Jordan Karl: Seite 63,69,169,189
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"Heinrich der Löwe"

Nach der Rückkehr aus Polen begab sich der Kaiser noch im Herbst des Jahres nach Burgund. Nachdem seine erste Ehe mit Adela von Vohburg bereits 1153 geschieden worden und der Plan einer Heirat FRIEDRICHS mit einer byzantinischen Prinzessin gescheitert war, hatte sich der Kaiser im Sommer 1156 mit Beatrix, der Erbin der Grafschaft Hoch-Burgund, vermählt. An den Hochzeitsfeierlichkeiten, die im Juni des Jahres in Würzburg mit großem Prunk begangen wurden, hatte auch Heinrich der Löwe teilgenommen. Jetzt kam der Kaiser mit Beatrix nach Burgund, um im Oktober auf einem Reichstag zu Besancon die Huldigung des Landes entgegenzunehmen.
Ende Mai brach Heinrich der Löwe mit einem Aufgebot von 1.200 Rittern nach dem Süden auf. Auf dem Zuge nach Italien übernahm der Herzog auch das Geleit für die Kaiserin Beatrix, die ebenfalls ihrem Gemahl Hilfstruppen zuführte. Am 20. Juli traf er zusammen mit der Kaiserin vor Crema ein, mit dessen Belagerung FRIEDRICH kurz zuvor begonnen hatte.
Paschalis III., der in der Peterskirche inthronisiert wurde, krönte am 1. August 1167 FRIEDRICHS Gemahlin Beatrix zur Kaiserin. Nach einer Malariaseuche, die im Heer ausbrach und hohe Verluste zur Folge hatte, kehrte das Kaiserpaar über Burgund nach Deutschland zurück.
Die Begegnung in Chiavenna, an der die Kaiserin Beatrix und das Gefolge beider Fürsten teilnahmen, verlief sehr dramatisch. Der Kaiser hat seinen Vetter zweifellos in sehr eindringlicher Weise um seine Hilfe gebeten. Dabei tat er wohl schließlich, um dessen Widerstand zu überwinden, in großer Erregung vor ihm einen Fußfall. Einige Quellen sprechen ausdrücklich von einem solchen Fußfall; andere bemerken, die Haltung des Kaisers sei demütiger gewesen, als es der Majestät des Herrschers zukomme. Ein solcher Fall war für damalige Zeit nicht eine so starke persönliche Demütigung wie für den späteren Betrachter dieser Szene. Nach den Worten Arnolds von Lübeck war der Herzog über diesen Vorgang so bestürzt, dass er den Kaiser sofort aufhob. Dem steht aber die Aussage anderer Quellen gegenüber, dass es Heinrich nicht für nötig befunden habe, FRIEDRICH wieder aufzurichten. Zwei Chronisten des frühen 13. Jahrhunderts, der Propst Burchard aus dem schwäbischen Stift Ursberg und der Verfasser der sächsischen Weltchronik, berichten, dass Jordan von Blankenburg, Heinrichs Truchseß, seinen Herrn mit überheblichen Worten davon abgehalten habe, den Kaiser aufzuheben. "Laßt Herr" - so soll er gesagt haben - "die Krone des Reiches zu euren Füßen liegen, eines Tages wird sie auf euer Haupt kommen". In dieser Form ist die Erzählung zweifellos anekdotisch zugespitzt. Ganz frei erfunden ist sie sicher nicht. Sie ist vor allem bezeichnend für das übersteigerte Selbstbewußtsein des WELFEN und seiner Umgebung. Und wenn es in den Stader Annalen heißt, die Kaiserin Beatrix habe FRIEDRICH mit den Worten aufgerichtet: "Erhebe dich Herr und gedenke dieses Falles, auch Gott möge dessen eingedenk bleiben", so wird dadurch deutlich, wie deutlich der Nachklang dieses Geschehens in Chiavenna noch um die Mitte des 13. Jahrhunderts war.