Mutmasslicher Sarg der Königin Editha entdeckt
Bei archäologischen Untersuchungen im Magedburger Dom wurde kürzlich ein Bleisarg entdeckt, der vemutlich die sterblichen Überreste der Königin Editha beherbergt. Die im Jahr 946 Verstorbene war die erste Gemahlin OTTOS DES GROSSEN - der ihr die Stadt Magdeburg als Hochzeitsgeschenk verehrte.
Bleisarg der Königin Editha mit der Inschrift auf dem Deckel (© LDA Halle, Foto: Juraj Lipták)
Inschrift auf dem Sargdeckel (© LDA Halle, Foto: Friederike Hertel)
Abnahme vom Deckstein am Grabmal der Königin Editha im Magdeburger Dom. (© LDA Halle, Foto: Juraj Lipták)
Im Chorumgang des Magdeburger Doms steht das so genannte
Kenotaph
(Scheingrab) der Königin Editha, das von der
Kunstgeschichte auf
1500-1510 datiert wurde. Es wurde unter Erzbischof Ernst von Sachsen
errichtet und ist aus gelbem Sandstein gefertigt.
In einem Bereich unter und südlich dieses Kenotaphs wurde die
Krypta der Vorgängerkirche (spätes 10.Jahrhundert/frühes
11. Jahrhundert) vermutet. Aus diesem Grund wurde 2007/2008
südlich des
Kenotaphs gegraben.
Unter dem Kenotaph fand sich ein älterer Unterbau
(Sandstein-Fundament, darunter qualitätvolle Sandsteinquader), der
aber bereits zum heutigen Dom gehört. Nun ergab sich die spannende
Frage, ob eine Kontinuität des Editha-Kenotaphs (1500/1510) ab
dem
frühen 13. Jahrhundert besteht. Hinzu kommt, dass das Kenotaph
sowie der entdeckte Unterbau genau in der Mittelachse des
spätromanisch-gotischen Doms liegen. Die Orientierung dieses
Neubaus von 1209 weicht von der Orientierung der Vorgängerkirche
ab. Kann dieser neue Befund auch etwas über die Gründe der
Neuorientierung aussagen?
Zur Untersuchung dieser wichtigen älteren Fundamente war ein Abbau des Editha-Kenotaphes bzw. dessen Verschiebung notwendig. Um dies ohne Gefahr für das Kenotaph durchzuführen, wurde eine Kamerabefahrung durchgeführt. Dabei zeigte sich in dem vermeintlichen Scheingrab ein Kasten aus Blei, offenbar ein Sarg. Das Kenotaph ist also in Wirklichkeit ein Sarkophag.
Eine Verschiebung des steinernen Grabmals war somit nicht realisierbar. Das Bauwerk von 1500-1510 musste abgebaut werden, um den oben genannten Unterbau zu untersuchen. Dies geschah in den letzten Wochen in Magdeburg.
Der Bleisarg
Nach Abnahme des Deckels des Sarkophages zeigte sich ein
kleiner,
gut 70cm langer Sarg. Aufgrund seiner Größe kann es sich
nicht um die originale Bestattung, sondern eher um eine sekundäre
Grablege handeln.
Auf der Oberseite des Bleisarges befindet sich eine Inschrift (s. u.),
die auf 1510 datiert. Ob der Bleisarg auch von 1510 ist oder in diesem
Jahr nur die Beschriftung erhielt, ist noch offen. Auch hier sind die
Untersuchungen noch im Gange.
Lese- und Übersetzungsvorschlag der Inschrift (Prof. Ernst Schubert):
EDIT REGINE CINERES
HIC
SARCOPHAGVS HABET RECONDITOS SECVNDA
(IA)M RENOVACIONE HVIVS MONVMENTI FACTA SVB INCARNA/ [TI]
... VERBI CVRRENTIBVS ANNIS MILLESIMO QVINGENTESIMO DE
CIMO AD LAVDEM
CHRISTI
REGIS SECVLORVM
DIE GEBORGENEN RESTE
DER
KÖNIGIN EDITH SIND IN DIESEM SARKOPHAG,
NACHDEM 151O SCHON DIE ZWEITE ERNEUERUNG DIESES MONUMENTS GEMACHT
WORDEN IST IM LAUFE DER JAHRE SEIT DER FLEISCHWERDUNG DES WORTES.
ZUM RUHME
CHRISTI,
DES KÖNIGS ALLER ZEITEN
Editha war die erste Gemahlin König OTTOS I. DES GROSSEN. Dieser war ab 936 deutscher König und ab 962 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. 929 gab OTTO seiner Gemahlin Editha Magdeburg als Morgengabe. Sie starb im Jahre 946 und wurde zunächst im Mauritius-Kloster in Magdeburg beigesetzt, über dessen Grundmauern der heutige Dom errichtet wurde.
Besonders wichtig ist neben der Nennung der Jahreszahl, die mit
der
kunstgeschichtlichen Datierung des Sarkophages übereinstimmt, die
Nennung der Königin Editha. Damit sind die beiden
wichtigsten
Fakten genannt.
Die Errichter des Sarkophages von 1510 waren also der Meinung, man
würde hier die Gebeine der
Königin Editha
bestatten. Erste
Untersuchungen des Sarginhaltes lassen zwei verschiedene Gewebetypen
erkennen. Eine Computertomographie ließ in Leinen eingewickelte
Knochenfragmente erkennen.
Nach dem momentanen Stand der Untersuchungen sind dies Knochenfragmente eines einzelnen Individuums. Die alten Gewebe verlangen ein höchst sensibles und überlegtes Vorgehen, so dass eine direkte Untersuchung der Knochen aus diesen Gründen noch nicht vorgenommen werden konnte. Ob es sich bei den Knochen tatsächlich um Gebeine von Editha handelt, werden somit die weiteren Untersuchungen in den nächsten Monaten zeigen. Unabhängig davon ist der Sarg selbst mit seiner Inschrift zweifelsfrei einer der bedeutendsten mittelalterlichen Neufunde der letzten Jahrzehnte in Deutschland. Ein wissenschaftliches Konzept für die Untersuchung ist bereits erstellt.
Magdeburger OB wirft Landesmuseum Respektlosigkeit vor
Der Sarg war nach der Bergung in das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle gebracht und dort untersucht worden. Am Mittwoch, den 28.1. wurde der Fund der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Umstand, dass diese Präsentation in Halle und nicht in Magdeburg stattfand, hatte im Vorfeld des Termins die Gemüter erregt. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper sagte, die Präsentation des Fundes in Halle sei »ein Vorgang, der jeden Respekt vor der Geschichte Magdeburgs vermissen lässt«. Seiner Ansicht nach hätte die »Erstpräsentation ... zwingend in Magdeburg« stattfinden müssen - besonders im Hinblick auf das 800-jährige Domjubiläum, das Magdeburg in diesem Jahr feiert. Diese Forderung hatte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie aus Sicherheits-, restauratorischen und konservatorischen Gründen jedoch zurückgewiesen. Der Sarg soll aber so restauriert werden, dass er noch im Rahmen des Domjubiläums in Magdeburg ausgestellt werden kann.