Weller Tobias: Seite
30-34
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"Die Heiratspolitik des
deutschen
Hochadels im 12. Jahrhundert."
Seine Vermählung [106
Zu
der angeblichen ersten Ehe KONRADS
mit
einer Komburger Grafen-Tochter
sowie den vermeintlich aus dieser Ehe hervorgegangenen Kindern vgl.
Seite 211-218. - Vollkommen abwegig ist ferner die von Ferdinand
Geldner, Kaiserin Mathilde 15-18, vertretene Ansicht, wonach Kaiser
HEINRICH V. den staufischen "Herzog von Franken" Konrad als
seinen
Erbfolger ausersehen und den Plan verfolgt habe, daß dieser nach
seinem Ableben seine Witwe Mathilde
heirate. Noch
1128 soll der
mittlerweile zum Gegen-König
erhobene KONRAD
bei Heinrich
I. von
England geworben und das Vorhaben einer solchen Verbindung erst
1131
aufgegeben haben. Abgesehen davon, daß ein derartiges Ansinnen
KONRADS nirgends
bezeugt ist, bleibt unerfindlich, wie eine solche
Eheschließung überhaupt hätte von statten gehen sollen.
Mathilde
war 1127 Gottfried
von Anjou in die Ehe versprochen worden,
mit dem sie sich Pfingsten 1128 in zweiter Ehe vermählte. KONRADS
Werbung hätte also einer rechtmäig verheirateten Frau
gegolten.] mit Gertrud,
einer Tochter Graf Berengars von
Sulzbach (†
1125) aus seiner Ehe mit Adelheid
von Wolfratshausen († 1127) [107 Vgl. Moritz, Stammreihe
96ff.;
Schütz, Familie 45. Neuerdings auch Dendorfer, Adelsclan 55ff.,
86ff. - Herrn Dr. Jürgen Dendorfer (München) bin ich zu
aufrichtigem Dank dafür verpflichtet, daß er mir die
Druckfahnen seiner kurz vor der Veröffentlichung stehenden
Dissertation zur Verfügung gestellt hat.], ist von der Forschung
häufig in Zusammenhang mit der Aussöhnung gebracht und als
Rekonziliationsmaßnahme gedeutet worden:
Demnach sei im Rahmen
der einvernehmlichen Konfliktbeilegung, bei der LOTHAR III. dem
STAUFER
eine ausgesprochen wohlwollende Behandlung zuteilwerden ließ [108 Dem Bericht der Erfurter
Fortsetzung Ekkehards
zufolge soll LOTHAR
KONRAD
auf dem
Mühlhausener Hoftag huldvoll empfangen, ihn in seinem gesamten
Besitz restituiert und dazu noch königlich beschenkt haben (vgl.
Cont. s. Petri Erphesfurt. zu 1135, MGH SS [42], 42).], auch vereinbart
worden,
daß KONRAD
die SULZBACHERIN
heiraten
solle, deren Bruder Gebhard († 1187/88) während der
vorangegangenen Auseinandersetzungen auf seiten LOTHARS
gestanden habe [109 Vgl.
Moritz, Stammreihe 249; Mardus, Eheschließungen 13f.; Lerche,
Bedeutung 77; Egels, Staufer 30.]. Letztere
Behauptung ist jedoch mehr als fraglich. Daß Gebhard
seit Anfang der 1130-er Jahre mit der WELFIN Mathilde († nach
1177), einer Schwester
Heinrichs des Stolzen,
verheiratet war, spricht für sich
genommen noch nicht dafür, daß er ein engagierter
Parteigänger des SÜPPLINBÜRGERS
war, zumal er nie im Gefolge LOTHARS
nachzuweisen ist [110
Hierzu
ausführlich unten Seite 249f.]. Ein sonderlich entschiedener
Anhänger des
Königs kann er also kaum gewesen sein. Ferner ist der Zeitansatz
der Eheschließung KONRADS mit
Gertrud auf
Ende 1135/Anfang 1136 in den Quellen nicht sicher belegt [111 Für einen solchen
Zeitansatz sprechen sich auch Goez, Konrad III. 27, Lubich, Weg 171,
und Dendorfer, Adelsclan 93, aus.]. Daß ihr ältestes
Kind HEINRICH
(†
1150) 1136 oder
Anfang 1137 geboren
wurde [112 Der
Geburtstermin
HEIRICHS
geht aus den Aachener Annalen hervor, die ihn
anläßlich seiner Könisweihe am 30. März 1147 als
zehnjährigen Knaben bezeichnen (Ann. Aquen. zu 1147, MGH SS 24,
37.) Bernhardi, Konrad III. 1, 19, Anm. 29 und Decker-Hauff, Haus, No.
58, 354, datieren die Geburt HEINRICHS
(VI.) in die erste
Jahreshälfte 1137, da KONRAD
im
August 1136 dem Kaiser auf dessen
zweiten Italienzug folgte und bis zur Rückkehr Ende 1137 bei ihm
blieb. Dieses Argument kann aber kein Grund sein, warum HEINRICH
(VI.)
nicht schon Ende 1136 geboren worden sein soll.], scheint zwar
für eine solche Datierung zu sprechen, indes kann die Ehe auch
über einen längeren Zeitraum kinderlos geblieben sein. In
diese Richtung weist zumindest der Gründungs-Bericht der Zisterze
Ebrach (westlich Bamberg), dem zufolge KONRAD noch
vor seiner Königserhebung gemeinsam mit Gertrud als
Mitstifter des Klosters
aufgetreten ist [113
Nach der Fund. monast. Ebrac., MGH SS 15/2, 1040, soll die
Klosteranlage
im siebenten Jahr seit Baubeginn fertigestellt worden sein.];
die Weihe der Klosterkirche durch
den
Würzburger Bischof Embricho (1127-1146) erfolgte nach Aussagen
der Quellen am 7. Oktober 1134 [114
Fund. moast. Ebrac., MGH SS 15/2, 1040d. Siehe auch Wiedenhorst,
Würzburg 1, 146.].
Wilhelm Bernhardi folgert daraus, die Eheschließung KONRADS mit
der SULZBACHERIN sei
bereits
kurze Zeit nach seiner Rückkehr aus Italien erfolgt [115 Vgl. Bernhardi, Konrad
III. 1,
19, Anm. 29; ihm folgend Kowalski, Königinnen 5f.; Maschke,
Geschlecht 146, Anm. 40; Despy, Conrad III. 55, Anm. 5; Decker-Hauff,
Haus, No. 37, 350; Niederkorn, Welf VI. und Konrad III. 140f.], die
wiederum neuerdings in die
zweite Jahreshälfte 1132 datiert wird [116 Vgl. Niederkorn, Konrad
III.
590-596. Für diesen Zeitansatz spricht auch die Darstellung Ottos
von Freising, demzufolge
KONRAD kurz
vor dem Romzug LOTHARS III.
aus
Italien nach Detschland zurückgekehrt sei (Chron., lib. VII., c.
18, MGH SS [45], 335.].
Demnach waren KONRAD
und Gertrud
schon vor der Unterwerfung des STAUFERS
unter die Königsgewalt LOTHARS
miteinander verheiratet [117
Krausen,
Klöster 35, verwirft die im Ebracher Fundationsbericht
überlieferte Nachricht von der Mitstifterschaft KONRADS und
seiner
Gemahlin als "eine spätere Tradition". Auch Zimmermann, Ebrach
163-168, 181f., glaubt nicht an ein staufisches
Mitwirken bei der
eigentlichen Kloster-Gründung, sondern nur, daß KONRAD III.
sich später der Abtei besonders angenommen habe. Ebenso steht
Dendorfer, Adelsclan 94 mit Anm. 447, den Angaben des
Fundationsberichtes skeptisch gegenüber. Für diese Fundatio
bereits kurze Zeit nach dem Tod des ersten Abtes Adam († 1161) verfaßt (vgl.
Wattenbach/Schmale, Deutschlands Geschichtsquellen 1, 156). Auch die
Tatsache, daß Königin
Gertrud in Ebrach
beigesetzt wurde (siehe unten Anmerkung 131), spricht für ihre
Beteiligung an der Kloster-Gründung. Welche andere Erklärung
sollte man sonst dafür finden, daß sie die junge
fränkische Zisterze zu ihrer Grabstätte erwählte? Siehe
auch Engels, Grablege 235.].
Da sich gleichzeitig keinerlei Engagement Graf Gebhards von Sulzbach im
Königsdienst unter LOTHAR
feststellen läßt [118
Auch
die Beteiligung an einem Feldzugsunternehmen LOTHARS III.
läßt sich in den Quellen nicht nachweisen; vgl. Gattermann,
Rechsheerfahrt, Anhang (80f.).], liegt es nahe, die staufisch-sulzbachische Verbindung nicht
als
Rekonziliationsmaßnahme, sondern als Resultat der
bündnispolitischen Aktivitäten KONRADS zu
deuten. Angesichts der Ansprüche, die er auf das salischeErbe im östlichen Franken
erhob, mußte ihm daran gelegen
sein, gerade die der mainfränkischen Region benachbarten
Fürsten als Verbündete zu gewinnen oder zumindest von einer
Parteinahme für LOTHAR
abzuhalten. Anknüpfungsunkte zu den SULZBACHERN waren allein schon
daurch gegeben, daß Graf
Berengar, der
Vater Gertruds und Gebhards, seinerzeit zu den
einflußreichsten Großen am Hof HEINRICHS V.
gehört hatte [119
Vgl.
Dendorfer, Adelsclan 325-336.]. Sicher hatten die staufischen
Brüder noch aus dieser Zeit Kontakt zu dem Sulzbacher Grafen-Haus, was KONRAD nun
für seine eigene Eheschließung nutzen konnte.
Daß Gebhard von Sulzbach
mit seinem Schwager KONRAD
auf gutem
Fuß stand, belegt sein späteres Verhalten. Drei Monate nach
dem Tod LOTHARS
III (4. Dezember 1137) wurde KONRAD am 7.
März 1138 Koblenz zum König erhoben. Unmittelbar danach
erschien Gebhard von Sulzbach
am
Hof des neuen Königs KONRAD III.
in Mainz. Seine rasche Anerkennung der Wahl des STAUFERS
zeigt, daß Gebhard
einer
Thronkandidatur des ebenfalls mit ihm verschwägerten Heinrich des Stolzen ablehnend
gegenüberstad, denn der von LOTHAR
zum
Nachfolger aufgebaute WELFEN-Herzog
wäre wahrscheinlich mit seinem Ambitionen auf die Krone
durchgedrungen, wenn alle Fürsten die ursprünglich für
Pfingsten 1138 angesetzte Wahlversammlung abgewartet hätten.
Noch bedeutender als Gebhard
waren für KONRAD III.
die
Schwestern seiner SULZBACHER
Gemahlin.
Über Mathilde
(† vor 1164),
wohl die älteste, war er mit
dem istrischen Markgrafen Engelbert
III. († 1173)
aus der Familie der
SPANHEIMER
verschwägert, der ebenfalls häufig in der Umgebung des
Königs nachzuweisen ist.
Die Verbindung Liutgards
(† nach 1163)
mit
Gottfried II. von Löwen († 1142)
hat KONRAD III. selbst
vermittelt und so die Übertragung der niederlohringischen
Herzogswürde an Gottfried
vorbereitet.
Bertha
von Sulzbach schließlich spielte in den 1140-er Jahren
eine zentrale Rolle in der Byzanz-Politik KONRADS III.,
als der
STAUFER-König
sie - seine Schwägerin -
adoptierte und dem oströmischen
Kaiser Manuel Komnenos († 1180)
zuführte.
KONRADS
Gemahlin Gertrud
starb am 14. April 1146 und
wurde in Ebrach beigesetzt [131
Vgl.
Ann. Herbipol. zu 1146, MGH SS 16; Ann. Palid. zu 1146 (9.
Regierungsjahr KONRADS
III.), MGH SS 16, 81; Ann. Stad. zu 1146, MGH SS 16, 327; Fund.
Ebrac., MGH SS 15/2, 102 (irrig zu 1147). Siehe auch Bernhardi, Konrad
III., 2, 471.]. KONRAD
folgte ihr knapp sechs Jahre später, am 15. Februar 1152, in den
Tod, nachdem er zuvor noch geplant hatte, sich mit einer byzantinischen
Prinzessin zu vermählen [132
Vgl.
hierzu unten Seite 71.].