Der wahre Grund der Scheidung FRIEDRICHS
I. BARBAROSSAS von seiner ersten Frau Adela
von Vohburg ist nicht schwierig zu erraten.
Adela
genügte seinen wachsenden Ansprüchen nicht. Was sie in die
Ehe
mitgebracht hatte, war nicht viel:
Das Egerland mit der Stadt Eger, das
schon FRIEDRICHS Onkel König
KONRAD III. zum Verdruß der DIEPOLDE ans Reich gebracht
hatte.
In den Streitigkeiten der verschiedenen Pfalz-
und
Markgrafen
um die Vorherrschaft in Burgund widersetzte sich die einzige Tochter
und
damit Erbin des Grafen Rainald III. von Burgund, Beatrix,
ihrem Oheim Wilhelm, der
sie kurzerhand in einen Turm sperren ließ,
wo sie zugrunde gehen sollte, damit ihm das Erbe seines Bruders Rainald
zufalle.
"Selbst wenn Beatrix
beim Kaiser keine Hilfe suchte, hatte dieser die Pflicht, sich der
unschuldig
Verfolgten anzunehmen; so beschloß er nicht nur sie zu befreien,
sondern die sehr schöne Erbin von Burgund zu heiraten." (Raumer)
So war auch die Heirat mit Beatrix
von Burgund eine politische Ehe, aber sie wurde glücklich,
vielleicht die glücklichste innerhalb der staufischen
Familie.
Viele Chronisten haben das Bild FRIEDRICH
BARBAROSSAS überliefert; sie stimmen alle mit Acerbus Morena
überein: "Der Kaiser war mittelgroß und von schöner
Gestalt;
er hatte gerade und wohlgeformte Gliedmaßen. Die helle Haut des
Antlitzes
war von rötlichem Schimmer übergossen, die Haare blond und
lockig;
sein Blick war heiter, so dass es schien, als ob er immer lachen
wollte;
er hatte weiße Zähne, sehr schöne Hände und einen
schönen Mund."
Einhellig ist auch das Bild, das uns von Beatrix
überliefert wird: "Sie war von mittlerer
Körpergröße,
ihr Haar leuchtend wie Gold, das Antlitz war sehr schön, die
Zähne
weiß und wohl gestellt; sie hatte eine aufrechte Haltung, einen
sehr
kleinen Mund, einen bescheidenen Blick, helle Augen, und war
züchtig
in sanfter, einnehmender Rede; sie hatte sehr schöne Hände
und
einen zierlichen Körper." (Acerbus Morena)
Diese Beschreibung ließ sich an dem
Skelett der
Beatrix
im
Dom zu Speyer nachprüfen.
Beatrix (geboren
zwischen 1143 und 1147, gestorben 1184) war die Tochter des
schon genannten Grafen Rainald III. von Burgund und
der Agnes,
Tochter des Herzogs Simon I. von Ober-Lothringen.
Sie war nicht nur schön,
sondern auch gebildet. Sie entstammte einer geistig hochstehenden
Familie.
Ihre Großmutter Adelheid
von Lothringen hatte die Wissenschaften
gefördert, die Schwester ihres Vaters, die Gattin des Dauphin von
Vienne, war eine ausgezeichnete Lateinerin.
FRIEDRICH BARBAROSSA
war ihr an Bildung unterlegen; er verstand etwas Latein, sprach es aber
nicht. Doch was zählte das vor seiner imponierenden Lebenskraft
und
Kunst zu regieren, seiner Leutseligkeit und Daseinsfreude, seinem
hochgemuten
und unbeugsamen Wesen, das allen Schicksalsschlägen zu trotzen
wußte?
Die Hochzeit wurde am 10./17. Juni 1156 in
Würzburg
gefeiert. Soweit ihn Regierungsgeschäfte, Züge nach Italien
oder
Kriege nicht abhielten, weilte FRIEDRICH bei
Beatrix.
Auf Reisen begleitete sie ihn, bei allen Festlichkeiten war sie
anwesend.
Stiftungsurkunden wurden vom Kaiser und von ihr unterzeichnet. FRIEDRICH
galt seinen Zeitgenossen als Pantoffelheld.
Bei dem Fest in Pavia, nach der Eroberung und
Zerstörung
Mailands durch FRIEDRICH BARBAROSSA
(1162), war sie der Stern über dem herrlichen Gastmahl; sie und FRIEDRICH
trugen dabei die Kaiserkrone auf dem Haupt. Er wie sie liebten
ein festliches Leben. 1177 erlebte
Beatrix
anläßlich
des Friedensschlusses in Venedig den prachtvollen Gottesdienst in der
Markuskirche,
wo sie der Papst, die Kardinäle und zahlreiches Volk erwartet
hatten.
Von Venedig reiste sie mit FRIEDRICH und
ihrem Sohn HEINRICH über Ravenna
und Spoleto durch Tuszien nach Pisa, wo sie feierlichst empfangen
wurden.
Die Reise ging weiter nach Arles, wo FRIEDRICH
zum König des Arelats gekrönt wurde, dann nach der
Reichsstadt
Besancon, wo die burgundischen Angelegenheiten geregelt wurden.
Beatrix war nicht
nur eine schöne, gebildete und liebenswürdige Frau, sondern
auch
eine gute Mutter; sie hatte acht Söhne und zwei Töchter zur
Welt
gebracht. Sie starb am 15. November 1184, etwa 40 Jahre alt, wohl
in ihrer Heimat. Das Schicksal hatte ihr gegönnt, vor dem Tod
ihres
Gatten 1190 während des Kreuzzugs zu sterben. Sie wurde mit ihrer
letzten vierjährigen Tochter, die wenige Wochen vor ihr gestorben
war, 1185 in der Gruft des Domes von Speyer beigesetzt.