Annalen von Marbach
******************
 Das Jahr 1201.

Der durchlauchtigste Fürst Phylipp sammelte auf's Neue ein Heer, überschritt die Mosel, belagerte Köln, nahm den Bischof Bruno gefangen und zwang so die Stadt und die ganze Provinz zur Unterwerfung. Darauf kam er nach Aachen, verweilte in Gegenwart vieler Fürsten zugleich mit der Königin am Sitze des Reiches und kehrte von da wohlbehalten nach Hause zurück; auch wurden zwischen ihm und dem Papste Friedensunterhandlungen gepflogen. Er war ihm nämlich in Allem, so viel er konnte, hinderlich wegen des alten Hasses gegen seinen Vater, Otto aber liebte er und stand ihm nach Kräften mit Rath und That getreulich bei. Man hatte nämlich die Uebereinkunft getroffen, daß Otto mit Dispens seine Tochter ehelichen und einige andere Auszeichnungen mit Erlaubniß des Königs erhalten sollte. Phylipp hatte nämlich die Tochter des Königs von Constantinopel zur Gemahlin, welche, dem Sohne Tancrads in Sicilien bestimmt, nach dessen frühzeitigem Tode bei seinem Vater im Palast zu Palermo geblieben war, und die Kaiser Heinrich dort fand und später seinem Bruder gab. Dieser vermählte sich nachmals feierlich mit ihr vor einer zahlreichen Fürstenversammlung in Schwaben und zeugte vier Töchter, welche sich mit der Zeit vermählten, nämlich mit Otto, dem nachmaligen Kaiser, mit dem König von Spanien, dem König von Böhmen und dem Herzog von Brabant. Sie gebaren Söhne und Töchter, wie dies später ausführlicher berichtet werden wird. Ausgenommen hiervon war die Gemahlin Otto's, welche eines frühzeitigen Todes starb, damit sie das Elend der Welt nicht sehen mußte. Vorher aber war sie dem Pfalzgrafen von Wittelsbach versprochen. Weil er aber sittenlos war und den Mord vieler Edlen auf sich hatte, wurde er auf erfolgte Anklage durch richterlichen Spruch in die Acht erklärt, und nachdem dies lange so gedauert, entschieden endlich die Fürsten, daß der König seine Tochter wieder behalten dürfe, weil er unwürdig schien, ein  Verwandter der kaiserlichen Majestät zu werden. Dadurch beleidigt fing er an, insgeheim auf die Ermordung des Königs zu sinnen.

 Das Jahr 1208.

Der fromme König Phylipp, im Begriff den Feldzug nach Sachsen anzutreten, damit der langwierige Hader daselbst, wie es mit dem römischen Stuhle ausgemacht war, ein Ende nähme, war nach Bamberg gekommen und erwartete die Ansammlung seiner Streitkräfte. Nachdem er sich daselbst zur Ader gelassen, pflegte er mit einigen Getreuen seines Reiches in den inneren Räumen des Palastes der Ruhe, als der vorgenannte Pfalzgraf, wie er denn schon längst die böse That in seinem Herzen beschlossen hatte, herbeikam, Einlaß begehrte und erhielt. Hier zog er das Schwert, indem er sich stellte als spiele er gleich einem Possenreißer, verwundete aber bei sich ergebender Gelegenheit den König in der
Gegend des Halses und ergriff sogleich die Flucht. Und in Folge dieser Verwundung verlor derselbe das Leben. Die Leiche wird daselbst beerdigt, später aber, nach Ablauf einiger Zeit wurden die Gebeine von König Friderich in die königliche Gruft nach Speyer gebracht und feierlich daselbst bestattet. Der Marschall von Kalden aber verfolgte jenen, tödtete ihn in einer Scheune nächst der Donau und warf sein Haupt in's Wasser. Als man aber den Tod des Königs vernahm, wurde die ganze Provinz mit den Getreuen des Reiches von Schmerz und Mitleid bewegt, daß ein so großer und frommer Fürst auf solche Weise den Tod gefunden. Viele Edle verließen in Anbetracht, daß die Welt unbeständig und Alles vergänglich und hinfällig sei, dieses Zeitliche und wählten, um Gott zu dienen, das Mönchsleben; diese haben, wie man sagt, mit Maria den besten Theil erwählt und werden daher ewig mit Christus regieren. Als aber die Königin seinen Tod erfuhr, erkannte sie, daß sie als Fremde mit ihm ihre einzige Stütze verloren hätte; und da sie schwanger war, kam ein Leiden zum andern, weshalb man sie in Eile auf die Burg Staufen brachte. Hier machte sie nach kurzer Zeit eine Frühgeburt, endete das Leben zugleich mit ihrer Leibesfrucht und wurde nach dem Kloster Lorch gebracht und feierlich daselbst beerdigt.