Csendes Peter: Seite 22,27-30,35-37,45,61,82,96,154,193,201
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"Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht."

Es mag Zufall sein, dass zwanzig Jahre später PHILIPPS Witwe Irene eine Stiftung zum Seelenheil ihres Gatten in Adelberg errichtet hat.
Auf der Suche nach Verbündeten hatte König Tankred sich an den früheren Rivalen der Normannen-Könige, den Kaiser in Konstantinopel, gewendet. Eine Ehe zwischen seinem älteren Sohn und Mit-Regenten Roger und der Kaiser-Tochter Irene sollte das Bündnis festigen. Irene, die Tochter Isaaks und seiner Frau Irene Komnenos, war zum Zeitpunkt dieser Eheverbindung zwölf bis dreizehn Jahre alt. Sie kam im Mai des Jahres 1193 nach Italien. In Brindisi wurde sie von Tankred und Roger feierlich empfangen. Die italienischen Quellen berichten übereinstimmend, dass auch sogleich die Ehe geschlossen wurde. Dahingegen erwähnen deutsche Quellen lediglich eine Verlobung. Diese Diskrepanz ist wahrscheinlich mit dem jugendlichen Alter der Ehepartner zu erklären, das vermutlich einen Vollzug der Ehe vorerst nicht zuließ. Die großen Hoffnungen, die der König in das junge Paar setzte, sollten sich freilich nicht erfüllen.
Kurz vor Jahresende, möglicherweise am 23. Dezember, verschied König Roger. Irene blieb im Palast von Palermo im Kreis der Familie König Tankreds zurück.
Unter den Gefangenen war auch die junge Witwe Irene, der ihr Aufenthalt in Italien nur wenig Erfreuliches gebracht hatte. Der Kaiser sah in ihr ein Unterpfand für eine künftige Politik gegenüber Konstantinopel. Er verlobte sie mit seinem Bruder PHILIPP und nahm Verhandlungen mit ihrem Vater auf. Isaak befand sich nach wie vor in einer prekären Lage.
Gestützt auf die Verbindung zwischen PHILIPP und Irene trat der Kaiser nun als Beschützer des Gestürzten und seiner Familie auf, ja er erhob selbst Thronansprüche. Angeblich wäre Isaak sogar bereit gewesen, PHILIPP zu adoptieren und zum Erben des Reiches zu machen [Otto von St. Blasien, 131. Das erscheint jedoch wenig wahrscheinlich, hatte doch Isaak einen Sohn.].
Der Kaiser kehrte nun nach Norden zurück, für einige Zeit von seinem Bruder begleitet, der aber in Italien zurückblieb. Über den Aufenthaltsort von Irene in diesen Tagen schweigen unsere Quellen, doch wird sie wahrscheinlich die meiste Zeit von ihrem Verlobten getrennt gewesen sein und jenes Schicksal durchlebt haben, das vielen Mädchen und Frauen des Adels widerfahren ist. War sie in Palermo zunächst an einen Hof gekommen, an dem auch Griechisch gesprochen wurde, so fand sie sich nun wahrscheinlich in einer Umgebung wieder, in der auch das Romanische Fremdsprache war, wie Jahre zuvor bereits ihre Schwägerin Konstanze schmerzlich hatte feststellen müssen. Ein späterer Hinweis könnte darauf hindeuten, dass sie zunächst in Italien geblieben ist.
Dieses Gebiet war einst WELFEN-Land gewesen und erst durch FRIEDRICH BARBAROSSA erworben worden, wie andere Besitzungen. Dazu gehörte auch Schweinhausen südlich von Biberach an der Riss gelegen, das über die Straße von Ulm am Bodensee wachte. Diese Burg wählte der Herzog als Sitz für Irene, die, wie Burchard von Ursberg berichtet, aus Italien nach Deutschland gekommen war [Burchard von Ursberg, 74].
Zu Pfingsten des Jahres 1197, das Fest fiel auf den 25. Mai, berief Herzog Philipp einen schwäbischen Landtag auf dem Lechfeld ein. Der Tag Herzog Philipps sollte, dem gleich, ein besonderes Fest, eine hoghgezit, werden. Philipp wollte nun in festlicher Weise mit der Schwertleite in die Ritterschaft eintreten und seine Hochzeit mit Irene feiern, die nunmehr etwa siebzehn Jahre alt war. Als Ritter feierte Philipp nun Hochzeit mit der byzantinischen Prinzessin, die Walther von der Vogelweide später "Rose ohne Dorn, Taube ohne Galle" nennen sollte. Die Jungvermählten scheinen sich in der Folge in Schwaben aufgehalten zu haben. Philipp urkundet auf der Burg Schweinhausen im Juli für Kloster Salem, zu dessen Abt Eberhard ein Vertrauensverhältnis bestand, eine Schenkung an das Kloster Weißenau tätigte er una cum nobilissima consorte Erina, gemeinsam mit seiner allervornehmsten Gemahlin [BF 12 (Wirt. UB, Band s, 320].
Natürlich bedeutete das nicht, dass zwischen adeligen Ehepartnern keine Zuneigung bestehen konnte - FRIEDRICH BARBAROSSA und Beatrix, PHILIPP VON SCHWABEN und Irene sind dafür Beispiele, auch OTTO IV. hat seiner ersten Frau Beatrix, die jung verstarb, sehr liebevoll gedacht.
"Nicht ohne Gefahr und Mühe" war der STAUFER nach seinen eigenen Worten aus Italien nach Deutschland zurückgekehrt und dort über Augsburg im, Spätherbst am Rhein angekommen. Wahrscheinlich hatte er zuallererst die Herzogin Irene in Schweinhausen aufgesucht, doch die allgemeine Lage erforderte es, die zentrale Reichslandschaft zu sichern.
Es war dennoch ein großes und würdiges Fest. Irene ging an der Seite ihres Gatten. Ihre byzantinische, kaiserliche Herkunft trug nicht unwesentlich dazu bei, das Ansehen PHILIPPS zu erhöhen, und so trug sie noch vor der Krönung einen königlichen Reif.
Dennoch wurde das Weihnachtsfest des Jahres 1199 ein Höhepunkt des Jahres für König PHILIPP. Es wurde mit großem Prunk in Magdeburg begangen. Ein Festzug bildete den Höhepunkt: Herzog Bernhard von Sachsen trug dem König das Schwert voran. Auch die Königin, bereits Mutter einer Tochter [51 Die älteste Tochter des Königs-Paares, Beatrix, war wohl im Frühjahr 1198 zur Welt gekommen.], ging unter der Krone und war prächtig gekleidet; begleitet wurde sie von Agnes, der Äbtissin von Quedlinburg, und von Judith, der Frau Herzog Bernhards.
Im Anschluss an diese Wahlhandlung wurden PHILIPP und Irene/Maria vom Kölner Erzbischof - nunmehr am rechten Ort - gesalbt und geweiht.
Im Reich brach das Chaos aus. Mit dem Tod des Königs war der Reichsfriede dahin. Im Stich gelassen war vor allem die Königin mit ihren Töchtern. Irene/Maria war schwanger, cum esset pregnans, und hatte sich wahrscheinlich in Schwaben aufgehalten, als die Schreckensnachricht ereilte. So glücklich ihre Ehe auch gewesen zu sein scheint, sie war eine Fremde im Land, der sich kaum Hilfe bot. So brachte sie sich mit ihren Kindern vorerst auf dem Hohenstaufen in Sicherheit [Ann. Marbacen., 79]. Nach dem jahrelangen Bürgerkrieg mochte es der Königin undenkbar erscheinen, dass dem WELFEN nunmehr das Königtum kampflos in den Schoß fiel. Daher schien nun der französische König ein Bündnispartner zu sein, der von sich aus bei Innozenz vorstellig wurde, dieser möge OTTO nicht weiter unterstützen. Philipp August schlug Herzog Heinrich von Brabant als Prätendenten vor, dessen Sohn mit einer Tochter des Königs Maria verlobt war. Diese ging darauf ein.
Für die Königin waren die Aufregungen zu viel. Sie hatte noch vom Hohenstaufen aus der Kirche im nahen Adelberg einen Hof für das Seelenheil ihres geliebten Gatten, dillectus dominus et maritus noster, vermacht, den Gottes dunkler Ratschluss abberufen hatte. PHILIPP, der sich offenbar abgefunden hatte, ohne Söhne zu bleiben, hatte sie schon früher zu seiner Erbin eingesetzt. Sie erlitt eine Fehlgeburt, man wollte von einer Zwillingsgeburt wissen, und verstarb im Wochenbett am 27. August. Im Benediktiner-Kloster Lorch wurde sie zur letzten Ruhe gebettet. Ihre Kleider und ihren Schmuck hatte sie dem Dom von Speyer geschenkt und dort auch Gedenktage für ihre Lieben - für ihre Eltern Isaak und Irene sowie ihre Geschwister Manuel und Efrosina - gestiftet.
Gleich ihrem Gatten hatte Irene/Maria bezaubert. Ihre Jugend und nicht zuletzt das Flair einer byzantinischen Kaiser-Tochter haben sicherlich dazu beigetragen. Dabei waren die Voraussetzungen für diese Ehe so schwierig, wie auch die Verständigung zwischen den Ehegatten. Wohl nicht zu Unrecht betonen die Marbacher Annalen, der Schmerz Irenes über  PHILIPPS Tod wäre besonders stark gewesen, da sie eine Fremde war und im König ihren Trost gefunden hatte.