Mühlbacher Josef: Seite 32-40
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

Der wahre Grund der Scheidung FRIEDRICHS I. BARBAROSSAS von seiner ersten Frau Adela von Vohburg ist nicht schwierig zu erraten. Adela genügte seinen wachsenden Ansprüchen nicht. Was sie in die Ehe mitgebracht hatte, war nicht viel:
Das Egerland mit der Stadt Eger, das schon FRIEDRICHS Onkel König KONRAD III. zum Verdruß der DIEPOLDE ans Reich gebracht hatte.

In den Streitigkeiten der verschiedenen Pfalz- und Markgrafen um die Vorherrschaft in Burgund widersetzte sich die einzige Tochter und damit Erbin des Grafen Rainald III. von Burgund, Beatrix, ihrem Oheim Wilhelm, der sie kurzerhand in einen Turm sperren ließ, wo sie zugrunde gehen sollte, damit ihm das Erbe seines Bruders Rainald zufalle.
"Selbst wenn Beatrix beim Kaiser keine Hilfe suchte, hatte dieser die Pflicht, sich der unschuldig Verfolgten anzunehmen; so beschloß er nicht nur sie zu befreien, sondern die sehr schöne Erbin von Burgund zu heiraten." (Raumer)
So war auch die Heirat mit Beatrix von Burgund eine politische Ehe, aber sie wurde glücklich, vielleicht die glücklichste innerhalb der staufischen Familie.
Viele Chronisten haben das Bild FRIEDRICH BARBAROSSAS überliefert; sie stimmen alle mit Acerbus Morena überein: "Der Kaiser war mittelgroß und von schöner Gestalt; er hatte gerade und wohlgeformte Gliedmaßen. Die helle Haut des Antlitzes war von rötlichem Schimmer übergossen, die Haare blond und lockig; sein Blick war heiter, so dass es schien, als ob er immer lachen wollte; er hatte weiße Zähne, sehr schöne Hände und einen schönen Mund."
Einhellig ist auch das Bild, das uns von Beatrix überliefert wird: "Sie war von mittlerer Körpergröße, ihr Haar leuchtend wie Gold, das Antlitz war sehr schön, die Zähne weiß und wohl gestellt; sie hatte eine aufrechte Haltung, einen sehr kleinen Mund, einen bescheidenen Blick, helle Augen, und war züchtig in sanfter, einnehmender Rede; sie hatte sehr schöne Hände und einen zierlichen Körper." (Acerbus Morena)
Diese Beschreibung ließ sich an dem Skelett der Beatrix im Dom zu Speyer nachprüfen.
Beatrix (geboren zwischen 1143 und 1147, gestorben 1184) war die Tochter des schon genannten Grafen Rainald III. von Burgund und der Agnes, Tochter des Herzogs Simon I. von Ober-Lothringen. Sie war nicht nur schön, sondern auch gebildet. Sie entstammte einer geistig hochstehenden Familie. Ihre Großmutter Adelheid von Lothringen hatte die Wissenschaften gefördert, die Schwester ihres Vaters, die Gattin des Dauphin von Vienne, war eine ausgezeichnete Lateinerin.
FRIEDRICH BARBAROSSA war ihr an Bildung unterlegen; er verstand etwas Latein, sprach es aber nicht. Doch was zählte das vor seiner imponierenden Lebenskraft und Kunst zu regieren, seiner Leutseligkeit und Daseinsfreude, seinem hochgemuten und unbeugsamen Wesen, das allen Schicksalsschlägen zu trotzen wußte?
Die Hochzeit wurde am 10./17. Juni 1156 in Würzburg gefeiert. Soweit ihn Regierungsgeschäfte, Züge nach Italien oder Kriege nicht abhielten, weilte FRIEDRICH bei Beatrix. Auf Reisen begleitete sie ihn, bei allen Festlichkeiten war sie anwesend. Stiftungsurkunden wurden vom Kaiser und von ihr unterzeichnet. FRIEDRICH galt seinen Zeitgenossen als Pantoffelheld.
Bei dem Fest in Pavia, nach der Eroberung und Zerstörung Mailands durch FRIEDRICH BARBAROSSA (1162), war sie der Stern über dem herrlichen Gastmahl; sie und FRIEDRICH trugen dabei die Kaiserkrone auf dem Haupt. Er wie sie liebten ein festliches Leben. 1177 erlebte Beatrix anläßlich des Friedensschlusses in Venedig den prachtvollen Gottesdienst in der Markuskirche, wo sie der Papst, die Kardinäle und zahlreiches Volk erwartet hatten. Von Venedig reiste sie mit FRIEDRICH und ihrem Sohn HEINRICH über Ravenna und Spoleto durch Tuszien nach Pisa, wo sie feierlichst empfangen wurden. Die Reise ging weiter nach Arles, wo FRIEDRICH zum König des Arelats gekrönt wurde, dann nach der Reichsstadt Besancon, wo die burgundischen Angelegenheiten geregelt wurden.
Beatrix war nicht nur eine schöne, gebildete und liebenswürdige Frau, sondern auch eine gute Mutter; sie hatte acht Söhne und zwei Töchter zur Welt gebracht. Sie starb am 15. November 1184, etwa 40 Jahre alt, wohl in ihrer Heimat. Das Schicksal hatte ihr gegönnt, vor dem Tod ihres Gatten 1190 während des Kreuzzugs zu sterben. Sie wurde mit ihrer letzten vierjährigen Tochter, die wenige Wochen vor ihr gestorben war, 1185 in der Gruft des Domes von Speyer beigesetzt.