Der bereits politisch erfahrene
Thronanwärter
aus
dem deutschen Süden arrangiert sich vorweg geschickt sowohl mit
den
großen rheinischen Kirchenfürsten von Köln bis
Straßburg
wie mit den österreichischen
BABENBERGERN, vor allem
jedoch mit dem
braunschweigischen Vetter
Heinrich, dem er die
Wiederinbesitznahme Bayerns
zusagt. Einmütig wird FRIEDRICH I.
(1152-1190),
dem die Italiener später wegen seines üppigen Bartes den
populären
Beinamen "BARBAROSSA"
gaben, zum König
ausgerufen. Vier Tage später,
am 9. März 1152, kann er auf dem Stuhle KARLS
DES GROSSEN im Aachener Dom die Huldigung der
Reichsfürsten
und des Auslandes entgegennehmen.
Eines seiner Sendschreiben geht an Papst Eugen III. Es
wird in Rom als Kampfansage aufgenommen. FRIEDRICH
betont unmißverständlich, dass "ihm das Reich (lat. imperium
= Regierungsgewalt) allein von Gott übertragen" sei. Er verbitte
sich
deshalb jede Einmischung des Heiligen Stuhles in weltliche
Angelegenheiten,
die seit den Tagen von Canossa (1077) schon mehrfach innen- wie
außenpolitische
Krisen heraufbeschworen habe.
Ungeachtet dessen spricht der König schon
in
seiner
Thronrede von einer Romfahrt, die seinem Onkel KONRAD
III. nicht mehr gelang. Es ging dabei seit den Tagen der OTTONEN
sowohl
um die Kaiserkrone, also um den europäischen Primat, wie um das
reiche
Italien, seine Städte und das ganze blühende Land zwischen
Mailand
und Messina, dessen beste Stücke ohnehin die welfischen Vettern (Toskana),
ihre normannischen Verwandten (Sizilien, Kalabrien, Neapel) und der
päpstliche
Kirchenstaat im Griff hatten.
Im Oktober 1154 zieht FRIEDRICH
ROTBART gen Süden, wo er in der Lombardei Hof hält,
sich aber auch mit den allzeit deutschfreundlichen Mailändern und
ihren Verbündeten unter Oberitaliens Städten herumschlagen
muß.
Erst im Juni 1155 ist er in Rom, wo ihn der neue (englische) Papst Hadrian
IV. krönt. Während der Feierlichkeiten bricht ein
Aufstand gegen
Papst und Kaiser los, der die Deutschen zwingt, noch am gleichen Tag
die
Ewige Stadt wieder zu verlassen, während sich Hadrian in seiner "Engelsburg"
verbarrikadiert, dem zur Festung ausgebauten Grabmal des
altrömischen
Kaisers gleichen Namens.
FRIEDRICH war nach
Rom gekommen auch in der Absicht, nach der Krönung zusammen mit
Streitkräften
des Papstes und seines oströmischen Onkels Manuel
die
normannischen Barone, gegen die sich gerade wieder die apulischen
Bauern
erhoben hatten, zumindest vom süditalienischen Festland zu
vertreiben.
Aber Manuels Truppen sind kaum
einsatzfähig,
die "Schlüsselsoldaten" des obendrein blockierten Papstes ebenso
unzuverlässig
und die eigenen deutschen Verbände durch das ungewohnte Klima wie
gelähmt. Sie wollen nach Hause. Der Kaiser gibt auf.
Vier Jahre später ist er wieder in Italien,
wo
sich
inzwischen abermals alles verändert hat. Hadrian IV. hat den
Rückzug
der Deutschen als große Enttäuschung empfunden und sich
schon
1156 mit dem normannischen Königreich Beider Sizilien arrangiert.
Ein Jahr später schickt er nach Besancon, wo FRIEDRICH
in den burgundischen Erblanden seiner zweiten Gattin Beatrice
Hof hielt, eine Note von hochpolitischer Brisanz. Sie erinnert in
scharfer
Form an die bekannte Auffassung der Kurie, dass "jeder Kaiser seine
Krone
vom Papst nur zu Lehen empfange", folglich sein Vasall sei und der
Oberhirte
der Christenheit auch "der dreimal gekrönte Herrscher über
Länder
und Menschen, über ihre Herzen, Seelen und Waffen".
Die Hoffnung der Kurie, schon diese drohende
Geste
könnte
den deutschen Kirchenfürsten oder den WELFEN
als Signal zum Abfall vom König/Kaiser genügen, erwies sich
als
Fehlspekulation. Um so stärker ist das Echo in den lombardischen
Städten,
die in diesem Jahrhundert zum wichtigsten Wirtschaftsgebiet Europas
geworden
sind und das deutsche Joch abschütteln möchten. Um ihre
Rebellion
zu brechen, geht FRIEDRICH im
Frühjahr
1158 mit reichlich 100.000 Mann, einer für damalige
Verhältnisse
ungewöhnlich starken Armee, über die Alpen und zwingt das
Zentrum
des Widerstandes, die Festung Mailand, am 7. September zur Kapitulation.
FRIEDRICHS Versuch,
danach die Verhältnisse im städtischen Ober-Italien durch
eine
fortschrittliche Gemeindeverfassung zeitgemäß zu ordnen,
scheitert
am fortdauernden Widerstand vor allem der Mailänder, die
kurzerhand
die kaiserlichen Beamten verjagen, unter ihnen den Reichskanzler
Rainald
von Dassel. FRIEDRICHS
Gegenmaßnahmen
kommen nicht recht zum Tragen. Seine Streitkräfte sind über
das
ganze Land verteilt, um dessen zahlreiche Städte unter Kontrolle
zu
halten. Außerdem hat der Kaiser das Pech, dass im gleichen
Augenblick
Hadrian IV. stirbt und Alexander
III. zum neuen Papst gewählt
wird,
eben jener Prälat, der die Note von Besancon überbracht und
wohl
auch selbst formuliert hatte. Er steuert natürlich sofort einen
scharfen
Kurs gegen den HOHENSTAUFEN, den er
am 24. März 1160 "samt allen seinen heuchlerischen Genossen" mit
dem
großen Kirchenbann
belegt.
Beifall kommt erwartungsgemäß aus
Mailand
und Sizilien, aber auch aus vielen Bistümern Frankreichs und aus
England,
der Heimat der Gattin Heinrichs
des Löwen. FRIEDRICH
sieht sich zu hartem Durchgreifen gezwungen. Nach monatelanger
Belagerung
ergibt sich im März 1162 das hungernde Mailand, das der Kaiser
plündern
und völlig niederbrennen läßt.
Der eigentliche Gegner, Alexander III., gewinnt damit
nur eine schweigende Armee von Sympathisanten, die auf ein Signal zum
Aufruhr
warten. Vergeblich sucht ihn FRIEDRICH
im Jahre 1164 durch Anerkennung des ihm befreundeten Kardinals Guido
von
Crema als Gegen-Papst Paschalis III.
auszumanövrieren. Dessen
Gegendienst
war übrigens die hochpolitisch gemeinte Heiligsprechung KARLS
DES GROSSEN, der ja noch dem weltlichen Primat des Kaisers
gegenüber
dem Bischof von Rom verkörpert hatte. Die ausdrückliche
Bestimmung,
dass seine Verehrung auf Aachen "als einer deutschen Stadt"
beschränkt
bleiben möge, sollte außerdem der französischen Politik
entgegenwirken, die damals begann, den Aachener Rex Francorum als
Ahnherrn
der Könige Frankreichs zu deklarieren und daraus Ansprüche
auf
die Kaiserkrone abzuleiten.
Auf gleicher Linie lag ein überraschendes
Freundschaftsabkommen
mit Heinrich II. von England, der sich
gerade seinerseits mit dem Papst entzweit hatte wegen der Entlassung
seines
römisch gesinnten Kanzlers
Thomas Becket, Erzbischof von
Canterbury.
Das Bündnis mit dem englischen König aus dem Hause
PLANTAGENET, der als Graf von Anjou und Herzog der Normandie
auch zwei Fünftel Frankreichs besaß, wird besiegelt durch
eine
Heirat seiner Tochter Mathilde mit
FRIEDRICHS
Vetter Heinrich dem
Löwen
(der jetzt noch ganz auf der Seite des STAUFERS
steht) sowie durch einen Ehevertrag der Eltern für die
jüngste
Tochter Eleonore
und FRIEDRICHS
eben erstgeborenen Thronerben, den nachmaligen Kaiser
HEINRICH VI. Wieder ein klassisches Beispiel dynastischer
Strategie,
die den Frieden unter den Familien sichern und festigen sollte.
Alexander
III.
kehrte am 23. November 1165 im Triumph
nach Rom zurück. Schon 20 Monate später stürmen jedoch
deutsche
Truppen die Vatikanstadt. Alexander
flüchtet ins normannische
Benevent.
Gegen-Papst Paschalis kann in der
Petersbasilika, um deren Pforten noch
tags zuvor erbittert gekämpft worden war, am 1. August 1167 FRIEDRICH
BARBAROSSA und seine burgundische
Gattin im Schmuck der
mitgebrachten
Insignien mittelalterlicher Kaiserherrlichkeit begrüßen.
Ebenso rasch wie bei der Krönung vor 12
Jahren
verdüstert
sich jedoch der Glanz des großen Augenblicks. In Rom bricht
plötzlich
Typhus aus. Hof und Heer verlassen fluchtartig die Ewige Stadt. Unter
den
20.000 Deutschen, die in ihr oder auf dem traurigen Zug nach Norden
starben,
sind des Kaisers Vetter Friedrich von Rothenburg
und unglücklicherweise auch der große Reichskanzler Rainald
von Dassel, der bis dahin die Dinge in Italien
einigermaßen im
Griff
behalten hatte. Das Kaiserpaar rettete sich mit seinem Gefolge an
lombardischen
Heerhaufen vorbei auf Fluchtwegen nach Burgund.
Die Folgen des Desasters:
Der mailändische
Städtebund
reaktiviert sich, Alexander III.
organisiert eine Koalition zwischen
ihm,
der Republik Venedig, dem Königreich Beider Sizilien und dem
byzantinischen
Kaiser, der mitmacht, um nicht seine letzten Besitzungen in
Unter-Italien
auch noch zu verlieren. Untereinander zwar ständig im Streit, so
ist
man sich immerhin einig in dem Ziel, die Deutschen aus Italien
herauszuhalten.
Erst neun Jahre später kommt es zu einem
neuen
Italienzug,
an dem sich jedoch Heinrich der
Löwe nicht mehr beteiligt. Der
Herzog
ist vollauf mit der Erweiterung seiner eigenen Hausmacht im slawischen
Siedlungsraum jenseits der Elbe beschäftigt. Er sieht sowieso
nicht
im Süden, sondern in einer planvollen Ostkolonisation die
große
Aufgabe deutscher Politik. Lübeck, das Tor zur Ostsee, ist ihm
wichtiger
als Mailand. Trotzdem wagt der Kaiser den Marsch. Er endet bereits am
20.
Mai 1176 bei Legnano an der Straße von Como nach Mailand mit
einer
vernichtenden Niederlage, aus der FRIEDRICH
BARBAROSSA
selbst kaum mit dem Leben davonkommt. Er muß seinen Frieden mit
dem
Papst machen, der daraufhin den Kaiser vom Kirchenbann löst, sich
mit ihm am 1. August 1177 in Venedig trifft und auch die lombardischen
Städte zur Einstellung der Kämpfe bewegen kann.
FRIEDRICH
weiß,
dass damit nicht für immer alles in Ordnung ist. Aber er braucht
für
den Augenblick Ruhe und Rückenfreiheit. In Deutschland steht
Heinrich
der Löwe, der auch deshalb dem Kaiser die Heerfolge nach
Italien
versagt
hatte, in einem Mehrfrontenkrieg gegen seine staufisch gesinnten
Nachbarn,
den Landgraf von Thüringen sowie die Erzbischöfe von
Magdeburg
und Köln. BARBAROSSA sieht sich
gezwungen, gegen den Löwen
Partei zu ergreifen, dem er (zu
Unrecht)
obendrein eine Mitschuld an der folgenreichen Katastrophe von Legnano
vorwirft.
Am 18. Januar 1180 wird über den "Rebellen"
die
Reichsacht verhängt, sechs Monate später sein Herzogtum
aufgeteilt
und Bayern FRIEDRICHS treuestem Paladin
Otto von Wittelsbach übergeben,
der ihn vor Mailand aus dem
Kampfgetümmel
herausgehauen hatte. Zu seiner großen Enttäuschung sieht
sich
Heinrich von den
Verwandten in Frankreich, England und Dänemark im
Stich gelassen. Er muß kapitulieren. Auf dem Reichstag von Erfurt
(November 1181) erhält der
Löwe nur seine Stammgüter um
Braunschweig und Lüneburg zurück, wird jedoch "für
immer"
des Landes verwiesen. Er geht mit seiner Familie ins englische Exil.
Beim großen Reichsfest, zu dem sich
Pfingsten
1184
vor den Toren von Mainz, dem geographischen Zentrum des damaligen
Deutschland,
fast 70.000 Ritter aus Sachsen, Schwaben und Bayern, Burgund und
Lothringen,
Frankreich und Italien zusammenfanden, steht der jetzt 62-jährige
Kaiser auf dem Zenit seiner
Macht. Er denkt sie durch eine Ehe seines
inzwischen
erwachsenen Sohnes HEINRICH mit Konstanze,
der Erbin des normannischen Reiches
Beider Sizilien, bis an die
Grenzen des Greifbaren zu erhöhen und zu sichern. Auch dass die
Hochzeit
am 27. Januar 1186 ausgerechnet im wiederaufgebauten Mailand
stattfindet
und die Lombarden diesmal den Kaiser
mit Jubel begrüßen,
zeigt,
dass der "BARBAROSSA"
nach dem Tode seines großen Widersachers Alexander III.
(1181) die Autorität im Lande wiederhergestellt und sogar die
Sympathien
seiner Menschen zurückgewonnen hat.
FRIEDRICHS Leben
hätte in Frieden enden können. Da zwingt ihn und die
abendländischen
Monarchen die Erstürmung des 1099 geschaffenen christlichen
Königreichs
Jerusalem durch den Türken-Sultan
Saladin
(1187)
zum 3. Kreuzzug in den Nahen Osten. Auch er mißlingt völlig.
Engländer, Franzosen und Normannen kommen mit Richard
Löwenherz und Philipp II. August
über
See. Sie können aber nur einen Küstenstreifen mit Akkon,
Jaffa
und Tyrus erobern und halten. Jerusalem bekommen weder sie noch die
Deutschen
zurück, die in einer Stärke von etwa 100.000 Mann, darunter
22.000
Ritter, von Regensburg donauabwärts und über den Bosporus
gezogen
waren. Sie kämpfen sich erfolgreich voran, kehren aber um, als ihr
Kaiser am 10. Juni 1190 bei einem Bad im kalten Saleph
(Süd-Anatolien)
einem Herzschlag erliegt.