H. C. Faußner hat die These
vorgetragen und zu begründen
versucht, daß Königin
Richeza von Polen
keinesfalls eine Kaiser-Enkelin
OTTOS II.
war, sondern einer ersten Ehe des Pfalzgrafen
Erenfried/Ezzo
entstammte,
die vor dessen Verbindung mit der Kaiser-Tochter
Mathilde bestanden hätte. Er
meint nämlich, daß
Richezas
Mutter eine Tochter des Grafen
"Kuno von Öhningen"
und seiner
Frau Ita,
die ihrerseits bis 957 mit
OTTOS
I. Sohn
Liudolf vermählt
war, gewesen sei und sich anschließend mit dem Grafen Kuno verheiratet
habe.
Für Faußner ist dies
selbstverständlich:
Dadurch, daß Ita, die eigentliche
Erbin des KONRADINER-Besitzes in und
um Aschaffenburg, sich nach dem Tode ihres Gemahls Herzog
Liudolf wiederverheiratet habe, habe (6. September 957)
etwa "Ende 958" mit dem Grafen
Kuno (von Öhningen)
Kuno auch
- wie ehedem schon ihr erster Gemahl Liudolf
- an ihrem Besitz in Aschaffenburg "die übliche Mitgewere des
Ehemanns"
erlangt [Für die von Faußner behauptete Besitzung Itas
in Aschaffenburg gibt es nicht den geringsten
zeitgenössischen oder
aus dem Mittelalter stammenden Hinweis.], während den beiden
Kindern
Liudolfs und Itas,
Mathilde und Otto,
"nur das väterliche Erbe" zugestanden habe.
Aber hat sich - und das ist wohl der wichtigste
Punkt
- Ita, Herzog
Liudolfs Witwe, nach
dem Tode ihres Gemahls überhaupt noch
ein zweites Mal verheiratet: - und zwar mit Graf Kuno/Konrad? Daß
dies geschehen sei, sucht Faußner zu beweisen über die
Kombination
eines Diploms OTTOS DES GROSSEN, in
dem seine Schwieger-Tochter Ita 948
in besonders auszeichnender Weise als dilecta filia nostra
Ita
bezeichnet
wird, mit der folgenden Grundaussage der Genealogia Welforum:
Der WELFE
Ruodolfus
- so heißt es in jener - uxorem accepit de Oningen Itam
nomine, cuius pater fuit Chuono
nobilissimus comes, mater vero filia
OTTONIS
MAGNI imperatoris fuit...
Kuno von Öhningen,
später (ab 982) Herzog Konrad von Schwaben, sei damit
als Gemahl
einer Person, die als filia OTTOS DES
GROSSEN
bezeichnet werden konnte - was auf Ita
gemäß dem zitierten Diplom zutrifft -, erwiesen. Wenn
später
die Historia Welforum diese filia OTTOS I.,
die die Genealogia Welforum nicht mit Namen nannte, mit Richlint
(statt mit Ita)
wiedergebe, so sei das ein leicht erklärliches Versehen.
Der WELFEN-Historiograph
habe lediglich "Ita mit ihrer Mutter
Reginlind
(= Richlint), der alten Schwaben-Herzogin und Gemahlin Burchards I.
und Hermanns I.
verwechselt. Aus verschiedenen Unterlagen, (eventuell
aus solchen, aus denen wir ja auch noch heute das Faktum der Abstammung
Itas
von
Reginlind
zu kontrollieren vermögen), habe er entnehmen können,
daß
der Herzogin Itas Mutter
Reginlind
hieß. Da er nun "in der Genealogia die mit dem WELFEN-Ahnherrn
vermählte
Ita und ihre dort
genannte
Mutter" gefunden habe, sei es ein verzeihlicher Irrtum gewesen, die WELFEN-Ahnfrau
Ita
mit
der Herzogin Ita zu identifizieren
und folglich den Namen von deren Mutter
Reginlind in der Historia
in der ihm geläufigen Form als Richlint
einzusetzen.
Aber so sicher ist dieser Beweisgang wiederum
nicht,
hier werden zunächst zwei eigentlich doch sprachgeschichtlich
verschiedene
Namen (Regin-lind und Rich-lint) ohne Bedenken
gleichgesetzt; und es wird
unterstellt, daß die zuvorkommende Haltung OTTOS
DES GROSSEN gegenüber seiner Schwieger-Tochter - sie
nämlich
als filia zu ehren - eine weite Verbreitung fand. Beides ist
indessen
höchst fragwürdig und kommt zu der an und für sich schon
recht merkwürdigen, aber für Faußner notwendigen These
von der "Verwechslung" der WELFEN-Ahnfrau
Ita mit der Schwaben-Herzogin
Ita durch
den WELFEN-Historiographen
hinzu, der
indessen nicht nur einen einfachen Identifizierungsfehler begangen
haben
müßte, sondern die in seiner Vorlage - der Genealogia
Welforum
- eindeutig als Enkelin OTTOS DES GROSSEN
vorgefundene
Ita
mit der ihm sonst
als Tochter (filia)
OTTOS DES GROSSEN
irgendwie bekannt gewordene Ita identifiziert
und somit auch noch "Enkelin" und "Tochter" durcheinandergeworfen
haben müßte. Der WELFEN-Historiograph
müßte also nicht bloß ein einfacher fehlbarer Mensch
gewesen
sein, sondern schon ein wahrer Verweschslungsakrobat.
Entscheidend ist freilich, daß die
Nachrichten,
die wir über Ita
von Schwaben nach 957, das heißt nach dem Tode ihres
Gemahls
Liudolf, besitzen, keine Wiederverheiratung
Itas
erkenen lassen. So spricht
OTTOS DES GROSSEN am 4. April 958
ausgestelltes
Diplom davon, daß die Schenkung des predium Oberneisen an St.
Albanskloster
bei Mainz, wo sein Sohn Liudolf begraben
war, erfolge
pro remedio anime dilecti filii nostri Liudulfi
per peticionem dilecte et venerabilis matrone Ide,
vidue filii nostri prenominati. Zu beachten ist dabei
Itas
Kennzeichnung als venerabilis
matrona, was anzuzeigen scheint, daß sie den Schleier
genommen
hatte und als gottgeweihte Religiose lebte [Daß dies nicht einen
Klostereintritt bedeutete, zeigt zum Beispiel die Schilderung der
Schleiernahme
der Königin
Richeza in der Fundatio
monasterii Brunwilarensis c. 28.]; venerabilis -
ehrwürdig,
hochwürdig - ist ja doch damals das allgemein kennzeichnenden
Epitheton
für den "geistlichen Herrn" bzw. die Klosterfrau oder Religiose
gewesen.
Nichts anderes als diesen Eindruck geben uns auch die spärlichen
weiteren
Nachrichten über Itas
Lebensgang zu erkennen. Thietmar
von Merseburg berichtet, daß
der thüringische Ort Rödlitz ab matrona venerabilis Ida,
nuruprimi
OTTONIS,
an die Kirche von Merseburg gegeben worden sei, was die gleiche
Kennzeichnung
wiederholt und dabei nur Itas
Beziehung zur Familie
OTTOS DES GROSSEN,
nicht auch eine solche zum Grafen Kuno bzw. zu Herzog Konrad
von Schwaben, der Thietmar
durchaus nicht unbekannt war, zu erkennen
gibt. Auch die Einsiedeler Nekrolognotizen zeigen uns
Ita
nicht
als uxor Cunonis
bzw. Cuonradi ducis
oder ähnliches,
sondern als fuit uxor Luitolfi ducis Alamannorum.
Die Annales Quedlinburgenses berichten zum Jahre 986 vom Tode Itas
in gleicher Weise als vom Ableben der contectalis Liudolfi.
Und ebenso deutlich sprechen schließlich noch zwei Urkunden OTTOS
III. für das Kloster Hilwartshausen (in der Nähe
des
Zusammenflusses von Werra und Fulda) vom Jahre 990. Sie bezeugen,
daß
antea
ab Ida matrona bzw. ab
domna
venerabilis Ita Güter
im sächsischen Hessen-
und im Leinegau an das Kloster Hilwartshausen geschenkt worden waren,
wobei
es unzweifelhaft ist, daß diese Ita
die ehemalige Schwieger-Tochter OTTOS DES
GROSSEN
war. Wenn OTTO III. die einstigen
Schenkungen
Itas
in der auffälligen Form der Neuverleihung bestätigte,
war er in die Rechtsnachfolge der Verfügerin eingetreten. Es wird
damit nicht nur nochmals deutlich, daß die Schenkerin, die domna
venerabilis bzw. matrona
Ita,
sein Tante, die ehemalige
Schwaben-Herzogin, war, sondern
mehr noch:
wenn
Ita
zur Zeit ihres
Todes (986) - da ihr Sohn Herzog Otto
schon 982 gestorben war und ihre Tochter als Äbtissin im Kloster
Essen
lebte - den jungen OTTO III. als Erben
hatte, kann sie nicht einen Ehemann (Kuno/Konrad † 997)
hinterlassen
haben, der ansonsten alle Unklarheiten in ihren Besitzverfügungen
zu klären gehabt hätte [Auch im Falle, daß es sich in
beiden
Urkunden um ehemaliges Reichsgut handelte, wäre der
überlebende
Ehemann als Mitinhaber der Gewere heranzuziehen gewesen!]. Ita
war also Witwe geblieben, wie es die anderen Nachrichten schon
nahelegten.