Irene,
später
griechische
Maria genannt,
trat schon
als Kind in den Blickpunkt der STAUFER.
Als Kaiser
FRIEDRICH I. BARBAROSSA während
seines Kreuzzuges nach Konstantinopel kam, waren die Feindseligkeiten
zwischen
ihm und dem Kaiser von Konstantinopel vorangegangen. Dieser, Isaak
II. Angelos, war 1185 durch blutige Thronwirren zur Herrschaft
gelangt. Er ist der Vater
Irenes, ein
hochfahrender, wankelmütiger, von Wahrsagern beherrschter Mann.
Irene
hatte als Kind die Greuel miterleben müssen, durch welche ihr
Vater
gegen Andronikos zur Macht gelangt
war. Schon in den Verhandlungen FRIEDRICH
BARBAROSSAS
mit dem byzantinischen Kaiser wurde Irene
zu
einem Objekt der Politik. Ob sie schon damals für BARBAROSSAS
Sohn
PHILIPP
ausersehen
wurde, wie vielfach vermutet wird, ist zweifelhaft, denn PHILIPP
war
eben erst zum Bischof von Würzburg gewählt worden. Immerhin
mag
die Verlobung Irenes
mit einem der
Söhne BARBAROSSAS
erwogen worden
sein, denn Isaak Angelos suchte Hilfe
gegen die sein Reich bedrängenden Normannen.
Nach dem Tod BARBAROSSAS
versuchte Isaak Angelos, die Normannen
durch verwandtschaftliche Bindung für sich zu gewinnen.
Irene wurde trotz ihrer Jugend dem ältesten Sohn Tankreds
von Sizilien, Roger III. verlobt. Sie kam 1193 nach Palermo.
Roger
starb im folgenden Jahr, kurz vor seinem Vater.
Nur zwei Jahre lebte Irene
in
Sizilien, in dem prächtigen Normannen-Schloß. Dann
gehörte
sie neben anderen unterworfenen Adligen des Reiches zur Beute HEINRICHS
VI., die auf schwäbische Burgen in Gewahrsam gebracht
wurden.
Sie wurde von Kaiser
HEINRICH
VI. zur
Gemahlin seines Bruders PHILIPP bestimmt
und zwar aus politischen Beweggründen. Er hoffte durch die Heirat
seines Bruders mit Irene der
Erfüllung
eines lange gehegten Planes nahezukommen. Durch die Wirren in Byzanz
hatte
Irene
Anspruch
auf den Thron. Durch ihre Vermählung mit PHILIPP
wurde die Möglichkeit greifbar, das Byzantinische Reich
mit dem der
STAUFER
zu vereinen. Der
frühzeitige Tod HEINRICHS VI.
machte solchen Plänen ein Ende.
Was mochte Irene
bewegt haben, als sie von HEINRICH VI. als
Gefangene aus Palermo weggeführt wurde? Hatte sie doch die
STAUFER
in
HEINRICH VI. in ihrer
Unerbittlichkeit und Härte kennengelernt. Aber
PHILIPP
war ein ungleicher Bruder
HEINRICHS.
"Scharf abgegrenzt waren die reichen und zwiespältigen Anlagen der
STAUFERverteilt
unter die beiden Brüder. Wie HEINRICH
ihre
Härte und Gewalttätigkeit verkörpert, so
PHILIPP
alle Anmut, Grazie, Milde, die sich im Gegensatz zu den anderen
STAUFERN bei
ihm mit einer wirklichen Frommheit zusammenfand." (Ernst Kantorowicz)
PHILIPP, um 1180
geboren, war als jüngster der fünf Söhne FRIEDRICH
BARBAROSSAS zum geistlichen Stand bestimmt worden. Sein Erzieher
war ein Kölner Scholastiker. Vor seinem Aufbruch zum Kreuzzug
bedachte
Kaiser
FRIEDRICH BARBAROSSA PHILIPP mit der geringen Pfründe eines
Dompropstes von Aachen. 1191 wurde er zum Bischof von Würzburg
gewählt.
Sein Leben und Trachten waren auf andere als politische Dinge
gerichtet;
es wurde gemutmaßt, der Kaiser habe an eine künftige Wahl PHILIPPS zum
Papst gedacht. Kaiser
HEINRICH
VI. aber
lenkte den Lebensweg seines Bruders in eine andere Richtung, zumal die
anderen drei Brüder gestorben oder sonst ums Leben gekommen waren.
HEINRICH
belehnte
PHILIPP mit dem
Herzogtum Schwaben, mit Tuszien, Spoleto und den Mathildischen Gütern
in Ober- und Mittelitalien.
Schon in Bari als Gefangene Kaiser
HEINRICHS VI. erfuhr Irene,
dass ihr Vater durch seinen Bruder Alexios III.
gestürzt und mit seinem Sohn, also dem Bruder
Irenes, eingekerkert worden war.
Irene war, nicht
zuletzt durch die harten Schicksalsschläge seit ihrer Kindheit,
eine
stille und in sich gekehrte, fromme und gütige Frau,
die schon bald in PHILIPP einen
Gleichgesinnten
lieben lernte. PHILIPP war, wie alle
STAUFER außer Konradin,
mittelgroß, zart gebaut, blond und schön, geistigen und
geistlichen
Dingen und der Dichtung zugetan, die zu seiner Zeit in Deutschland eine
Blüte erreichte.
Pfingsten 1197 wurde in Gunzenlech bei Augsburg
die
Hochzeit
gefeiert. Nach ritterlichen Festlichkeiten und einem kurzen Aufenthalt
in der Burg Schweinhausen bei Biberach mußte PHILIPP
Irene verlassen und nach Italien aufbrechen, um seinen
dreijährigen,
zum König gewählten Neffen FRIEDRICH
aus
Foligno zur Krönung nach Deutschland abzuholen. In der 2.
Septemberhälfte
zog PHILIPP mit 300 schwäbischen
Rittern durchs Etschtal nach Italien, kam aber nur bis Montefiascone.
Dort
erreichte ihn die Nachricht vom plötzlichen Tod seines Bruders.
Wegen
der in Italien ausgebrochenen Unruhen mußte
PHILIPP
allein nach Deutschland zurückkehren.
Schon damals wurde Irene,
nachdem sie, wohl bei der Krönung PHILIPPS,
vom griechisch-orthodoxen zum katholischen Glauben übergetreten
war,
die griechische Maria
genannt. Auch ihre
Grabschrift in Lorch nennt
sie so. Einen anderen festlichen Höhepunkt in ihrem Leben bildete
die nochmalige Krönung PHILIPPS und
damit auch ihre Krönung
am 6. Januar 1205 im Dom zu Aachen.
Das Glück konnte Irene
wohl
an einigen Höhepunkten ihres Lebens streifen, aber treu blieb es
ihr
nicht. Nicht nur die fortdauernden Kämpfe PHILIPPS
mit
OTTO
trübten trübten es, sondern auch die Verhältnisse in
ihrer
Heimat.
So hatte Irene den
Untergang zweier Reiche und Geschlechter überleben müssen;
das
der Normannen in Sizilien und das ihres Vaters in Byzanz. Doch der
bitterste
Schmerz stand ihr noch bevor. Am 21. Juni 1208 wurde
PHILIPP
in
Bamberg vom Pfalzgrafen Otto
von Wittelsbach ermordet.
Irene
verließ die Stätte des grausamen Geschehens und zog sich,
begleitet
vom Grafen Ludwig von
Württemberg,
auf die Burg Hohenstaufen
zurück.
Das letzte Stück ihres Lebenswegs war nur
noch
kurz.
Die Frühgeburt, der sie am 27. August 1208, zwei Monate nach
der Ermordung ihres Gatten, erlag, mag eine Folge der
Erschütterung
durch den Mord gewesen sein. Auch dieses Kind, an welchem sie starb,
war
ein Mädchen. Es trug vermutlich den Namen Regina.
Wenige Tage vor ihrem Tod vermachte sie in einem
Testament
einen Hof in Obereßlingen dem Kloster Adelberg. Die Zeit hat die
Spuren des irdischen Lebenswegs Irenes nicht
ausgelöscht, aber ihr Grab in der Lorcher Klosterkirche hat sich
nicht
erhalten. Eine der Malereien an den Pfeilern aus dem 16. Jahrhundert
zeigt
Irene
mit
PHILIPP
im
Gebiet vereint; sie halten eine dreiteilige Tafel mit dem gekreuzigten
Heiland, dem Opfer Isaaks und der erhöhten Schlange Mosis;
darüber
schwebte Maria mit dem Kinde.
Irene ist die
letzte
aus dem staufischen Geschlecht, die
in Lorch bestattet wurde; als einzige Königin
fand sie hier ihr
Grab.
Des unglücklichen Lebens müde, krank
und
gebrochen,
mag die noch junge Königin
dennoch schweren Herzens geschieden
sein,
denn alle ihre Töchter waren noch Kinder. Von Söhnen, die
zuweilen
genannt werden (Rambold und Friedrich),
ist nichts Näheres bekannt.