HEINRICH
(VII.) König
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1211 Sizilien, † 10.2.1242
Martirano (Provinz Catanzaro)
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Cosenza, Dom
GENEALOGIE:
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Vater:
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Kaiser FRIEDRICH II. († 1250, siehe NDB V),
Sohn des Kaisers HEINRICH VI. († 1197, siehe NDB VIII)
Mutter:
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Konstanze
(† 1222), Tochter des Königs Alfons II.
von Aragon († 1196)
Nürnberg
29.11.1225
oo Margaretha
(† 1267), Tochter des
Herzogs Leopold VI. von Österreich († 1230)
2 Söhne:
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Heinrich
(† zwischen 1242 und 1245)
Friedrich († 1251)
Leben:
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Als sich FRIEDRICH II.
anschickte, nach Deutschland zu ziehen, wurde HEINRICH – wohl im Februar 1212
– zum König von Sizilien gekrönt, zweifellos auf Wunsch Papst
Innocenz' III., der auf
diese Weise eine Personalunion zwischen Deutschland und dem
Südreich verhindern wollte. Der Vater ließ den Knaben jedoch
schon 1216 nach Deutschland bringen, wo er gleich nach der Ankunft im
Herbst zum Herzog von Schwaben, Ende 1219 oder Anfang 1220 zum Rektor
von Burgund erhoben wurde. Im April 1220 wählten ihn die deutschen
Fürsten in Frankfurt zum König, am 8.5.1222 wurde HEINRICH in Aachen
gekrönt. Den sizilianischen Königstitel hatte er schon seit
1217 nicht mehr geführt. Als FRIEDRICH
II. im August 1220 nach Italien zurückkehrte, blieb HEINRICH in Deutschland.
Reichsverweser und Vormund des Knaben war zunächst Erzbischof Engelbert von Köln, nach
dessen Ermordung (7.11.1225) Herzog Ludwig I. von Bayern. Die
Erziehung HEIINRICHS war
verschiedenen Reichsministerialen anvertraut, von denen vor allem Werner von Bolanden zu nennen
ist. Dem Regentschaftsrat gehörten unter anderem der Reichskanzler
Konrad von Scharfenberg,
Bischof von Metz und Speyer, sowie Bischof Otto von Würzburg an.
Auf Wunsch des Kaisers, der – wohl im Hinblick auf seine
oberitalienische Politik – das Verhältnis zu Österreich enger
gestalten wollte, mußte HEINRICH
1225 die etwa 7 Jahre ältere Tochter Herzog Leopolds von Österreich
heiraten, während Engelbert
von Köln den König gerne mit Prinzessin Isabella von England vermählt
hätte. Der Konflikt FRIEDRICHS
II. mit Papst Gregor IX.
1228-30 wirkte sich auch auf Deutschland aus; am 25.12.1228 kam es in
Hagenau zum offenen Bruch zwischen HEINRICH
und seinem Vormund Ludwig von
Bayern, der auf der päpstlichen Seite stand. Im Sommer 1229
zog HEINRICH gegen den
Herzog zu Felde und zwang ihn, um Frieden zu bitten. Im August wandte
sich HEINRICH gegen
Straßburg, wo sich der päpstliche|Legat Otto, Kardinaldiakon von S.
Nicolaus, aufhielt.
Der junge König scheint von Anfang an ohne Zuziehung der
Fürsten regiert zu haben. Stattdessen stützte er sich auf den
niederen Adel und die Reichsministerialität, förderte die
Reichsstädte und begünstigte die Emanzipation der
Bischofsstädte, wodurch er in Gegensatz zu den Fürsten
geriet, die natürlich die Selbständigkeitsbestrebungen der
wirtschaftlich und kulturell aufblühenden Städte in ihren
Gebieten bekämpften. Die Fürsten schlossen sich zusammen und
zwangen den König im Januar 1231 in Worms, alle
Städtebünde sowie die Bildung von Stadträten und anderen
städtischen Selbstverwaltungsorganen zu verbieten. Noch
folgenschwerer waren die Zugeständnisse, die Heinrich auf einem
Wormser Hoftag am 1.5.1231 machen mußte, Zugeständnisse,
welche die fürstliche Landeshoheit zwar nicht begründet, aber
doch reichsrechtlich anerkannt haben. Im sogenannten Statutum in favorem principum
wurden wichtigste Hoheitsrechte des Königtums preisgegeben:
Münze und Zoll, Gericht, Geleit, Bau von Burgen und Städten
fielen in die Zuständigkeit der weltlichen Reichsfürsten. Die
Städte durften ihren Machtbereich nicht mehr durch die Aufnahme
von Untertanen geistlicher oder weltlicher Herren in ihre
Rechtsgemeinschaft ausdehnen; desgleichen wurde ihnen jeder Markt- und
Straßenzwang verboten. Die Macht der Fürsten wurde zwar
eingeschränkt durch einen gleichzeitigen Rechtsspruch, nach dem
sie neue Verordnungen und Gesetze nur mit Zustimmung der
Landstände erlassen durften, aber dieser Spruch trug praktisch
ebenfalls zur Festigung der neuen Territorien bei.
Der Kaiser konnte die fürstenfeindliche Politik seines Sohnes
nicht billigen, da er im Kampf gegen die oberitalienischen Städte
auf die Hilfe der deutschen Fürsten angewiesen war. Zur
Entfremdung trug auch bei, daß sich HEINRICH von seiner Gemahlin
trennen wollte, um Prinzessin Agnes
von Böhmen zu heiraten. Agnes ging zwar ins Kloster,
aber es blieben genug Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn
zurück, die auf einem Hoftag in Ravenna November 1231 bereinigt
werden sollten. Aber HEINRICH
kam nicht und ließ sich erst durch die Vorhaltungen einiger
Fürsten bewegen, im April 1232 in Aquileia vor dem Kaiser zu
erscheinen. In Cividale erlangte HEINRICH
unter demütigenden Bedingungen die Aussöhnung mit dem Vater.
Er mußte schwören, dem Kaiser künftig zu gehorchen;
andernfalls seien die Fürsten von ihrer Treuepflicht entbunden.
Darüber hinaus mußte er sogar den Papst bitten, ihn zu
bannen, wenn er seinen Eid bräche. Damit waren HEINRICHS Machtbefugnisse
wesentlich eingeschränkt. Das Wormser Statutum entsprach zwar kaum
den Wünschen FRIEDRICHS II.,
aber unter den gegebenen Umständen blieb ihm nichts anderes
übrig, als es – mit einigen Einschränkungen – zu
bestätigen.
In den beiden folgenden Jahren schwankte HEINRICH zwischen wiederholten
Versuchen, die alte städtefreundliche Politik fortzusetzen, und
neuem Zurückweichen vor dem Einspruch der Fürsten, was
besonders in seinem Verhalten gegenüber Worms, das in
ständigem Streit mit seinem Bischof lag, deutlich wurde. Im August
1233 unternahm HEINRICH –
vielleicht in der Absicht, das Land der staufischen Hausmacht
einzugliedern – einen neuen Kriegszug gegen Bayern und zwang Herzog Otto zur Unterwerfung. Auf
Hoftagen in Mainz (25.7.1233) und Frankfurt (Februar 1234) erließ
HEINRICH Bestimmungen gegen
die rechtswidrige Ketzerverfolgung, die unter Konrad von Marburg ihren
Höhepunkt erreicht hatte. Der Streit HEINRICHS mit seinem Vater
flammte bald wieder auf, ohne daß wir über die Vorgänge
im einzelnen unterrichtet sind. Eine Reihe von Beschwerdepunkten
zählt ein Schreiben HEINRICHS
vom 2.9.1234 an Bischof Konrad
von Hildesheim auf. Schon im Juni 1234 hatte FRIEDRICH II. den Papst um Hilfe
gegen den eigenen Sohn ersucht; am 5.7. verhängte Gregor IX. den Kirchenbann
über HEINRICH,
erklärte die dem König geleisteten Eide für
ungültig und rief alle deutschen Fürsten auf, den Kaiser zu
unterstützen.
Auf die Nachricht, daß der Kaiser nach Deutschland kommen wolle,
entschloß sich HEINRICH
zu offener Empörung. Im September 1234 verbündete er sich in
Boppard mit den Bischöfen von Augsburg, Würzburg und Worms,
dem Abt von Fulda und einigen kleineren Herren und Reichsministerialen.
Um dem Kaiser die Alpenpässe zu sperren, schloß er im
Dezember sogar ein Bündnis mit dessen Todfeinden, den
lombardischen Städten. Erfolglos blieb dagegen ein Versuch, auch
die Hilfe des Königs von Frankreich zu erlangen. Die deutschen
Städte mußten dem König Gehorsam gegen jedermann – also
auch gegen den Kaiser – schwören; nur Worms weigerte sich,
vielleicht, weil HEINRICH
der Stadt im August 1234 unter fürstlichem Druck wichtige
Selbstverwaltungsrechte genommen hatte. Obendrein lag Worms im Streit
mit seinem Bischof, der ein vertrauter Anhänger des Königs
war. Die feindliche Haltung von Worms wurde für HEINRICH verhängnisvoll,
denn ohne diese Stadt war ein Widerstand am Rhein nicht möglich.
Aber anstatt sich auf Burgen im Elsaß oder der Pfalz
zurückzuziehen, beging HEINRICH
im April 1235 den Fehler, Worms mit seinem für den Kampf gegen
eine befestigte Stadt wenig geeigneten Ritterheer anzugreifen. Der
Versuch scheiterte an der tapferen Gegenwehr der Bürger. Weitere
kriegerische Aktionen unternahm HEINRICH
nicht mehr.
Im Mai 1235 war FRIEDRICH II.
in Rimini eingetroffen. Von dort zog er ungehindert über Aquileia
durch das Friaul und die Steiermark bis Regensburg und Nürnberg,
wo er Mitte Juni eintraf. Der Kaiser hatte zunächst nur ein
kleines Gefolge bei sich, das sich aber durch ständigen Zuzug
rasch vergrößerte. Die orientalische Pracht, die er
entfaltete, beeindruckte die Zeitgenossen aufs stärkste. Fast alle
Anhänger des jungen Königs fielen ab. HEINRICH wagte keinen
Widerstand, sondern kam – vielleicht durch den Hochmeister Hermann von Salza bewogen –
am 2. Juli nach der Reichspfalz Wimpfen und unterwarf sich dem Kaiser,
der ihn mit sich nach Worms führte. Dort mußte er
zunächst, am 4. Juli, in Gegenwart zahlreicher Fürsten wegen
seines Hochverrats kniefällig um Verzeihung bitten. In den
folgenden Wochen scheint verhandelt worden zu sein. Als HEINRICH nicht bereit war, auf
die Königswürde zu verzichten und die auf der Burg Trifels
aufbewahrten Reichsinsignien auszuliefern, wurde er gefangengenommen
und bald seinem Todfeind, dem Herzog von Bayern, übergeben, der
ihn zunächst in Heidelberg, dann in Allerheim bei Nördlingen
einkerkerte. Die letzten Anhänger des Königs in
Südwest-Deutschland, die JUSTINGEN,
die NEIFFEN und Egeno von Freiburg, wurden
besiegt. Trotzdem scheint FRIEDRICH
II. weiterhin einen Aufstand zugunsten des Sohnes
befürchtet zu haben, denn er ließ ihn im Januar 1236
über Aquileia nach Süd-Italien bringen. Bis zum Juni 1240
blieb HEINRICH in dem
Kastell San Fele südwestlich Melfi (Basilicata), dann, nach einem
vorübergehenden Aufenthalt in San Marco Argentano, in dem
kalabresischen Nicastro. Als man ihn etwa anderthalb Jahre später
von dort wieder nach San Marco bringen wollte, soll er sich unterwegs
in dem gebirgigen Gelände zwischen Nicastro und Martirano aus
Verzweiflung vom Pferd in eine Schlucht gestürzt haben. Die
Wächter schafften ihn noch bis Martirano, wo er am 10.2.1242 starb. FRIEDRICH II. ließ ihn
mit königlichen Ehren im Dom von Cosenza beisetzen und beklagte in
mehreren Briefen an sizilianische Empfänger den Tod des Sohnes,
den man, wie die Datierungen von Privaturkunden zeigen, bis zuletzt als
König von Sizilien betrachtet hatte.
Über die äußere Erscheinung und den Charakter HEINRICHS wissen wir wenig. Das
Chronicon Ebersheimense wirft ihm vor, er habe sich wie ein Entarteter
der Ausschweifung ergeben, den Rat der Verständigen von sich
gewiesen und den Wahnwitz und die Gesellschaft der Tyrannen geliebt.
Ein anderer Chronist (Gestorum Treverorum Cont. IV) tadelt seinen
unköniglichen lockeren Lebenswandel und die Mißachtung der
ehelichen Treue. Diese Vorwürfe sind wahrscheinlich nicht
völlig aus der Luft gegriffen, sondern dürften in
feindseliger Verzerrung die Tatsache widerspiegeln, daß sich HEINRICH im Kreise lebensfroher
junger Ritter, Fahrender, Dichter und Sänger wohlfühlte und
angesichts der ihm aufgezwungenen Ehe mit einer wesentlich älteren
Frau die eine oder andere Geliebte gehabt haben mag. Wie von so manchem
seines Geschlechts, so wird auch von HEINRICH berichtet, daß er
die Dichtkunst liebte und Minnesänger (unter anderem Ulrich von Türheim, Gottfried von Neiffen, Gottfried von Hohenlohe, Otto von Botenlauben, Burkhard von Hohenfels) an
seinem Hof versammelte. Auf HEINRICHS
Veranlassung begann Rudolf von
Ems seine Alexander-Dichtung, die er nach 1235 nicht mehr zu
Ende führte. Die dem König von einigen Forschern
zugeschriebenen Gedichte stammen aber wahrscheinlich von seinem
Großvater HEINRICH VI.
Ein abschließendes Urteil fällt schwer. „Politisch und
sittlich haltlos“ (so E. Winkelmann) war HEINRICH nicht, aber wohl auch
kein bewußter Vorkämpfer des deutschen Nationalstaates gegen
den Universalismus seines Vaters, wie Huillard-Bréholles
glaubte. Zweifellos hat HEINRICH
die Aufgaben des deutschen Königtums richtig gesehen:
Stärkung der Zentralgewalt, Reform der Reichsfinanzen und,
gestützt auf Reichsministerialität und Städte, Kampf
gegen das aufsteigende Territorialfürstentum. Darüber hinaus
plante HEINRICH
anscheinend die Ausdehnung der staufischen
Hausmacht auf ganz Süd-Deutschland vom Elsaß bis
Österreich, vielleicht sogar, getragen von der in Italien schon
siegreichen städtisch-revolutionären Bewegung, die
Einführung einer neuen „moderneren“ Regierungsweise. In der Tat
haben nach 1235 FRIEDRICH II.
selbst und später RUDOLF VON
HABSBURG in mancher Hinsicht HEINRICHS Politik wieder
aufgenommen. Fraglich ist allerdings, ob die innere Entwicklung in
Deutschland nicht schon zu weit fortgeschritten war, um der Politik HEINRICHS noch große
Möglichkeiten zu bieten; fraglich auch, ob der Jüngling, dem
nicht nur die Genialität des Vaters, sondern auch dessen
Härte, Stetigkeit und kühle Überlegung fehlten, die rechte Persönlichkeit
gewesen wäre, um seine hochgesteckten Ziele zu erreichen.
Literatur:
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ADB XI; DW 6742-44; Regg. Imp. V, Seite 693-796;
P. Zinsmaier, Studien zu den Urkunden Heinrichs (VII.) und Konrads IV., in: ZGORh 100, 1952,
Seite 445-565; Ders., Nachträge zu den Kaiser- und Königsurkundne des
Regg. Imperii 1198-1272, ebenda 102, 1954, Seite 231-33; L. Weiland, MGH
Constantin 2,
1896; E. Franzel, König Heinrich VII. von
Hohenstaufen, 1929; E. Rosenstock, Über „Reich", „Staat“ und
„Stadt“ in Deutschland von 1230–35, in: MIÖG 44, 1930, Seite 401-16; B.
Cappelli, La tomba di Enrico Hohenstaufen, in: Archivio storico per la
Calabria e la Lucania 10, Rom 1940, Seite 267-71; E. Maschke, Das
Geschlecht der Staufer, 1943; K. Hampe,
Deutsche Kaisewrgeschichte in der Zeit der Salier und Staufer, 101949 (
bearbeitet von F. Baethgen), besonders Seite 286-92; H. Grundmann, in: B.
Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte I, 81954, Seite
362-68; M. Wellmer, Eine süddeutsche Proscriptionsliste im
Staatsarchiv Wolfenbüttel, in: Aus Verfassungs- und Landesgeschichte,
Festschrift zum 70. Geburtstag von Th. Mayer 2, 1955,
Seite 105-24.
Autor:
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Hans
Martin Schaller
Schaller, Hans Martin, „Heinrich“, in: Neue Deutsche Biographie
8 (1969), Seite 326-329 [Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118548328.html