Es mag Zufall sein, dass zwanzig Jahre
später PHILIPPS
Witwe
Irene
eine Stiftung zum Seelenheil ihres Gatten in Adelberg errichtet hat.
Auf der Suche nach Verbündeten hatte König
Tankred sich an den früheren Rivalen der
Normannen-Könige,
den Kaiser in Konstantinopel, gewendet. Eine Ehe zwischen seinem
älteren
Sohn und Mit-Regenten Roger und der
Kaiser-Tochter Irene sollte das
Bündnis
festigen. Irene, die Tochter Isaaks
und
seiner Frau Irene Komnenos, war zum
Zeitpunkt dieser Eheverbindung zwölf bis dreizehn Jahre alt. Sie
kam
im Mai des Jahres 1193 nach Italien. In Brindisi wurde sie von
Tankred und Roger feierlich
empfangen. Die italienischen Quellen berichten übereinstimmend,
dass
auch sogleich die Ehe geschlossen wurde. Dahingegen erwähnen
deutsche
Quellen lediglich eine Verlobung. Diese Diskrepanz ist wahrscheinlich
mit
dem jugendlichen Alter der Ehepartner zu erklären, das vermutlich
einen Vollzug der Ehe vorerst nicht zuließ. Die großen
Hoffnungen,
die der König in das junge Paar setzte, sollten sich freilich
nicht
erfüllen.
Kurz vor Jahresende, möglicherweise am 23.
Dezember,
verschied König
Roger. Irene
blieb im Palast von Palermo im Kreis der Familie
König
Tankreds zurück.
Unter den Gefangenen war auch die junge Witwe
Irene, der ihr Aufenthalt in Italien nur wenig Erfreuliches
gebracht hatte. Der Kaiser sah in ihr ein Unterpfand für eine
künftige
Politik gegenüber Konstantinopel. Er verlobte sie mit seinem
Bruder
PHILIPP
und nahm Verhandlungen mit ihrem Vater auf. Isaak
befand sich nach wie vor in einer prekären Lage.
Gestützt auf die Verbindung zwischen
PHILIPP und Irene trat der
Kaiser nun als Beschützer des Gestürzten und seiner Familie
auf,
ja er erhob selbst Thronansprüche. Angeblich wäre Isaak
sogar bereit gewesen, PHILIPP zu
adoptieren
und zum Erben des Reiches zu machen [Otto von St. Blasien, 131. Das
erscheint
jedoch wenig wahrscheinlich, hatte doch Isaak
einen Sohn.].
Der Kaiser kehrte nun nach Norden zurück,
für
einige Zeit von seinem Bruder begleitet, der aber in Italien
zurückblieb.
Über den Aufenthaltsort von Irene
in diesen Tagen schweigen unsere Quellen, doch wird sie wahrscheinlich
die meiste Zeit von ihrem Verlobten getrennt gewesen sein und jenes
Schicksal
durchlebt haben, das vielen Mädchen und Frauen des Adels
widerfahren
ist. War sie in Palermo zunächst an einen Hof gekommen, an dem
auch
Griechisch gesprochen wurde, so fand sie sich nun wahrscheinlich in
einer
Umgebung wieder, in der auch das Romanische Fremdsprache war, wie Jahre
zuvor bereits ihre Schwägerin Konstanze schmerzlich
hatte feststellen müssen. Ein späterer Hinweis könnte
darauf
hindeuten, dass sie zunächst in Italien geblieben ist.
Dieses Gebiet war einst WELFEN-Land
gewesen und erst durch FRIEDRICH BARBAROSSA erworben
worden, wie andere Besitzungen. Dazu gehörte auch Schweinhausen
südlich
von Biberach an der Riss gelegen, das über die Straße von
Ulm
am Bodensee wachte. Diese Burg wählte der Herzog als Sitz für
Irene, die, wie Burchard
von Ursberg berichtet, aus Italien
nach Deutschland gekommen war [Burchard von Ursberg, 74].
Zu Pfingsten des Jahres 1197, das Fest fiel auf
den 25.
Mai, berief Herzog
Philipp
einen schwäbischen
Landtag auf dem Lechfeld ein. Der Tag Herzog
Philipps
sollte,
dem gleich, ein besonderes Fest, eine hoghgezit, werden. Philipp
wollte nun in festlicher Weise mit der Schwertleite in die Ritterschaft
eintreten und seine Hochzeit mit Irene
feiern, die nunmehr etwa siebzehn Jahre alt war. Als Ritter feierte Philipp
nun
Hochzeit mit der byzantinischen
Prinzessin, die Walther
von der
Vogelweide später "Rose ohne Dorn, Taube ohne
Galle"
nennen sollte. Die Jungvermählten scheinen sich in der Folge in
Schwaben
aufgehalten zu haben. Philipp urkundet
auf der Burg Schweinhausen im Juli für Kloster Salem, zu dessen
Abt Eberhard ein
Vertrauensverhältnis bestand, eine Schenkung an das
Kloster Weißenau tätigte er una cum nobilissima consorte
Erina,
gemeinsam mit seiner allervornehmsten Gemahlin [BF 12 (Wirt. UB, Band
s,
320].
Natürlich bedeutete das nicht, dass
zwischen
adeligen
Ehepartnern keine Zuneigung bestehen konnte - FRIEDRICH
BARBAROSSA und Beatrix,
PHILIPP
VON SCHWABEN und Irene sind
dafür Beispiele, auch OTTO IV.
hat seiner ersten Frau Beatrix, die
jung verstarb, sehr liebevoll gedacht.
"Nicht ohne Gefahr und Mühe" war der
STAUFER nach seinen eigenen Worten aus Italien nach Deutschland
zurückgekehrt und dort über Augsburg im, Spätherbst am
Rhein
angekommen. Wahrscheinlich hatte er zuallererst die Herzogin
Irene in Schweinhausen aufgesucht, doch die allgemeine Lage
erforderte es, die zentrale Reichslandschaft zu sichern.
Es war dennoch ein großes und
würdiges Fest.
Irene
ging an der Seite ihres Gatten. Ihre byzantinische,
kaiserliche Herkunft
trug nicht unwesentlich dazu bei, das Ansehen PHILIPPS
zu erhöhen, und so trug sie noch vor der Krönung einen
königlichen
Reif.
Dennoch wurde das Weihnachtsfest des Jahres 1199
ein
Höhepunkt des Jahres für König
PHILIPP. Es wurde mit großem Prunk in Magdeburg begangen.
Ein Festzug bildete den Höhepunkt: Herzog Bernhard von Sachsen trug
dem König das Schwert voran. Auch die Königin, bereits Mutter
einer Tochter [51 Die
älteste Tochter des Königs-Paares,
Beatrix,
war wohl im Frühjahr 1198 zur Welt gekommen.], ging unter der
Krone
und war prächtig gekleidet; begleitet wurde sie von Agnes, der Äbtissin
von Quedlinburg, und von
Judith, der Frau Herzog
Bernhards.
Im Anschluss an diese Wahlhandlung wurden PHILIPP
und Irene/Maria vom Kölner
Erzbischof
- nunmehr am rechten Ort - gesalbt und geweiht.
Im Reich brach das Chaos aus. Mit dem Tod des
Königs
war der Reichsfriede dahin. Im Stich gelassen war vor allem die
Königin
mit ihren Töchtern. Irene/Maria
war schwanger, cum esset pregnans, und hatte sich
wahrscheinlich
in Schwaben aufgehalten, als die Schreckensnachricht ereilte. So
glücklich
ihre Ehe auch gewesen zu sein scheint, sie war eine Fremde im Land, der
sich kaum Hilfe bot. So brachte sie sich mit ihren Kindern vorerst auf
dem Hohenstaufen in Sicherheit [Ann. Marbacen., 79]. Nach dem
jahrelangen
Bürgerkrieg mochte es der Königin
undenkbar erscheinen, dass
dem WELFEN
nunmehr das Königtum
kampflos in den Schoß fiel. Daher schien nun der
französische
König ein Bündnispartner zu sein, der von sich aus bei Innozenz
vorstellig wurde, dieser möge OTTO
nicht weiter unterstützen. Philipp August
schlug Herzog Heinrich von
Brabant
als Prätendenten vor, dessen Sohn mit einer Tochter des Königs
Maria
verlobt war. Diese ging darauf
ein.
Für die Königin
waren die Aufregungen zu viel.
Sie hatte noch vom Hohenstaufen aus der Kirche im nahen Adelberg einen
Hof für das Seelenheil ihres geliebten Gatten, dillectus
dominus
et maritus noster, vermacht, den Gottes dunkler Ratschluss
abberufen
hatte. PHILIPP, der sich offenbar
abgefunden
hatte, ohne Söhne zu bleiben, hatte sie schon früher zu
seiner
Erbin
eingesetzt. Sie erlitt eine Fehlgeburt, man wollte von einer
Zwillingsgeburt
wissen, und verstarb im Wochenbett am 27. August. Im
Benediktiner-Kloster
Lorch wurde sie zur letzten Ruhe gebettet. Ihre Kleider und ihren
Schmuck
hatte sie dem Dom von Speyer geschenkt und dort auch Gedenktage
für
ihre Lieben - für ihre Eltern Isaak
und
Irene
sowie ihre Geschwister
Manuel
und Efrosina
- gestiftet.
Gleich ihrem Gatten hatte Irene/Maria
bezaubert. Ihre Jugend und nicht zuletzt das Flair einer byzantinischen
Kaiser-Tochter haben sicherlich dazu beigetragen. Dabei waren
die Voraussetzungen
für diese Ehe so schwierig, wie auch die Verständigung
zwischen
den Ehegatten. Wohl nicht zu Unrecht betonen die Marbacher Annalen, der
Schmerz Irenes über PHILIPPS
Tod wäre besonders stark gewesen, da sie eine Fremde war und im
König
ihren Trost gefunden hatte.