⚰ Speyer, Dom
GENEALOGIE:
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Vater:
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Herzog Hermann II. von Schwaben
(† 1003)
Mutter:
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Gerberga († 1000), Tochter des Königs Konrad von Burgund († 993)
Onkel mütterlicherseits:
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König Rudolf III. von
Burgund († 1032)
1. oo Graf Bruno
(† 1013?), aus dem Hause der sächsischen BRUNONEN
(siehe NDB II. unter Brunonen)
2. oo Herzog Ernst
I. von Schwaben († 1015, siehe NDB IV)
(Bruder des
Markgrafen Heinrich von
Österreich, † 1018 und des Erzbischofs Poppo von Trier, † 1047)
31.5.1015/Januar 1017
3. oo Graf Konrad
(Kaiser KONRAD II.) († 1039), aus dem
rheinfränkischen Geschlecht der SALIER
Sohn aus 1.)
Graf Liudolf
2 Söhne aus 2.)
Herzog Ernst II.
von Schwaben († 1030, siehe
NDB IV)
Herzog Hermann IV. von Schwaben
(† 1038)
1 Sohn, 2 Töchter aus 3.)
König HEINRICH III. († 1056)
Beatrix (seit 1025 im
Kloster Quedlinburg)
Mathilde († um 1034, verlobt mit König
Heinrich I. von Frankreich, † 1060)
Leben:
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Gisela, die sich
mütterlicherseits karolingischer
Abstammung rühmte, soll nach Angabe der Bleitafel, die bei
der Öffnung der Kaisergräber im Dom zu Speyer 1900 unter
ihrem Haupt aufgefunden wurde, am 11.11.999 geboren sein. Da sich
dieses Datum jedoch unmöglich mit der Chronologie ihrer
Eheschließungen vereinen läßt, muß es auf einem
Irrtum beruhen. Gisela
trat zum erstenmal hervor, als sie nach dem Tode ihres 2. Gatten bei
Kaiser HEINRICH II. die
Belehnung ihres minderjährigen Sohnes Ernst mit dem Herzogtum
Schwaben erwirkte. Vormundschaft und Verwaltung des Herzogtums wurden
ihr jedoch nach ihrer (durch Entführung eingegangenen?)
Eheschließung mit dem SALIER
Konrad, der mit ihr in kanonisch-rechtlich unerlaubtem Grade
verwandt war (beide waren Deszendenten HEINRICHS I., Konrad in fünfter, Gisela in vierter Generation)
und zu HEINRICH II. in
gespannten Beziehungen stand, vom Kaiser wieder entzogen und dem
Erzbischof Poppo von Trier,
einem Vater-Bruder des Knaben, anvertraut. Nach der Wahl Konrads zum deutschen König
weigerte sich Erzbischof Aribo
von Mainz, Gisela
gemeinsam mit ihrem Gemahl zu krönen (8.9.1024), vermutlich weil
er ihre Ehe wegen des Verwandtschaftsgrades als ungültig
betrachtete. Doch nahm Erzbischof Pilgrim
von Köln, der anfangs mit der lothringischen Opposition
gegen Konrad in Verbindung
gestanden hatte, nun aber zu den Anhängern des neuen Herrschers
überging, bereits am 21.9. auf Bitten der Fürsten die
feierliche Handlung vor. Seither konnten die Erzbischöfe von
Köln ihren Anspruch auf das Recht der Krönung der deutschen
Könige durchsetzen. Ostern 1027 vollzog Papst Johannes XIX. an dem
Herrscherpaar die Kaiserkrönung. Gisela zählt zweifellos zu
den bedeutenderen Persönlichkeiten unter den deutschen Kaiserinnen
des Hochmittelalters. Eine stattliche Erscheinung, durch Freigebigkeit,
Klugheit und Gewandtheit in der Führung der Geschäfte
ausgezeichnet, religiös tiefer empfindend und feiner gebildet als KONRAD II., übte sie auf
dessen Regierung, wie Wipo
betont, erheblichen Einfluß. Es ist mehr als eine formelhafte
Wendung, wenn sie in vielen seiner Diplome als Intervenientin auftritt.
An der Besetzung von Bistümern und Reichsabteien nahm sie
maßgebenden Anteil, doch fiel ihre Gunst, wie die Erhebung Bardos zum Erzbischof von Mainz
zeigt, nicht immer dem Würdigsten zu. Mehrmals wußte sie ihren Gatten zur Milde
gegenüber ihrem aufständischen Sohn Ernst von Schwaben zu
stimmen, bis sie sich endlich 1030 von dem Jüngling lossagte. Als
Schwestertochter des letzten Burgunder-Königs
Rudolf III. vermittelte sie zwischen
diesem und KONRAD II.; auf
der Zusammenkunft zu Muttenz bei Basel im August 1027 erreichte sie,
daß ihr Oheim ihren Gatten zu seinem Nachfolger bestimmte. So kam
Burgund an das Reich. 1032 brachte Gisela
einen Ausgleich zwischen KONRAD
II. und Herzog Mesko von
Polen zustande. Im Verlaufe des 2. Italienzuges KONRADS II. besuchte sie die
Gräber der Apostel, während der Kaiser Rom fernblieb.
Gemeinsam mit ihrem Sohn HEINRICH
III. ließ sie sich in die Verbrüderung des Klosters
Sankt Gallen aufnehmen, und von Notkers
Psalmenübersetzung ließ sie eine Abschrift
anfertigen. Der Erziehung HEINRICHS
III. schenkte sie offenbar ganz besondere Aufmerksamkeit. Obwohl
wir also annehmen dürfen, daß sie auf die geistige und
religiöse Entwicklung ihres Sohnes bestimmend einzuwirken
vermochte, geriet sie mit diesem bald nach seinem Regierungsantritt aus
unbekannten Gründen in einen Konflikt, der vermutlich gegen Ende
1041 beigelegt wurde, ohne daß damit ihr einstiger Einfluß
wiederhergestellt worden wäre.
Appelt, Heinrich, „Gisela“, in: Neue Deutsche Biographie 6
(1964), S. 413-414 [Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118717693.html