Das älteste Einsiedler Nekrolog
enthält unter
den 78 von der Anlegerhand (um das Jahr 1000) eingetragene Namen 28,
die
durch einen Titel gekennzeichnet sind:
die Kaiser
OTTO I.
und OTTO II., 4
Herzöge, 6 Bischöfe, 6 Äbte, 2 Grafen, 1 Markgrafen, 4
Inklusen
und schließlich 3 Domnae. Letztere sind die zum 17. Mai
verzeichnete
Domna
Ita, die zum 19.
August eingetragene
Domna Reginlinda
und eine zum 25. Dezember eingeschriebene Domna Juditta. Von diesen ist
die Domna Ita in gleicher Weise
als
Domna
Ida
obiit zum
gleichen Tag
(=
17.V.) im Merseburger Nekrolog, das man als eine Art "ottonische
Hausbibel" bezeichnet hat, wiederzufinden und schon vom Herausgeber
Ernst
Dümmler auf die 986 verstorbene Gemahlin Liudolfs
von Schwaben (Sohn OTTOS DES GROSSEN)
und Tochter
Herzog Hermanns I. von
Schwaben gedeutet worden; zudem
verschafft uns das Einsiedler Jahrzeitbuch die erwünschte
Klarheit:
17.
V.
D. Ita dedit
Sierenza, fuit uxor Luitolfi
ducis Alamannorum. Die
Domna Reginlindis findet man zum
selben Tag, an dem man im Einsiedelner Nekrolog ihrer gedachte (= 19.
VIII.),
gleichfalls im Merseburger Totenbuch (wie auch im Essener Totenbuch),
dazu
als Reinlindis ducissa in
einem liturgischen Buch des Klosters Waldkirch
im Breisgau [H. Roth, Der Gründer des Klosters Waldkirch, in:
Freiburger
Diözesaan-Archiv 72 (1952) Seite 57: XV kalend. Septembr. (= 18.
August)
obiit Reinlindis ducissa, fundatrix monasterii huius. Vgl.
auch
Th. Zotz, Breisgau (wie Anmerkung 30) Seite 81 Anmerkung 12.] wie
wiederum
im Einsiedler Jahrzeitbuch: 19. VIII. D.
Regelinda cum filio suo
Burcardo duce dederunt
Steveia, Kaltbrunnen et Lindowa. Es handelt sich
also um die Herzogin von Schwaben, die zuerst mit Herzog Burchard I., danach
mit Herzog Hermann I. vermählt war.
Sie ist zugleich die Mutter
Itas
gewesen [Vgl. Contin. Reginonis
ad 926 (wie Anmerkung 32) Seite 158: Purchardus dux Alamanniae in
Italia
occiditur ... Herimanno
ducatus Alamanniae
committitur, qui viduam
Burchardi duxit
uxorem;
Miracula S. Verenae c. 5, MG SS IV Seite 458: Herimannus
Alamannorum dux Reginlindam
nobilissimam matronam accepit in uxorem;
dan wieder Contin. Reginonis ad 947, Seite 163: Liudolfus
filius regis ... Idam filiam Herimanni
ducis sibi coniugio copulavit. Nach Liudprand,
Antapodosis V c. 1,
MH 88 rer. Germ., Liudprandi opera, ed. J.Becker (1915) Seite 130f. war
Ida
Herzog Hermanns unica filia.
Daß Reginlind
gänzlich
unfruchtbar war - so G. Waitz, Jahrbücher des DR unter König
Heinrich I. (4. Auflage 1963) Seite 91 Anmerkung 2, - ist wegen der
Miracula
S. Verenae und der oben (bei Anmerkung 90) zitierten Einsiedler
Überlieferung
(vgl. auch H. Keller, Einsiedeln Seite 162 mit Anmerkung 86) unhaltbar.
- Zudem läßt sich noch auf eine Züricher Urkunde
hinweisen,
die Burchard II. als
Sohn Reginlinds zeigt;
vgl. Th. Zotz, Breisgau
(wie Anmerkung 30) Seite 150 Anmerkung 187. - Als Ehepartner sind Burchard
I. und Reginlind
auch in einer im 12. Jahrhundert verfälschten
Urkunde, deren echter Kern aber noch gut faßbar ist eventuell aus
dem Jahre 917 stammt, bezeugt; Abdruck und Erörterung der
Datierung
bei H. Roth, Waldkirch (wie Anmerkung 89) Seite 68ff. und 71ff.]. Waren
nun zwei der drei Domnae nachweislich Gemahlinnen von
Schwaben-Herzögen,
so liegt das dann auch für die dritte, die Domniae Juditta,
nahe. Und da bleibt in der Reihe der Schwaben-Herzöge bis um das
Jahr
1000 - da wir entweder deren Frauen kennen bzw. da wir wissen,
daß
der Herzog Otto von Schwaben
übrig [Die Gemahlin Herzog
Burchards I. (917-926)
und Herzog Hermanns I. (926-949) war Reginlind (vgl. Anmerkung
91); Herzog Liudolf
(950-953) war mit
Ida
verheiratet (vgl. Anmerkung 91); Herzog Burchard II. (954-973)
hatte die Tochter des
Bayern-Herzogs Heinrich
I., Hadwig, zur
Frau (vgl.
unter anderem MG D O III 157, 158 und R. Köpke-E. Dümmler,
Otto
der Große (wie Anmerkung 9) Seite 242 Anmerkung 4; Herzog
Otto (973-982), Liudolfs
und Idas
Sohn, war unvermählt
wie ja bei seiner Beerdigung in Aschaffenburg auch nur seine Mutter und
seine Schwester Mathilde
zugegen waren
(vgl. untern 32); Herzog Konrads (983-997) Gemahlin
gilt es hier
zu ermitteln; und Herzog Hermann II. (997-1003) war
bekanntlich mit Gerberga
von Burgund vermählt, worauf unten Seite 27f. noch
ausführlicher
einzugehen ist.]. unvermählt
war - nur der Herzog Konrad
als der einzige mögliche Gemahl
der Domna Juditta. Herzog Konrad ist ja desgleichen als
Chuonradus dux unter
dem 20. VIII. im Einsiedler Nekrolog wie im Einsiedler Jahrzeitbuch
eingeschrieben.