Das Diplom vom 5. Februar 908 ist die
einzige uns
erhaltene
Urkunde
Ludwigs des Kindes, in der
Arnulf
nach
dem Tode seines Vaters als Graf genannt wird. Sein
Zurücktreten
in den Urkunden ist auffallend, nicht ein einziges Mal erscheint er
mehr
als Intervenient und auch hier wird sein Name ohne jeden Zusatz, nur
zur
Lokalisierung einer Grafschaft gebraucht. Ob man diese
Zurückhaltung
aus den wohl schon damals einsetzenden Sonderbestrebungen
Arnulfs
oder aus einer Verfeindung mit dem hohen Klerus, der zur Zeit Ludwigs
des Kindes die Herrschaft in den Händen hatte,
begründen
soll, mag unentschieden bleiben. Wichtig ist diese Urkunde für
uns,
weil sie zeigt, dass Arnulf wohl
ohne
Schwierigkeiten den Amtsbereich seines Vaters übernommen hat, denn
das im Nordgau gelegene Eichstätt erhält den Zusatz "in der
Grafschaft
Arnulfs".
Ich möchte annehmen, dass Arnulf
unmittelbar
nach dem Tode seines Vaters in der Schlacht von Pressburg am 5. Juli
907
Herzog von Bayern wurde. Auf
welche Weise dies geschah, ist stark
umstritten.
Waitz war der Ansicht, dass er seinem Vater ohne Weiteres in seinen
ausgedehnten
Würden und Ämtern nachgefolgt sei und lehnte eine Erhebung
durch
das Volk ab. Doch ist immerhin zu bedenken, dass Luitpold
bei aller
Machtbefugnis letztlich nur
karolingischer
Beamter
war und dass es von hier bis zur Stellung eines Fürsten, der sich
divina ordinante providentia dux Bawariorum nennen konnte, ein
großer
Schritt war. Eine solche Stellung konnte man doch wohl nur durch
Anerkennung
von Seiten der Zentralgewalt oder der Stammesgenossen erringen. Da an
das
erstere kaum zu denken ist, bleibt als Erklärung nur eine Wahl
durch
das bayerische Volk oder, was für diese Zeit dasselbe sagt, durch
den bayerischen Adel. Sicher hat die äußere Not der
Ungarn-Stürme,
besonders fühlbar nach der gerade erlittenen Niederlage, viel dazu
beigetragen, dass man sich schnell und willig einer starken
Führung
unterordnete, mag dies nun durch eine Anerkennung von Seiten der Grafen
und Herren in Bayern oder durch den Zuruf des Stammesheeres, das seinem
erblichen Führer zujubelte, geschehen sein. Jedenfalls war auch in
Bayern niemand mehr vorhanden, der an Machtfülle mit dem
LUITPOLDINGER
hätte konkurrieren können. Arnulf
erbte
ja nicht nur das Ansehen seines Vaters, sondern auch dessen ausgedehnte
Befugnisse, die sich über Kärnten, den Nordgau und den
Donaugau
erstreckten. Mindestens ebenso wichtig war der Besitz der Hauptstadt
Regensburg,
die zwischen Nord- und Donaugau gleichsam in der Zange lag, wenn nicht
Arnulf
in
ihr, wie wohl schon sein Vater, Grafschaftsrechte ausübte.
Die Säkularisierung von Kirchengut war die
Tat,
die am meisten das Urteil über Herzog Arnulf
beeinflusst
hat. Von diesem unerhörten Tun ausgehend, werteten die
mittelalterlichen
Chronisten sein Leben, und das Verdammungsurteil über ihn wurde
ebenso
feststehend wie sein Beiname "der
Böse". An der Tatsache, dass
Herzog
Arnulf Klostergut
einzog, kann nicht gerüttelt werden.
An der Spitze steht Tegernsee, das am schwersten betroffen wurde. Es
ist
kein Wunder, dass hier auch die Sage von dem schrecklichen Tod Arnulfs
entstand,
die sich mit gleicher Beharrlichkeit durch die Jahrhunderte
lebendig
erhalten sollte. Die Zahlen über den verlorenen Besitz schwanken
etwas:
rund 11.800 Hufen und 22 Salzpfannen habe Tegernsee verloren und nur
114
Hufen gerettet. Diese Zahlen mögen vielleicht übertrieben
sein,
doch dass die Verluste bedeutend waren, zeigen uns spätere
Reklamationslisten
des Klosters, in denen das geraubte Gut und die jeweiligen Besitzer
aufgezeichnet
waren. Eine solche Güterliste ist auch aus dem Kloster
Benediktbeuren
erhalten, mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, dass sich neben Arnulf
auch
noch andere Große an der Plünderung des Klosterbesitzes
beteiligten:
alles, was der Herzog gelassen hatte, hätten sich die beiden Klostervögte
Gaminolf und Unroch angeeignet.
Schließlich
zeichnete man auch in
Wessobrunn den verlorenen Besitz namentlich auf, doch fehlt hier jeder
Hinweis darauf, dass Arnulf der
Täter
war. Ohne nähere Angabe über die entfremdeten Hufen klagten
ganz
allgemein Kremsmünster, Altaich, Schäftlarn und
Münchsmünster.
Dass sich neben den weltlichen Großen auch die Bischöfe bald
in die neuen Verhältnisse schickten und ihrerseits an den
Säkularisationen
teilnahmen, ergab sich wohl schon aus ihrer Abneigung gegen die reichen
Eigenklöster. Wir wissen, dass der Bischof Drakolf von Freising die
Klöster Moosburg, Isen und Schäftlarn plünderte, und aus
der Tegernseer Güterliste ist zu entnehmen, dass die Bischöfe
von Passau und Trient später im Besitz von Gütern waren, die
man dem Kloster abgenommen hatte. Manchmal erfahren wir von Verlusten
der
Klöster und Kirchen auch erst aus Restitutionen späterer
Kaiser
und Könige. So gab Kaiser
HEINRICH II.
am 16. April 1010 dem Kloster Polling entfremdeten Besitz zurück,
ebenso verfuhren LOTHAR III. am
23.
Oktober 1133, KONRAD III. im Jahre
1140 für Münchsmünster und
FRIEDRICH
I. 1163 für Tegernsee. Schließlich wird auch noch
die Urkunde HEINRICHS I. vom 14.
April
931 hierher gehören, in der den Bayern-Herzögen
Arnulf und Berthold
befohlen
wurde, dem Freisinger Bistum unrechtmäßig entfremdete
Güter
im Vintschgau und Engadin zurückzugeben. Mit dieser
Aufzählung
haben wir kaum den ganzen Umfang der Enteignungen erfasst von den
vielen
Klöstern, von denen wir nach dem 10. Jahrhundert nichts mehr
hören,
können wir nur vermuten, dass auch sie der Säkularisation zum
Opfer gefallen sind. Das kirchliche Leben in Bayern lag am Ende des 10.
Jahrhunderts weithin darnieder. Auch andere Gründe werden hier
mitgespielt
haben:
der Kampf der Bischöfe gegen das Eigenkirchenwesen und die
Ungarn-Einfälle. Doch in den Augen der Nachwelt blieb Herzog
Arnulf der
Urheber allen Übels und wir werden uns fragen
müssen, welche Gründe ihn zu diesem rigorosen Vorgehen
veranlasst
haben. Dass auch
König
HEINRICH
aus den Arnulf zugestandenen
Besetzungsrecht der Bistümer ein
Vorwurf erwuchs, wurde bereits gesagt. Auch Arnulfs
Zorn über die nicht erlangte Königswürde und über
den
Ungehorsam einzelner Kirchen galt einigen Chronisten als Grund für
sein Vorgehen. In dieser und ähnlicher Art wurde Arnulfs
Handlungsweise
von Chronik und Geschichtsschreibung bis in die Neuzeit hinein
kommentiert.
Nachdem bereits 1735 Agnellus Candler eine Lanze für den Herzog
gebrochen
hatte, zog sich der Streit um die Wertung seiner Taten bis heute hin.
Bauerreiß
hat Recht, wenn er sagt, dass sich keine Quelle anführen
lässt,
nach der Herzog
Arnulf
das säkularisierte
Klostergut zur Aufstellung eines Heeres gegen die Ungarn verwendet
habe.
Nach ihm war dem Herzog der erbeutete Besitz "willkommenes Schmiergeld
für seine Parteifreunde im Kampf gegen den König". Er hat
dabei
das affectante imperium im Auge, stellte es aber so dar, als
sei
der Raub des Klostergutes zusammen mit dem Wunsch nach dem
Königtum
erst nach den Ungarn-Siegen des Herzogs erfolgt. Doch hält man
sich
die Lage Bayerns nach der Niederlage von 907 vor Augen, so ist es doch
wohl klar, dass ein neues Heer nicht ohne eine ganz neue Machtgrundlage
aufgebaut werden konnte, zumal Bayern als neues Herzogtum jetzt auf
eigenen
Füßen stand. Eines schließt ja das andere nicht aus:
Aufstellung
eines schlagkräftigen Heeres gegen die Ungarn und Streben nach der
Königskrone können nebeneinander bestehen als Gründe
für
die Säkularisation des Klostergutes. Wieweit daneben die von
Riezler
geäußerte Vermutung zu Recht besteht, eine herzogliche
"Hausmacht"
sei wichtig gewesen als Gegengewicht gegen die Königspartei im
bayerischen
Adel, mag dahingestellt bleiben. - Das gewiss schonungslose Vorgehen
des
bayerischen Herzogs soll hier nicht
entschuldigt werden, doch manche
Umstände
lassen es auch in einem günstigeren Licht erscheinen. Das
Erfordernis
des Tages war ein schlagkräftiges Vasallenheer gegen die
Ungarn-Gefahr.
Die LUITPOLDINGER waren
als
karolingische
Beamte hochgekommen und werden nicht genug Privatbesitz gehabt haben,
um
ein solches Heer aufstellen zu können. Was lag näher, als
dass
man auf den Besitz der "toten Hand" zurückgriff, zumal viele
Klöster
vom Ungarn-Sturm schwer getroffen waren und nicht mehr die
Möglichkeit
hatten, ihre Güter weiter zu bestellen. Für einen
tatkräftigen
und skrupellosen Fürsten boten sich hier große
Möglichkeiten
und Arnulf hat von ihnen Gebrauch
gemacht.
Am 11. August 909 schlug Herzog Arnulf
die Ungarn,
die
bis nach Schwaben vorgedrungen waren, an der Rott.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nachdem die Ungarn 908 Sachsen heimgesucht hatten, drangen
sie 909 wieder plündernd in den Süden des Reiches vor und
fielen
in Schwaben ein. Bayern hatte seine Marken im Osten weitgehend
verloren,
so Ober- und Unter-Pannonien, das norische Unterland und wohl auch das
tributpflichtige
Böhmen. Dass die Ennsgrenze erhalten blieb, ergibt sich aus einer
Urkunde Ludwigs des Kindes vom
19.
Februar 909, in der dem Erzbischof
Pilgrim von Salzburg
und dem Markgrafen
Aribo als Ersatz für
die durch die Ungarn erlittenen
Verluste jeweils
zur Hälfte die Abtei Traunkirchen geschenkt wurde. Demnach hat
wohl
Aribo seine Grafschaften
im
norischen Unterland verloren. Die Ungarn stießen
durch das bayerische Hinterland, in dem für sie wohl nichts mehr
zu
holen war, hindurch und gelangten nach Schwaben. Wir hören nichts
von Abwehrkämpfen, sie konnten ungehindert Beute machen und
schickten
sich wieder an, zurückzukehren. - Dabei aber ereilte sie ihr
Geschick.
Am 30. Juli, einem Sonntag, kamen sie nach Freising, wo ihr Erscheinen
einen solchen Eindruck machte, dass der Chronist sogar die Stunde ihrer
Ankunft vermerkte. Sie scheinen sich hier einige Tage aufgehalten zu
haben,
denn am darauffolgenden Freitag, dem 4. August, steckten sie die Kirche
von St. Stephan und St. Veit in Brand. Diese Einäscherung wurde
lange
fälschlich in das Jahr 955 gesetzt, doch stimmen dann Monats- und
Jahresdatum nicht zusammen. - Die Ungarn hatten sich relativ lange in
Freising
aufgehalten und diese Zeit hatte Arnulf wohl
benützt, um sein Heer zu sammeln, mit dem er den heimziehenden
Scharen
am 11. August an der Rott den Weg verlegte. In den Ebenen von
Eggenfelden
und Pfarrkirchen bis gegen Schärding hin kam es zur Schlacht, aus
der Herzog
Arnulf als Sieger hervorging.
Sehr nachhaltig kann dieser Erfolg aber nicht gewesen sein, da sonst
auch
wohl gleichzeitige Annalen darüber berichtet hätten und wir
unsere
Kenntnis nicht nur aus dem Nekrolog schöpfen müssten.
Ein süddeutsches Heer unter
König Ludwig
dem
Kind wurde am 22. Juni 910 von den Ungarn bei Augsburg geschlagen.
Diese
erlitten gleich darauf von den Bayern unter Herzog Arnulf bei Neuching
eine Niederlage.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die Niederlage von 909 an der Rott hielt
die Ungarn nicht ab, bereits im nächsten Jahr wieder ins
Ost-Franken-Reich
einzubrechen. Hier schien man diesmal umfangreiche Vorbereitungen
getroffen
zu haben. Liudprand von Cremona
überlieferte uns, dass man die drei
süddeutschen Stämme Bayern, Franken und Schwaben aufgeboten
hatte
und alle, die diesem Gebot nicht Folge leisteten, mit dem schimpflichen
Tod am Galgen bedrohte. Zu einer Vereinigung der drei Stämme kam
es
aber nicht mehr, nach Zatscheks Vermutung mit voller Absicht. Man hielt
wohl nicht Schwaben, sondern Franken für bedroht. Hier blieb auch
das fränkische Aufgebot unter König
Ludwig und dem Grafen
Gebhard,
während man schwäbische
Truppen im Süden ließ, vielleicht um den Feind einzukreisen.
Doch hierher stießen die Ungarn, schlugen das schwäbische
Heer
und töteten den Grafen Gozbert,
wohl dessen Führer. Nach einer
in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts in den Reichenauer Nekrolog
nachgetragenen Notiz fand das Treffen am 12. Juni statt. Nun scheint
den
Feinden das fränkische Aufgebot entgegengerückt zu sein. Am
22.
Juni kam es bei Augsburg zur Schlacht, die nach anfänglichen
Erfolgen
den ostfränkischen Truppen abermals eine Niederlage brachte und
ihrem
Führer Gebhard das
Leben kostete. Wohl auf dem Rückweg der
Ungarn
wird Arnulf
eine Abteilung des Feindes
bei Neuching geschlagen haben. Auch die schwäbischen Annalen
berichten
trotz der Niederlage ihrer Standesgenossen davon, doch war der Erfolg
wohl
nicht sehr groß, denn die Ungarn konnten trotzdem mit ihrer Beute
zurückkehren. Die Niederlage aber, die die Schwaben und Franken
unter
Ludwig
dem Kind erlitten haben, muss bedeutend gewesen sein, denn
viele
spätere Chronisten, denen die genaue Abfolge der ungarischen
Züge nach Deutschland unbekannt war, fassen oft alle Ereignisse
dieser
Jahre in der Niederlage von Augsburg zusammen.
Am 10. November 911 wurde Herzog
Konrad von Franken
in
Forchheim von den Franken, Sachsen, Schwaben und Bayern zum König
gewählt.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Verwunderlich erscheint jedoch, dass bei
allen Verhandlungen mit keinem Wort Arnulfs von
Bayern gedacht wurde. Er war schließlich der
Fürst
eines starken Stammes, der in der Reichspolitik unter den letzten KAROLINGERN an
Ansehen gewonnen hatte. "Arnulf,
der ohnehin ein starkes Herzogtum einem schwachen Königtum
vorziehen
mochte, kam wegen seiner Jugend halber gar nicht in Betracht". Auch
Riezler
nahm an, dass die Entkräftung Bayern nach der Niederlage von 907
die
Ursache dafür war, dass Arnulf
übergangen wurde. Seine Jugend und Unerprobtheit
führte Günter
ins Feld und Mitteis glaubte, dass er sein fast königliches
Herzogtum
der Würde eines ostfränkischen
Königs vorziehen mochte.
Unter den Folgen der Ungarn-Stürme hatten aber auch andere
Stämme
zu leiden und Unerprobtheit konnte man dem bayerischen Herzog nicht
vorwerfen,
denn er hatte schon zweimal einen Sieg über die Ungarn errungen.
Man
mag wohl mit einer gewissen Opposition unter der hohen Geistlichkeit
gegen
ihn rechnen, doch ist die Beantwortung dieser Frage wohl in Arnulf
selbst zu suchen. Er war an der unsicheren Würde eines rex
Francorum
wenig interessiert und es lag ihm mehr an der Errichtung und an dem
Ausbau
eines starken Herzogtums, so dass er deshalb gar keine Ansprüche
auf
ein ostfränkisches Königtum geltend machte.
eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Viele Gründe
sind
für das
völlige Außerachtlassen seiner Person ins Feld geführt
worden.
Wichtiger ist die am 5. März 912
in Ulm
ausgestellte
Urkunde für uns aber noch aus einem anderen Grund.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Neben den Bischöfen Salomo von
Konstanz, Drakolf
von Freising und Meginpert
von
Seben trat eine große Anzahl von Grafen
als Intervenienten auf, unter denen an zweiter Stelle ein Arnolfus
comes erscheint. Dass sich unter diesem der Herzog
Arnulf von Bayern verbirgt,
der sich zusammen mit seinem Oheim
Erchanger am Hofe KONRADS I.
aufhielt,
wird allgemein angenommen. Ist der wenig später aufgeführte
Berthold
etwa
sein Bruder? Dass Arnulf hier nur
Graf
genannt wird, spricht nicht dagegen, denn so hieß er auch noch in
den Urkunden HEINRICHS I. Jedenfalls
ist diese Anwesenheit Arnulfs
im
Hoflager
König
KONRADS zu Ulm ein Beweis dafür, dass das
Verhältnis
zwischen den beiden Männern nicht von Anfang an feindlich war.
Auch
dass der neue König die Mutter des bayerischen Herzogs heiratete,
deutet doch auf Entgegenkommen und Versöhnung hin.
Herzog Arnulf schlug 913 gemeinsam mit
seinen
Oheimen
Erchanger und Berthold und dem Grafen Udalrich von einem Einfall in
Schwaben
zurückkehrenden Ungarn am Inn.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nach ihren großen Erfolgen, die sie
909 und 910 in Schwaben erzielt hatten, machten die Ungarn auch 913
dieses
Land wieder zum Ziel eines Plünderungszuges. Nach Homan dienten
die
Züge dazu, einmal die Ennsgrenze militärisch zu sichern und
dann
Vorbereitungen der Deutschen zu einem Gegenschlag, dem sie auf die
Dauer
nicht gewachsen waren, zu hemmen und zu stören. Wieder waren die
deutschen
Truppen erst dann gesammelt, als die Ungarn bereits den Rückweg
antraten.
Schwäbische Truppen unter den Grafen
Erchanger und Berthold,
den beiden
Oheimen Arnulfs
und dem Grafen Udalrich,
der im Linz- und Argengau
herrschte, vereinigten sich mit einem
bayerischen
Aufgebot, das unter Herzog Arnulf stand.
Der Ort ist diesmal nicht genau zu lokalisieren; die Quellen nennen nur
den Inn. Es scheint für die deutschen Truppen ein großer
Erfolg
gewesen zu sein, den nach dem Bericht der Annalen aus St. Gallen nur 30
Feinde überlebt haben. Der Sieg war ein Werk der beiden
süddeutschen
Stämme unter ihren Führern, die zu dieser Zeit allein noch im
Stande waren, die Grenzen des Reiches zu schützen. Dass dadurch
die
Macht der Herzöge bedeutend gestärkt wurde, liegt auf der
Hand.
In Schwaben hat nach Ansicht Läwens der Sieg der Grafen Erchanger
und Berthold überhaupt
erst die Grundlage für ihr Streben nach
der Herzogskrone abgegeben. Jedenfalls
scheint zu dieser Zeit ein Bündnis zwischen
Bayern und Ungarn geschlossen worden zu sein, denn die folgenden
Züge
der Ungarn nach Deutschland waren nicht mehr von Plünderungen in
Bayern
begleitet. Auch die Flucht des bayerischen Herzogs zu den Ungarn, von
der
später zu sprechen sein wird, lässt auf ein Abkommen zwischen
den beiden Völkern schließen. Stein lehnte allerdings die
Möglichkeit
eines Vertrages ab und meinte, die Ungarn hätten Bayern nur
verschont,
weil es allzu sehr ausgeplündert gewesen sei. Dabei bleibt aber
doch
eigenartig, dass sich diese Schonung über einen Zeitraum von 15
Jahren
erstreckt haben soll.
aber zog aus dieser Schlacht noch weiteren Nutzen. Schottmüller
vermutete,
dass der bayerische Herzog in diesem Kampf einige ungarische
Anführer
gefangen nehmen und dadurch einen Druck auf die Ungarn ausüben
konnte.
Herzog Arnulf empörte sich 914
gegen König
Konrad
I., wurde von diesem vertrieben und floh zu den Ungarn.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Der Beginn der Rebellion Herzog
Arnulfs gegen König
KONRAD I. steht nicht einwandfrei fest. Fast alle
mittelalterlichen
bayerischen Chroniken und auch noch Aventin berichten, dass die
Feindschaft
vom Regierungsantritt KONRADS an
bestanden
habe. Doch ist das nach dem oben zur Königswahl KONRADS
Gesagten wohl nicht anzunehmen. Mittermüller erschloss ein anfangs
noch freundliches Verhältnis aus der Tatsache, dass die
Reichsinsignien,
die sich beim Tode König
Ludwigs des Kindes
in
den Händen der Bayern befanden, an den neuen Herrscher
ausgeliefert
wurden. Doch wird dieser Grund durch die Untersuchungen Dümmlers,
nach denen St. Emmeran als Begräbnisort
Ludwigs
nicht
unbedingt feststeht, in Frage gestellt. Auch die von Mittermüller
herangezogene Anwesenheit bayerischer Bischöfe am Königshof
und
die Bestätigung Pilgrims
von
Passau als Erzkanzler ist dafür
nicht unbedingt stichhaltig, denn gerade unter der Geistlichkeit
bestand
wegen der Säkularisationen wohl eine Opposition gegen den Herzog.
Trotzdem wird man aber für die ersten Jahre auf ein nicht gerade
feindliches
Verhältnis schließen dürfen, denn einmal berichtete
keine
der früh- und hochmittelalterlichen Quellen Gegenteiliges und zum
andern war mit hoher Wahrscheinlichkeit der comes
Arnulfus, der
912 am Königshof als Intervenient erschien,
Herzog
Arnulf von Bayern. Schließlich mag hier auch
noch angeführt
werden, dass König
KONRAD ja
noch
im Jahre 913 Arnulfs Mutter
Kunigunde
heiratete.
Aus den Quellen werden wir wohl keine völlige Sicherheit gewinnen
können. Wohl aber sprechen andere Gründe für das Jahr
914
als den Beginn der Rebellion. In Schwaben hatte sich aus dem Streit
zwischen
Bischof Salomo von Konstanz und dem Grafen Erchanger, dessen
Anfänge
nur sagenhaft überliefert sind, ein gefährlicher Unruheherd
entwickelt.
König
KONRAD griff zu Gunsten des Bischofs ein, als dieser vom Grafen
Erchanger gefangen
genommen war. Der Graf wurde verbannt und es
lag doch
nahe, dass er sich zu seinem Neffen nach Bayern begab und dass dieser
nun
seinerseits die Waffen gegen den König ergriff. Doch auch er
konnte
sich gegen den König nicht halten und floh zu den Ungarn.
Schottmüller
glaubte, der Herzog, der ihnen noch eben eine schwere Niederlage
beigebracht
hatte, hätte sich als einzelner Flüchtling nicht schon jetzt
zu ihnen begeben können und sei wohl mit einer großen Zahl
seiner
Anhänger gekommen. Mir erscheint es zwar nicht recht einleuchtend,
dass die Ungarn eine große Menge fremder Krieger in ihrem Lande
geduldet
hätten, und doch deutet in eine ähnliche Richtung auch die
von
Homan herangezogene merkwürdige Stelle bei Lazius, wonach Arnulf
sich
mit dem Markgrafen Rüdiger
bei den Ungarn aufgehalten haben soll.
Mit Rüdiger, den
bereits
Aventin von Herzog
Arnulf eingesetzt werden ließ,
sind wir im Bereich des Nibelungenliedes; sollten in der Sage von der
Flucht
des bayerischen Nationalhelden
Dietrich
zu König
Etzel auch Erinnerungen an die Flucht des bayerischen
Herzogs
zu den Ungarn anklingen? Die Ungarn werden nach drei Niederlagen gegen
den bayerischen Herzog froh gewesen sein, ihn nicht mehr zum Gegner zu
haben und ungehindert durch sein Land hindurchziehen zu können.
Dieses
Durchzugsrecht wird auch wohl der wahre Kern der Behauptung Hermanns
von
Niederaltaich sein, Herzog Arnulf selbst
habe die Ungarn zu Kriegen gegen Deutschland aufgestachelt.
Auf Konrad von
Scheyern geht eine andere dunkle Nachricht
zurück, wonach Arnulf und sein
Bruder Berthold zwei ungarische Prinzessinnen zu Frauen
genommen
hätten, eine Nachricht, die Schollinger verteidigte. Wir wissen
von
Arnulfs
Frau
sonst gar nichts. Trotzdem glaube ich nicht an die Notiz bei Konrad von
Scheyern, denn Liudprand
berichtete,
Arnulf
sei bereits mit Frau und Kindern zu den Ungarn geflohen. Vor 913
ist
aber
doch eine Verbindung mit einer ungarischen
Prinzessin ausgeschlossen.
König Konrad I. vertrieb 916 den
rebellieren
Herzog
Arnulf aus Bayern
---------------------------------------------------------------------------------------
Uns liegt hier eine andere
Quellengruppe
vor, auf Grund
derer Jaffe und Breßlau den Beginn der Rebellion Arnulfs
ins
Jahr 916 setzten, während Dümmler immerhin Bedenken
anmeldete.
Wir können uns den Ablauf der Ereignisse also etwa
folgendermaßen
vorstellen. Arnulf, der
sich 914
gegen
den König empört hatte, wurde zur Flucht gezwungen und begab
sich zu den Ungarn. Im Jahre 916 ging dann König
KONRAD daran, Arnulfs Onkel
Erchanger, der 915
aus der Verbannung zurückgekehrt war, den
König
bei Wahlwies besiegt hatte und nun den Herzogstitel führte, mit
Hilfe
der deutschen Geistlichkeit endgültig niederzuwerfen. Die
Vorbereitungen
waren sicher schon lange vor dem September 916, in dem die Synode von
Hohenaltheim
zusammentrat, zu erkennen und mögen den bayerischen Herzog
veranlasst
haben, aus Ungarn zurückzukehren, um selbst in den Kampf
einzugreifen.
Er nahm seinen Weg über Salzburg, wo er nach der Vermutung
Breßlaus
den Erzbischof Pilgrim und
durch ihn die bayerischen Bischöfe, sei
es durch Überredung, sei es durch Zwang, auf seine Seite zu ziehen
suchte. Dass dies Bemühen ohne Erfolg blieb, zeigen die folgenden
Ereignisse. - Inzwischen war auch König KONRAD
in Bayern eingedrungen und hatte hier manche Gewalttat verübt. In
seiner Begleitung befand sich ein Bischof, dessen Verhalten die Bayern
sehr aufgebracht haben muss. In ihm wollte Gercken Salomon von Konstanz,
Giesebrecht und Riezler Theodo
von
Würzburg sehen, während Jaffe
nur allgemein an einen bayerischen Bischof dachte. Dagegen bemerkte
Breßlau,
dass keine Vermutung über den Namen des Bischofs irgendeinen
Anspruch
auf Wahrscheinlichkeit habe. KONRAD
belagerte Arnulf
in Regensburg und
eroberte die Stadt. Um den 29. Juni 916 stellte der König hier
eine
Urkunde aus, durch die dem Kloster St. Emmeran der zehnte Teil der
Regensburger
Zolleinnahmen geschenkt wurde. Breßlau vermutete, dass dies zum
Ersatz
für die Plünderungen durch das königliche Heer geschah,
unter denen auch die Geistlichkeit der Stadt zu leiden hatte. Die
Regensburger
und Zweifaltener Annalen berichten auch ausdrücklich von einer
Niederlage
Herzog
Arnulfs. Ob
diese der Belagerung Regensburgs voranging oder
erst beim Kampf um die Stadt erfolgte, ist nicht mehr zu erkennen. Arnulf
wandte
sich wohl wieder zu den Ungarn.
Die bayerische Geistlichkeit scheint sich überwiegend
dem König angeschlossen zu haben, die Säkularisationen des
Herzogs
und wohl auch das Bestreben, dem landeskirchlichen Zustand zu entgehen,
mögen sie zu diesem Schritt bewogen haben. Am 6. Juli 916 befanden
sich in Neuburg an der Donau der Erzbischof von Salzburg, sowie die
Bischöfe
von Freising, Regensburg und Eichstätt in seinem Gefolge. Arnulf
und
sein Bruder Berthold
wurden für den 7. Oktober 916 vor eine
Synode nach Regensburg geladen; erst für den Fall ihres
Nichterscheinen
wurden ihnen Strafmaßnahmen angedroht. Dieses Vorgehen war im
Verhältnis
zu dem gegen die schwäbischen
Brüder Erchanger
und Berthold
sehr
milde. Es veranlasste Breßlau zu der Annahme, dass der hohe
bayerische
Klerus beim König für ein milderes Verfahren gegen Herzog
Arnulf eingetreten
sei.
916 September 20
Von der Synode zu Hohenaltheim werden Herzog
Arnulf und
sein Bruder Berthold für ihr bisheriges Verhalten getadelt und es
wird ihnen auferlegt, sich vor einer neuen Synode zu Regensburg zu
verantworten.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
In den Streit zwischen dem König und
den Herzögen griff auch die Geistlichkeit ein, die sich durchweg
auf
die Seite der Zentralgewalt stellte. Am 20. September 916 trat zu
Hohenaltheim
bei Nördlingen eine Synode zusammen, die mit geistlichen Waffen
gegen
die Gegner des Königs vorging, wobei sie sich überdies noch
auf
eine Bulle Papst Johanns X.
stützen konnte. Die beiden
schwäbischen
Grafen wurden
kurzerhand in ein Kloster verwiesen, die Bayern Arnulf
und
Berthold
aber noch einmal für den 9. Oktober auf eine Synode nach
Regensburg
vorgeladen. Allen ihren Anhängern wurde aufgetragen, sich sofort
ihren
Bischöfen zu stellen und die von der Synode verhängte
Buße
auf sich zu nehmen. - Schottmüller war der Ansicht, die Bestimmung
von Regensburg als Ort für die nächste Synode sei ein kluger
Schachzug der Reichsregierung gewesen, da Arnulf
auf
diese Weise unbedingt die Pforten seiner Hauptstadt öffnen musste,
wenn er sich nicht den Bann zuziehen wollte. Dagegen ist allerdings zu
sagen, dass König
KONRAD ja schon
seit Mitte Juni im Besitz der Stadt war. Ob diese zweite Synode in
Regensburg
noch stattfand, wissen wir, wie Breßlau betonte, nicht, denn das
einzige Zeugnis Aventins scheint nach der allgemeinen
Unzuverlässigkeit
seiner Darstellung für diese Zeit nur von zweifelhaftem Wert zu
sein.
- Mühlbacher sah in der Synode von Hohenaltheim einen wertvollen
Beweis
dafür, den Beginn der Rebellion Herzog Arnulfs
schon zum Jahr 914 und nicht erst zu 916 zu stellen. Da Arnulf
und Berthold am
20. September bereits für den 7. Oktober
vorgeladen
haben, da dann die Ladungsfrist viel zu kurz wäre. Also müsse
ihre quellenmäßig beglaubigte Flucht zu diesem Volk schon
früher,
im Jahr 914, liegen.
917
Herzog Arnulf erobert Bayern zurück und
vertreibt
Eberhard von Franken.
------------------------------------------------------------------------------------------
Das Jahr 917 brachte für Herzog
Arnulf die endgültige Wende. Bei seiner
erneuten Rückkehr
aus Ungarn konnte er Bayern mit seiner Hauptstadt Regensburg
zurückerobern
und den hier eingesetzten Eberhard,
den Bruder KONRADS,
verjagen. Dass im gleichen Jahre die Ungarn, wieder unter Verschonung
Bayerns,
nach Deutschland einbrachen und Schwaben und Lothringen
verwüsteten,
gab Breßlau zu der Vermutung Anlass, Arnulf
habe mit ihnen zusammen den Weg in seine Heimat genommen. An
eine
gegenseitige
militärische Hilfeleistung möchte ich aber nicht glauben,
denn
die Nachricht bei Hermann von
Niederaltaich ist doch wohl zu sehr vom
Hass
gegen den "Zerstörer der Kirchen" eingegeben, als dass man ihr
Glauben
schenken könnte.
918
Bei einem erfolglosen Angriff auf Bayern
empfängt
König Konrad I. eine Wunde, an der er bald darauf stirbt.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Jahr 917 hatte alle Erfolge König
KONRADS, die er gegen Herzog Arnulf
errungen
hatte, wieder zunichte gemacht. Dass er im Jahre 918 mit einem Zug
gegen
Bayern und Regensburg noch einmal das Kriegsglück zu wenden
versuchte,
zeigt uns ein Exzerpt Aventins
aus den Salzburger Annalen. Auf diesem
erfolglosen
Feldzug wird auch wohl die Nachricht bei Widukind und in den beiden
deutschen
Chroniken zu beziehen sein, nach der
KONRAD
verwundet
aus Bayern zurückkehrte und an dieser Wunde bald darauf (23.
Dezember
918) starb. Breßlau suchte diesen Kriegszug zeitlich genauer zu
bestimmen
und kam zu einem Ansatz entweder zwischen dem 21. April, wo der
König
in Frankfurt und dem 24. Juni, wo er in Hersfeld war, oder aber er sei
zwischen dem Würzburger Aufenthalt Anfang Juli und dem in
Forchheim
am 9. September einzuschieben.
919-921
König Heinrich I. zog gegen den auch als
König
aufgestellten Arnulf von Bayern zweimal zu Feld und gelangte
schließlich
mit ihm zu einer friedlichen Verständigung.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Als am 23. Dezember 918 König
KONRAD I. starb, schien der schwache Zusammenhalt, der
das
auf
dem Boden karolingischer Tradition
fortlebende Staatsgebilde des ostfränkischen Reiches verband, noch
viel stärker gefährdet als beim Tode Ludwigs
des Kindes. Was hinderte die einzelnen Teile dieses Reiches,
die ohnehin fast nur mehr nominell unter der einheitlichen Leitung
eines
Königs standen, sich voneinander zu lösen und es damit den
anderen
Staaten Europas gleichzutun, die in diesen Jahren und Jahrzehnten die
Grundsteine
zu ihrer Selbständigkeit legten? Im Prinzip standen sich die
Markgrafen
der Provence, die Könige von Burgund und die Herzöge von
Bayern
etwa so nahe, dass sie alle in die Reihe der reguli einzuordnen sind,
die
nach einem Wert der Fuldaer Annalen zu dieser Zeit im karolingischen
Reiche
emporwuchsen. - Ob es wirklich eine Tat ehrenvoller Entsagung und
großer
politischer Einsicht war, als der sterbende KONRAD
durch
seinen Bruder Eberhard seinen
bisherigen Gegner Heinrich
von Sachsen die Reichsinsignien zusenden ließ oder ob
nicht vielmehr die KONRADINER bei
dem
Sachsen gegen den bayerischen Herzog Schutz suchten, der sie in
den
ostfränkischen
Grafschaften, also in ihrem eigenen Hoheitsgebiet, bedrängte, mag
dahingestellt bleiben. Die mannigfachen Probleme, die sich aus der
Huldigung
HEINRICHS
durch Eberhard in
Fritzlar
ergeben, erfuhren zuletzt durch Mitteis noch
einmal eine zusammenfassende Darstellung. Immerhin war hier nicht mehr
erreicht, als ein Zusammenschluss zwischen Franken und Sachsen.
Lothringen,
Schwaben und Bayern standen abseits und hätten ohne Bindung an die
neue Gemeinschaft ihre eigenen Wege gehen können. Die Lage des
"Wahlortes"
Fritzlar zeigt auch deutlich, dass man von vornherein wohl gar nicht
mit
einer Beteiligung der süddeutschen Stämme rechnete. Wenn der
Fortsetzer Reginos
meldete, HEINRICH
sei
mit Zustimmung der Franken, Schwaben, Bayern, Thüringer und
Sachsen
zum König gewählt worden, so betonte Riezler mit Recht, dass
zumindest die Bayern unter den Wählern nur vereinzelte Vasallen
des
Königtums gewesen seien. Auch Breßlau wies ausdrücklich
darauf hin, dass an der im Mai 919 vollzogenen Erhebung Herzog
Heinrichs zum König weder Burchard von Schwaben noch Arnulf
von Bayern teilgenommen haben. Hatte noch
KONRAD bei seiner Wahl von allen Stämmen (mit Ausnahme
der Lothringer) Anerkennung gefunden, die erst nach einigen Jahren in
Feindschaft
umschlug, so waren bei HEINRICHS
Thronbesteigung
die Fronten sofort klar:
er konnte auf den Süden des Reiches nicht
zählen. Bayern und Schwaben erkannten ihn von vornherein nicht als
Herrn an. - In Bayern geschah aber noch etwas Anderes:
Herzog
Arnulf wurde selbst
zum König erhoben. Das
musste
man bereits aus der Darstellung bei Luidprand entnehmen, der
berichtete,
die Bayern und Ost-Franken hätten Arnulf nicht nur ehrenvoll
aufgenommen, sondern auch gewünscht, dass er König werde.
Diese
Fassung Liudprands findet sich dann wieder, oft wörtlich
übernommen,
in zahlreichen hoch- und spätmittelalterlichen Chroniken. Seine
Darstellung
und somit auch der Königsplan Arnulfs fand
aber keinen rechten Glauben. Die Rede, die König
HEINRICH gehalten haben sollte, machte den Bericht recht
unglaubwürdig
und zum anderen stieß man sich an der merkwürdigen Stelle,
dass
Arnulf
von
den Bayern und den Ost-Franken empfangen sein sollte. Für Waitz
war
das ein Beweis dafür, dass bereits Luitpold ein
großes
Stück aus dem BABENBERGER
Erbe
zugefallen sein müsse, während
Doeberl dem widersprach; doch war in den östlichen Grafschaften
Frankens
wohl schon durch Luitpold beim
Kampf gegen die BABENBERGER eine
bayerische Einflusssphäre geschaffen worden. - Dass, nach Mitteis
in einer rein weltlichen Erhebung, Arnulf
König geworden war, darüber kann kein Zweifel bestehen.
Fraglich
erscheint nur, ob diese Würde für das ganze
ostfränkische
Reich oder nur für Bayern Gültigkeit hatte. Diese Frage mag
müßig
erscheinen bei dem eindeutigen Wortlaut der Quellen, die von einem regnum
Teutonicorum spricht. Die Frage, ob es sich bei der Erhebung
Arnulfs
um ein deutsches oder bayerisches Königtum gehandelt habe, wurde
von
Lüdtke und Mohr im letzteren Sinne beantwortet, während Rall
sich letztlich nicht eindeutig entschied. Gegen die These von einem
"bayerischen
Königsplan" Arnulfs wurde allerdings
auch jedesmal Widerspruch laut, auch gegen eine in die gleiche Richtung
zielende Vermutung, die ich 1949 in dieser (damals noch ungedruckten)
Arbeit
aussprach, wandte sich Mitteis. Wenn ich auch den Ausdruck "bayerisches
Sonder-Königtum" nicht mehr aufrechterhalten möchte,
so verweise
ich doch auf das Eigenleben, das das regnum Baioriae
während
der KAROLINGER-Zeit entwickelt
hatte.
- Das Hauptgewicht möchte ich aber auf die Vorgänge selbst
legen.
Arnulf
erwartete
zweimal den Einfall der Sachsen in sein Land, und er unternahm
während
der zwei Jahre währenden Auseinandersetzung keine einzige
Offensivmaßnahme.
Vor allem aber kam es nicht zu einem Zusammenschluss mit Schwaben.
Hätte
der bayerische Herzog wirklich ein
"Gegen-Königtum" geplant, so
wäre
doch sein westlicher Nachbar, der HEINRICH auch
nicht anerkannte, der gegebene Bundesgenosse gewesen.
HEINRICH aber, dessen faktische Stellung am Beginn seiner
Regierung
die eines sächsisch-fränkischen
Stammes-Königs war,
betrachtete
das ostfränkische Reich als das ihm zugefallene Erbe, und durch
sein
Handeln wurden er und Arnulf
zu "Rivalen
im Reich", eine Vorstellung, die offenbar bald in das Denken der Zeit
übergegangen,
bereits bei Luidprand von Cremona
ihren literarischen Niederschlag
gefunden
hat.
Diese schwierige Lage fand König
HEINRICH I. bei seinem Regierungsantritt vor. Sie wurde
noch
schwieriger dadurch, dass er sich bei seinem Vorgehen gegen Arnulf
auf
keine rechtlichen Befugnisse stützen konnte. Ein karolingisches
Reich, in dem die Herzöge und Grafen der einzelnen Stämme
durch
ein ihnen übertragenes Amt an die Zentralgewalt gebunden waren,
gab
es nicht mehr, und ein deutsches Reich mit einer Lehensbindung an die
Spitze
gab es noch nicht. So kann man Arnulfs Verhalten
nicht einmal als Rebellion bezeichnen, denn für ihn gab es ja
keinen
Herrscher mehr, gegen den er hätte rebellieren können. So wie
sich überall in Europa kleine Reiche gebildet hatten, wird auch er
nichts anderes gewollt haben, als König eines selbständigen
Reiches
zu sein. Der neue Herr, den sich die Sachsen und Franken gesetzt
hatten,
kümmerte ihn nicht. König HEINRICH I.
aber
ging mit großem Geschick daran, auch in die beiden
süddeutschen
Stämme seiner Leitung zu unterwerfen. - Noch im Jahre 919 wandte
er
sich gegen Burchard von Schwaben,
der ihn als König anerkannte. Auf
welche Weise diese rasche Verständigung erreicht wurde, ist
unklar,
da sich alle Quellen darüber ausschweigen. Die nächste und
wohl
schwierigste Aufgabe war die Auseinandersetzung mit Arnulf
von Bayern.
Dieser hatte, sowie
ihm die Absichten HEINRICHS klar
wurden,
sicher sofort seine Vorbereitungen getroffen. So werden wir wohl die
Nachricht
Arnulfs von St. Emmeran
über die Befestigung der Hauptstadt
Regensburg
mit Waitz und Riezler in diese Zeit datieren können. Aus dem
Fragmentum
de Arnulfo duce,
dessen Verfasser voller Unmut über den
Sachsen ist, dessen Vorfahren nie auch nur einen Fußbreit Boden
in
Bayern besessen hatten, ergibt sich, dass HEINRICH
bei dem Versuch, Bayern zu erobern, von den Einwohnern einer Stadt eine
Schlappe beigebracht wurde. Nach Waitz handelte es sich dabei um
Regensburg.
Da diese Nachricht sonst nirgends bezeugt ist, suchte man auf
verschiedene
Weise zu einer Lösung zu kommen. Richter-Kohl lehnten ihre
Glaubwürdigkeit
überhaupt ab, Löher nahm einen Zug des Herzogs
Heinrich während der Regierung König
KONRADS gegen Arnulf an,
während Giesebrecht der Ansicht war, dass HEINRICH
Arnulf zu Felde zog.
Diese letzte Lösung scheint mir am meisten Wahrscheinlichkeit zu
besitzen.
Vielleicht hängt damit auch noch die zwiespältige
Überlieferung
bei Widukind und Luidprand zusammen. Nach Widukinds Bericht belagerte HEINRICH
den Herzog in Regensburg, nach Luidprand
aber zog ihm dieser bereits
mit
einem Heer entgegen. Allerdings kam es ja in diesen beiden
Darstellungen
sofort zur Versöhnung, während das Fragmentum de Arnulfo
duce zunächst von einer Schlappe des Königs zu
berichten
wusste. Klebl bezog noch die Nachricht der Regensburger Annalen zum
Jahr
921 interfectio Francorum auf
diese erste Niederlage
HEINRICHS. - Erst im Jahre 921 unternahm König
HEINRICH
einen zweiten Zug gegen Bayern und gelangte nach Regensburg,
wo er
Arnulf einschloss. Auf die
Angabe
Widukinds,
Arnulf habe die Tore der
Stadt geöffnet, weil er einsah, dass er dem König nicht
widerstehen
könne, wird man keinen allzu großen Wert legen dürfen,
da aus ihr zu deutlich der sächsische Stammesstolz spricht und da
bei einer solchen Unterwerfung auch das spätere Abkommen nicht
verständlich
wäre. König
HEINRICH
wird
wahrscheinlich den Weg zu Verhandlungen beschritten haben. Er bat
Arnulf
zu einer Unterredung, auf die dieser auch einging, zunächst
wohl
in
der Annahme, es handle sich um einen Zweikampf. Trotz des
ausführlichen,
aber wohl stark mit Fabeln durchsetzten Berichtes Luidprands, den
Aventin
übernahm und noch weiter ausschmückte, können wir den
Inhalt
dieser Unterredung nur aus den späteren Ereignissen
rekonstruieren.
Richtig könnte an der Darstellung Luidprands auch sein, dass Arnulf
sich
die Genehmigung zu Abmachungen erst von seinem Adel holen musste. Miles
regis efficitur meldet Luidprand,
doch ist dieser Ausdruck wohl
schon
aus dem Denken der ottonischen
Zeit
zu verstehen; vielmehr wird hier ein Lehensverhältnis geschaffen
sein,
das sich von der Unterordnung der reguli
unter Kaiser
ARNULF nicht wesentlich unterschied. Ob darüber
hinaus
die Bezeichnung amicus regis, von Widukind wohl nach
römischem
Vorbild gebraucht, irgendeine staatsrechtliche Bedeutung hat, ist
fraglich.
Dafür erhielt der Herzog aber so weitgehende Rechte, dass er eine
fast unabhängige Stellung einnahm. Gerade die Auseinandersetzung
mit
König KONRAD
hatte gezeigt, wie wichtig das ihm
jetzt von
HEINRICH
I. zugestandene Recht der Bischofs-Ernennung werden konnte,
ein
Recht, das bisher auch die Päpste ausdrücklich den
Königen
zugebilligt hatten. Nach Riezlers Annahme wog dieser Kaufpreis für
HEINRICH
im Augenblick deswegen nicht schwer, weil die bayerischen Bischöfe
schon vorher zur heimischen Gewalt übergeschwenkt waren. Dieses
Abkommen,
das dem bayerischen Herzog so weitgehende
Selbständigkeit
beließ,
stärkte seine Stellung auch in anderer Hinsicht. Die nächsten
Jahre werden zeigen, dass er eine ganz unabhängige
Außenpolitik
zu führen im Stande war. Er konnte alle seine Kraft, durch
niemanden
gestört, ausschließlich bayerischen Belangen widmen. Das war
ja wohl von Anfang an sein Plan gewesen, und dass er ihn nicht als
König
durchführen konnte und die formelle Oberhoheit HEINRICHS
anerkennen
musste, mag ihm bei den erreichten Erfolgen gleichgültig gewesen
sein.
Auch Klebel kam zu dem Schluss, dass ihm durch diesen Vertrag die
Königsgewalt
ohne Königskrone zugestanden worden sei.
922
Herzog Arnulf zog mit einem Heer nach
Böhmen.
------------------------------------------------------------
Bereits ein Jahr nach der Aussöhnung zwischen HEINRICH
und Arnulf sehen
wir hier den Herzog
außenpolitisch eigene Wege gehen. Er unternahm allein (das
Zusammenwirken
mit König
HEINRICH bei Bernhard
von Kremsmünster beruht sicher auf einer Verwechslung mit
dem Zug
von 929) einen Feldzug nach Böhmen, über dessen Ausgang
nichts
bekannt ist. Der Erfolg kann aber nicht bedeutend gewesen sein. Einmal
hielten nur sehr wenige Quellen ihn der Erwähnung wert, zum
anderen
wurde bereits 929 ein neues kriegerisches Unternehmen notwendig, das
diesmal
von König
HEINRICH und Herzog
Arnulf gemeinsam
durchgeführt wurde. Ebenso wie 929 nannten
die Quellen den Namen des bekriegten Böhmen-Herzogs nicht. Im
Gegensatz
zu Holtzmann, der an einen Zug gegen Wenzel
glaubte, nahm Bretholz gerade
an, dass Arnulf
zu Wenzels
Unterstützung
gegen dessen Bruder Boleslaw
ins Land gezogen sei. Mag aber nun Arnulf
mit
seinem Vorstoß von 922 Erfolg gehabt haben oder nicht, jedenfalls
sehen wir aus diesen Vorgängen, dass er gleich nach der Sicherung
seiner Stellung dem neuen König gegenüber bestrebt war,
verlorenen
Boden für sein Land zurückzugewinnen. Böhmen war dem
ostfränkischen
Reich lange Zeit tributpflichtig gewesen, und dieses Verhältnis
wurde
nach dem Tode Swatopluks von Mähren ausdrücklich
noch einmal erneuert. Erst die Eroberung der östlichen Marken nach
der Schlacht von 907 durch die Ungarn scheint diese Abhängigkeit
unterbrochen
zu haben, denn einmal hatte das besiegte Bayern im Augenblick
natürlich
schwerere Sorgen, als seine Außenposten zu halten, zum andern
wird
aber auch die Nachbarschaft der Ungarn in Mähren für solche
Ansprüche
störend gewesen sein. Doch nun hatten sich die Verhältnisse
grundlegend
geändert. Arnulf stand im
Innern
des Reiches stark und unabhängig da und war auch mit den Ungarn in
ein freundschaftliches Verhältnis gekommen. Nun konnte er alte
Forderungen
wieder anmelden. Die Verhältnisse unter den letzten
ostfränkischen
KAROLINGERN
Herzog
Arnulf
noch ein ganz persönliches Interesse geltend machen. Sein Vater
Luitpold
muss
eng mit diesem Land verbunden gewesen sein. Er wurde dux Boemanorum
mochten es mit sich gebracht haben, dass Böhmen gleichsam
eine Provinz
Bayerns zu sein schien. In Regensburg huldigten böhmische
Führer
dem König, von Bayern führten die Hauptstraßen nach
Böhmen
und bayerische Truppen waren es, die immer wieder ins Land zogen. Dazu
konnte
genannt und hatte vielleicht eine Statthalterstellung für das Land
innegehabt. So mochte es für den bayerischen Herzog
selbstverständlich
sein, an diese Tradition wieder anzuknüpfen. Zugleich aber ist der
Zug ein Beweis für die mächtige und selbständige
Stellung,
die Bayern zu dieser Zeit einnahm.
926-927
Die Ungarn verwüsten Bayern. Herzog Arnulf
schließt
mit ihnen einen Friedensvertrag.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------
Über die richtige zeitliche Einordnung dieses Ungarnzuges
zu 926 hat grundlegend Waitz gearbeitet. Nachdem bereits zu Beginn des
Jahres ungarische Scharen bis über den Rhein vorgestoßen
waren,
erschienen im Frühjahr neue von Osten her, die bis nach Schwaben
gelangten.
Dabei fand in St. Gallen auch die
Inkluse
Wibortada den Tod. - Bei
diesem
Unternehmen hatte auch Bayern zum ersten Mal seit 913 wieder unter
Plünderungen
zu leiden. Warum der damals mit den Ungarn abgeschlossene Vertrag nicht
mehr in Kraft erscheint, ist ganz unklar. War dieser etwa auf 14 Jahre
begrenzt und nach Ablauf nicht mehr erneuert? Oder hatten die Ungarn
ihre
Forderungen, die bisher wohl nur in der Gewährung freien Durchzugs
durch Bayern bestanden, erhöht? Aus der Angabe der Regensburger
Annalen
ersieht man, dass Arnulf auch
diesmal wieder mit den Ungarn einen
Vertrag schloss, doch nach der Annahme Lüttichs konnte er sich
jetzt
nur durch Tributzahlungen von diesem Feinde befreien. Auch König
HEINRICH I. war durch die Gefangennahme eines ungarischen
Führers
in der Lage, mit dem Feinde zu verhandeln und mit diesem ebenfalls
einen
Waffenstillstand zu schließen. Diese neugeschaffenen
Verhältnisse
gegenüber dem Feind aus dem Osten waren nach Holtzmann auch
Gegenstand
der Besprechungen auf dem Reichstag von Ingelheim am Ende des Jahres
927.
Doch dürfte im Gegensatz zu seiner und Lintzels Meinung der
Waffenstillstand,
den König
HEINRICH geschlossen
hatte, nur für Sachsen und nicht für das ganze Reich gegolten
haben, wie ja auch dieser Einfall nach Bayern und der Separatfrieden
mit
Herzog
Arnulf zeigen.
927 Oktober 18
Auf Intervention Herzog Arnulfs schenkt
König
Heinrich
I. dem Kerung, einem Vasallen des Herzogs, den Hörigen Noppo.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Auf das gute Einvernehmen, das zwischen König
HEINRICH und Herzog Arnulf nach
ihrer Aussöhnung herrschte, deutet auch diese in Salz ausgestellte
Urkunde hin, durch die ein Vasall des Herzogs einen Hörigen
beschenkt
erhielt.
927
Auf einem Hoftag in Ingelheim trifft Herzog
Arnulf mit
König Heinrich I. zusammen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die zeitliche Festsetzung dieses Hoftages hat sehr scharfsinnig
Breßlau erarbeitet. Aus mehreren Urkunden HEINRICHS
I.
hatte bereits Waitz auf einen Hoftag in Mainz im Dezember
927 geschlossen, doch wird durch diese Quellenstelle Ingelheim als
Tagungsort
sichergestellt. Dass Arnulf daran
teilgenommen
hat, ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit daraus, dass die
Salzburger
Annalen bei ihrem Interesse für bayerische Angelegenheiten im
andern
Falle von dieser Tagung wohl gar nichts erwähnt hätten, und
zeigt
sich zum andern auch aus der Anwesenheit Arnulfs
in
Mainz, die sich aus der im Folgenden zu behandelnden Urkunde ergibt.
Holtzmann
nahm an, dass hier in Ingelheim die Probleme besprochen wurden, die
sich
aus dem Ungarneinfall im vergangenen Jahr ergeben hatten.
927 Dezember 27
Auf Bitten Herzog Arnulfs bestätigt
König
Heinrich
I. dem Kloster Kempten das Wahlprivilegium und andere Gunstbriefe
seiner
Vorgänger.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nach dem Hoftag von Ingelheim haben sich
die Fürsten wohl zur Feier des Weihnachtsfestes nach Mainz
begeben.
Hier trat auch gerade der neu ernannte Erzbischof
Hildebert von Köln
sein Amt an.
König
HEINRICH I. stellte
hier mehrere Urkunden aus, davon eine auf Intervention Herzog
Arnulfs. Durch
diese wurden dem Kloster Kempten das Privileg
der freien Wahl und andere Gunstbriefe bestätigt, wodurch der
bayerische
Herzog seine Sorge für
dieses Kloster abermals bestätigte.
929 Juni 30
Auf Bitten Arnulfs von Bayern und Eberhards von
Franken
bestätigt König Heinrich I. die dem Kloster Kempten von
Cumprecht
und Salacho unter gewissen Bedingungen gemachten Schenkungen.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Auf Bitten des Abtes Agilolf von
Niederaltaich
und der "Grafen" Arnulf und
Eberhard
bestätigte
König
HEINRICH I.
dem Kloster Kempten Schenkungen des Cumpreht zu Biessenhofen
südlich
Kaufbeuren und des Salacho zu
Hausen im Augstgau. Dieser sowie der
übrige
Besitz des Klosters zu Biessenhofen und zu Bronnen (südwestlich
von
Landsberg) sollen dem Abt Agilolf auf Lebenszeit
zugewiesen werden und
erst nach dessen Tod an das Kloster fallen. - Das Ärenjahr und die
ihm entsprechende Indiktion dieser Urkunde weisen auf das Jahr 930.
Doch
ist sie in Nabburg ausgestellt, was Riezler für den
oberpfälzischen
Ort hielt, wie auch Sickel ein anderes als das bayerische Nabburg nicht
bekannt ist. Da aber für 930 ein Aufenthalt
König
HEINRICHS in dieser Gegend nicht denkbar ist,
muss man wohl
929 als Ausstellungsjahr annehmen. Für dieses Jahr würde sich
Nabburg gut in das Itinerar des Königs einfügen, denn er
könnte
es auf seinem gleich zu behandelnden Kriegszug nach Böhmen
berührt
haben. Ottenthal dagegen nahm an, dass die Handlung dieser Urkunde
während
des Rückzuges aus Böhmen lag, so dass das ursprüngliche
Datum richtig sei.
929
Durch einen Heereszug machen König Heinrich
I. und
Herzog Arnulf Böhmen wieder tributpflichtig.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aus den Nachrichten Widukinds
und des Fortsetzers Reginos
erfahren wir Näheres über diesen Feldzug nach Böhmen,
den
König
HEINRICH I. im Jahre 929 unternahm. Verlautet hier von einer
Teilnahme Herzog
Arnulfs auch
nichts,
so ergibt sich diese doch mit Sicherheit aus dem oben angeführten
bayerischen Annalen. Auch ein urkundlicher Beweis kann dafür
beigebracht
werden. In der zum 30. Juni 929 besprochenen Urkunde, die im
oberpfälzischen
Nabburg ausgestellt wurde, das auf dem Weg nach Böhmen lag,
erschien
ein Graf Arnulf als
Intervenient, in dem mit hoher Wahrscheinlichkeit der Bayern-Herzog zu
sehen
ist. - Nach Bretholz zogen HEINRICH
und Arnulf in Böhmen ein,
um die
Unruhen, die nach der Ermordung Wenzels
durch seinen Bruder Boleslaw
am
28. September 929 entstanden waren, zu dämpfen. Doch ist es
wahrscheinlicher,
dass man den Einmarsch schon früher plante, da HEINRICH
und
Arnulf
nach der oben besprochenen
Urkunde bereits am 30. Juni 929 in Nabburg nachzuweisen waren.
Böhmen
wurde offensichtlich ohne große Mühe wieder unterworfen und
musste Tribute zahlen. So war dieses Unternehmen anscheinend von
größerem
Erfolg begleitet als das Arnulfs
aus
dem Jahre 922. Dadurch wurde die alte Abhängigkeit des Landes
wiederhergestellt,
diesmal aber eine Abhängigkeit vom deutschen Reich und nicht von
Bayern
allein. Ich möchte sogar die Vermutung aussprechen, dass König
HEINRICH diesen Zug unternahm, um den Ansprüchen des
Bayern-Herzogs
auf dieses Land, die dieser ja im Jahre 922 deutlich genug dokumentiert
hatte, zuvorzukommen und um keinen Zweifel über den Inhaber der
tatsächlichen
Gewalt in Böhmen aufkommen zu lassen. Andererseits wird aber
Arnulf
nicht zuletzt deswegen mitgezogen sein, um den König nicht allein
in einem Land ernten zu lassen, das dem bayerischen Herzog gleichsam
als
eine Provinz Bayerns und als ein von seinem Vater überkommenes
Erbe
erscheinen musste.
930 April 9
Auf Intervention Herzog Arnulfs schenkt
König
Heinrich
I. der Kirche des heiligen Florin zu Remüs die Kirche zu Sent in
der
Grafschaft Bertholds und bestätigt den Presbyter Hartpert den
Besitz
beider.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Wie bereits bemerkt wurde, begegnet auch
in dieser in Frankfurt ausgestellten Urkunde Herzog
Arnulf als comes, was nur
besagen will, dass man zu dieser Zeit
die Titel dux und comes noch abwechselnd gebrauchen
konnte. Merkwürdiger
ist, dass auch er, wie bereits einmal sein Vater Luitpold
venerabilis
genannt wurde, ein für weltliche Personen
äußerst
seltenes
Beiwort. Berthold, der
hier
als Graf in dem zur Grafschaft Vintschgau gehörenden
Unterengadin auftaucht, wird trotz des Zweifels Heubergers wohl der
Bruder
Herzog
Arnulfs sein.
Dem Presbyter Hartpert wurden hier auf
Intervention
Arnulfs die
beiden Kirchen zu Remüs und Sent, nicht weit voneinander entfernt
im Inntal gelegen, zu Eigen gegeben. Hartpert,
der Neffe des Presbyters
Reginwald, wurde
später Abt
von Ellwangen und war 951-976 Bischof
von Chur.
930 Mai
Der Edle Diotmar übergibt in Gegenwart
herzoglicher
missi dem Erzbischof Odalbert von Salzburg im Tausch einen Ort, den er
einst von Herzog Arnulf erhalten hatte.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Der Edle Diotmar erhielt vom
Salzburger
Erzbischof für
seine, seiner Gemahlin und seiner Kinder Lebenszeit
Erharting, Tüßling, Burg(kirchen), Teising, zwei Kirchen zu
Reischach mit dem Zehnten und Buchbach mit dem Zehnten von Rott. Er gab
dafür den westlich Altötting gelegenen Ort Teising, den er
einst
zum Teil von dem Priester Winipold,
in der Hauptsache aber von Herzog
Arnulf erhalten
hatte. - Auch diese Urkunde vermag wieder die
engen Beziehungen der LUITPOLDINGER
zum Erzbischof Odalbert und
seiner früheren Familie zu erhellen. Ausdrücklich ist
angegeben,
dass Diotmar ein Sohn des
Erzbischofs ist. Zugleich
wissen wir, dass er
der Sohn der edlen Frau Rihni
war und noch zwei Brüder
Bernhard und
Otakar hatte. So konnte
bereits Egger zu der Überzeugung kommen, dass
Rihni und Adalbert vor dem Eintritt des
letzteren in den geistlichen Stand
verheiratet gewesen waren. Eine Zugehörigkeit der Rihni zur
Familie
der LUITPOLDINGER wurde
bereits oben vermutet. Damals musste ihr
der Erzbischof auf Befehl des Herzogs und in Gegenwart herzoglicher
missi
eine große Schenkung machen. Als jetzt ihr Sohn Diotmar mit dem
Erzbischof
tauschte, waren wieder herzogliche missi
anwesend, von denen der Graf
Orendil
mit seiner Grafschaft nach Erben in der Gegend der unteren Vils
zu suchen
ist. Auch dass Herzog
Arnulf dem edlen
Diotmar einst den hier
von ihm
vertauschten Ort Teising schenkte, lässt
die Sorge des Herzogs für die Familie der Rihni erkennen.
931 April 14 und 931 Mai - 937 Juni
König Heinrich I. setzt das Bistum Freising
wieder
in den Besitz ihm entfremdeter Güter im Vintschgau in der
Grafschaft
Bertholds ein.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Herzog Berthold beauftragt im
Einvernehmen
mit seinem Bruder Herzog Arnulf von Bayern seine Getreuen Ruodbert und
Merolt, der bischöflichen Kirche Freising die ihr einst entzogenen
Güter zu Mais und Kortsch zurückzugeben
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die beiden uns vorliegenden Urkunden gehören inhaltlich
eng zusammen. Bischof Wolfram von
Freising hatte sich an König
HEINRICH I. gewandt, um durch diesen drei Besitzungen
zurückzuerhalten,
die der Freisinger Kirche unrechtmäßig entfremdet worden
waren.
Es handelte sich um Mais und Kains bei Meran, sowie um Kortsch
nordwestlich
Schlanders. Alle Orte lagen im Vintschgau, in der Grafschaft Bertholds,
der uns bereits in der Urkunde HEINRICHS I.
vom 9. April 930 als Graf des gleichen Gebietes begegnete. Heuberger
bezweifelte,
dass dieser Berthold der
Bruder
Herzog
Arnulfs sei, und selbst wenn das
bewiesen werden könnte, so sei damit noch gar nichts über die
Zugehörigkeit des Vintschgaues zu Bayern ausgesagt. Später
nahm
er an, die Zugehörigkeit der Grafschaft Vintschgau-Unterengadin
sei
nur eine vorübergehende gewesen und hinge mit den Absichten Herzog
Arnulfs auf Ober-Italien zusammen.
Auch Huter vermutete, dieses Gebiet habe damals nicht zu Bayern,
sondern
nur zum Besitz des
luitpoldingischen
Hauses
gehört. Dass in dem Berthold,
der uns zweimal in
Königs-Diplomen
als Vorsteher der Grafschaft Unter-Engadin-Vintschgau begegnete,
wirklich
der Bruder des bayerischen
Herzogs Arnulf zu
sehen ist, zeigt mit Sicherheit die Urkunde, die dieser selbst für
das gleiche Gebiet ausstellte. Die Annahme, diese Grafschaft sei luitpoldingischer
Familienbesitz gewesen, scheint mir allerdings ebenso
unhaltbar
wie die Überzeugung,
Arnulf hätte sich im
Hinblick
auf
seine italienischen Pläne eigenmächtig ein Stück des
Herzogtums
Schwaben angeeignet. Mit Meyer-Marthaler möchte ich annehmen, dass
nach dem Tode Burchards I. von
Schwaben
im Jahre 926 und mit der Einsetzung
Herzog Hermanns durch den
deutschen König die Selbständigkeit
des schwäbischen Herzogtums beschnitten und dabei auch die alte
Markgrafschaft
Rätien in drei Grafschaften aufgeteilt wurde:
in den pagus
Curiensis
(Oberrätien) unter Graf Ulrich,
in den Vintschgau unter Graf
Berthold und in
den
pagus Raetiae Curiensis unter Herzog
Hermann.
Schleusinger
vermutete,
König
HEINRICH habe
durch diese Verleihung den Bruder des bayerischen Herzogs bereits jetzt
auf die Seite des sächsischen
Herrscher-Hauses hinüberziehen
können;
doch erscheint mir das zweifelhaft, wenn man an das sonstige gute
Zusammenwirken
Arnulfs und
Bertholds,
vor allem in Karantanien, denkt. Vintschgau und Unterengadin sind also
im Jahre 926 zu Bayern geschlagen, aber vor 964 wieder davon getrennt
worden.
Ob das 937 bei der Nachfolge Bertholds
im bayerischen
Herzogtum,
oder, was mir wahrscheinlicher ist, 955 nach den Aufständen der
LUITPOLDINGER
und dem Tode Herzog
Heinrichs I.
geschah,
lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. - Die von Herzog
Berthold
ausgestellte Urkunde wurde häufig für eine Fälschung
gehalten. Doch schon das Formular in seiner Ähnlichkeit mit den
von
Herzog Arnulf erlassenen Urkunden, die sich
ihrerseits wieder an
die deutschen Königs-Urkunden der Zeit anlehnten weist auf die
Echtheit
hin, ebenso wie die sachliche Übereinstimmung mit der
vorausgegangenen
Urkunde
König
HEINRICHS I., deren
Ausführung sie ja ist, wobei das auffällige Fehlen von Kains
vielleicht auf den Abschreiber zurückgeführt werden kann.
Auch
Huter fragt mit Recht, was für einen Zweck es hätte haben
können,
ein Mandat des Grafen zu fälschen in einer Sache, in der man ein
königliches
Diplom vorweisen konnte. Berthold
wandte sich in seiner Urkunde an zwei
seiner Vasallen, Rupert und Merolt, in deren
Besitz sich die von
König
HEINRICH angemahnten Güter der Freisinger Kirche
befanden
und befahl deren Rückgabe. Der Schluss liegt nahe, dass es sich
hierbei
um Kirchengut handelte, das einst von
Herzog Arnulf säkularisiert
worden war. Die Urkunde, die HEINRICH
erließ,
sagt nichts davon.
Sie ist überhaupt sehr vorsichtig abgefasst, nennt keine Namen und
spricht von den Gütern nur als iniuste ablatum. Auch in der von
Herzog
Berthold erlassenen
Urkunde ist die Ausdrucksweise sehr
vorsichtig.
So deutete auch diese Restituierung entfremdeten Kirchenbesitzes wohl
auf
das gute Verhältnis zwischen
König HEINRICH Herzog Arnulf
hin, das nach der
Aussöhnung vor Regensburg zwischen den beiden Männern
herrschte.
931 Juni 27
Graf Albrih schließt einen Tauschvertrag
mit dem
Erzbischof Odalbert von Salzburg ab.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ein Graf Albrih begegnete uns bereits
zweimal
bei Handlungen, die in Tirol vollzogen wurden. Durch den Nachsatz
dieser
Tausch-Urkunde erhalten wir einen höchst wünschenswerten
Aufschluss
über seine Person. Danach könnte es scheinen, als hieße
er sonst noch Herolt und sei der Sohn eines Oheims von Herzog
Arnulf, eines Bruders
Luitpolds also, von
dessen Existenz
sonst gar nichts bekannt ist. Auf Grund der Tatsache, dass Albrih
auch den Namen Herolt
führen sollte und in unserer Urkunde
das Prädikat venerabilis
erhielt, setzte man ihn schon früh mit
Herolt,
dem späteren Erzbischof von
Salzburg gleich. Dieser Annahme schlossen
sich auch Erben, Lüttich und Pirchegger an. Doch lässt dieser
höchst eigenartige Nachsatz auch noch eine andere Deutung zu, die
meines Wissens zuerst Breßlau vorschlug und die mir mehr
Wahrscheinlichkeit
zu haben scheint. Nach ihm ist ein Doppelname Herolt-Albrih
ganz
ungebräuchlich. Vielmehr sei Herolt nuncupatus auf
den
patruelis Herzog Arnulfs zu beziehen,
und das grammatisch richtige
nuncupatus sei nur eine ungenaue Ausdrucksweise.
Nimmt man diese Deutung an, so kann Herolt
natürlich nicht mehr mit
dem späteren Erzbischof von Salzburg gleichgesetzt werden, doch
ist
dadurch wenigstens der Name in der Familie
der LUITPOLDINGER
bezeugt.
Eine andere Frage ist die des Beiwortes venerabilis, das
Alberih
hier
erhielt, und das auch Hauthaler veranlasste, in ihm einen Kleriker zu
sehen.
Doch bewies Erben an einem Beispiel aus dem Codex Odalberti, dass es
hier
auch für weltliche Personen gebraucht wurde. Breßlau
führte
auch die zum 9. April 930 behandelte Urkunde HEINRICHS
I. an, in der Herzog Arnulf dieses
Beiwort erhielt und schließlich erhielt auch Luitpold
einmal
dieses Prädikat. So wäre dies der dritte Fall, in dem ein
Angehöriger
der Familie der LUITPOLDINGER
venerabilis genannt wurde.
Auf Grund
des Reichenauer Verbrüderungsbuches wollte Mitis erkennen, dass
eine
Hemma das Band zwischen Herolt und Albrih herstellte. -
Dieser Graf
Albrih
erscheint in der uns vorliegenden Tausch-Urkunde in der Ober-Steiermark
begütert.
Er übergab dem Erzbischof eine Hufe bei Gamanaron mit dem
Eisengebläse
Aruzi, nach Hauthaler der Erzberg südöstlich von St. Leonhard
im Lavanttal. Dass seine Verwandten dieses vertauschte Gut später
wieder zurücknahmen oder zurückerhielten, suchte Kleibel
daraus
zu beweisen, dass dieser ganze Lavanttaler Besitz, der durch Kaiser
HEINRICH II., den Enkel der
bayerischen Herzogin Judith,
an Bamberg gelangt war, in einer Salzburger Fälschung des Jahres
977
ausdrücklich wieder genannt wurde. Als Gegengabe erhielt Graf
Albrih
vom
Erzbischof eine Salzkochstelle bei Admont, die er bisher zu Lehen
hatte,
zu freien Eigen.
933 März 15
An dem Ungarnsieg König Heinrichs I. bei
Riade
nehmen
auch bayerische Truppen teil.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hatten sich schon am Ingelheimer Hoftag des Jahres 927
König
HEINRICH und Herzog Arnulf
zu gemeinsamer Besprechung der sich aus der Ungarn-Gefahr ergebenden
Probleme
zusammengefunden, so ergibt sich aus dieser Notiz, dass Arnulf
dem deutschen König beim Kampf gegen den gemeinsamen
Feind
auch militärische Hilfe leistete. Nach Waitz ist diese Nachricht
durchaus
glaubwürdig, da Arnulf
dem König ja auch schon beim Feldzug
gegen Böhmen seine Unterstützung lieh. Diesmal scheint aber
der
bayerische Herzog nicht selbst am Kampf
teilgenommen zu haben, da das
sonst
wohl sicher irgendeine Quelle erwähnt hätte. Durch die
Absendung
eines Aufgebotes, das der Chronist immerhin für erwähnenswert
gehalten hat, wird so abermals das gute Einvernehmen zwischen dem
deutschen
König und dem bayerischen
Herzog dokumentiert.
933-934
Herzog Arnulf unternimmt einen Heereszug nach
Verona,
um für seinen Sohn Eberhard die langobardische Königskrone zu
erwerben.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nach dem böhmischen Feldzug
des Jahres
922 war dieser
Zug nach Italien das, jedenfalls soweit unsere Kenntnis reicht, zweite
selbständige Unternehmen, mit dem Herzog
Arnulf über die Grenzen seines
Landes hinausgriff. Diesmal galt es aber nicht mehr eine Mark zu
sichern
oder einen widerspenstigen Vasallen zur Botmäßigkeit zu
bringen,
sondern es ging um nichts Geringeres als die langobardische
Königskrone.
- Im Jahre 922 war König Rudolf II. von
Hoch-Burgund
von
Gegnern des Kaisers
BERENGAR zum König
der Langobarden gewählt worden. Doch auch als
BERENGAR zwei Jahre später ermordet worden war, blieb Rudolf
nicht
im ungeschmälerten Besitz seiner neuen Krone, denn seine Gegner
wandten
sich an den Markgrafen
Hugo von der Provence,
den mächtigsten Herren im Königreich Nieder-Burgund. Dieser
war
schon durch die Lage seines Landes für das neue Amt besonders
geeignet,
und er zögerte auch nicht, es anzunehmen:
926 wurde er in Pavia
zum
König erhoben. Hugo
konzentrierte
nun sein ganzes Interesse auf Italien und erreichte, dass
Rudolf
auf
ein Eingreifen in Ober-Italien verzichtete, dadurch, dass er ihm die
Herrschafts-Ansprüche
in der Provence abtrat. Doch abermals gab es Unzufriedene im Land und
diese
wandten sich an den mächtigen
Herzog Arnulf
von Bayern, dessen Land im Süden auch an Italien
grenzte.
- Dies ist in kurzen Zügen die zum Verständnis des Folgenden
notwendige Vorgeschichte von Arnulfs
italienischen Unternehmen. Zunächst wird einmal zu fragen sein,
wer
nun eigentlich Arnulf
nach Italien
rief. Luidprand von Cremona
überlieferte uns zwei Namen, den des
Bischofs
Rather von Verona und den
eines
Grafen Milo. Der Belgier
Rather, ehedem
Mönch in Lobbes, mit feiner Bildung aber auch durch
unruhigen politischen
Ehrgeiz ausgezeichnet, begleitete 926 seinen Abt
Hilduin
nach Italien,
wo ihn dessen Vetter Hugo
931 zum Bischof von Verona machte. Bald
aber
entzweite er sich mit seinem Wohltäter, wohl nicht ohne seine
eigene
Schuld, wie er selbst in einem Brief eingestand. Graf Milo, der nach
fränkischem
Recht lebte, wurde später Graf
von Verona. Er war ein
treuer Anhänger
Kaiser
BERENGARS gewesen. Im allgemeinen hielt man sich an die
Nachricht
bei Luidprand und nahm
an, dass die Einladung an Arnulf,
nach Italien zu kommen, von dem Bischof und dem Grafen ausgegangen sei.
Doch betonte Weigle die Unsicherheit dieser Vermutung und meinte,
bestimmt
wüssten wir nur, dass sich Rather
und Milo dem Bayern-Herzog später
gerne angeschlossen hätten. So rückt auch die Angabe bei
Staindel,
Arnulf sei
ab exulibus Italis factiosis
gerufen worden, in ein merkwürdiges Licht.
Ob ihm wohl noch andere Quellen vorlagen? Vielleicht trifft so
Breßlaus
Vermutung zu, dass die Einladung an Arnulf
von
den gleichen italienischen Großen ausging, die sich 933 noch
vergeblich
an Rudolf von Hoch-Burgund gewandt
hatten. Diese Einladung an Rudolf und
der darauf folgende Vertrag zwischen Hugo und
Rudolf,
worin der Hoch-Burgunder seine
Ansprüche auf Italien gegen die
Abtretung
von Hugos Rechten in der Provence
aufgab,
ist in seiner zeitlichen Einordnung sehr umstritten. Doch kann
man
ihn nach den Untersuchungen von Holtzmann mit großer
Wahrscheinlichkeit
in das Jahr 933 setzen. Dass sich die italienische Partei gerade an Arnulf
von Bayern wandte und dass sich dieser auf das
Unternehmen
einließ,
wird seinen Hauptgrund in den landschaftlichen und völkischen
Beziehungen
zwischen Bayern und Ober-Italien haben. Neuerdings stellte Tyroller
einen
anderen Gedanken zur Lösung dieser Frage zur Diskussion. Er nahm
an,
dass die Gattin Herzog Arnulfs
Judith hieß
und die Tochter des UNRUOCHINGERS
Eberhard war, der 888 als Graf
im Sülichgau erschien In diese Familie gehörte auch
der spätere
Kaiser
BERENGAR, der ein
Groß-Onkel
Judiths war. Als
dieser
ermordet worden war ohne einen Sohn hinterlassen zu haben, schien die
Nachkommenschaft
seines Bruders Unruoch
zur
Nachfolge in Italien berufen zu sein. Zu dieser
gehörte durch Judith
auch
Herzog Arnulf
von Bayern. Immerhin wäre aber meines Erachtens
dabei zu
bedenken, ob es noch die alte Partei Kaiser
BERENGARS
war,
die den bayerischen Herzog nach Italien rief.
Die Datierung des Vertrages zwischen Rudolf
und
Hugo
ins Jahr 933 ist besonders wichtig für die zeitliche Festlegung
von
Arnulfs
Unternehmen.
Dieser, in den Quellen zu verschiedenen Jahren überlieferte
Italienzug,
war zeitlich auch dadurch schwer einzureihen, dass er mit dem Tode des
Erzbischofs Odalbert von Salzburg
verknüpft wurde. Waitz stellte ihn
in das Jahr 935, Büdinger und Breßlau zu 934, während
Vogel
sich mit zwei oder noch mehr Zügen zu helfen suchte, die er auf
die
Jahre 934 und 935 verteilte. Erzbischof
Odalbert von Salzburg, der
uns
bereits mehrfach bei Tauschverträgen in Verbindung mit den Herzögen
Arnulf und
Berthold begegnete, nahm
an diesem Zug nach
Italien teil. Nach Erben geschah das nicht nur wegen seines guten
Verhältnisses
zu den Bayern-Herzögen, sondern auch im
Interesse seiner in Tirol
begüterten
Kirche. Nun ist in den zwei bayerischen Annalen aus Garsten und St.
Rupert
in Salzburg der Bericht über seine Expedition nach Italien und
über
seinen Tod so zusammengezogen, dass es aussehen kann, als ob er gleich
nach der Rückkehr vom Italien-Unternehmen gestorben sei. Beide
Ereignisse
sind zu 935 gestellt. Aus nekrologischen Notizen ist zu entnehmen, dass
der Erzbischof tatsächlich am 14. November starb, sodass man auch
das Unternehmen Arnulfs in dieses
Jahr
stellte. Diese Verwirrung löste sich, als die alten Salzburger
Annalen
gefunden waren, in denen Arnulfs
Italienzug zu 934 und der Tod
des
Erzbischofs zu 935 aufgezeichnet waren. Die Annalen aus Garsten, St.
Rupert
und Admonts hatten diese Nachricht ihrer Vorlage in ein Jahr
zusammengezogen.
Stand so der Datierung des Italienzuges Herzog
Arnulfs zu 934
nichts mehr im Wege, so gelang es Weigle zu einer
genaueren zeitlichen Einreihung zu kommen. Aus einem Brief Rathers von
Verona konnte er den 3. Februar 934 als den Termin ermitteln, an
dem der
Bischof von König
Hugo abgesetzt
worden war. Zu diesem Zeitpunkt musste also das Unternehmen Herzog
Arnulfs bereits
zusammengebrochen sein. Er kam zu dem Schluss,
dass der Zug Arnulfs wahrscheinlich
schon im Herbst oder Winter 933 begann und Anfang Februar 934 sein Ende
fand. Holtzmann brachte noch den Hinweis darauf, dass der verbleibende
eine Monat des Jahres 934 für die Wahl Eberhards und den
Kriegszug
Arnulfs
zu kurz gewesen sei, und er ist der Ansicht, dass das Jahr
934
versehentlich durch die Salzburger Annalen für 933 geschrieben
worden
ist. Dieser zeitliche Ansatz ist auch sonst sehr gut bezeugt, denn
Erzbischof
Odalbert ist in
Salzburger Urkunden zuletzt am 13. September 933
und dann
wieder am 1. Mai 9234 belegt.
Wir können nun im Folgenden versuchen, den
Verlauf
des Zuges, den Herzog
Arnulf nach Italien
unternahm, zu rekonstruieren. Gegen Ende des Jahres 933 wandten sich
italienische
Verbannte, Gegner Hugos von der Provence,
als sie von König
Rudolf von Hoch-Burgund
eine Absage erhalten hatten, an den bayerischen Herzog. Ob Herzog
Arnulf selbst
zu Gunsten seines ältesten Sohnes verzichtete,
oder ob die italienischen Großen diesen von vornherein
nominierten,
ist nach Breßlau nicht mehr mit Sicherheit zu entscheiden.
Jedenfalls
steht fest, dass die Italiener Eberhard
huldigten. Noch im
gleichen
Jahre brach das bayerische Heer, bei dem sich auch Erzbischof Odalbert
von Salzburg befand, über Trient nach Verona auf, wo es von
dem Bischof
Rather und dem Grafen Milo
empfangen wurde. Auf die Kunde davon stieß
Hugo
von der Provence, der sich gerade auf einem Kriegszug gegen
Rom befand, gegen die Stadt vor. Bereits das erste Zusammentreffen mit
der bayerischen Besatzung des Kastells Gauseningo, das mit
einer
Niederlage für die Bayern endete, brachte die Entscheidung. Wollte
man bisher in dem Gauseningo Luidprands
den Ort Gossolengo südlich
von Piacenza an der Trebbia sehen, so hielt Weigle dem entgegen, dass
aus
Luidprands Darstellung
nirgends hervorginge, dass
Arnulf
wesentlich
über Verona nach Süden vorgedrungen sei. Er entschied sich
daher
für Bussolengo am Etschknie oberhalb von Verona, einem Ort,
für
den auch manche sachliche Gründe sprechen. Als Brückenkopf
auf
dem etwas höheren südlichen Etschufer gelegen, am Sammelpunkt
mehrerer von Süden kommender Straßen, die nördlich des
Flusses vereinigt geradlinig auf die Etschklause zuführten, war
Bussolengo
ein strategischer Punkt erster Ordnung. Setzte
Hugo hier über den Fluss, so stand er zwischen den
Engpässen
der Etsch und dem in Verona liegenden Hauptheer des Bayern und hatte
diesem
den Rückzug und Nachschub abgeschnitten. So ist es
verständlich,
dass Arnulf gleich
nach der Kunde von der Niederlage seiner Besatzung am Brückenkopf
in Eilmärschen nach Norden zog, um sein Heer vor der drohenden
Abschnürung
zu retten. - Vor dem Abzug des bayerischen Heeres aus Verona kam es
hier
nach dem Bericht Luidprands
noch zu einem großen Tumult und
schließlich
zu offenem Kampf zwischen den bislang Verbündeten. Graf Milo
selbst,
in der Befürchtung, von Arnulf als
Geisel nach Bayern mitgenommen zu werden, ging zu
König
Hugo über.
Sein Bruder aber verteidigte die
Burg der Stadt gegen den Bayern-Herzog,
wurde aber schließlich doch
überwältigt und zusammen mit seinen Leuten weggeführt.
Durch
eine glückliche Entdeckung Weigles fällt sogar ein noch etwas
helleres Licht auf diese letzten Tage des bayerischen Heeres in Verona.
Durch die genaue Untersuchung eines Briefes, den Bischof Rather
zwischen
August 936 und März 937 aus seinem Exil in Como an den Kleriker
Ursus
in Verona schrieb, konnte er zahlreiche Anspielungen auf das Verhalten
der Bayern in den letzten Tagen ihres Aufenthaltes feststellen. Dabei
ist
natürlich zu beachten, dass alles von der Sicht Rathers aus, der
sich
verteidigen und sein Verhalten entschuldigen wollte, dargestellt ist.
Danach
hatten die Bayern, als nach der Niederlage bei Bussolengo ihre Lage
hoffnungslos
geworden war, einen für die Veroneser Bürger
kompromittierenden
Absage- und Schmähbrief an König
Hugo
erpresst. Nach Rathers
Darstellung war der Verfasser dieses Briefes ein
nicht genannter Archidiakon aus der Stadt, der auf diese Weise sich
sowie
den weltlichen und geistlichen Adel der Stadt bei den Bayern von dem
Verdacht
der Konspiration mit König Hugo
retten wollte und musste. Der Schreiber dieses Absagebriefes war Ursus,
der Adressat dieses Rather-Briefes.
Diese beiden aber bezichtigten später
Rather Hugo gegenüber als den
Urheber des verhängnisvollen Schreibens, und der wurde daraufhin
vom
König verbannt. Dass aber die Bayern mit diesem Brief als
Faustpfand
gegen die Veroneser noch nicht genug hatten, sondern sich bei ihrem
Abzug
aus der Stadt auch noch Tumulte und Plünderungen zuschulden kommen
ließen, wies wieder sehr glücklich Weigele nach, indem er
die
gens effera et barbara nicht
auf den Burgunder Hugo,
wie es bisher geschah, sondern auf die abziehenden Bayern deutete. Wie
Weigele bemerkte, wäre es doch unverständlich, wenn Rather
aus
der Gefangenschaft heraus einem König, vor dem er sich
rechtfertigen
wollte, sowie seinen Kriegern vorgeworfen hätte, sie seien ein
rohes
und barbarisches Volk.
Das Unternehmen war vollständig zusammengebrochen.
Doch lässt der Bericht Luidprands
erkennen, dass der bayerische
Herzog
gewillt war, mit einem neuen Heer das gleiche Unternehmen noch
einmal
in
Angriff zu nehmen. Auch dass er den Grafen
Milo als Geisel
mitnehmen wollte,
lässt darauf schließen, dass er seine italienischen
Pläne
noch nicht aufgegeben hatte. Wohl nur sein bald darauf erfolgter Tod
hat
eine Wiederholung des Zuges vereitelt. Doch allein aus der Tatsache,
dass
der bayerische Herzog derartiges überhaupt
planen und unternehmen
konnte, ergeben sich weitreichende Folgerungen. Dieses völlig
selbständige
Unternehmen
Arnulfs, dessen Gelingen
Bayern wohl beinahe zwangsläufig aus dem Verband des jungen
deutschen
Reiches hätte hinauswachsen lassen, war eigentlich die letzte
Konsequenz
der Zugeständnisse, die König HEINRICH
I.
921 vor Regensburg dem Bayern-Herzog
hatte machen müssen.
Der König hat auch in diesem Falle in keiner Weise Herzog
Arnulf gehindert,
solche Pläne zu verfolgen, wohl um die
mühsam erkaufte Eintracht nicht zu gefährden. Dass ihm aber
durch
die selbständige Italien-Politik der beiden süddeutschen
Herzogtümer
und besonders durch diesen Zug Herzog Arnulfs
die Notwendigkeit eines eigenen Italien-Zuges nach Italien,
von
dem Widukind
erzählte, vor Augen geführt wurde, ist schon
wiederholt
ausgesprochen worden. Holtzmann hat nun wahrscheinlich gemacht, dass
auch
der Erwerb der heiligen Lanze durch den deutschen König mit diesen
seinen Plänen zusammenhing. Auf friedlichem Wege und durch
Drohungen
versuchte er dieses kostbare Symbol, dessen Besitz ihm wichtig für
sein Unternehmen schien, von Rudolf von
Hoch-Burgund
zu
erlangen und kam nach Holtzmann tatsächlich im Juni 935 bei seiner
Zusammenkunft mit dem französischen
König
Raoul und
Rudolf von Hoch-Burgund
am Chiers an das Ziel seiner Wünsche. Dadurch, ferner durch seine
Freundschaft zu dem Hoch-Burgunder,
die ebenfalls aus dem Jahre 935
rührte
und durch einen Vertrag mit Hugo von der
Provence,
dem Herrn Ober-Italiens, hatte er sich die Grundlagen für sein
Eingreifen
in Italien geschaffen. Auf diese Weise wollte wohl der deutsche
König
den gefährlichen Plänen des Bayern-Herzogs
in Bezug auf dieses
Land begegnen. Doch die beiden Männer starben, ehe sie an die
Verwirklichung
dieser Pläne gehen konnten.
935 Juli 22
Herzog Arnulf überträgt seinem
ältesten
Sohn Eberhard die Nachfolge in Bayern und lässt ihm von den
Bewohnern
Reichenhalls huldigen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die Designation Eberhards durch
seinen Vater Arnulf
und
die darauf folgende Huldigung, die dem designierten neuen bayerischen
Herzog
in Reichenhall zuteil wurde, werfen wieder ein bezeichnendes Licht auf
die inneren Verhältnisse in Bayern. In vollkommen
königsgleicher
Weise designierte Herzog Arnulf seinen
ältesten Sohn Eberhard
zu seinem Nachfolger und wies ihm für
den Fall seines Todes das "Reich" der Bayern zu. Riezler vermutete,
dass
das geschehen sei, nachdem sich der Plan der Erwerbung der
italienischen
Königskrone zerschlagen hatte; doch scheint mir nicht sicher, dass
es deswegen geschah, da ja die Möglichkeit eines neuen Zuges nach
Italien immer noch gegeben und auch wohl geplant war. Die völlige
Unabhängigkeit des Bayern-Herzogs,
die man aus dieser Designation
seines Nachfolgers im regnum
Baiowariorum erkennen kann, und die Ähnlichkeit
mit der Designation der Könige ist schon mehrfach bemerkt worden.
Breßlau sah hierin sogar noch etwas den üblichen Vorgang
Übersteigendes,
denn der Treueschwur dem designierten Nachfolger gegenüber, wie er
hier von den Leuten von Reichenhall überliefert wird, fehlte bei
der
Designation OTTOS I. Wie es gerade
zu dieser Huldigung in Reichenhall kam, ist nicht klar. Riezler nahm
an,
es sei entweder ein Landtag hier abgehalten worden oder aber der Herzog
habe sich mit seinem Sohn auf einer Rundreise durch das ganze Land
befunden
und der Vorgang sei zufällig nur aus Reichenhall überliefert.
Auch Breßlau war der Ansicht, dass es nicht bei dieser
vereinzelten
Huldigung an einem Ort geblieben sei. Schwierigkeiten bereitet auch der
Ausdruck salinarii cuncti tam nobiles quam ignobiles. Ob unter
den
salinarii nur die Teilnehmer am Salzbergwerk zu verstehen sind,
wie Riezler wollte, oder die Reichenhaller insgesamt, bleibt unklar.
Klebel
wollte auch die nobiles quam ignobiles mit Freie und Unfreie
übersetzen,
da es edle salinarii nicht
gegeben habe. Die Bedeutung dieses Vorgangs,
der noch einmal die mächtige Stellung des Bayern-Herzogs zeigt,
wird
noch dadurch unterstrichen, dass die Anwesenheit des Erzbischofs von
Salzburg
dabei ausdrücklich erwähnt wird. Nur kurz mag hier noch
angemerkt
werden, dass durch diese Notiz und die beim Italienzug erwähnte
aus
den erst 1921 gefundenen Salzburger Annalen der Zweifel Erbens an der
Existenz
Eberhards von Bayern
widerlegt
wurde.
936 August
Herzog Arnulf ist bei der Krönung Ottos I.
in
Aachen
zugegen.
----------------------------------------------------------------------------
Die Krönung OTTOS I. in
Aachen bedeutet gegenüber den Vorgängen bei der Erhebung HEINRICHS
I. einen bedeutenden Fortschritt in der Richtung auf das
Zusammengehörigkeitsgefühl
des jungen deutschen Reiches. Dass man aber bei der Nachfolge
OTTOS nicht, wie Rörig wollte, den Hauptakzent auf die
Designation durch seinen Vater legen kann, hat Mitteis mit Recht noch
einmal
hervorgehoben. Wahl und Anerkennung durch die Fürsten spielten
eine
große Rolle. Wir wissen zudem, dass bei der Regelung der
Nachfolge
nicht alles reibungslos vor sich ging, und dass eine starke Partei
lieber
die Kandidatur des gleichnamigen
Sohnes HEINRICHS
I. gesehen hätte. Ich möchte hierin noch den
Niederschlag
von Verhandlungen sehen, die der endgültigen Nomination OTTOS
vorausgingen, denn mir will es im Hinblick auf die nahezu
unabhängige
Stellung des Bayern-Herzogs
nicht einleuchten, dass dieser bedingungslos
der Wahl seines vom König bestimmten Nachfolgers seine Anerkennung
gegeben hätte. Arnulf hatte im
vergangenen Jahr seinen Sohn zu seinem Nachfolger designieren
können:
sollte dies der Preis gewesen sein, den HEINRICH
I. zahlen musste? Dann wäre auch die Vermutung nicht
abwegig,
dass zugleich die Abmachungen des "Regensburger Vertrages" aus dem
Jahre
921 zwischen den beiden Fürsten erneuert worden wären. Wenn
Bayern
seine bisherige Stellung im Verband des deutschen Reiches garantiert
erhielt,
mochte das für die Herzog Arnulf sich
mit der Anerkennung des neuen Herrschers durchaus vereinbaren lassen.
Dass
dann sein Sohn Eberhard diesem
militärisch nicht gewachsen
war, steht auf einem anderen Blatt. - Unter diesen Umständen
konnte
auch der bayerische Herzog an den Vorgängen in
Aachen teilnehmen.
Aus der ausführlichen Schilderung Widukinds können wir
entnehmen,
dass dabei ein weltlicher und ein geistlicher Akt unterschieden wurden.
Der erste spielte in dem von Säulenhallen umgebenen Atrium des
Aachener
Münsters, wo die duces ac prefectorum principes cum caetera
principum
militum manu den neuen Herrscher auf einen Thron setzten und ihm
durch
Handgang und Hilfsversprechen lehnsrechtlich huldigten:
so erst erhielt
der Wahlbeschluss seine rechtliche Wirksamkeit. Der geistliche Akt im
Innern
des Münsters braucht uns hier nicht zu interessieren, wohl aber
das
anschließende Krönungsmahl, bei dem der bayerische Herzog
eines
der vier Erzämter ausübte: er versah das Amt eines
Marschalls,
und nach seiner Anweisung wurden in der nächsten Umgebung der
Kaiserpfalz
in Aachen Lager aufgeschlagen, in denen die einzelnen Stämme
voneinander
getrennt ihre Unterkunft fanden.
Arnulf von Bayern
war kein langes Leben mehr bescheiden und wir können nicht wissen,
wie sich in Zukunft sein Verhältnis zum jungen König
gestaltet
hätte. Seine Teilnahme an der Krönung OTTOS
I. lässt
aber vermuten, dass er gewillt war, sich wenigstens
formell in den Verband des deutschen Reiches einzufügen, wie er es
ja auch schon unter HEINRICH I.
getan
hatte.
936-937
Heinrich, der Bruder Ottos I., heiratet Judith,
die
Tochter
Herzog Arnulfs von Bayern.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die hier berichtete Heirat (beziehungsweise Verlobung)
Judiths mit Heinrich, dem Bruder
OTTOS I., ist zeitlich schwer
einzureihen.
Unbrauchbar ist die Angabe Aventins, der diese Verbindung gleich nach
der
Aussöhnung zwischen
HEINRICH
und
Arnulf
vor Regensburg im Jahre 921
zustande kommen ließ, da der jüngere
Heinrich
erst
zwischen 919 und 922 geboren wurde. Seine Nachricht von einer
gleichzeitig
erfolgten Vermählung einer Tochter HEINRICHS
I. Saeopyrga
mit einem Sohn Herzog
Arnulfs, der den
Namen des Vaters trug, ist ebenfalls unrichtig.
Unter Saeopyrga
verbirgt sich wohl Gerbirga,
die nach 928 Giselbert von
Lothringen
heiratete und die durch OTTO
I. später Arnulfs Bruder
Berthold zur Frau
angeboten wurde. Doch auch die beiden
zeitgenössischen
Geschichtsschreiber Widukind von
Corvey und Hroswitha von
Gandersheim,
die über die Heirat zwischen
Heinrich
von
Sachsen und Judith von Bayern
berichten,
drücken
sich sehr unbestimmt aus. Dümmler glaubte die Reihenfolge der
Erzählung
bei Hroswitha so
bestimmen zu können, dass die Vermählung
nach
OTTOS
Krönung, aber vor der Erhebung Eberhards stattgefunden
habe,
also noch zu Lebzeiten des alten Herzogs Arnulf, und er wandte sich
gegen die Annahme Köpkes, dass die Besiegung der LUITPOLDINGER
der Heirat vorausgegangen sei. Giesebrecht nahm eine Heirat vor der
ersten
Empörung Heinrichs
an und
Holtzmann
datierte sie auch in die Zeit der Regierung Herzog
Arnulfs,
ebenso wie Lerche, der auf die innere
Wahrscheinlichkeit
hinwies, die diese Datierung in sich trägt. Der junge König
verpflichtete
sich auf diese Weise den mächtigen Bayern-Herzog und
besänftigte
so auch seinen grollenden Bruder Heinrich,
dem dadurch
immerhin gewisse
Hoffnungen auf die Nachfolge im Herzogtum Bayern geweckt wurden. Eine
Heirat,
die erst zur Zeit der Empörung der Söhne Arnulfs
stattfand, hätte für den König wohl kaum
Vorteile
gebracht, wie auch die Verbindung mit dem Angehörigen eines
aufrührerischen
Herzogs-Hauses sehr
unwahrscheinlich ist. Viel natürlicher
fügt
sie sich in die Zeit von Ende 936 oder Anfang 937, zu Lebzeiten
Arnulfs,
der sich noch vor wenigen Monaten in der Umgebung des jungen
Königs
in Aachen befunden hatte.
937 Juli 14
Herzog Arnulf von Bayern stirbt.
----------------------------------------
Am 14. Juli starb nach
30-jähriger Regierungszeit
Herzog
Arnulf von Bayern
und wurde im Kloster St. Emmeran zu Regensburg
beigesetzt. Über sein Grabmal dort ist der Bericht von Walderdorff
zu vergleichen. Die längliche, rechtwinklige Platte aus Kalkstein
wurde 1867 wieder an ihren früheren Standort gesetzt und
restauriert.
Die späteren Sagen über seinen
schrecklichen
Tod haben ihren Ursprung wohl in Tegernsee. Der Hass gegen den Mann,
der
sie durch seine Säkularisationen ihrer großen Güter
beraubte,
mag den Mönchen wohl diese Fabeleien eingegeben haben. Sie
tauchten
auch in den mittelalterlichen bayerischen Chroniken wieder auf und
hatten
etwa folgenden Inhalt. Bischof Ulrich
von Augsburg, der Taufpate Arnulfs,
mahnte
den Herzog, sein an den Klöstern begangenes Unrecht wieder
gutzumachen,
sonst würde er an einem bestimmten Tag (Ulrich Füterer nannte
den Ostertag) in naher Zukunft sterben. Der Herzog verlachte den
Bischof,
als dieser Tag gekommen war, und er nichts von einer Krankheit in sich
spürte. Er veranstaltete ein großes Festmahl am herzoglichen
Hof zu Regensburg, bei dem er dann plötzlich vom Tode ereilt
wurde.
Sein Leichnam wurde im Kloster St. Emmeran beigesetzt, doch die
höllischen
Geister forderten laut auch seinen Leib zu seiner Seele und als man
diesen
schließlich wieder aus dem geweihten Ort herausgetragen hatte,
stürzten
sie ihn in einen See bei Scheyern. Eigenartig ist der Bericht bei
Arnpeck,
der sich zwar auf Tegernsee, Kremsmünster und Scheyerner
Überlieferung
stützte, doch daneben noch sonst nicht bezeugte Einzelheiten
brachte.
Man könnte natürlich dies alles ins
Reich der
Fabel verweisen, wenn nicht eine andere Nachricht zum Nachdenken
veranlassen
würde. Die Annalen von St. Rupert in Salzburg und von Garsten, die
sonst recht zuverlässig sind, berichten:
Arnoldus
dux
subito obiit und Arnoldus
dux Bawarie obiit subitanea morte und
führten
beide diesen plötzlichen Tod auf die Strafe Gottes für des
Herzogs
Säkularisationen zurück. Es ist meines Erachtens nicht
ausgeschlossen,
dass diese Nachrichten insoweit zutreffen, als Arnulf
wirklich ganz unerwartet starb. Wir wissen zwar nichts
bestimmtes
über sein Lebensalter, doch wurde bereits oben gesagt, dass er
beim
Tode seines Vaters noch sehr jung gewesen sein muss. Rechnen wir sein
Alter
zu diesem Zeitpunkt etwa mit 20 Jahren, so war er jetzt, im Augenblick
seines Todes, 50. Das war immerhin ein Alter, in dem der Tod noch etwas
Unerwartetes sein musste, zumal ja auch sein erst vor vier Jahren
unternommener
Kriegszug nach Italien und die erst im letzten Jahre erfolgte Reise
nach
Aachen zur Krönung
OTTOS I. zeigen,
dass er durchaus noch nicht hochbetagt war. So möchte ich glauben,
dass sein Tod aus irgendwelchen Gründen ganz unvorhergesehen
eintrat.
Das aber wurde von den klösterlichen Geschichtsschreibern als eine
Fügung Gottes aufgefasst und so konnten sie die oben
erwähnten
Legenden darum ranken.