Hlawitschka Eduard: Seite 86-87
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"Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk Band II 1138-1197"

XXXVI : König und Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) (1152 bzw. 1158-1190)

1 : Kaiser Friedrich I. Barbarossa

Weder der Geburtstag noch das Geburtsjahr FRIEDRICHS I. sind uns überliefert. Einen Hinweis auf die Geburtszeit gibt ein an Papst Eugen III. gerichteter Brief Abt Wibalds von Stablo, in dem von dem neugewählten König gesagt wird, er sei nondum ut credimus annorum triginta; Wibald episolae nr. 375, ed. Ph. JAFFE, Bibl. rer. Germ. I Seite 505.
Daraus schloß man auf eine Geburstzeit 1122 (nach März), eventuell auch 1-2 Jahre später; vgl. H. SIMONSFELD, Jahrbücher Friedrichs I. Seite 2f.; auch F. CURSCHMANN, Zwei Ahnentafeln Seite 1. Dagegen trat A. HOFMEISTER, Puer, juvenis Seite 287ff., besonders Seite 297 und 301, nach einer Untersuchung der mittelalterlichen Altersbezeichnungen für eine spätere Geburtszeit FRIEDRICHS, nämlich "um 1125/26?", ein, da der Ligurinus-Dichter in den 80-er Jahren des 12. Jahrhunderts FRIEDRICH BARBAROSSA bei der Darstellung von dessen Wahl und Krönung viermal als puer kennzeichnete und die pueritia im Früh- und Hochmittelalter schulmäßig bis zum 14., höchstens bis zum 28. Lebensjahr reichte. Ihm sind viele Mediaevisten gefolgt. Da indessen H. GRUNDMANN, Cappenberger Barbarossakopf Seite 27ff., die Zusammenhänge um Geburt und Taufe BARBAROSSAS in die Geschichte der Cappenberger Stiftsgründung einzureihen vermochte, in der nur 1122 ein Zusammentreffen und gemeinsames Handeln des BARBAROSSA-Vaters und der CAPPENBERGER Brüder bezeugt und überhaupt möglich ist - die Jahre nach 1124 jedenfalls als zu spät völlig ausscheiden -, hat sich 1122 als FRIEDRICHS I. Geburtsjahr allgemein durchgesetzt. (Zu den Gründen des Ligurinus-Dichters, FRIEDRICH sei jugendlich darzustellen, vgl. E. ASSMANN, Friedrich Barbarossas Kinder Seite 436 Anmm. 5). Zur weiteren Eingrenzung der Geburtszeit auf 1122, vermutlich Dezember 20-23; vgl. F. OPPL, Winterquatember Seite 332f.; auch BOM nr. 1.
Zur Zeit seines ersten Eheschlusses - mit Adela von Vohburg - (ca. 1147/49) vgl. bei XXXVII : Adela (von Vohburg) nr. 1; zu den Plänen nach der Scheidung von Adela, eine byzantinische Prinzessin zu heiraten, vgl. bei T. WELLER, Heiratspolitik Seite 74ff.; zur zweiten Verheiratung FRIEDRICHS - mit Beatrix (von Burgund) - (25.I.1156 bzw. Mitte Juni 1156) vgl. bei XXXVIII : Beatrix von Burgund nr. 1.
FRIEDRICH BARBAROSSA fand seinen Tod während seiner Kreuzfahrt im kleinasiatischen Saleph, und zwar am 10. Juni 1190, einem Sonntag; vgl. hierzu die Quellenzusammenstellung bei W. GIESEBRECHT, Geschichte der deutschen Kaiserzeit Band 6 Seite 281f., 723; davon sei besonders zitiert die Epistola de morte Friderici imp. bzw. Epistola de FFriderici I. imp. expeditione sacra, ed. F.-J. SCHMALE Seite 382, auch MGH SS rer. Germ. NS 5 Seite 177f.:
pervenimus Saleph in dominica die que fuit vigilia Barnabe apostoli. Eodem die, cum domnus imperator ... vellet balneari in eadem aqua et ita se refrigerando vellet transnatare, occulto Dei iudicio casu lacrimabili et inopinato submersus est. Cuius reliquias cum debita veneratione nobiscum portamnus et usque Turson [= Tarsus] famosam civitatem pervenimus. -
Otto von St. Blasien, Chron. cap. 35, MGH SS rer. Germ. Seite 51f., berichtet:
Nam egregius cesar Fridricus Tarsum tendens amne quodam ... ingressus ... submergitur ... Obiit autem anno regni XXXVIII [richtig: 39.], imperii autem XXX°V°, incarnationis dominice anno M°C° nonagesimo. ... sepultisque intestinis eius cumm reliqua carne apud Tarsun ossa Antiochiam translata cultu regio officiosissime recinduntur.
FRIEDRICHS Todestag wurde sowohl nördlich als auch südlich der Alpen festgehalten; vgl. H. GRAFEN, Spuren der ältesten Speyerer Necrologüberlieferung Seite 403:
zum 10.VI.: 4. Id. Fridericus imperator obiit, qui dedit fratribus ...; DERS., Forschungen Seite 319; W. METZ, Das älteste Nekrolog Seite 203;
E. WINKELMANN, Reisefrüchte aus Italien 1: Necrol. Panormitana Seite 472:
4 idus junii Anno ab incarnatione domini MCLXXXX obiit magnificus ac triumphator imperator Federicus. -
Vgl. besonders E. EICKHOFF, Friedrich Barbarossa im Orient Seite 158f. (Tod und Todesort) und Seite 162-169 (Schicksal von Eingeweiden und Knochen).
Zum Schicksal des Leichnams FRIEDRICHS vgl. auch W. GIESEBRECHT (wie oben) mit Belegen; dazu auch P. AUFGEBAUER, Der tote König Seite 691.