Diwald Hellmut: Seite 118
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"Heinrich der Erste"

Am 10. November 911 wird Herzog Konrad in Forchheim, dem alten Königshof und Stapelplatz an einer Hauptstraße von Norden nach Süden in der Nähe von Bamberg, von den Fürsten der Franken und Sachsen zum König gewählt; die Schwaben und Bayern schließen sich diesem Votum in Nachwahlen an. KONRAD entstammt einem rheinfränkischen Adels-Geschlecht, seine Familie verfügt über große Besitzungen in Hessen, Mainfranken und am Mittelrhein. Er selbst hat, so wie bereits sein Vater Konrad der Ältere, die Stammgrafschaft an der mittleren Lahn inne; die Stammfeste Willibebruch des konradinischen Hauses, das heutige Weilburg, liegt hoch über dem Fluß. Dort wird KONRAD vermutlich auch geboren. Kein Chronist verzeichnet das Geburtsdatum, es dürfte zwischen 880 und 890 liegen. Nach Konrad dem Älteren erhält das ganze Geschlecht später den Namen "KONRADINER". Der Familienverband hat lange Zeit mit der Konkurrenz der BABENBERGER am Ober-Main zu kämpfen. Erst 906 wird der Zwist durch einen Sieg über die BABENBERGER entschieden. Bei Fritzlar kommt es zu einer Schlacht mit Adalbert von Babenberg. Konrad der Ältere verliert in ihr das Leben, und die Führung des Hauses geht in die Hände des Sohnes über. Mit ihrem Sieg über die BABENBERGER, der die Ächtung und Hinrichtung Adalberts von Babenberg folgt, erringen die KONRADINER endgültig die Herzogsgewalt in Franken. Nach dem Tode Ludwigs des Kindes entschloß sich der Adel des Ostfranken-Reiches entgegen allen Erwartungen nicht dazu, den westfränkischen König Karl III. den Einfältigen als Nachfolger zu wählen, wie es aufgrund der erbrechtlichen Situation nahegelegen hätte und zwingend gewesen wäre. Die Wahl fiel also auf den Franken-Herzog Konrad. Maßgeblich wirkte sich allerdings die Parteinahme des hohen Klerus für KONRAD aus. Der Franken-Herzog war am Hof der KAROLINGER aufgewachsen, die Geistlichkeit der ostfränkischen Gebiete war überzeugt, mit KONRAD einen Fürsten als König zu erhalten, der im Unterschied zu den anderen deutschen Stammes-Herzögen nicht geneigt und bestrebt war, die eigene Autonomie zu Lasten eines von der bischöflichen Gewalt bestimmten Reichsverbandes zu festigen und auszubauen. Dieser Gesichtspunkt stand für den Klerus über allen anderen Erwägungen, denn mit KONRAD - so wurde gerechnet - schien sich die Machtstellung, die von der Kirche in den letzten beiden Jahrzehnten ausgebaut worden war, besser als mit jedem anderen Herrscher sichern zu lassen.
KONRAD war mit der schwäbischen Gräfin Kunigunde verheiratet, der Tochter Burchards von Rätien und Witwe des Markgrafen Liutpold in Bayern. Aus Kunigundes erster Ehe entstammte Arnulf, der in jungen Jahren das bayerische Stammes-Herzogtum übernommen hatte, nachdem sein Vater 907 im Kampf gegen die Ungarn gefallen war. Die Unterstützung durch die Bischöfe bei der Wahl konnte Herzog Konrad zwar zur Königskrone, nicht aber zu bemerkenswerten politischen Erfolgen verhelfen. KONRAD bestellte Hatto, Erzbischof von Mainz, zu seinem Erzkaplan, Bischof Salomo von Konstanz hatte während der Regierungszeit des Königs das Amt des Kanzlers inne. Damit schien der Fortbestand des alten Bündnisses zwischen Kirche und König gesichert zu sein.