Kaum war der einige Jahre alte Sohn König
FRIEDRICHS, Heinrich, aus
seinem Geburtslande Sizilien im Jahre 1216 dem Rufe seines Vaters nach
Deutschland gefolgt, als er die schwäbische
Herzogswürde
erhielt. Mit derselben bekleidet erscheint er zum erstenmale den 13.
Februar
1217 zu Ulm in seines Vaters königlichem Hoflager. Nachdem Herzog
Berchtold V. von Zähringen im Jahr 1218 gestorben, bekam Heinrich
hierzu das Rektorat von Burgund,
in dessen Besitz er am 4. Januar
1220 urkundlich erscheint. Ja dank den vielfachen Bemühungen
seines
Vaters und der Tätigkeit vor allem der Reichsdienstmannen Konrad von
Winterstetten und des Truchsessen
Eberhard von Waldburg
wurde er von den
deutschen Fürsten, wahrscheinlich am 23. April des letzten Jahres
zum Könige gewählt, woran sich später, den 8. Mai
1222, die feierliche Krönung zu Aachen anschloß.
FRIEDRICH selbst,
welcher am 22. November 1220 in Rom zum Kaiser erhoben wurde, weilte
vom
Herbst 1220 bis zum Jahre 1225 außerhalb Deutschlands, durfte
sich
jedoch auch in der Ferne stets der treuen Unterstützung
zahlreicher
Herren erfreuen. So auf dem Kreuzzuge der Jahre 1228-1229, bei welchem
der Kaiser trotz des zur Zeit auf ihm lastenden Bannes die
Rückgabe
der heiligen Stätten bewirkte und sich die Krone von Jerusalem auf
das Haupt setzte. Für die Zeit seiner Abwesenheit übertrug er
die Erziehung seines Sohnes und die Verwaltung des Reiches einer Reihe
von bewährten und treuen Männern. An ihrer Spitze stand der Erzbischof
Engelbert von Köln,
welcher um die Aufrechterhaltung des Landfriedens
sich Verdienste erwarb, aber eigenmächtig und rücksichtslos
strenge
verfuhr, und bald nach dessen Ermordung durch einen Verwandten im Jahre
1225 bis zum Jahre 1228 der Herzog
Ludwig I. von Bayern. Als
Verwalter
von Schwaben und zugleich auch als Administratoren der staufischen
Güter daselbst erscheinen die beiden schon genannten
oberschwäbischen
Reichsdienstmannen. Schenk Konrad von Winterstetten wird
zudem als einer
der eigentlichen Erzieher des jungen Königs bezeichnet; Eberhard von
Waldburg wird sehr häufig in HEINRICHS
Gesellschaft
erwähnt und erhielt vom Kaiser zur Verwahrung auf der Waldburg die
Reichskleinodien, bei denen auch das Kloster Weißenau einige
Jahre
hindurch zwei Chorherren als Wache stellte.
Der junge König
und Herzog von Schwaben,
welcher
viel in seinem schwäbischen Stammlande, zum Beispiel zu Ulm,
Eßlingen,
Hall, Biberach, Weingarten verkehrte, bekam frühe von seiten
Frankreichs,
Englands, Böhmens, Ungarns, die Hand von Prinzessinnen angeboten,
und es fanden über seine Vermählung hauptsächlich zu Ulm
in der Mitte Januar 1225 Verhandlungen statt. Gewählt wurde Margarete,
Tochter des Herzogs Leopold VI. von Österreich,
und HEINRICH
vermählte
sich mit ihr der wahrscheinlichen Angabe nach am 18. November des
Jahres
zu Nürnberg. Unter schlimmen Anzeichen: sogleich nach Beendigung
der
Hochzeitsfeierlichkeiten traf die Trauerkunde von der Ermordung des Erzbischofs
Engelbert ein, und als HEINRICH wegen
dieser Untat eine Gerichtsversammlung hielt, brach Wortwechsel und
Streit
aus, es entstand ein furchtbares Gedränge, in Folge dessen die
Treppe
brach und mehr als 50 Personen ihren Tod fanden.
Indessen begann Papst
Gregor IX. wie
anderwärts
so in Deutschland gegen Kaiser
FRIEDRICH und
seinen Sohn Umtriebe zu machen und versuchte in dem WELFEN
Otto das Kind von Braunschweig-Lüneburg, wiewohl
vergeblich, einen
Gegen-König aufzustellen. Selbst HEINRICHS
zweiter Leiter, der Herzog Ludwig von Bayern, wurde zum
Verräter an
dem jungen Könige und mußte im Jahre 1228 den Hof verlassen.
Im Sommer 1229 griff ihn HEINRICH in
seinem eigenen Lande mit solchem Erfolge an, dass Ludwig genötigt
war, um Frieden zu bitten; er erhielt denselben gegen Stellung von
Geiseln
und Leistung eines neuen Treueschwurs gewährt. Alsbald darauf
beteiligte
sich der König
gleichfalls persönlich, übrigens mit keinem
besonderen Erfolge, an einer Fehde gegen den Bischof und die Stadt
Straßburg.
Er begann nunmehr ohne die Oberleitung Dritter mit einer gewissen,
hinsichtlich
ihres Umfangs jedoch bestrittenen, Selbständigkeit zu regieren und
führte auch seit 1231 auf seinen Siegeln wieder den
schwäbischen
Herzogstitel, dessen er sich seit 1220 nicht mehr bedient hatte. Am 1.
Mai 1231 erteilte er zu Worms, zum Teil im Anschluß an seines
Vaters
Gesetz zugunsten der geistlichen Fürsten vom Jahre 1220, den
geistlichen
und weltlichen Fürsten das berühmte Privileg, auf
dessen
Grundlage die bis dahin durch Gewalt oder Gewährenlassen
emporgekommene,
jetzt aber rechtlich anerkannte Territorial-Herrschaft sich sowohl nach
oben als nach unten entwickelt hat (ein vom Kaiser im Jahr 1232
bestätigets
Privileg). Eine große Aufregung bemächtigte sich freilich
bald
nachher der Fürsten, als Herzog
Ludwig von Bayern in der
Mitte September
des Jahres durch einen Unbekannten auf der Kelheimer Brücke
ermordet
wurde, - eine Tat, deren eigentlicher Urheberschaft nie genügend
ergründet,
vielfach jedoch dem Kaiser selbst zur Last gelegt worden ist.
Leider entsprach HEINRICH
immer weniger den Hoffnungen, welche sein Vater auf ihn setzte. Stand
ihm
in Konrad von Winterstetten
ein eifriges Verehrer des Minneliedes zur Seite
und fand an seinem Hofe mancher Sänger gastliche Aufnahme, so kam
bei dem vergnügungssüchtigen und anmaßenden
Jüngling
nur zu sehr die Schattenseite des Sanges- und Liebelebens zur Geltung.
Er wählte zu seinem Umgang Jäger, Falkner und
Possenreißer,
frönte der Üppigkeit und lieh schlechten Ratgebern das Ohr.
Von
seiner Gemahlin wollte er sich unter dem Vorwande, dass deren Mitgift
noch
nicht ausbezahlt sei, scheiden lassen und bekam Streit mit seinem
Schwager,
dem Herzoge Friedrich von Österreich.
Überhaupt aber bereitete
er FRIEDRICH durch sein Streben nach
einer größeren Machtvollkommenheit, als ihm eingeräumt
worden war, manche Unannehmlichkeiten. Von dem Reichstage, welchen der
Kaiser gegen Ende des Jahres 1231 nach Ravenna berief und von Sizilien
aus selbst besuchte, blieb er trotzig weg und traf erst nach
längerem
Zögern gegen Ostern (11. April 1232) zu Aquileja bei seinem Vater
ein. Der letztere ließ es an Zurechtweisung nicht fehlen und
forderte
als Kaiser nach dem Rate der Fürsten von seinem Sohne die eidliche
Versicherung, er werde die kaiserlichen Befehle unbedingt befolgen und
nichts tun, was dem Kaiser Nachteil bringen könnte. HEINRICH
leistete den Eid, sei es, dass er Reue fühlte, oder dass er zur
Zeit
keinen anderen Ausweg sah, und unterwarf sich für den Fall, dass
er
sein Versprechen nicht erfülle, freiwillig und im voraus der
Exkommunikation,
der er dann ohne weiteres verfallen sein solle. So ward
äußerlich
wenigstens das Einvernehmen zwischen Vater und Sohn wiederhergestellt,
allein bald, noch im gleichen oder im folgenden Jahre schlug HEINRICH
wieder seine eigenen Wege ein. Was er sich in dieser Hinsicht
zuschulden
kommen ließ, gehört mehr der allgemeinen deutschen
Geschichte
an, doch beziehen sich einige seiner Handlungen auch auf das jetzige
Württemberg.
Unter dem Vorwande, die Brüder Konrad und Gottfried von Hohenlohe
haben den Landfrieden gebrochen, ließ er ihre Schlösser
durch
Heinrich von Neuffen in
Verbindung mit Ludwig von
Viernsberg, Ludwig von
Schüpf und Walter
Schenk von Limpurg
zerstören und sprach Gottfried
weiter noch die Burg Langenburg ab. Zwar mußte er nach seines
Vaters Befehl hierfür Entschädigung leisten, allein die
häufigen
Widerrufe, welche FRIEDRICH im
Einverständnis
mit Papst Gregor IX. über
Anordnungen seines Sohnes überhaupt
verhängte, steigerten dessen Erbitterung. Er erließ am 2.
September
1234 zu Eßlingen ein Manifest, in dem er, freilich in starker
Verdrehung
des Rechts, die Schuld des Zerwürfnisses gänzlich auf den
Kaiser
zu wälzen suchte, und erklärte um die Mitte des Monats zu
Boppard
offen die Empörung, bei welcher er eine Mitkaiserschaft,
wahrscheinlich
sogar die gänzliche Verdrängung
FRIEDRICHS
vom Kaiserthrone, bezweckt zu haben scheint.
Um sich die Unterstützung im Kampfe gegen
seinen
Vater zu verschaffen, sandte HEINRICH
im November 1234 Anselm von
Justingen und den würzburgischen
Archidiakonus
und königlichen Hofkaplan
Walter von Tannenberg an
die rebellischen
Lombarden, zu denen er in sehr enge Beziehung trat, suchte auch im
Februar
1235 durch Bischof Hermann von Würzburg und Heinrich von Neuffen,
freilich ohne Erfolg, sich mit König
Ludwig
IX. von Frankreich vermittelst einer Verlobung ihrer Kinder
zu verbinden. Von weltlichen Fürsten Deutschlands gewann er nur
etwa
seinen Schwager Herzog Friedrich von Österreich,
von geistlichen die
Bischöfe von Augsburg, Würzburg; Speier und Worms für
seine
Zwecke; seine bedeutendste Unterstützung dagegen fand er an den
Grafen
und kleineren Herren Schwabens und Frankens, an Männern wie Anselm
von Justingen, Heinrich
von Neuffen mit seinen Söhnen Heinrich und
Gottfried und seinem
Bruder Albrecht, Berchtold von Urslingen, den Grafen
Egino V. von Urach, wohl
auch Hartmann von Wirttemberg,
Gottfried von Löwenstein
und andere mehr. - Diese Herren dürften FRIEDRICH
infolge der Begünstigung, welcher dem Fürstenstande
angedeihen
ließ, abhold geworden sein, mochten sich auch nach der Bedeutung
zurücksehnen, welche sie unter PHILIPP
und OTTO genossen
hatten, und an einer verhältnismäßig friedlichen Zeit
wenig
Gefallen finden. Sie werden daher vielfach als die eigentlichen
Anstifter
und Beförderer der Empörung angesehen, wogegen mit Ausnahme
Süddeutschlands
sich das Reich meist ruhig verhielt oder geradezu für den Kaiser
erklärte.
Während HEINRICH
im April 1235 einen Angriff auf Worms mißlang, traf FRIEDRICH
in Begleitung seines zweiten Sohnes KONRAD im
Mai aus Italien in Deutschland ein und sah von allen Seiten
Anhänger
unter seine Banner eilen. Da sank den Aufrührern der Mut: einer
nach
dem andern verließ HEINRICH,
so dass dieser sich genötigt fand, seinem Vater durch eine
Botschaft
nach Nürnberg seine bedingungslose Unterwerfung anzubieten. Allein
FRIEDRICHwollte
ihm nicht sowohl den Sohn als den aufrührerischen
Reichsfürsten
erkennen, ließ ihn in Wimpfen gar nicht vor sich und verschob die
Entscheidung auf seinen Aufenthalt zu Worms, woselbst er am 4. Juli
eintraf.
Hier hat HEINRICH den
kaiserlichen Vater um Gnade, jedoch erfolglos. Nach seinem Schwure vom
Jahre 1232 war ein eigentliches Urteil nicht mehr notwendig und er
wurde
gefangen gesetzt, mochte er nun den Befehl zur Übergabe seines
Schlosses
Trifels verweigert oder zu entfliehen gesucht haben . Die politische
Laufbahn
des ungeratenen Kaiser-Sohnes
hatte ihr Ende erreicht; er wurde zuerst
in Worms selbst, dann zu Heidelberg und zu Allerheiligen im Ries, seit
dem Jahre 1236 in verschiedenen Burgen Apuliens in strenger Haft
gehalten,
starb jedoch am
12. Februar 1242 zu Martorano eines natürlichen
Todes. Zu Cosenza ward ihm ein anständiges Begräbnis. In FRIEDRICH
aber trat nach seinem Ende das unterdrückte Gefühl des Vaters
wieder in seine Rechte ein und er beklagte den Sohn in den
rührendsten
Worten.
HEINRICHS Witwe
lebte,
nach ihres Mannes Tode in die deutsche Heimat zurückgekehrt, eine
Zeit lang im Markus-Kloster zu Würzburg. Ihre Königskrone,
die
Quelle vielen Jammers für sie, übergab sie im Jahre 1248 dem
Dominikaner Hermann zu einer milden
Stiftung, deren sich drei schwäbische
Klöster des genannten Ordens: in Eßlingen, in Weiler und in
Sirnau, zu erfreuen hatten. Sie selbst vermählte sich im Jahre
1252
wieder mit König Ottokar II. von Böhmen.
Zwei Söhne des
früheren Ehebundes,
Friedrich
und Heinrich, folgten ihrem Vater
spätestens
in der 1. Hälfte der 50-er Jahre im Tode nach; der ältere von
ihnen hatte nach dem Testament seines kaiserlichen Großvaters vom
Dezember 1250 die Heimat seiner Mutter, Österreich und Steiermark
samt 10.000 Goldunzen zugewiesen erhalten.
Alsbald nach der Niederwerfung König
HEINRICHS berief der Kaiser zur Herstellung des Friedens und
des Rechtszustandes in ganz Deutschland einen Reichstag auf den 15.
August
1235 nach Mainz. Auf diesem glänzend besuchten Tage erließ
er
mit Rat und Beistand der Fürsten und sehr vieler seiner Edlen und
Getreuen das berühmte Landfriedensgesetz, welches namentlich auch
gegen Söhne, die sich gegen ihren Vater auflehnen, und gegen ihre
Helfershelfer sehr ausführliche Bestimmungen enthält. Die
Genossen
HEINRICHS,
Anselm von Justingen, Heinrich von Neuffen und Egino von Urach verteidigten
sich noch einige Zeit auf ihren Burgen. Die ersteren errangen bei
Achalm
sogar einen kleinen Vorteil über die Kaiserlichen, den Grafen Friedrich
von Zollern, Konrad von
Hohenlohe, den Marschall
Heinrich von Pappenheim
und Konrad von Plochingen,
allein noch im Jahre 1235 oder wahrscheinlicher
1236 wurde Justingen eingenommen und zerstört, Anselm selbst aber
sah sich genötigt, zu Herzog
Friedrich von Österreich zu
fliehen,
der sich bald zu offenem Kampfe gegen den Kaiser erhob. Heinrich von Neuffen
fand wieder Gnade bei FRIEDRICH, und
wir treffen ihn im März 1236 mit mehreren Gliedern seiner Familie
an dessen Hofe. Egino von Urach
starb im Jahr 1236 oder 1237.