Der durchlauchtigste Fürst Phylipp sammelte auf's Neue ein Heer, überschritt die Mosel, belagerte Köln, nahm den Bischof Bruno gefangen und zwang so die Stadt und die ganze Provinz zur Unterwerfung. Darauf kam er nach Aachen, verweilte in Gegenwart vieler Fürsten zugleich mit der Königin am Sitze des Reiches und kehrte von da wohlbehalten nach Hause zurück; auch wurden zwischen ihm und dem Papste Friedensunterhandlungen gepflogen. Er war ihm nämlich in Allem, so viel er konnte, hinderlich wegen des alten Hasses gegen seinen Vater, Otto aber liebte er und stand ihm nach Kräften mit Rath und That getreulich bei. Man hatte nämlich die Uebereinkunft getroffen, daß Otto mit Dispens seine Tochter ehelichen und einige andere Auszeichnungen mit Erlaubniß des Königs erhalten sollte. Phylipp hatte nämlich die Tochter des Königs von Constantinopel zur Gemahlin, welche, dem Sohne Tancrads in Sicilien bestimmt, nach dessen frühzeitigem Tode bei seinem Vater im Palast zu Palermo geblieben war, und die Kaiser Heinrich dort fand und später seinem Bruder gab. Dieser vermählte sich nachmals feierlich mit ihr vor einer zahlreichen Fürstenversammlung in Schwaben und zeugte vier Töchter, welche sich mit der Zeit vermählten, nämlich mit Otto, dem nachmaligen Kaiser, mit dem König von Spanien, dem König von Böhmen und dem Herzog von Brabant. Sie gebaren Söhne und Töchter, wie dies später ausführlicher berichtet werden wird. Ausgenommen hiervon war die Gemahlin Otto's, welche eines frühzeitigen Todes starb, damit sie das Elend der Welt nicht sehen mußte. Vorher aber war sie dem Pfalzgrafen von Wittelsbach versprochen. Weil er aber sittenlos war und den Mord vieler Edlen auf sich hatte, wurde er auf erfolgte Anklage durch richterlichen Spruch in die Acht erklärt, und nachdem dies lange so gedauert, entschieden endlich die Fürsten, daß der König seine Tochter wieder behalten dürfe, weil er unwürdig schien, ein Verwandter der kaiserlichen Majestät zu werden. Dadurch beleidigt fing er an, insgeheim auf die Ermordung des Königs zu sinnen.
Das Jahr 1208.
Der fromme König
Phylipp,
im Begriff den Feldzug nach Sachsen anzutreten, damit der langwierige
Hader
daselbst, wie es mit dem römischen Stuhle ausgemacht war, ein Ende
nähme, war nach Bamberg gekommen und erwartete die Ansammlung
seiner
Streitkräfte. Nachdem er sich daselbst zur Ader gelassen, pflegte
er mit einigen Getreuen seines Reiches in den inneren Räumen des
Palastes
der Ruhe, als der vorgenannte Pfalzgraf, wie er denn schon längst
die böse That in seinem Herzen beschlossen hatte,
herbeikam, Einlaß begehrte und erhielt.
Hier zog er das Schwert, indem er sich stellte als spiele er gleich
einem
Possenreißer, verwundete aber bei sich ergebender Gelegenheit den
König in der
Gegend des Halses und ergriff sogleich die
Flucht. Und
in Folge dieser Verwundung verlor derselbe das Leben. Die Leiche wird
daselbst
beerdigt, später aber, nach Ablauf einiger Zeit wurden die Gebeine
von König
Friderich in die königliche
Gruft nach Speyer gebracht und feierlich daselbst bestattet. Der
Marschall
von Kalden aber
verfolgte jenen, tödtete ihn in einer Scheune nächst
der Donau und warf sein Haupt in's Wasser. Als man aber den Tod des
Königs
vernahm, wurde die ganze Provinz mit
den Getreuen des Reiches von Schmerz und Mitleid
bewegt,
daß ein so großer und frommer Fürst auf solche Weise
den
Tod gefunden. Viele Edle verließen in Anbetracht, daß die
Welt
unbeständig und Alles vergänglich und hinfällig sei,
dieses
Zeitliche und wählten, um Gott zu dienen, das Mönchsleben;
diese
haben, wie man sagt, mit Maria den besten Theil erwählt und werden
daher ewig mit Christus regieren. Als aber die Königin seinen
Tod erfuhr, erkannte sie, daß sie als Fremde mit ihm ihre einzige
Stütze verloren hätte; und da sie
schwanger
war, kam ein Leiden zum andern, weshalb man sie in Eile auf die Burg
Staufen brachte. Hier machte sie nach kurzer Zeit eine Frühgeburt,
endete das Leben zugleich mit ihrer Leibesfrucht und wurde nach dem
Kloster
Lorch gebracht und feierlich daselbst beerdigt.