FRIEDRICHS
Verbindung
mit der jungen Syrerin
gab
später reichlich Anlaß zu Legenden.
Die wenigen überlieferten Fakten wirken eher ernüchternd. Sie
zeigen, wie Isabella
zum Spielball
der verschiedenen politischen Interessen wurde. Ihr Vater, König
Johann, versprach sich die Rückeroberung Jerusalems. Der
Kaiser dachte, die Krone Jerusalems und das Erbe des syrischen
Königreichs
für sich selbst zu gewinnen. Papst
Honorius gab bereitwillig
den Ehedispens,
damit der Kaiser sein Kreuzzugsversprechen bald einlöse.
Im August 1225 liefen 14 wimpelgeschmückte
Galeeren
in den Hafen von Akkon ein, die die kaiserliche Braut nach Apulien
holen
sollten. FRIEDRICH hatte unter der
Führung seines Admirals Heinrich von Malta ein
fürstliches Aufgebot
geschickt. Nur dass der Kaiser in Apulien blieb, während in der
Heiligkreuz-Kirche
von Akkon die feierliche "Ferntrauung" stattfand, berichten die
Chronisten
mit großer Verwunderung. Ein sizilianischer Bischof steckte der
Braut
stellvertretend den Ring des Kaisers an den Finger. In Tyrus wurde die
erst 14-jährige
Isabella zur
Königin Jerusalems gekrönt und
empfing die Huldigung der
syrischen Edlen. Als die Schiffe mit der Neuvermählten in Zypern
Station
machten, besuchte Isabella ihre Tante,
die Königin
Alice von Zypern.
Beim Abschied kam es zu einer ergreifenden Szene. In ihrem hilflosen
Kummer
brach das Mädchen in Tränen aus.
Die einzigen, von Isabella
überlieferten Worte beziehen sich auf diese Szene, als sie, noch
einmal
ihrer Heimat gedenkend, ausgerufen haben soll: "Ich empfehle dich Gott,
mein geliebtes Syrien, das ich niemals wiedersehen werde!"
Für die junge Isabella
gab es schon bald noch andere Gründe, ihr Schicksal zu beklagen. FRIEDRICH
und
Johann
von Brienne erwarteten Isabella
in Brindisi, wo im November mit gebührendem Aufwand
Hochzeitsfeierlichkeiten
stattfanden. Noch während der Festlichkeiten kam es zum
Zerwürfnis
zwischen dem Kaiser und Johann von Brienne.
FRIEDRICH
beanspruchte
ohne Aufschub den Königstitel für sich. Von seinem
Schwieger-Vater
forderte er den Verzicht auf alle königlichen Rechte.
Außerdem
verlangte er die Herausgabe von 50.000 Silbermark, die der verstorbene
König von Frankreich zur Unterstützung des heiligen Landes
dem
Titular-König
Johann überlassen hatte.
Etwas anderes betraf Isabella
persönlich.
Angeblich soll FRIEDRICH seine noch
kindliche und schüchterne Braut brüskiert haben, indem er
nicht
sie, sondern ihre etwas ältere
Kusine Anais begehrte,
die im
Gefolge Isabellas nach Brindisi gekommen
war. Die Behauptung, FRIEDRICH habe
die Hochzeitsnacht nicht mit seiner Braut, sondern mit Anais
verbracht,
mag übertrieben sein. Doch erscheint es glaubwürdig, dass der
in Liebesangelegenheiten freisinnige Mann seine Leidenschaft der
reiferen
und schönen Syrerin Anais zuwandte. Nach der
Überlieferung
schrieb FRIEDRICH der geliebten Anais,
seiner "Blume Syriens", als Abschiedslied eine seiner Kanzonen.
Seiner jungen Gemahlin wies FRIEDRICH
als Wohnsitz das Schloß Terracina bei Salerno zu. Dort lebte sie
einsam und abgeschieden, nach sizilianisch-orientalischem Brauch von
Eunuchen
bewacht. Eine Herrin im goldenen Käfig, eine Kaiserin ohne Krone,
eine Ehegattin ohne Gemahl. Nur zweimal öffnete sich der goldene
Käfig,
der gewiß außer der Freiheit der jungen Syrerin alle Annehmlichkeiten
bot. Einmal besuchte sie an der Seite FRIEDRICHS
die Insel Sizilien und wohnte im Königsschloß von
Palermo. Im Sommer 1227, vor der ersten mißglückten Ausfahrt
der kaiserlichen Kreuzflotte, war Isabella
in Apulien in der Nähe
FRIEDRICHS.
Als in der Augusthitze in der Gegend von Brindisi die wartenden
Kreuzfahrer
scharenweise an der sich schnell ausbreitenden Ruhr erkrankten und
flüchtenden
Kreuzfahrer die Seuche ins Land schleppten, ließ FRIEDRICH
seine schwangere Gemahlin nach Otranto bringen. Zweieinhalb Jahre nach
der Eheschließung in Brindisi starb Isabella,
16 Jahre alt, bei der Geburt des Sohnes Konrad
am 6. Mai 1228. Der Kaiser ließ ihren Leichnam in der Kathedrale
des apulischen Andria beisetzen, nicht in Palermo, wo die erste
kaiserliche
Gemahlin Konstanze ihr Grab fand.