte.
Da sich Arnulf von Bayern ebenfalls nicht der Synode stellte, wurde er kurzerhand abgesetzt. KONRAD ernannte seinen Bruder Eberhard zum Verwalter des Herzogtums Baiern. Auch die Schwaben hielten sich nicht an den Beschluß von Hohenaltheim; deshalb zog KONRAD wider die Brüder Erchanger und Berchtold zu Felde. Er ließ seine beiden Schwäger (KONRAD hatte sich mit Kunigunde, der Schwester Erchangers und Berchtolds, die Witwe war, vermählt) und einen Neffen, nachdem er sich ihrer bemächtigt hatte, am 21. Januar 917 in Aldingen hinrichten.
Doch auch dadurch konnte er Schwaben nicht einnehmen, denn der Bundesgenosse der beiden Brüder und zugleich Rivale in der Herzogswürde, Burchard II., sprang in die Bresche und schwang sich zum Herzog von Schwaben auf.
Die Ungarn leisteten schließlich den Baiern ungewollte Schützenhilfe, als sie durch Baiern und Schwaben nach Lothringen einfielen. Arnulf nutzte die Chance, kehrte nach Bayern zurück, verjagte Eberhard, den Statthalter des Königs und königlichen Bruder, und enteignete die Kirche, indem er sie säkularisierte und für sich und seine Vasallen die Kirchengüter als Morgengabe in Besitz nahm.
KONRAD I. hatte damit nach anfänglichen Erfolgen Niederlagen am laufenden Band erlitten. Kurz bevor er am 23. Dezember 918 starb und sein Grab im Kloster von Fulda eingerichtet wurde, wußte er, dass sein Nachfolger ein starker Mann sein mußte, wenn es ihm gelingen sollte, das Ostfränkische Reich wieder zusammenzubringen.
Da KONRAD kinderlos war, setzte er seinen Bruder Eberhard als seinen Nachfolger im Herzogtum Franken ein. Als königlichen Nachfolger aber bestimmte er den Sachsen-Herzog Heinrich. Diese Art der Benennung eines Nachfolgers war zur genannten Zeit bis ins 13. Jahrhundert hinein ein Verfügungsrecht, das allen Fürsten zustand. Es konnte das Geblütsrecht hintansetzen. Damit stellte eigentlich erstmals in der deutschen Geschichte ein Herzog den Gedanken an die Vorherrschaft seines Stammes zurück und designierte den Nachfolger, den er als den stärksten unter den Starken erkannt hatte.
Nach Widukind von Corvey soll der Bruder des sterbenden Königs dessen letzten Willen, die Reichsinsignien an Heinrich zu überbringen, sofort zugestimmt haben.