Nach der Rückkehr aus Polen begab
sich der
Kaiser
noch im Herbst des Jahres nach Burgund. Nachdem seine erste Ehe mit Adela
von Vohburg bereits 1153 geschieden worden und der Plan einer
Heirat FRIEDRICHS mit einer
byzantinischen
Prinzessin gescheitert war, hatte sich der Kaiser im Sommer 1156 mit Beatrix,
der Erbin der Grafschaft Hoch-Burgund,
vermählt. An den Hochzeitsfeierlichkeiten,
die im Juni des Jahres in Würzburg mit großem Prunk begangen
wurden, hatte auch Heinrich der
Löwe teilgenommen. Jetzt kam der Kaiser
mit Beatrix nach Burgund, um im Oktober
auf einem Reichstag zu Besancon die Huldigung des Landes
entgegenzunehmen.
Ende Mai brach Heinrich
der Löwe mit einem Aufgebot
von 1.200 Rittern nach dem Süden auf. Auf dem Zuge nach Italien
übernahm
der Herzog auch das Geleit für die Kaiserin
Beatrix, die ebenfalls ihrem Gemahl Hilfstruppen zuführte.
Am 20. Juli traf er zusammen mit der Kaiserin
vor Crema ein, mit dessen
Belagerung FRIEDRICH kurz zuvor begonnen
hatte.
Paschalis
III.,
der in der Peterskirche inthronisiert
wurde, krönte am 1. August 1167 FRIEDRICHS
Gemahlin
Beatrix zur
Kaiserin.
Nach einer Malariaseuche, die im Heer ausbrach und hohe Verluste zur
Folge
hatte, kehrte das Kaiserpaar über Burgund nach Deutschland
zurück.
Die Begegnung in Chiavenna, an der die
Kaiserin
Beatrix und das Gefolge beider Fürsten teilnahmen,
verlief sehr dramatisch. Der Kaiser hat seinen Vetter zweifellos in
sehr
eindringlicher Weise um seine Hilfe gebeten. Dabei tat er wohl
schließlich,
um dessen Widerstand zu überwinden, in großer Erregung vor
ihm
einen Fußfall. Einige Quellen sprechen ausdrücklich von
einem
solchen Fußfall; andere bemerken, die Haltung des Kaisers sei
demütiger
gewesen, als es der Majestät des Herrschers zukomme. Ein solcher
Fall
war für damalige Zeit nicht eine so starke persönliche
Demütigung
wie für den späteren Betrachter dieser Szene. Nach den Worten
Arnolds von Lübeck
war der Herzog über diesen Vorgang so bestürzt,
dass er den Kaiser sofort aufhob. Dem steht aber die Aussage anderer
Quellen
gegenüber, dass es Heinrich
nicht für nötig befunden habe,
FRIEDRICH
wieder aufzurichten. Zwei Chronisten des frühen 13.
Jahrhunderts,
der Propst Burchard aus dem
schwäbischen Stift Ursberg und der Verfasser
der sächsischen Weltchronik, berichten, dass Jordan von Blankenburg,
Heinrichs Truchseß, seinen Herrn mit
überheblichen Worten davon
abgehalten habe, den Kaiser aufzuheben. "Laßt Herr" - so soll er
gesagt haben - "die Krone des Reiches zu euren Füßen liegen,
eines Tages wird sie auf euer Haupt kommen". In dieser Form ist die
Erzählung
zweifellos anekdotisch zugespitzt. Ganz frei erfunden ist sie sicher
nicht.
Sie ist vor allem bezeichnend für das übersteigerte
Selbstbewußtsein
des WELFEN
und seiner Umgebung. Und
wenn es in den Stader Annalen heißt, die Kaiserin
Beatrix habe FRIEDRICH mit
den Worten aufgerichtet: "Erhebe dich Herr und gedenke dieses Falles,
auch
Gott möge dessen eingedenk bleiben", so wird dadurch deutlich, wie
deutlich der Nachklang dieses Geschehens in Chiavenna noch um die Mitte
des 13. Jahrhunderts war.