HERMANN VON SALM Gegenkönig (seit 1081)
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† 28.9.1088
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Metz
GENEALOGIE:
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Aus dem Hause LUXEMBURG
Vater:
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Giselbert
(† 1056/59), zuerst erwähnt 1030, seit 1036 als Graf von Salm (Fluß und Ort Salm
in der
Eifel), seit 1047 Graf von Luxemburg, Sohn des Friedrich
(† 1019), Graf im Moselgau
Mutter:
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N.N.
Onkel väterlicherseits:
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unter anderem
Heinrich VII. (†
1047), Herzog von
Bayern (siehe NDB VIII),
Friedrich II. († 1065), Herzog von Nieder-Lothringen
(siehe NDB
V),
Adalbero III. († 1072), Bischof von Metz (siehe NDB
I);
Brüder:
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unter anderem
Konrad (†
1086), Graf von
Luxemburg
Vetter:
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Balduin V.
(† 1067), Graf von
Flandern
Welf III. († 1055), Herzog von Kärnten
Cousine:
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Kunigunde der Chuniza
(† vor 1055, oo Azzo II. von Este, † 1097),
Stammutter der
jüngeren WELFEN-Linie
oo Sophia (Herkunft unbekannt;
Spuren weisen auf eine dem österreichischen Kloster
Göttweig nahestehende Familie; die Rechtmäßigkeit der
Ehe wurde 1085 vom Kardinalbischof
Odo von Ostia wegen naher
Verwandtschaft in Zweifel gezogen)
2 Söhne
(Reihenfolge unbekannt)
Hermann (zuletzt
erwähnt 1135), Graf von Salm, Vogt von
Senones, Stammvater der späteren Linien des Hauses SALM
Otto (†
1150), Graf von Rheineck
Neffe:
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Welf IV. († 1101), Herzog von Bayern
Leben:
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Hermann gehörte
der weitverzweigten, begüterten und
angesehenen luxemburgischen
Grafen-Familie an, war also keineswegs eine
unbedeutende Figur. Daß er Graf von Salm war, findet sich
nirgends ausdrücklich bezeugt, ist aber mit Sicherheit daraus zu
schließen, daß sowohl sein Vater als auch seine Söhne
Inhaber des Salmer Landes waren. Nach längeren, im Juni 1081
einsetzenden Vorberatungen wurde Hermann
Anfang August 1081 in
Ochsenfurt von einer Gruppe sächsisch und schwäbisch
Großer, unter denen der von HEINRICH
IV. abgesetzte Herzog Welf
IV. von Bayern, Hermanns
Seitenverwandter, die bedeutendste Rolle
spielte, zum Nachfolger des 1080 gefallenen Gegen-Königs Rudolf
ausgerufen.
Warum die Wahl auf den bis dahin – soweit wir wissen – nicht
hervorgetretenen Hermann fiel,
ist nicht bekannt, so wie überhaupt
die Nachrichten über ihn sehr lückenhaft sind. Er hatte
keineswegs die gesamte Anhängerschaft seines Vorgängers
hinter sich, von einer Unterstützung durch seine mächtige
Familie ist nichts zu erkennen, auch fehlt es an jeder Spur von
unmittelbaren Beziehungen zum Papst
Gregor VII. Doch erzielte HERMANN
einige Anfangserfolge. Er schlug am 11.8.1081 den Herzog Friedrich von
Schwaben bei Höchstädt an der Donau, belagerte dann
freilich
vergeblich Augsburg. Er begab sich nach Sachsen, der Hochburg des
Gegen-Königtums, wo unter der Führung des
einflußreichen
Otto von Northeim die
meisten Fürsten auf seine Seite traten.
Einer späteren, aber glaubwürdigen Quelle zufolge fand eine
formelle Nachwahl in Eisleben statt; wegen des in dieser Gegend
gedeihenden Knoblauchs soll HERMANN
von seinen Feinden mit dem
Spottnamen „Knoblauchkönig“
belegt worden sein (Heremanus
cognomento allium;
Annales Palid., MGH SS
XVI
70). Am 26.12.1081 wurde er in Goslar vom Erzbischof Siegfried von
Mainz gekrönt. Im Laufe des Jahres 1082 festigte er weiter
seine
Stellung in Sachsen und zog im Herbst nach Süd-Deutschland, um
eine
Heerfahrt nach Italien vorzubereiten. Auf die Nachricht vom Tode Ottos
von Northeim hin (11.1.1083) brach er das Unternehmen jedoch ab
und
kehrte nach Sachsen zurück.
Damit war der Höhepunkt in HERMANNS
Leben schon
überschritten. Seine Unterlegenheit gegenüber HENRICH IV.
trat deutlich zutage; wir wissen seither kaum noch von markanten
Ereignissen in seiner Geschichte. Er vermochte sich nur in Sachsen zu
halten und scheint vornehmlich in Goslar residiert zu haben, wo auch
seine beiden auf uns gekommenen Königsdiplome ausgestellt sind
(vom 3.8.1082 für Corvey und Herford, vom 13.4.1083 für
Halberstadt; MGH DD
VI 677
ff.), doch fiel seine Anhängerschaft auseinander. Vorwiegend aus
kirchenpolitischen Gründen hielt eine Anzahl von Bischöfen,
voran Hartwig von Magdeburg
und Burchard II. von Halberstadt,
am
längsten zu ihm. Aber auch eine Synode, die im April 1085 in
HERMANNS Anwesenheit unter
der Leitung des Kardinals Odo
von Ostia in
Quedlinburg versammelt war, trug kaum zur Festigung seiner
Autorität bei. Im gleichen Jahre mußte HERMANN sogar vor dem
Kaiser zu den Dänen ausweichen, konnte freilich bald
zurückkehren und sich 1086 an einem Zuge nach Franken und Schwaben
beteiligen, der jedoch über militärische Augenblickserfolge –
Besetzung von Würzburg nach dem Sieg über ein vom Kaiser
angeführtes Entsatzheer bei Bleichfeld (11.8.1086) – nicht
wesentlich hinaus kam. Jedenfalls war HERMANN Weihnachten wieder in
Sachsen. Als 1088 Burchard von
Halberstadt starb und Hartwig
von
Magdeburg sich mit den meisten gregorianischen Bischöfen
Sachsens
dem Kaiser unterwarf, gab HERMANN
den Kampf auf. Er verzichtete
vielleicht sogar formell auf die Königswürde und kehrte in
seine lothringisch Heimat zurück, fand aber bald beim Sturm auf
eine Burg (Cochem? Lintberg =
Limburg an der Lahn?) durch einen Steinwurf den Tod.
Nichts spricht dafür, daß er persönlich ein Versager
oder eine unedle Erscheinung gewesen sei, aber es fehlte ihm an
entschlossenen Anhängern; die Krise der salischen Monarchie und
die geschichtliche Stunde des Gegen-Königtums war seit dem
Untergang RUDOLFS schon
vorbei.
Literatur:
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ADB XII; Hugo
Müller, Hermann von
Luxemburg, Gegenkönig Heinrichs IV., Dissertation Halle 1888;
Jahrbücher der Deutschen Geschichte,
Heinrich IV. u. Heinrich V.; H. Renn, Das erste Luxemburger
Grafenhaus, 1941, besonders Seite 154ff.
Autor:
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Theodor
Schieffer
Schieffer, Theodor, „Hermann von Salm“, in: Neue Deutsche
Biographie
8 (1969), Seite 628-630 [Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd137946554.html