FRIEDRICH
hingegen
war nicht begeistert; das Königreich Jerusalem bestand praktisch
nur
dem Namen nach, und der Titel war alles, was die 12-jährige Isabella
als Mitgift in die Ehe zu bringen hatte. Hermann von Salza mußte
seine ganze diplomatische Kunst aufbringen, um FRIEDRICH
zu
dieser Heirat zu bewegen.
Nach der Ferntrauung wurde Isabella,
die erst mit 16 Jahren offiziell volljährig werden sollte, in
Tyrus
unter großem Jubel zur Königin
von Jerusalem gekrönt
und empfing dort die Huldigung der Barone ihres Königreiches.
Geleitet
von dem Erzbischof von Tyrus, ihrem Vetter Balian von Sidon und den
sizilianischen
Edlen, die FRIEDRICH gesandt hatte,
um sie zu ihm zu führen, trat Isabella
die
Reise an, die für die junge Erbin eines Königreichs, das kaum
mehr als ein Name war, eine glänzende Zukunft als Kaiserin zu
versprechen.
Jedoch nicht nur Bischöfe und ernste
Staatsmänner
gaben Isabella das Geleit; unter ihren
Hofdamen befand sich eine um etliche Jahre ältere Kusine. Sie war,
einigen Berichten zufolge, die Tochter Walters von Brienne aus der
Ehe mit Alberia, der Erbin Tankreds,
des illegitimen Kron-Prätendenten der HAUTEVILLES,
den die Barone zur Zeit HEINRICHS VI. gewählt
hatten. So war das Mädchen zugleich eine entfernte Kusine FRIEDRICHS;
aber der bloße Name HOHENSTAUFEN
muß trotz aller Blutsverwandtschaft in jedem Nachkommen Tankreds
die
Erinnerung an die rachsüchtige Grausamkeit wachgerufen haben, mit
der HEINRICH VI. die Familie behandelt
hat.
Nach den Sitten der Zeit lag nichts
Ungewöhnliches
darin, dass ein 14-jähriges Mädchen einen Mann heiratet, der
doppelt so alt war wie sie und den sie noch nie gesehen hatte; trotzdem
scheint Isabella an ihre bevorstehende
Hochzeit nicht mit ungetrübter Freude gedacht zu haben; auch die
Gesellschaft
einer Kusine, deren Familie so schwer unter den Grausamkeiten der HOHENSTAUFEN
gelitten hatte, kann sie kaum zuversichtlicher gestimmt haben. Die
Chronisten
berichten, Isabella habe mit ihren
Hofdamen während der Reise einen kurzen Besuch bei ihrer Tante,
der
Königin
Alice von Zypern, gemacht; als sie sich trennten, hätten
alle bitterlich geweint, wobei Isabella
schluchzend dem süßen Leben Syriens, das sie nie wieder
sehen
sollte, ein trauriges Lebewohl sagte.
In Brindisi wurde die Hochzeit am 9. November in
der
Kathedrale mit großem Pomp vollzogen. Von diesem Augenblick an
gab
es Mißhelligkeiten. Nach den Berichten scheint FRIEDRICH
am Tage nach der Trauung Brindisi plötzlich verlassen zu haben,
ohne
seinem Schwieger-Vater seine Absichten mitzuteilen. Als der
entrüstete
Johann von Brienne seinen neuen Schwieger-Sohn einholte, stellte
er fest, dass FRIEDRICH sofort den
Titel des Königs von Jerusalem angenommen hatte, den BRIENNE
selbst mindestens bis zur Volljährigkeit seiner Tochter weiter zu
führen hoffte, und dass die Braut in Tränen aufgelöst
war,
weil ihr Gemahl, von leidenschaftlicher Neigung zu ihrer Kusine
erfaßt,
sie kaum beachtet hatte. Manche Chronisten behaupten sogar, FRIEDRICH
habe das Mädchen entführen lassen, sie vergewaltigt und sei
in
der Hochzeitsnacht überhaupt nicht im Brautgemach erschienen.
Diese Erzählung mag übertrieben sein,
aber
die Berichte von
FRIEDRICHS leidenschaftlicher
Liebe zu Isabellas Kusine entstammen
glaubwürdigen zeitgenössischen Quellen; außerdem ist
bekannt,
dass ihr Bruder, Walther IV.
von Brienne, während seines ganzes
Lebens einen tiefen Haß gegen den Kaiser gehegt hat. Es klingt
nicht
unwahrscheinlich, dass ein Mann von FRIEDRICHS
Charakter und Neigungen eine schöne Frau von 20 Jahren
einem
unerfahrenen 14-jährigen Kind vorzog. Wenn die Überlieferung
richtig ist, die diese plötzliche und überwältigende
Leidenschaft
FRIEDRICHS mit der "Blume von Syrien"
in Verbindung bringt, an die eines seiner bezauberndsten Liebesgedichte
gerichtet ist, so kann man die Echtheit seiner Gefühle kaum
anzweifeln.
Am 1. Mai 1228 starb Isabella,
erst 16 Jahre alt und nur dem Namen nach eine Kaiserin. Zu jung, um auf
ihren hochgeistigen Mann, der mehr als doppelt so alt war wie sie,
Einfluß
ausüben zu können, ist sie vielleicht die
bemitleidenswerteste
aller Gestalten gewesen, die ihn im Laufe des Lebens umgaben. Seit dem
stürmischen Anfang ihrer Ehe und dem heftigen Streit zwischen
ihrem
Mann und ihrem Vater scheint FRIEDRICH sie
nach orientalischer Sitte behandelt zu haben, wie er es auch mit ihrer
Nachfolgerin wieder tat. Zunächst wurde ihr das Schloß
Terracina
zur Verfügung gestellt, dann nahm FRIEDRICH
sie
mit nach Sizilien, wo sie offenbar eine Zeitlang im königlichen
Palast
in Palermo lebte. Während der Monate unmittelbar vor dem
mißglückten
Kreuzzug des Jahres 1227 war sie bei ihm in Apulien; etwa um diese Zeit
muß KONRAD gezeugt worden sein.
Darauf ließ FRIEDRICH sie nach
Otranto bringen, das, viel weiter südlich gelegen, Isabella
Schutz
vor der Seuche gewährte, die die flüchtenden Kreuzfahrer auf
den Pilgerstraßen weitertrugen. Hierbei sprach FRIEDRICHS
Wunsch, die Mutter seines zukünftigen Erben in Sicherheit
zu wissen, vermutlich stärker mit als seine Zuneigung zu Isabella.
Als FRIEDRICHS Gemahlin mangelte es
ihr nicht an Luxus und Prunk; den Gedanken aber, dass sich ein junges
Mädchen,
an die Gesellschaft von Verwandten und Freunden und das heitere Leben
Syriens
gewöhnt, in der Zurückgezogenheit, die der eines Harems fast
gleichkam, nicht wohlfühlen konnte, hat
FRIEDRICH
nie
erwogen, oder ihn als belanglos beiseite geschoben.