Reindel Kurt:
***********
"Die bayerischen Luitpoldinger von 893-989"

Das Diplom vom 5. Februar 908 ist die einzige uns erhaltene Urkunde Ludwigs des Kindes, in der Arnulf nach dem Tode seines Vaters als Graf genannt wird. Sein Zurücktreten in den Urkunden ist auffallend, nicht ein einziges Mal erscheint er mehr als Intervenient und auch hier wird sein Name ohne jeden Zusatz, nur zur Lokalisierung einer Grafschaft gebraucht. Ob man diese Zurückhaltung aus den wohl schon damals einsetzenden Sonderbestrebungen Arnulfs oder aus einer Verfeindung mit dem hohen Klerus, der zur Zeit Ludwigs des Kindes die Herrschaft in den Händen hatte, begründen soll, mag unentschieden bleiben. Wichtig ist diese Urkunde für uns, weil sie zeigt, dass Arnulf wohl ohne Schwierigkeiten den Amtsbereich seines Vaters übernommen hat, denn das im Nordgau gelegene Eichstätt erhält den Zusatz "in der Grafschaft Arnulfs".
Ich möchte annehmen, dass Arnulf unmittelbar nach dem Tode seines Vaters in der Schlacht von Pressburg am 5. Juli 907 Herzog von Bayern wurde. Auf welche Weise dies geschah, ist stark umstritten. Waitz war der Ansicht, dass er seinem Vater ohne Weiteres in seinen ausgedehnten Würden und Ämtern nachgefolgt sei und lehnte eine Erhebung durch das Volk ab. Doch ist immerhin zu bedenken, dass Luitpold bei aller Machtbefugnis letztlich nur karolingischer Beamter war und dass es von hier bis zur Stellung eines Fürsten, der sich divina ordinante providentia dux Bawariorum nennen konnte, ein großer Schritt war. Eine solche Stellung konnte man doch wohl nur durch Anerkennung von Seiten der Zentralgewalt oder der Stammesgenossen erringen. Da an das erstere kaum zu denken ist, bleibt als Erklärung nur eine Wahl durch das bayerische Volk oder, was für diese Zeit dasselbe sagt, durch den bayerischen Adel. Sicher hat die äußere Not der Ungarn-Stürme, besonders fühlbar nach der gerade erlittenen Niederlage, viel dazu beigetragen, dass man sich schnell und willig einer starken Führung unterordnete, mag dies nun durch eine Anerkennung von Seiten der Grafen und Herren in Bayern oder durch den Zuruf des Stammesheeres, das seinem erblichen Führer zujubelte, geschehen sein. Jedenfalls war auch in Bayern niemand mehr vorhanden, der an Machtfülle mit dem LUITPOLDINGER hätte konkurrieren können. Arnulf erbte ja nicht nur das Ansehen seines Vaters, sondern auch dessen ausgedehnte Befugnisse, die sich über Kärnten, den Nordgau und den Donaugau erstreckten. Mindestens ebenso wichtig war der Besitz der Hauptstadt Regensburg, die zwischen Nord- und Donaugau gleichsam in der Zange lag, wenn nicht Arnulf in ihr, wie wohl schon sein Vater, Grafschaftsrechte ausübte.
Die Säkularisierung von Kirchengut war die Tat, die am meisten das Urteil über Herzog Arnulf beeinflusst hat. Von diesem unerhörten Tun ausgehend, werteten die mittelalterlichen Chronisten sein Leben, und das Verdammungsurteil über ihn wurde ebenso feststehend wie sein Beiname "der Böse". An der Tatsache, dass Herzog Arnulf Klostergut einzog, kann nicht gerüttelt werden. An der Spitze steht Tegernsee, das am schwersten betroffen wurde. Es ist kein Wunder, dass hier auch die Sage von dem schrecklichen Tod Arnulfs entstand, die sich mit gleicher Beharrlichkeit durch die Jahrhunderte lebendig erhalten sollte. Die Zahlen über den verlorenen Besitz schwanken etwas:
rund 11.800 Hufen und 22 Salzpfannen habe Tegernsee verloren und nur 114 Hufen gerettet. Diese Zahlen mögen vielleicht übertrieben sein, doch dass die Verluste bedeutend waren, zeigen uns spätere Reklamationslisten des Klosters, in denen das geraubte Gut und die jeweiligen Besitzer aufgezeichnet waren. Eine solche Güterliste ist auch aus dem Kloster Benediktbeuren erhalten, mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, dass sich neben Arnulf auch noch andere Große an der Plünderung des Klosterbesitzes beteiligten: alles, was der Herzog gelassen hatte, hätten sich die beiden Klostervögte Gaminolf und Unroch angeeignet. Schließlich zeichnete man auch in Wessobrunn den verlorenen Besitz namentlich auf, doch fehlt hier jeder Hinweis darauf, dass Arnulf der Täter war. Ohne nähere Angabe über die entfremdeten Hufen klagten ganz allgemein Kremsmünster, Altaich, Schäftlarn und Münchsmünster. Dass sich neben den weltlichen Großen auch die Bischöfe bald in die neuen Verhältnisse schickten und ihrerseits an den Säkularisationen teilnahmen, ergab sich wohl schon aus ihrer Abneigung gegen die reichen Eigenklöster. Wir wissen, dass der Bischof Drakolf von Freising die Klöster Moosburg, Isen und Schäftlarn plünderte, und aus der Tegernseer Güterliste ist zu entnehmen, dass die Bischöfe von Passau und Trient später im Besitz von Gütern waren, die man dem Kloster abgenommen hatte. Manchmal erfahren wir von Verlusten der Klöster und Kirchen auch erst aus Restitutionen späterer Kaiser und Könige. So gab Kaiser HEINRICH II. am 16. April 1010 dem Kloster Polling entfremdeten Besitz zurück, ebenso verfuhren LOTHAR III. am 23. Oktober 1133, KONRAD III. im Jahre 1140 für Münchsmünster und FRIEDRICH I. 1163 für Tegernsee. Schließlich wird auch noch die Urkunde HEINRICHS I. vom 14. April 931 hierher gehören, in der den Bayern-Herzögen Arnulf und Berthold befohlen wurde, dem Freisinger Bistum unrechtmäßig entfremdete Güter im Vintschgau und Engadin zurückzugeben. Mit dieser Aufzählung haben wir kaum den ganzen Umfang der Enteignungen erfasst von den vielen Klöstern, von denen wir nach dem 10. Jahrhundert nichts mehr hören, können wir nur vermuten, dass auch sie der Säkularisation zum Opfer gefallen sind. Das kirchliche Leben in Bayern lag am Ende des 10. Jahrhunderts weithin darnieder. Auch andere Gründe werden hier mitgespielt haben:
der Kampf der Bischöfe gegen das Eigenkirchenwesen und die Ungarn-Einfälle. Doch in den Augen der Nachwelt blieb Herzog Arnulf der Urheber allen Übels und wir werden uns fragen müssen, welche Gründe ihn zu diesem rigorosen Vorgehen veranlasst haben. Dass auch König HEINRICH aus den Arnulf zugestandenen Besetzungsrecht der Bistümer ein Vorwurf erwuchs, wurde bereits gesagt. Auch Arnulfs Zorn über die nicht erlangte Königswürde und über den Ungehorsam einzelner Kirchen galt einigen Chronisten als Grund für sein Vorgehen. In dieser und ähnlicher Art wurde Arnulfs Handlungsweise von Chronik und Geschichtsschreibung bis in die Neuzeit hinein kommentiert. Nachdem bereits 1735 Agnellus Candler eine Lanze für den Herzog gebrochen hatte, zog sich der Streit um die Wertung seiner Taten bis heute hin. Bauerreiß hat Recht, wenn er sagt, dass sich keine Quelle anführen lässt, nach der Herzog Arnulf das säkularisierte Klostergut zur Aufstellung eines Heeres gegen die Ungarn verwendet habe. Nach ihm war dem Herzog der erbeutete Besitz "willkommenes Schmiergeld für seine Parteifreunde im Kampf gegen den König". Er hat dabei das affectante imperium im Auge, stellte es aber so dar, als sei der Raub des Klostergutes zusammen mit dem Wunsch nach dem Königtum erst nach den Ungarn-Siegen des Herzogs erfolgt. Doch hält man sich die Lage Bayerns nach der Niederlage von 907 vor Augen, so ist es doch wohl klar, dass ein neues Heer nicht ohne eine ganz neue Machtgrundlage aufgebaut werden konnte, zumal Bayern als neues Herzogtum jetzt auf eigenen Füßen stand. Eines schließt ja das andere nicht aus:
Aufstellung eines schlagkräftigen Heeres gegen die Ungarn und Streben nach der Königskrone können nebeneinander bestehen als Gründe für die Säkularisation des Klostergutes. Wieweit daneben die von Riezler geäußerte Vermutung zu Recht besteht, eine herzogliche "Hausmacht" sei wichtig gewesen als Gegengewicht gegen die Königspartei im bayerischen Adel, mag dahingestellt bleiben. - Das gewiss schonungslose Vorgehen des bayerischen Herzogs soll hier nicht entschuldigt werden, doch manche Umstände lassen es auch in einem günstigeren Licht erscheinen. Das Erfordernis des Tages war ein schlagkräftiges Vasallenheer gegen die Ungarn-Gefahr. Die LUITPOLDINGER waren als karolingische Beamte hochgekommen und werden nicht genug Privatbesitz gehabt haben, um ein solches Heer aufstellen zu können. Was lag näher, als dass man auf den Besitz der "toten Hand" zurückgriff, zumal viele Klöster vom Ungarn-Sturm schwer getroffen waren und nicht mehr die Möglichkeit hatten, ihre Güter weiter zu bestellen. Für einen tatkräftigen und skrupellosen Fürsten boten sich hier große Möglichkeiten und Arnulf hat von ihnen Gebrauch gemacht.

Am 11. August 909 schlug Herzog Arnulf die Ungarn, die bis nach Schwaben vorgedrungen waren, an der Rott.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nachdem die Ungarn 908 Sachsen heimgesucht hatten, drangen sie 909 wieder plündernd in den Süden des Reiches vor und fielen in Schwaben ein. Bayern hatte seine Marken im Osten weitgehend verloren, so Ober- und Unter-Pannonien, das norische Unterland und wohl auch das tributpflichtige Böhmen. Dass die Ennsgrenze erhalten blieb, ergibt sich aus einer Urkunde Ludwigs des Kindes vom 19. Februar 909, in der dem Erzbischof Pilgrim von Salzburg und dem Markgrafen Aribo als Ersatz für die durch die Ungarn erlittenen Verluste jeweils zur Hälfte die Abtei Traunkirchen geschenkt wurde. Demnach hat wohl Aribo seine Grafschaften im norischen Unterland verloren. Die Ungarn stießen durch das bayerische Hinterland, in dem für sie wohl nichts mehr zu holen war, hindurch und gelangten nach Schwaben. Wir hören nichts von Abwehrkämpfen, sie konnten ungehindert Beute machen und schickten sich wieder an, zurückzukehren. - Dabei aber ereilte sie ihr Geschick. Am 30. Juli, einem Sonntag, kamen sie nach Freising, wo ihr Erscheinen einen solchen Eindruck machte, dass der Chronist sogar die Stunde ihrer Ankunft vermerkte. Sie scheinen sich hier einige Tage aufgehalten zu haben, denn am darauffolgenden Freitag, dem 4. August, steckten sie die Kirche von St. Stephan und St. Veit in Brand. Diese Einäscherung wurde lange fälschlich in das Jahr 955 gesetzt, doch stimmen dann Monats- und Jahresdatum nicht zusammen. - Die Ungarn hatten sich relativ lange in Freising aufgehalten und diese Zeit hatte Arnulf wohl benützt, um sein Heer zu sammeln, mit dem er den heimziehenden Scharen am 11. August an der Rott den Weg verlegte. In den Ebenen von Eggenfelden und Pfarrkirchen bis gegen Schärding hin kam es zur Schlacht, aus der Herzog Arnulf als Sieger hervorging. Sehr nachhaltig kann dieser Erfolg aber nicht gewesen sein, da sonst auch wohl gleichzeitige Annalen darüber berichtet hätten und wir unsere Kenntnis nicht nur aus dem Nekrolog schöpfen müssten.

Ein süddeutsches Heer unter König Ludwig dem Kind wurde am 22. Juni 910 von den Ungarn bei Augsburg geschlagen. Diese erlitten gleich darauf von den Bayern unter Herzog Arnulf bei Neuching eine Niederlage.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die Niederlage von 909 an der Rott hielt die Ungarn nicht ab, bereits im nächsten Jahr wieder ins Ost-Franken-Reich einzubrechen. Hier schien man diesmal umfangreiche Vorbereitungen getroffen zu haben. Liudprand von Cremona überlieferte uns, dass man die drei süddeutschen Stämme Bayern, Franken und Schwaben aufgeboten hatte und alle, die diesem Gebot nicht Folge leisteten, mit dem schimpflichen Tod am Galgen bedrohte. Zu einer Vereinigung der drei Stämme kam es aber nicht mehr, nach Zatscheks Vermutung mit voller Absicht. Man hielt wohl nicht Schwaben, sondern Franken für bedroht. Hier blieb auch das fränkische Aufgebot unter König Ludwig und dem Grafen Gebhard, während man schwäbische Truppen im Süden ließ, vielleicht um den Feind einzukreisen. Doch hierher stießen die Ungarn, schlugen das schwäbische Heer und töteten den Grafen Gozbert, wohl dessen Führer. Nach einer in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts in den Reichenauer Nekrolog nachgetragenen Notiz fand das Treffen am 12. Juni statt. Nun scheint den Feinden das fränkische Aufgebot entgegengerückt zu sein. Am 22. Juni kam es bei Augsburg zur Schlacht, die nach anfänglichen Erfolgen den ostfränkischen Truppen abermals eine Niederlage brachte und ihrem Führer Gebhard das Leben kostete. Wohl auf dem Rückweg der Ungarn wird Arnulf eine Abteilung des Feindes bei Neuching geschlagen haben. Auch die schwäbischen Annalen berichten trotz der Niederlage ihrer Standesgenossen davon, doch war der Erfolg wohl nicht sehr groß, denn die Ungarn konnten trotzdem mit ihrer Beute zurückkehren. Die Niederlage aber, die die Schwaben und Franken unter Ludwig dem Kind erlitten haben, muss bedeutend gewesen sein, denn viele spätere Chronisten, denen die genaue Abfolge der ungarischen Züge nach Deutschland unbekannt war, fassen oft alle Ereignisse dieser Jahre in der Niederlage von Augsburg zusammen.

Am 10. November 911 wurde Herzog Konrad von Franken in Forchheim von den Franken, Sachsen, Schwaben und Bayern zum König gewählt.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Verwunderlich erscheint jedoch, dass bei allen Verhandlungen mit keinem Wort Arnulfs von Bayern gedacht wurde. Er war schließlich der Fürst eines starken Stammes, der in der Reichspolitik unter den letzten KAROLINGERN an Ansehen gewonnen hatte. "Arnulf, der ohnehin ein starkes Herzogtum einem schwachen Königtum vorziehen mochte, kam wegen seiner Jugend halber gar nicht in Betracht". Auch Riezler nahm an, dass die Entkräftung Bayern nach der Niederlage von 907 die Ursache dafür war, dass Arnulf übergangen wurde. Seine Jugend und Unerprobtheit führte Günter ins Feld und Mitteis glaubte, dass er sein fast königliches Herzogtum der Würde eines ostfränkischen Königs vorziehen mochte. Unter den Folgen der Ungarn-Stürme hatten aber auch andere Stämme zu leiden und Unerprobtheit konnte man dem bayerischen Herzog nicht vorwerfen, denn er hatte schon zweimal einen Sieg über die Ungarn errungen. Man mag wohl mit einer gewissen Opposition unter der hohen Geistlichkeit gegen ihn rechnen, doch ist die Beantwortung dieser Frage wohl in Arnulf selbst zu suchen. Er war an der unsicheren Würde eines rex Francorum wenig interessiert und es lag ihm mehr an der Errichtung und an dem Ausbau eines starken Herzogtums, so dass er deshalb gar keine Ansprüche auf ein ostfränkisches Königtum geltend machte.
eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Viele Gründe sind für das völlige Außerachtlassen seiner Person ins Feld geführt worden. 

Wichtiger ist die am 5. März 912 in Ulm ausgestellte Urkunde für uns aber noch aus einem anderen Grund.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Neben den Bischöfen Salomo von Konstanz, Drakolf von Freising und Meginpert von Seben trat eine große Anzahl von Grafen als Intervenienten auf, unter denen an zweiter Stelle ein Arnolfus comes erscheint. Dass sich unter diesem der Herzog Arnulf von Bayern verbirgt, der sich zusammen mit seinem Oheim Erchanger am Hofe KONRADS I. aufhielt, wird allgemein angenommen. Ist der wenig später aufgeführte Berthold etwa sein Bruder? Dass Arnulf hier nur Graf genannt wird, spricht nicht dagegen, denn so hieß er auch noch in den Urkunden HEINRICHS I. Jedenfalls ist diese Anwesenheit Arnulfs im Hoflager König KONRADS zu Ulm ein Beweis dafür, dass das Verhältnis zwischen den beiden Männern nicht von Anfang an feindlich war. Auch dass der neue König die Mutter des bayerischen Herzogs heiratete, deutet doch auf Entgegenkommen und Versöhnung hin.

Herzog Arnulf schlug 913 gemeinsam mit seinen Oheimen Erchanger und Berthold und dem Grafen Udalrich von einem Einfall in Schwaben zurückkehrenden Ungarn am Inn.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nach ihren großen Erfolgen, die sie 909 und 910 in Schwaben erzielt hatten, machten die Ungarn auch 913 dieses Land wieder zum Ziel eines Plünderungszuges. Nach Homan dienten die Züge dazu, einmal die Ennsgrenze militärisch zu sichern und dann Vorbereitungen der Deutschen zu einem Gegenschlag, dem sie auf die Dauer nicht gewachsen waren, zu hemmen und zu stören. Wieder waren die deutschen Truppen erst dann gesammelt, als die Ungarn bereits den Rückweg antraten. Schwäbische Truppen unter den Grafen Erchanger und Berthold, den beiden Oheimen Arnulfs und dem Grafen Udalrich, der im Linz- und Argengau herrschte, vereinigten sich mit einem bayerischen Aufgebot, das unter Herzog Arnulf stand. Der Ort ist diesmal nicht genau zu lokalisieren; die Quellen nennen nur den Inn. Es scheint für die deutschen Truppen ein großer Erfolg gewesen zu sein, den nach dem Bericht der Annalen aus St. Gallen nur 30 Feinde überlebt haben. Der Sieg war ein Werk der beiden süddeutschen Stämme unter ihren Führern, die zu dieser Zeit allein noch im Stande waren, die Grenzen des Reiches zu schützen. Dass dadurch die Macht der Herzöge bedeutend gestärkt wurde, liegt auf der Hand. In Schwaben hat nach Ansicht Läwens der Sieg der Grafen Erchanger und Berthold überhaupt erst die Grundlage für ihr Streben nach der Herzogskrone abgegeben. Jedenfalls scheint zu dieser Zeit ein Bündnis zwischen Bayern und Ungarn geschlossen worden zu sein, denn die folgenden Züge der Ungarn nach Deutschland waren nicht mehr von Plünderungen in Bayern begleitet. Auch die Flucht des bayerischen Herzogs zu den Ungarn, von der später zu sprechen sein wird, lässt auf ein Abkommen zwischen den beiden Völkern schließen. Stein lehnte allerdings die Möglichkeit eines Vertrages ab und meinte, die Ungarn hätten Bayern nur verschont, weil es allzu sehr ausgeplündert gewesen sei. Dabei bleibt aber doch eigenartig, dass sich diese Schonung über einen Zeitraum von 15 Jahren erstreckt haben soll. aber zog aus dieser Schlacht noch weiteren Nutzen. Schottmüller vermutete, dass der bayerische Herzog in diesem Kampf einige ungarische Anführer gefangen nehmen und dadurch einen Druck auf die Ungarn ausüben konnte. 

Herzog Arnulf empörte sich 914 gegen König Konrad I., wurde von diesem vertrieben und floh zu den Ungarn.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Der Beginn der Rebellion Herzog Arnulfs gegen König KONRAD I. steht nicht einwandfrei fest. Fast alle mittelalterlichen bayerischen Chroniken und auch noch Aventin berichten, dass die Feindschaft vom Regierungsantritt KONRADS an bestanden habe. Doch ist das nach dem oben zur Königswahl KONRADS Gesagten wohl nicht anzunehmen. Mittermüller erschloss ein anfangs noch freundliches Verhältnis aus der Tatsache, dass die Reichsinsignien, die sich beim Tode König Ludwigs des Kindes in den Händen der Bayern befanden, an den neuen Herrscher ausgeliefert wurden. Doch wird dieser Grund durch die Untersuchungen Dümmlers, nach denen St. Emmeran als Begräbnisort Ludwigs nicht unbedingt feststeht, in Frage gestellt. Auch die von Mittermüller herangezogene Anwesenheit bayerischer Bischöfe am Königshof und die Bestätigung Pilgrims von Passau als Erzkanzler ist dafür nicht unbedingt stichhaltig, denn gerade unter der Geistlichkeit bestand wegen der Säkularisationen wohl eine Opposition gegen den Herzog. Trotzdem wird man aber für die ersten Jahre auf ein nicht gerade feindliches Verhältnis schließen dürfen, denn einmal berichtete keine der früh- und hochmittelalterlichen Quellen Gegenteiliges und zum andern war mit hoher Wahrscheinlichkeit der comes Arnulfus, der 912 am Königshof als Intervenient erschien, Herzog Arnulf von Bayern. Schließlich mag hier auch noch angeführt werden, dass König KONRAD ja noch im Jahre 913 Arnulfs Mutter Kunigunde heiratete. Aus den Quellen werden wir wohl keine völlige Sicherheit gewinnen können. Wohl aber sprechen andere Gründe für das Jahr 914 als den Beginn der Rebellion. In Schwaben hatte sich aus dem Streit zwischen Bischof Salomo von Konstanz und dem Grafen Erchanger, dessen Anfänge nur sagenhaft überliefert sind, ein gefährlicher Unruheherd entwickelt. König KONRAD griff zu Gunsten des Bischofs ein, als dieser vom Grafen Erchanger gefangen genommen war. Der Graf wurde verbannt und es lag doch nahe, dass er sich zu seinem Neffen nach Bayern begab und dass dieser nun seinerseits die Waffen gegen den König ergriff. Doch auch er konnte sich gegen den König nicht halten und floh zu den Ungarn. Schottmüller glaubte, der Herzog, der ihnen noch eben eine schwere Niederlage beigebracht hatte, hätte sich als einzelner Flüchtling nicht schon jetzt zu ihnen begeben können und sei wohl mit einer großen Zahl seiner Anhänger gekommen. Mir erscheint es zwar nicht recht einleuchtend, dass die Ungarn eine große Menge fremder Krieger in ihrem Lande geduldet hätten, und doch deutet in eine ähnliche Richtung auch die von Homan herangezogene merkwürdige Stelle bei Lazius, wonach Arnulf sich mit dem Markgrafen Rüdiger bei den Ungarn aufgehalten haben soll. Mit Rüdiger, den bereits Aventin von Herzog Arnulf eingesetzt werden ließ, sind wir im Bereich des Nibelungenliedes; sollten in der Sage von der Flucht des bayerischen Nationalhelden Dietrich zu König Etzel auch Erinnerungen an die Flucht des bayerischen Herzogs zu den Ungarn anklingen? Die Ungarn werden nach drei Niederlagen gegen den bayerischen Herzog froh gewesen sein, ihn nicht mehr zum Gegner zu haben und ungehindert durch sein Land hindurchziehen zu können. Dieses Durchzugsrecht wird auch wohl der wahre Kern der Behauptung Hermanns von Niederaltaich sein, Herzog Arnulf selbst habe die Ungarn zu Kriegen gegen Deutschland aufgestachelt.
Auf Konrad von Scheyern geht eine andere dunkle Nachricht zurück, wonach Arnulf und sein Bruder Berthold zwei ungarische Prinzessinnen zu Frauen genommen hätten, eine Nachricht, die Schollinger verteidigte. Wir wissen von Arnulfs Frau sonst gar nichts. Trotzdem glaube ich nicht an die Notiz bei Konrad von Scheyern, denn Liudprand berichtete, Arnulf sei bereits mit Frau und Kindern zu den Ungarn geflohen. Vor 913 ist aber doch eine Verbindung mit einer ungarischen Prinzessin ausgeschlossen.

König Konrad I. vertrieb 916 den rebellieren Herzog Arnulf aus Bayern
---------------------------------------------------------------------------------------
Uns liegt hier eine andere Quellengruppe vor, auf Grund derer Jaffe und Breßlau den Beginn der Rebellion Arnulfs ins Jahr 916 setzten, während Dümmler immerhin Bedenken anmeldete. Wir können uns den Ablauf der Ereignisse also etwa folgendermaßen vorstellen. Arnulf, der sich 914 gegen den König empört hatte, wurde zur Flucht gezwungen und begab sich zu den Ungarn. Im Jahre 916 ging dann König KONRAD daran, Arnulfs Onkel Erchanger, der 915 aus der Verbannung zurückgekehrt war, den König bei Wahlwies besiegt hatte und nun den Herzogstitel führte, mit Hilfe der deutschen Geistlichkeit endgültig niederzuwerfen. Die Vorbereitungen waren sicher schon lange vor dem September 916, in dem die Synode von Hohenaltheim zusammentrat, zu erkennen und mögen den bayerischen Herzog veranlasst haben, aus Ungarn zurückzukehren, um selbst in den Kampf einzugreifen. Er nahm seinen Weg über Salzburg, wo er nach der Vermutung Breßlaus den Erzbischof Pilgrim und durch ihn die bayerischen Bischöfe, sei es durch Überredung, sei es durch Zwang, auf seine Seite zu ziehen suchte. Dass dies Bemühen ohne Erfolg blieb, zeigen die folgenden Ereignisse. - Inzwischen war auch König KONRAD in Bayern eingedrungen und hatte hier manche Gewalttat verübt. In seiner Begleitung befand sich ein Bischof, dessen Verhalten die Bayern sehr aufgebracht haben muss. In ihm wollte Gercken Salomon von Konstanz, Giesebrecht und Riezler Theodo von Würzburg sehen, während Jaffe nur allgemein an einen bayerischen Bischof dachte. Dagegen bemerkte Breßlau, dass keine Vermutung über den Namen des Bischofs irgendeinen Anspruch auf Wahrscheinlichkeit habe. KONRAD belagerte Arnulf in Regensburg und eroberte die Stadt. Um den 29. Juni 916 stellte der König hier eine Urkunde aus, durch die dem Kloster St. Emmeran der zehnte Teil der Regensburger Zolleinnahmen geschenkt wurde. Breßlau vermutete, dass dies zum Ersatz für die Plünderungen durch das königliche Heer geschah, unter denen auch die Geistlichkeit der Stadt zu leiden hatte. Die Regensburger und Zweifaltener Annalen berichten auch ausdrücklich von einer Niederlage Herzog Arnulfs. Ob diese der Belagerung Regensburgs voranging oder erst beim Kampf um die Stadt erfolgte, ist nicht mehr zu erkennen. Arnulf wandte sich wohl wieder zu den Ungarn.
Die bayerische Geistlichkeit scheint sich überwiegend dem König angeschlossen zu haben, die Säkularisationen des Herzogs und wohl auch das Bestreben, dem landeskirchlichen Zustand zu entgehen, mögen sie zu diesem Schritt bewogen haben. Am 6. Juli 916 befanden sich in Neuburg an der Donau der Erzbischof von Salzburg, sowie die Bischöfe von Freising, Regensburg und Eichstätt in seinem Gefolge. Arnulf und sein Bruder Berthold wurden für den 7. Oktober 916 vor eine Synode nach Regensburg geladen; erst für den Fall ihres Nichterscheinen wurden ihnen Strafmaßnahmen angedroht. Dieses Vorgehen war im Verhältnis zu dem gegen die schwäbischen Brüder Erchanger und Berthold sehr milde. Es veranlasste Breßlau zu der Annahme, dass der hohe bayerische Klerus beim König für ein milderes Verfahren gegen Herzog Arnulf eingetreten sei.

916 September 20
Von der Synode zu Hohenaltheim werden Herzog Arnulf und sein Bruder Berthold für ihr bisheriges Verhalten getadelt und es wird ihnen auferlegt, sich vor einer neuen Synode zu Regensburg zu verantworten.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

In den Streit zwischen dem König und den Herzögen griff auch die Geistlichkeit ein, die sich durchweg auf die Seite der Zentralgewalt stellte. Am 20. September 916 trat zu Hohenaltheim bei Nördlingen eine Synode zusammen, die mit geistlichen Waffen gegen die Gegner des Königs vorging, wobei sie sich überdies noch auf eine Bulle Papst Johanns X. stützen konnte. Die beiden schwäbischen Grafen wurden kurzerhand in ein Kloster verwiesen, die Bayern Arnulf und Berthold aber noch einmal für den 9. Oktober auf eine Synode nach Regensburg vorgeladen. Allen ihren Anhängern wurde aufgetragen, sich sofort ihren Bischöfen zu stellen und die von der Synode verhängte Buße auf sich zu nehmen. - Schottmüller war der Ansicht, die Bestimmung von Regensburg als Ort für die nächste Synode sei ein kluger Schachzug der Reichsregierung gewesen, da Arnulf auf diese Weise unbedingt die Pforten seiner Hauptstadt öffnen musste, wenn er sich nicht den Bann zuziehen wollte. Dagegen ist allerdings zu sagen, dass König KONRAD ja schon seit Mitte Juni im Besitz der Stadt war. Ob diese zweite Synode in Regensburg noch stattfand, wissen wir, wie Breßlau betonte, nicht, denn das einzige Zeugnis Aventins scheint nach der allgemeinen Unzuverlässigkeit seiner Darstellung für diese Zeit nur von zweifelhaftem Wert zu sein. - Mühlbacher sah in der Synode von Hohenaltheim einen wertvollen Beweis dafür, den Beginn der Rebellion Herzog Arnulfs schon zum Jahr 914 und nicht erst zu 916 zu stellen. Da Arnulf und Berthold am 20. September bereits für den 7. Oktober vorgeladen haben, da dann die Ladungsfrist viel zu kurz wäre. Also müsse ihre quellenmäßig beglaubigte Flucht zu diesem Volk schon früher, im Jahr 914, liegen.

917
Herzog Arnulf erobert Bayern zurück und vertreibt Eberhard von Franken.
------------------------------------------------------------------------------------------
Das Jahr 917 brachte für Herzog Arnulf die endgültige Wende. Bei seiner erneuten Rückkehr aus Ungarn konnte er Bayern mit seiner Hauptstadt Regensburg zurückerobern und den hier eingesetzten Eberhard, den Bruder KONRADS, verjagen. Dass im gleichen Jahre die Ungarn, wieder unter Verschonung Bayerns, nach Deutschland einbrachen und Schwaben und Lothringen verwüsteten, gab Breßlau zu der Vermutung Anlass, Arnulf habe mit ihnen zusammen den Weg in seine Heimat genommen. An eine gegenseitige militärische Hilfeleistung möchte ich aber nicht glauben, denn die Nachricht bei Hermann von Niederaltaich ist doch wohl zu sehr vom Hass gegen den "Zerstörer der Kirchen" eingegeben, als dass man ihr Glauben schenken könnte.

918
Bei einem erfolglosen Angriff auf Bayern empfängt König Konrad I. eine Wunde, an der er bald darauf stirbt.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Jahr 917 hatte alle Erfolge König KONRADS, die er gegen Herzog Arnulf errungen hatte, wieder zunichte gemacht. Dass er im Jahre 918 mit einem Zug gegen Bayern und Regensburg noch einmal das Kriegsglück zu wenden versuchte, zeigt uns ein Exzerpt Aventins aus den Salzburger Annalen. Auf diesem erfolglosen Feldzug wird auch wohl die Nachricht bei Widukind und in den beiden deutschen Chroniken zu beziehen sein, nach der KONRAD verwundet aus Bayern zurückkehrte und an dieser Wunde bald darauf (23. Dezember 918) starb. Breßlau suchte diesen Kriegszug zeitlich genauer zu bestimmen und kam zu einem Ansatz entweder zwischen dem 21. April, wo der König in Frankfurt und dem 24. Juni, wo er in Hersfeld war, oder aber er sei zwischen dem Würzburger Aufenthalt Anfang Juli und dem in Forchheim am 9. September einzuschieben.

919-921
König Heinrich I. zog gegen den auch als König aufgestellten Arnulf von Bayern zweimal zu Feld und gelangte schließlich mit ihm zu einer friedlichen Verständigung.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Als am 23. Dezember 918 König KONRAD I. starb, schien der schwache Zusammenhalt, der das auf dem Boden karolingischer Tradition fortlebende Staatsgebilde des ostfränkischen Reiches verband, noch viel stärker gefährdet als beim Tode Ludwigs des Kindes. Was hinderte die einzelnen Teile dieses Reiches, die ohnehin fast nur mehr nominell unter der einheitlichen Leitung eines Königs standen, sich voneinander zu lösen und es damit den anderen Staaten Europas gleichzutun, die in diesen Jahren und Jahrzehnten die Grundsteine zu ihrer Selbständigkeit legten? Im Prinzip standen sich die Markgrafen der Provence, die Könige von Burgund und die Herzöge von Bayern etwa so nahe, dass sie alle in die Reihe der reguli einzuordnen sind, die nach einem Wert der Fuldaer Annalen zu dieser Zeit im karolingischen Reiche emporwuchsen. - Ob es wirklich eine Tat ehrenvoller Entsagung und großer politischer Einsicht war, als der sterbende KONRAD durch seinen Bruder Eberhard seinen bisherigen Gegner Heinrich von Sachsen die Reichsinsignien zusenden ließ oder ob nicht vielmehr die KONRADINER bei dem Sachsen gegen den bayerischen Herzog Schutz suchten, der sie in den ostfränkischen Grafschaften, also in ihrem eigenen Hoheitsgebiet, bedrängte, mag dahingestellt bleiben. Die mannigfachen Probleme, die sich aus der Huldigung HEINRICHS durch Eberhard in Fritzlar ergeben, erfuhren zuletzt durch Mitteis noch einmal eine zusammenfassende Darstellung. Immerhin war hier nicht mehr erreicht, als ein Zusammenschluss zwischen Franken und Sachsen. Lothringen, Schwaben und Bayern standen abseits und hätten ohne Bindung an die neue Gemeinschaft ihre eigenen Wege gehen können. Die Lage des "Wahlortes" Fritzlar zeigt auch deutlich, dass man von vornherein wohl gar nicht mit einer Beteiligung der süddeutschen Stämme rechnete. Wenn der Fortsetzer Reginos meldete, HEINRICH sei mit Zustimmung der Franken, Schwaben, Bayern, Thüringer und Sachsen zum König gewählt worden, so betonte Riezler mit Recht, dass zumindest die Bayern unter den Wählern nur vereinzelte Vasallen des Königtums gewesen seien. Auch Breßlau wies ausdrücklich darauf hin, dass an der im Mai 919 vollzogenen Erhebung Herzog Heinrichs zum König weder Burchard von Schwaben noch Arnulf von Bayern teilgenommen haben. Hatte noch KONRAD bei seiner Wahl von allen Stämmen (mit Ausnahme der Lothringer) Anerkennung gefunden, die erst nach einigen Jahren in Feindschaft umschlug, so waren bei HEINRICHS Thronbesteigung die Fronten sofort klar:
er konnte auf den Süden des Reiches nicht zählen. Bayern und Schwaben erkannten ihn von vornherein nicht als Herrn an. - In Bayern geschah aber noch etwas Anderes:
Herzog Arnulf
wurde selbst zum König erhoben. Das musste man bereits aus der Darstellung bei Luidprand entnehmen, der berichtete, die Bayern und Ost-Franken hätten Arnulf nicht nur ehrenvoll aufgenommen, sondern auch gewünscht, dass er König werde. Diese Fassung Liudprands findet sich dann wieder, oft wörtlich übernommen, in zahlreichen hoch- und spätmittelalterlichen Chroniken. Seine Darstellung und somit auch der Königsplan Arnulfs fand aber keinen rechten Glauben. Die Rede, die König HEINRICH gehalten haben sollte, machte den Bericht recht unglaubwürdig und zum anderen stieß man sich an der merkwürdigen Stelle, dass Arnulf von den Bayern und den Ost-Franken empfangen sein sollte. Für Waitz war das ein Beweis dafür, dass bereits Luitpold ein großes Stück aus dem BABENBERGER Erbe zugefallen sein müsse, während Doeberl dem widersprach; doch war in den östlichen Grafschaften Frankens wohl schon durch Luitpold beim Kampf gegen die BABENBERGER eine bayerische Einflusssphäre geschaffen worden. - Dass, nach Mitteis in einer rein weltlichen Erhebung, Arnulf König geworden war, darüber kann kein Zweifel bestehen. Fraglich erscheint nur, ob diese Würde für das ganze ostfränkische Reich oder nur für Bayern Gültigkeit hatte. Diese Frage mag müßig erscheinen bei dem eindeutigen Wortlaut der Quellen, die von einem regnum Teutonicorum spricht. Die Frage, ob es sich bei der Erhebung Arnulfs um ein deutsches oder bayerisches Königtum gehandelt habe, wurde von Lüdtke und Mohr im letzteren Sinne beantwortet, während Rall sich letztlich nicht eindeutig entschied. Gegen die These von einem "bayerischen Königsplan" Arnulfs wurde allerdings auch jedesmal Widerspruch laut, auch gegen eine in die gleiche Richtung zielende Vermutung, die ich 1949 in dieser (damals noch ungedruckten) Arbeit aussprach, wandte sich Mitteis. Wenn ich auch den Ausdruck "bayerisches Sonder-Königtum" nicht mehr aufrechterhalten möchte, so verweise ich doch auf das Eigenleben, das das regnum Baioriae während der KAROLINGER-Zeit entwickelt hatte. - Das Hauptgewicht möchte ich aber auf die Vorgänge selbst legen. Arnulf erwartete zweimal den Einfall der Sachsen in sein Land, und er unternahm während der zwei Jahre währenden Auseinandersetzung keine einzige Offensivmaßnahme. Vor allem aber kam es nicht zu einem Zusammenschluss mit Schwaben. Hätte der bayerische Herzog wirklich ein "Gegen-Königtum" geplant, so wäre doch sein westlicher Nachbar, der HEINRICH auch nicht anerkannte, der gegebene Bundesgenosse gewesen. HEINRICH aber, dessen faktische Stellung am Beginn seiner Regierung die eines sächsisch-fränkischen Stammes-Königs war, betrachtete das ostfränkische Reich als das ihm zugefallene Erbe, und durch sein Handeln wurden er und Arnulf zu "Rivalen im Reich", eine Vorstellung, die offenbar bald in das Denken der Zeit übergegangen, bereits bei Luidprand von Cremona ihren literarischen Niederschlag gefunden hat.

Diese schwierige Lage fand König HEINRICH I. bei seinem Regierungsantritt vor. Sie wurde noch schwieriger dadurch, dass er sich bei seinem Vorgehen gegen Arnulf auf keine rechtlichen Befugnisse stützen konnte. Ein karolingisches Reich, in dem die Herzöge und Grafen der einzelnen Stämme durch ein ihnen übertragenes Amt an die Zentralgewalt gebunden waren, gab es nicht mehr, und ein deutsches Reich mit einer Lehensbindung an die Spitze gab es noch nicht. So kann man Arnulfs Verhalten nicht einmal als Rebellion bezeichnen, denn für ihn gab es ja keinen Herrscher mehr, gegen den er hätte rebellieren können. So wie sich überall in Europa kleine Reiche gebildet hatten, wird auch er nichts anderes gewollt haben, als König eines selbständigen Reiches zu sein. Der neue Herr, den sich die Sachsen und Franken gesetzt hatten, kümmerte ihn nicht. König HEINRICH I. aber ging mit großem Geschick daran, auch in die beiden süddeutschen Stämme seiner Leitung zu unterwerfen. - Noch im Jahre 919 wandte er sich gegen Burchard von Schwaben, der ihn als König anerkannte. Auf welche Weise diese rasche Verständigung erreicht wurde, ist unklar, da sich alle Quellen darüber ausschweigen. Die nächste und wohl schwierigste Aufgabe war die Auseinandersetzung mit Arnulf von Bayern. Dieser hatte, sowie ihm die Absichten HEINRICHS klar wurden, sicher sofort seine Vorbereitungen getroffen. So werden wir wohl die Nachricht Arnulfs von St. Emmeran über die Befestigung der Hauptstadt Regensburg mit Waitz und Riezler in diese Zeit datieren können. Aus dem Fragmentum de Arnulfo duce, dessen Verfasser voller Unmut über den Sachsen ist, dessen Vorfahren nie auch nur einen Fußbreit Boden in Bayern besessen hatten, ergibt sich, dass HEINRICH bei dem Versuch, Bayern zu erobern, von den Einwohnern einer Stadt eine Schlappe beigebracht wurde. Nach Waitz handelte es sich dabei um Regensburg. Da diese Nachricht sonst nirgends bezeugt ist, suchte man auf verschiedene Weise zu einer Lösung zu kommen. Richter-Kohl lehnten ihre Glaubwürdigkeit überhaupt ab, Löher nahm einen Zug des Herzogs
Heinrich
während der Regierung König KONRADS gegen Arnulf an, während Giesebrecht der Ansicht war, dass HEINRICH Arnulf zu Felde zog. Diese letzte Lösung scheint mir am meisten Wahrscheinlichkeit zu besitzen. Vielleicht hängt damit auch noch die zwiespältige Überlieferung bei Widukind und Luidprand zusammen. Nach Widukinds Bericht belagerte HEINRICH den Herzog in Regensburg, nach Luidprand aber zog ihm dieser bereits mit einem Heer entgegen. Allerdings kam es ja in diesen beiden Darstellungen sofort zur Versöhnung, während das Fragmentum de Arnulfo duce zunächst von einer Schlappe des Königs zu berichten wusste. Klebl bezog noch die Nachricht der Regensburger Annalen zum Jahr 921 interfectio Francorum auf diese erste Niederlage HEINRICHS. - Erst im Jahre 921 unternahm König HEINRICH einen zweiten Zug gegen Bayern und gelangte nach Regensburg, wo er Arnulf einschloss. Auf die Angabe Widukinds, Arnulf habe die Tore der Stadt geöffnet, weil er einsah, dass er dem König nicht widerstehen könne, wird man keinen allzu großen Wert legen dürfen, da aus ihr zu deutlich der sächsische Stammesstolz spricht und da bei einer solchen Unterwerfung auch das spätere Abkommen nicht verständlich wäre. König HEINRICH wird wahrscheinlich den Weg zu Verhandlungen beschritten haben. Er bat Arnulf zu einer Unterredung, auf die dieser auch einging, zunächst wohl in der Annahme, es handle sich um einen Zweikampf. Trotz des ausführlichen, aber wohl stark mit Fabeln durchsetzten Berichtes Luidprands, den Aventin übernahm und noch weiter ausschmückte, können wir den Inhalt dieser Unterredung nur aus den späteren Ereignissen rekonstruieren. Richtig könnte an der Darstellung Luidprands auch sein, dass Arnulf sich die Genehmigung zu Abmachungen erst von seinem Adel holen musste. Miles regis efficitur meldet Luidprand, doch ist dieser Ausdruck wohl schon aus dem Denken der ottonischen Zeit zu verstehen; vielmehr wird hier ein Lehensverhältnis geschaffen sein, das sich von der Unterordnung der reguli unter Kaiser ARNULF nicht wesentlich unterschied. Ob darüber hinaus die Bezeichnung amicus regis, von Widukind wohl nach römischem Vorbild gebraucht, irgendeine staatsrechtliche Bedeutung hat, ist fraglich. Dafür erhielt der Herzog aber so weitgehende Rechte, dass er eine fast unabhängige Stellung einnahm. Gerade die Auseinandersetzung mit König KONRAD hatte gezeigt, wie wichtig das ihm jetzt von HEINRICH I. zugestandene Recht der Bischofs-Ernennung werden konnte, ein Recht, das bisher auch die Päpste ausdrücklich den Königen zugebilligt hatten. Nach Riezlers Annahme wog dieser Kaufpreis für HEINRICH im Augenblick deswegen nicht schwer, weil die bayerischen Bischöfe schon vorher zur heimischen Gewalt übergeschwenkt waren. Dieses Abkommen, das dem bayerischen Herzog so weitgehende Selbständigkeit beließ, stärkte seine Stellung auch in anderer Hinsicht. Die nächsten Jahre werden zeigen, dass er eine ganz unabhängige Außenpolitik zu führen im Stande war. Er konnte alle seine Kraft, durch niemanden gestört, ausschließlich bayerischen Belangen widmen. Das war ja wohl von Anfang an sein Plan gewesen, und dass er ihn nicht als König durchführen konnte und die formelle Oberhoheit HEINRICHS anerkennen musste, mag ihm bei den erreichten Erfolgen gleichgültig gewesen sein. Auch Klebel kam zu dem Schluss, dass ihm durch diesen Vertrag die Königsgewalt ohne Königskrone zugestanden worden sei.

922
Herzog Arnulf zog mit einem Heer nach Böhmen.
------------------------------------------------------------

Bereits ein Jahr nach der Aussöhnung zwischen HEINRICH und Arnulf sehen wir hier den Herzog außenpolitisch eigene Wege gehen. Er unternahm allein (das Zusammenwirken mit König HEINRICH bei Bernhard von Kremsmünster beruht sicher auf einer Verwechslung mit dem Zug von 929) einen Feldzug nach Böhmen, über dessen Ausgang nichts bekannt ist. Der Erfolg kann aber nicht bedeutend gewesen sein. Einmal hielten nur sehr wenige Quellen ihn der Erwähnung wert, zum anderen wurde bereits 929 ein neues kriegerisches Unternehmen notwendig, das diesmal von König HEINRICH und Herzog Arnulf gemeinsam durchgeführt wurde. Ebenso wie 929 nannten die Quellen den Namen des bekriegten Böhmen-Herzogs nicht. Im Gegensatz zu Holtzmann, der an einen Zug gegen Wenzel glaubte, nahm Bretholz gerade an, dass Arnulf zu Wenzels Unterstützung gegen dessen Bruder Boleslaw ins Land gezogen sei. Mag aber nun Arnulf mit seinem Vorstoß von 922 Erfolg gehabt haben oder nicht, jedenfalls sehen wir aus diesen Vorgängen, dass er gleich nach der Sicherung seiner Stellung dem neuen König gegenüber bestrebt war, verlorenen Boden für sein Land zurückzugewinnen. Böhmen war dem ostfränkischen Reich lange Zeit tributpflichtig gewesen, und dieses Verhältnis wurde nach dem Tode Swatopluks von Mähren ausdrücklich noch einmal erneuert. Erst die Eroberung der östlichen Marken nach der Schlacht von 907 durch die Ungarn scheint diese Abhängigkeit unterbrochen zu haben, denn einmal hatte das besiegte Bayern im Augenblick natürlich schwerere Sorgen, als seine Außenposten zu halten, zum andern wird aber auch die Nachbarschaft der Ungarn in Mähren für solche Ansprüche störend gewesen sein. Doch nun hatten sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Arnulf stand im Innern des Reiches stark und unabhängig da und war auch mit den Ungarn in ein freundschaftliches Verhältnis gekommen. Nun konnte er alte Forderungen wieder anmelden. Die Verhältnisse unter den letzten ostfränkischen KAROLINGERN Herzog Arnulf noch ein ganz persönliches Interesse geltend machen. Sein Vater Luitpold muss eng mit diesem Land verbunden gewesen sein. Er wurde dux Boemanorum mochten es mit sich gebracht haben, dass Böhmen gleichsam eine Provinz Bayerns zu sein schien. In Regensburg huldigten böhmische Führer dem König, von Bayern führten die Hauptstraßen nach Böhmen und bayerische Truppen waren es, die immer wieder ins Land zogen. Dazu konnte genannt und hatte vielleicht eine Statthalterstellung für das Land innegehabt. So mochte es für den bayerischen Herzog selbstverständlich sein, an diese Tradition wieder anzuknüpfen. Zugleich aber ist der Zug ein Beweis für die mächtige und selbständige Stellung, die Bayern zu dieser Zeit einnahm.

926-927
Die Ungarn verwüsten Bayern. Herzog Arnulf schließt mit ihnen einen Friedensvertrag.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------
Über die richtige zeitliche Einordnung dieses Ungarnzuges zu 926 hat grundlegend Waitz gearbeitet. Nachdem bereits zu Beginn des Jahres ungarische Scharen bis über den Rhein vorgestoßen waren, erschienen im Frühjahr neue von Osten her, die bis nach Schwaben gelangten. Dabei fand in St. Gallen auch die Inkluse Wibortada den Tod. - Bei diesem Unternehmen hatte auch Bayern zum ersten Mal seit 913 wieder unter Plünderungen zu leiden. Warum der damals mit den Ungarn abgeschlossene Vertrag nicht mehr in Kraft erscheint, ist ganz unklar. War dieser etwa auf 14 Jahre begrenzt und nach Ablauf nicht mehr erneuert? Oder hatten die Ungarn ihre Forderungen, die bisher wohl nur in der Gewährung freien Durchzugs durch Bayern bestanden, erhöht? Aus der Angabe der Regensburger Annalen ersieht man, dass Arnulf auch diesmal wieder mit den Ungarn einen Vertrag schloss, doch nach der Annahme Lüttichs konnte er sich jetzt nur durch Tributzahlungen von diesem Feinde befreien. Auch König HEINRICH I. war durch die Gefangennahme eines ungarischen Führers in der Lage, mit dem Feinde zu verhandeln und mit diesem ebenfalls einen Waffenstillstand zu schließen. Diese neugeschaffenen Verhältnisse gegenüber dem Feind aus dem Osten waren nach Holtzmann auch Gegenstand der Besprechungen auf dem Reichstag von Ingelheim am Ende des Jahres 927. Doch dürfte im Gegensatz zu seiner und Lintzels Meinung der Waffenstillstand, den König
HEINRICH
geschlossen hatte, nur für Sachsen und nicht für das ganze Reich gegolten haben, wie ja auch dieser Einfall nach Bayern und der Separatfrieden mit Herzog Arnulf zeigen.

927 Oktober 18
Auf Intervention Herzog Arnulfs schenkt König Heinrich I. dem Kerung, einem Vasallen des Herzogs, den Hörigen Noppo.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Auf das gute Einvernehmen, das zwischen König HEINRICH und Herzog Arnulf nach ihrer Aussöhnung herrschte, deutet auch diese in Salz ausgestellte Urkunde hin, durch die ein Vasall des Herzogs einen Hörigen beschenkt erhielt.

927
Auf einem Hoftag in Ingelheim trifft Herzog Arnulf mit König Heinrich I. zusammen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die zeitliche Festsetzung dieses Hoftages hat sehr scharfsinnig Breßlau erarbeitet. Aus mehreren Urkunden HEINRICHS I. hatte bereits Waitz auf einen Hoftag in Mainz im Dezember 927 geschlossen, doch wird durch diese Quellenstelle Ingelheim als Tagungsort sichergestellt. Dass Arnulf daran teilgenommen hat, ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit daraus, dass die Salzburger Annalen bei ihrem Interesse für bayerische Angelegenheiten im andern Falle von dieser Tagung wohl gar nichts erwähnt hätten, und zeigt sich zum andern auch aus der Anwesenheit Arnulfs in Mainz, die sich aus der im Folgenden zu behandelnden Urkunde ergibt. Holtzmann nahm an, dass hier in Ingelheim die Probleme besprochen wurden, die sich aus dem Ungarneinfall im vergangenen Jahr ergeben hatten.

927 Dezember 27
Auf Bitten Herzog Arnulfs bestätigt König Heinrich I. dem Kloster Kempten das Wahlprivilegium und andere Gunstbriefe seiner Vorgänger.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nach dem Hoftag von Ingelheim haben sich die Fürsten wohl zur Feier des Weihnachtsfestes nach Mainz begeben. Hier trat auch gerade der neu ernannte Erzbischof Hildebert von Köln sein Amt an. König HEINRICH  I. stellte hier mehrere Urkunden aus, davon eine auf Intervention Herzog Arnulfs. Durch diese wurden dem Kloster Kempten das Privileg der freien Wahl und andere Gunstbriefe bestätigt, wodurch der bayerische Herzog seine Sorge für dieses Kloster abermals bestätigte.

929 Juni 30
Auf Bitten Arnulfs von Bayern und Eberhards von Franken bestätigt König Heinrich I. die dem Kloster Kempten von Cumprecht und Salacho unter gewissen Bedingungen gemachten Schenkungen.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Auf Bitten des Abtes Agilolf von Niederaltaich und der "Grafen" Arnulf und Eberhard bestätigte König HEINRICH I. dem Kloster Kempten Schenkungen des Cumpreht zu Biessenhofen südlich Kaufbeuren und des Salacho zu Hausen im Augstgau. Dieser sowie der übrige Besitz des Klosters zu Biessenhofen und zu Bronnen (südwestlich von Landsberg) sollen dem Abt Agilolf auf Lebenszeit zugewiesen werden und erst nach dessen Tod an das Kloster fallen. - Das Ärenjahr und die ihm entsprechende Indiktion dieser Urkunde weisen auf das Jahr 930. Doch ist sie in Nabburg ausgestellt, was Riezler für den oberpfälzischen Ort hielt, wie auch Sickel ein anderes als das bayerische Nabburg nicht bekannt ist. Da aber für 930 ein Aufenthalt König HEINRICHS
in dieser Gegend nicht denkbar ist, muss man wohl 929 als Ausstellungsjahr annehmen. Für dieses Jahr würde sich Nabburg gut in das Itinerar des Königs einfügen, denn er könnte es auf seinem gleich zu behandelnden Kriegszug nach Böhmen berührt haben. Ottenthal dagegen nahm an, dass die Handlung dieser Urkunde während des Rückzuges aus Böhmen lag, so dass das ursprüngliche Datum richtig sei.

929
Durch einen Heereszug machen König Heinrich I. und Herzog Arnulf Böhmen wieder tributpflichtig.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aus den Nachrichten Widukinds und des Fortsetzers Reginos erfahren wir Näheres über diesen Feldzug nach Böhmen, den König
HEINRICH I.
im Jahre 929 unternahm. Verlautet hier von einer Teilnahme Herzog Arnulfs auch nichts, so ergibt sich diese doch mit Sicherheit aus dem oben angeführten bayerischen Annalen. Auch ein urkundlicher Beweis kann dafür beigebracht werden. In der zum 30. Juni 929 besprochenen Urkunde, die im oberpfälzischen Nabburg ausgestellt wurde, das auf dem Weg nach Böhmen lag, erschien ein Graf Arnulf als Intervenient, in dem mit hoher Wahrscheinlichkeit der Bayern-Herzog zu sehen ist. - Nach Bretholz zogen HEINRICH und Arnulf in Böhmen ein, um die Unruhen, die nach der Ermordung Wenzels durch seinen Bruder Boleslaw am 28. September 929 entstanden waren, zu dämpfen. Doch ist es wahrscheinlicher, dass man den Einmarsch schon früher plante, da HEINRICH und Arnulf nach der oben besprochenen Urkunde bereits am 30. Juni 929 in Nabburg nachzuweisen waren. Böhmen wurde offensichtlich ohne große Mühe wieder unterworfen und musste Tribute zahlen. So war dieses Unternehmen anscheinend von größerem Erfolg begleitet als das Arnulfs aus dem Jahre 922. Dadurch wurde die alte Abhängigkeit des Landes wiederhergestellt, diesmal aber eine Abhängigkeit vom deutschen Reich und nicht von Bayern allein. Ich möchte sogar die Vermutung aussprechen, dass König HEINRICH diesen Zug unternahm, um den Ansprüchen des Bayern-Herzogs auf dieses Land, die dieser ja im Jahre 922 deutlich genug dokumentiert hatte, zuvorzukommen und um keinen Zweifel über den Inhaber der tatsächlichen Gewalt in Böhmen aufkommen zu lassen. Andererseits wird aber Arnulf nicht zuletzt deswegen mitgezogen sein, um den König nicht allein in einem Land ernten zu lassen, das dem bayerischen Herzog gleichsam als eine Provinz Bayerns und als ein von seinem Vater überkommenes Erbe erscheinen musste.

930 April 9
Auf Intervention Herzog Arnulfs schenkt König Heinrich I. der Kirche des heiligen Florin zu Remüs die Kirche zu Sent in der Grafschaft Bertholds und bestätigt den Presbyter Hartpert den Besitz beider.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Wie bereits bemerkt wurde, begegnet auch in dieser in Frankfurt ausgestellten Urkunde Herzog Arnulf als comes, was nur besagen will, dass man zu dieser Zeit die Titel dux und comes noch abwechselnd gebrauchen konnte. Merkwürdiger ist, dass auch er, wie bereits  einmal sein Vater Luitpold venerabilis genannt wurde, ein für weltliche Personen äußerst seltenes Beiwort. Berthold, der hier als Graf in dem zur Grafschaft Vintschgau gehörenden Unterengadin auftaucht, wird trotz des Zweifels Heubergers wohl der Bruder Herzog Arnulfs sein. Dem Presbyter Hartpert wurden hier auf Intervention Arnulfs die beiden Kirchen zu Remüs und Sent, nicht weit voneinander entfernt im Inntal gelegen, zu Eigen gegeben. Hartpert, der Neffe des Presbyters Reginwald, wurde später Abt von Ellwangen und war 951-976 Bischof von Chur.

930 Mai
Der Edle Diotmar übergibt in Gegenwart herzoglicher missi dem Erzbischof Odalbert von Salzburg im Tausch einen Ort, den er einst von Herzog Arnulf erhalten hatte.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Der Edle Diotmar erhielt vom Salzburger Erzbischof für seine, seiner Gemahlin und seiner Kinder Lebenszeit Erharting, Tüßling, Burg(kirchen), Teising, zwei Kirchen zu Reischach mit dem Zehnten und Buchbach mit dem Zehnten von Rott. Er gab dafür den westlich Altötting gelegenen Ort Teising, den er einst zum Teil von dem Priester Winipold, in der Hauptsache aber von Herzog Arnulf erhalten hatte. - Auch diese Urkunde vermag wieder die engen Beziehungen der LUITPOLDINGER zum Erzbischof Odalbert und seiner früheren Familie zu erhellen. Ausdrücklich ist angegeben, dass Diotmar ein Sohn des Erzbischofs ist. Zugleich wissen wir, dass er der Sohn der edlen Frau Rihni war und noch zwei Brüder Bernhard und Otakar hatte. So konnte bereits Egger zu der Überzeugung kommen, dass Rihni und Adalbert vor dem Eintritt des letzteren in den geistlichen Stand verheiratet gewesen waren. Eine Zugehörigkeit der Rihni zur Familie der LUITPOLDINGER wurde bereits oben vermutet. Damals musste ihr der Erzbischof auf Befehl des Herzogs und in Gegenwart herzoglicher missi eine große Schenkung machen. Als jetzt ihr Sohn Diotmar mit dem Erzbischof tauschte, waren wieder herzogliche missi anwesend, von denen der Graf Orendil mit seiner Grafschaft nach Erben in der Gegend der unteren Vils zu suchen ist. Auch dass Herzog Arnulf dem edlen Diotmar einst den hier von ihm vertauschten Ort Teising schenkte, lässt die Sorge des Herzogs für die Familie der Rihni erkennen.

931 April 14 und 931 Mai - 937 Juni
König Heinrich I. setzt das Bistum Freising wieder in den Besitz ihm entfremdeter Güter im Vintschgau in der Grafschaft Bertholds ein.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Herzog Berthold beauftragt im Einvernehmen mit seinem Bruder Herzog Arnulf von Bayern seine Getreuen Ruodbert und Merolt, der bischöflichen Kirche Freising die ihr einst entzogenen Güter zu Mais und Kortsch zurückzugeben
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die beiden uns vorliegenden Urkunden gehören inhaltlich eng zusammen. Bischof Wolfram von Freising hatte sich an König HEINRICH I. gewandt, um durch diesen drei Besitzungen zurückzuerhalten, die der Freisinger Kirche unrechtmäßig entfremdet worden waren. Es handelte sich um Mais und Kains bei Meran, sowie um Kortsch nordwestlich Schlanders. Alle Orte lagen im Vintschgau, in der Grafschaft Bertholds, der uns bereits in der Urkunde HEINRICHS I. vom 9. April 930 als Graf des gleichen Gebietes begegnete. Heuberger bezweifelte, dass dieser Berthold der Bruder Herzog Arnulfs sei, und selbst wenn das bewiesen werden könnte, so sei damit noch gar nichts über die Zugehörigkeit des Vintschgaues zu Bayern ausgesagt. Später nahm er an, die Zugehörigkeit der Grafschaft Vintschgau-Unterengadin sei nur eine vorübergehende gewesen und hinge mit den Absichten Herzog Arnulfs auf Ober-Italien zusammen. Auch Huter vermutete, dieses Gebiet habe damals nicht zu Bayern, sondern nur zum Besitz des luitpoldingischen Hauses gehört. Dass in dem Berthold, der uns zweimal in Königs-Diplomen als Vorsteher der Grafschaft Unter-Engadin-Vintschgau begegnete, wirklich der Bruder des bayerischen Herzogs Arnulf zu sehen ist, zeigt mit Sicherheit die Urkunde, die dieser selbst für das gleiche Gebiet ausstellte. Die Annahme, diese Grafschaft sei luitpoldingischer Familienbesitz gewesen, scheint mir allerdings ebenso unhaltbar wie die Überzeugung, Arnulf hätte sich im Hinblick auf seine italienischen Pläne eigenmächtig ein Stück des Herzogtums Schwaben angeeignet. Mit Meyer-Marthaler möchte ich annehmen, dass nach dem Tode Burchards I. von Schwaben im Jahre 926 und mit der Einsetzung Herzog Hermanns durch den deutschen König die Selbständigkeit des schwäbischen Herzogtums beschnitten und dabei auch die alte Markgrafschaft Rätien in drei Grafschaften aufgeteilt wurde:
in den pagus Curiensis (Oberrätien) unter Graf Ulrich,
in den Vintschgau unter Graf Berthold und in den
pagus Raetiae Curiensis unter Herzog Hermann.
Schleusinger vermutete, König HEINRICH habe durch diese Verleihung den Bruder des bayerischen Herzogs bereits jetzt auf die Seite des sächsischen Herrscher-Hauses hinüberziehen können; doch erscheint mir das zweifelhaft, wenn man an das sonstige gute Zusammenwirken Arnulfs und Bertholds, vor allem in Karantanien, denkt. Vintschgau und Unterengadin sind also im Jahre 926 zu Bayern geschlagen, aber vor 964 wieder davon getrennt worden. Ob das 937 bei der Nachfolge Bertholds im bayerischen Herzogtum, oder, was mir wahrscheinlicher ist, 955 nach den Aufständen der LUITPOLDINGER und dem Tode Herzog Heinrichs I. geschah, lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. - Die von Herzog Berthold ausgestellte Urkunde wurde häufig für eine Fälschung gehalten. Doch schon das Formular in seiner Ähnlichkeit mit den von Herzog Arnulf erlassenen Urkunden, die sich ihrerseits wieder an die deutschen Königs-Urkunden der Zeit anlehnten weist auf die Echtheit hin, ebenso wie die sachliche Übereinstimmung mit der vorausgegangenen Urkunde König HEINRICHS I., deren Ausführung sie ja ist, wobei das auffällige Fehlen von Kains vielleicht auf den Abschreiber zurückgeführt werden kann. Auch Huter fragt mit Recht, was für einen Zweck es hätte haben können, ein Mandat des Grafen zu fälschen in einer Sache, in der man ein königliches Diplom vorweisen konnte. Berthold wandte sich in seiner Urkunde an zwei seiner Vasallen, Rupert und Merolt, in deren Besitz sich die von König HEINRICH angemahnten Güter der Freisinger Kirche befanden und befahl deren Rückgabe. Der Schluss liegt nahe, dass es sich hierbei um Kirchengut handelte, das einst von Herzog Arnulf säkularisiert worden war. Die Urkunde, die HEINRICH erließ, sagt nichts davon. Sie ist überhaupt sehr vorsichtig abgefasst, nennt keine Namen und spricht von den Gütern nur als iniuste ablatum. Auch in der von Herzog Berthold erlassenen Urkunde ist die Ausdrucksweise sehr vorsichtig. So deutete auch diese Restituierung entfremdeten Kirchenbesitzes wohl auf das gute Verhältnis zwischen König HEINRICH Herzog Arnulf hin, das nach der Aussöhnung vor Regensburg zwischen den beiden Männern herrschte.

931 Juni 27
Graf Albrih schließt einen Tauschvertrag mit dem Erzbischof Odalbert von Salzburg ab.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ein Graf Albrih begegnete uns bereits zweimal bei Handlungen, die in Tirol vollzogen wurden. Durch den Nachsatz dieser Tausch-Urkunde erhalten wir einen höchst wünschenswerten Aufschluss über seine Person. Danach könnte es scheinen, als hieße er sonst noch Herolt und sei der Sohn eines Oheims von Herzog Arnulf, eines Bruders Luitpolds also, von dessen Existenz sonst gar nichts bekannt ist. Auf Grund der Tatsache, dass Albrih auch den Namen Herolt führen sollte und in unserer Urkunde das Prädikat venerabilis erhielt, setzte man ihn schon früh mit Herolt, dem späteren Erzbischof von Salzburg gleich. Dieser Annahme schlossen sich auch Erben, Lüttich und Pirchegger an. Doch lässt dieser höchst eigenartige Nachsatz auch noch eine andere Deutung zu, die meines Wissens zuerst Breßlau vorschlug und die mir mehr Wahrscheinlichkeit zu haben scheint. Nach ihm ist ein Doppelname Herolt-Albrih ganz ungebräuchlich. Vielmehr sei Herolt nuncupatus auf den patruelis Herzog Arnulfs zu beziehen, und das grammatisch richtige nuncupatus sei nur eine ungenaue Ausdrucksweise. Nimmt man diese Deutung an, so kann Herolt natürlich nicht mehr mit dem späteren Erzbischof von Salzburg gleichgesetzt werden, doch ist dadurch wenigstens der Name in der Familie der LUITPOLDINGER bezeugt. Eine andere Frage ist die des Beiwortes venerabilis, das Alberih hier erhielt, und das auch Hauthaler veranlasste, in ihm einen Kleriker zu sehen. Doch bewies Erben an einem Beispiel aus dem Codex Odalberti, dass es hier auch für weltliche Personen gebraucht wurde. Breßlau führte auch die zum 9. April 930 behandelte Urkunde HEINRICHS I. an, in der Herzog Arnulf dieses Beiwort erhielt und schließlich erhielt auch Luitpold einmal dieses Prädikat. So wäre dies der dritte Fall, in dem ein Angehöriger der Familie der LUITPOLDINGER venerabilis genannt wurde. Auf Grund des Reichenauer Verbrüderungsbuches wollte Mitis erkennen, dass eine Hemma das Band zwischen Herolt und Albrih herstellte. - Dieser Graf Albrih erscheint in der uns vorliegenden Tausch-Urkunde in der Ober-Steiermark begütert. Er übergab dem Erzbischof eine Hufe bei Gamanaron mit dem Eisengebläse Aruzi, nach Hauthaler der Erzberg südöstlich von St. Leonhard im Lavanttal. Dass seine Verwandten dieses vertauschte Gut später wieder zurücknahmen oder zurückerhielten, suchte Kleibel daraus zu beweisen, dass dieser ganze Lavanttaler Besitz, der durch Kaiser HEINRICH II., den Enkel der bayerischen Herzogin Judith, an Bamberg gelangt war, in einer Salzburger Fälschung des Jahres 977 ausdrücklich wieder genannt wurde. Als Gegengabe erhielt Graf Albrih vom Erzbischof eine Salzkochstelle bei Admont, die er bisher zu Lehen hatte, zu freien Eigen.

933 März 15
An dem Ungarnsieg König Heinrichs I. bei Riade nehmen auch bayerische Truppen teil.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hatten sich schon am Ingelheimer Hoftag des Jahres 927 König HEINRICH und Herzog Arnulf zu gemeinsamer Besprechung der sich aus der Ungarn-Gefahr ergebenden Probleme zusammengefunden, so ergibt sich aus dieser Notiz, dass Arnulf dem deutschen König beim Kampf gegen den gemeinsamen Feind auch militärische Hilfe leistete. Nach Waitz ist diese Nachricht durchaus glaubwürdig, da Arnulf dem König ja auch schon beim Feldzug gegen Böhmen seine Unterstützung lieh. Diesmal scheint aber der bayerische Herzog nicht selbst am Kampf teilgenommen zu haben, da das sonst wohl sicher irgendeine Quelle erwähnt hätte. Durch die Absendung eines Aufgebotes, das der Chronist immerhin für erwähnenswert gehalten hat, wird so abermals das gute Einvernehmen zwischen dem deutschen König und dem bayerischen Herzog dokumentiert.

933-934
Herzog Arnulf unternimmt einen Heereszug nach Verona, um für seinen Sohn Eberhard die langobardische Königskrone zu erwerben.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nach dem böhmischen Feldzug des Jahres 922 war dieser Zug nach Italien das, jedenfalls soweit unsere Kenntnis reicht, zweite selbständige Unternehmen, mit dem Herzog Arnulf über die Grenzen seines Landes hinausgriff. Diesmal galt es aber nicht mehr eine Mark zu sichern oder einen widerspenstigen Vasallen zur Botmäßigkeit zu bringen, sondern es ging um nichts Geringeres als die langobardische Königskrone. - Im Jahre 922 war König Rudolf II. von Hoch-Burgund von Gegnern des Kaisers BERENGAR zum König der Langobarden gewählt worden. Doch auch als BERENGAR zwei Jahre später ermordet worden war, blieb Rudolf nicht im ungeschmälerten Besitz seiner neuen Krone, denn seine Gegner wandten sich an den Markgrafen Hugo von der Provence, den mächtigsten Herren im Königreich Nieder-Burgund. Dieser war schon durch die Lage seines Landes für das neue Amt besonders geeignet, und er zögerte auch nicht, es anzunehmen:
926 wurde er in Pavia zum König erhoben. Hugo konzentrierte nun sein ganzes Interesse auf Italien und erreichte, dass Rudolf auf ein Eingreifen in Ober-Italien verzichtete, dadurch, dass er ihm die Herrschafts-Ansprüche in der Provence abtrat. Doch abermals gab es Unzufriedene im Land und diese wandten sich an den mächtigen Herzog Arnulf von Bayern, dessen Land im Süden auch an Italien grenzte. - Dies ist in kurzen Zügen die zum Verständnis des Folgenden notwendige Vorgeschichte von Arnulfs italienischen Unternehmen. Zunächst wird einmal zu fragen sein, wer nun eigentlich Arnulf nach Italien rief. Luidprand von Cremona überlieferte uns zwei Namen, den des Bischofs Rather von Verona und den eines Grafen Milo. Der Belgier Rather, ehedem Mönch in Lobbes, mit feiner Bildung aber auch durch unruhigen politischen Ehrgeiz ausgezeichnet, begleitete 926 seinen Abt Hilduin nach Italien, wo ihn dessen Vetter Hugo 931 zum Bischof von Verona machte. Bald aber entzweite er sich mit seinem Wohltäter, wohl nicht ohne seine eigene Schuld, wie er selbst in einem Brief eingestand. Graf Milo, der nach fränkischem Recht lebte, wurde später Graf von Verona. Er war ein treuer Anhänger Kaiser
BERENGARS
gewesen. Im allgemeinen hielt man sich an die Nachricht bei Luidprand und nahm an, dass die Einladung an Arnulf, nach Italien zu kommen, von dem Bischof und dem Grafen ausgegangen sei. Doch betonte Weigle die Unsicherheit dieser Vermutung und meinte, bestimmt wüssten wir nur, dass sich Rather und Milo dem Bayern-Herzog später gerne angeschlossen hätten. So rückt auch die Angabe bei Staindel, Arnulf sei ab exulibus Italis factiosis gerufen worden, in ein merkwürdiges Licht. Ob ihm wohl noch andere Quellen vorlagen? Vielleicht trifft so Breßlaus Vermutung zu, dass die Einladung an Arnulf von den gleichen italienischen Großen ausging, die sich 933 noch vergeblich an Rudolf von Hoch-Burgund gewandt hatten. Diese Einladung an Rudolf und der darauf folgende Vertrag zwischen Hugo und Rudolf, worin der Hoch-Burgunder seine Ansprüche auf Italien gegen die Abtretung von Hugos Rechten in der Provence aufgab, ist in  seiner zeitlichen Einordnung sehr umstritten. Doch kann man ihn nach den Untersuchungen von Holtzmann mit großer Wahrscheinlichkeit in das Jahr 933 setzen. Dass sich die italienische Partei gerade an Arnulf von Bayern wandte und dass sich dieser auf das Unternehmen einließ, wird seinen Hauptgrund in den landschaftlichen und völkischen Beziehungen zwischen Bayern und Ober-Italien haben. Neuerdings stellte Tyroller einen anderen Gedanken zur Lösung dieser Frage zur Diskussion. Er nahm an, dass die Gattin Herzog Arnulfs Judith hieß und die Tochter des UNRUOCHINGERS Eberhard war, der 888 als Graf im Sülichgau erschien In diese Familie gehörte auch der spätere Kaiser BERENGAR, der ein Groß-Onkel Judiths war. Als dieser ermordet worden war ohne einen Sohn hinterlassen zu haben, schien die Nachkommenschaft seines Bruders Unruoch zur Nachfolge in Italien berufen zu sein. Zu dieser gehörte durch Judith auch Herzog Arnulf von Bayern. Immerhin wäre aber meines Erachtens dabei zu bedenken, ob es noch die alte Partei Kaiser BERENGARS war, die den bayerischen Herzog nach Italien rief.

Die Datierung des Vertrages zwischen Rudolf und Hugo ins Jahr 933 ist besonders wichtig für die zeitliche Festlegung von Arnulfs Unternehmen. Dieser, in den Quellen zu verschiedenen Jahren überlieferte Italienzug, war zeitlich auch dadurch schwer einzureihen, dass er mit dem Tode des Erzbischofs Odalbert von Salzburg verknüpft wurde. Waitz stellte ihn in das Jahr 935, Büdinger und Breßlau zu 934, während Vogel sich mit zwei oder noch mehr Zügen zu helfen suchte, die er auf die Jahre 934 und 935 verteilte. Erzbischof Odalbert von Salzburg, der uns bereits mehrfach bei Tauschverträgen in Verbindung mit den Herzögen Arnulf und Berthold begegnete, nahm an diesem Zug nach Italien teil. Nach Erben geschah das nicht nur wegen seines guten Verhältnisses zu den Bayern-Herzögen, sondern auch im Interesse seiner in Tirol begüterten Kirche. Nun ist in den zwei bayerischen Annalen aus Garsten und St. Rupert in Salzburg der Bericht über seine Expedition nach Italien und über seinen Tod so zusammengezogen, dass es aussehen kann, als ob er gleich nach der Rückkehr vom Italien-Unternehmen gestorben sei. Beide Ereignisse sind zu 935 gestellt. Aus nekrologischen Notizen ist zu entnehmen, dass der Erzbischof tatsächlich am 14. November starb, sodass man auch das Unternehmen Arnulfs in dieses Jahr stellte. Diese Verwirrung löste sich, als die alten Salzburger Annalen gefunden waren, in denen Arnulfs Italienzug zu 934 und der Tod des Erzbischofs zu 935 aufgezeichnet waren. Die Annalen aus Garsten, St. Rupert und Admonts hatten diese Nachricht ihrer Vorlage in ein Jahr zusammengezogen. Stand so der Datierung des Italienzuges Herzog Arnulfs zu 934 nichts mehr im Wege, so gelang es Weigle zu einer genaueren zeitlichen Einreihung zu kommen. Aus einem Brief Rathers von Verona konnte er den 3. Februar 934 als den Termin ermitteln, an dem der Bischof von König Hugo abgesetzt worden war. Zu diesem Zeitpunkt musste also das Unternehmen Herzog Arnulfs bereits zusammengebrochen sein. Er kam zu dem Schluss, dass der Zug Arnulfs wahrscheinlich schon im Herbst oder Winter 933 begann und Anfang Februar 934 sein Ende fand. Holtzmann brachte noch den Hinweis darauf, dass der verbleibende eine Monat des Jahres 934 für die Wahl Eberhards und den Kriegszug Arnulfs zu kurz gewesen sei, und er ist der Ansicht, dass das Jahr 934 versehentlich durch die Salzburger Annalen für 933 geschrieben worden ist. Dieser zeitliche Ansatz ist auch sonst sehr gut bezeugt, denn Erzbischof Odalbert ist in Salzburger Urkunden zuletzt am 13. September 933 und dann wieder am 1. Mai 9234 belegt.
Wir können nun im Folgenden versuchen, den Verlauf des Zuges, den Herzog Arnulf nach Italien unternahm, zu rekonstruieren. Gegen Ende des Jahres 933 wandten sich italienische Verbannte, Gegner Hugos von der Provence, als sie von König Rudolf von Hoch-Burgund eine Absage erhalten hatten, an den bayerischen Herzog. Ob Herzog Arnulf selbst zu Gunsten seines ältesten Sohnes verzichtete, oder ob die italienischen Großen diesen von vornherein nominierten, ist nach Breßlau nicht mehr mit Sicherheit zu entscheiden. Jedenfalls steht fest, dass die Italiener Eberhard huldigten. Noch im gleichen Jahre brach das bayerische Heer, bei dem sich auch Erzbischof Odalbert von Salzburg befand, über Trient nach Verona auf, wo es von dem Bischof Rather und dem Grafen Milo empfangen wurde. Auf die Kunde davon stieß Hugo von der Provence, der sich gerade auf einem Kriegszug gegen Rom befand, gegen die Stadt vor. Bereits das erste Zusammentreffen mit der bayerischen Besatzung des Kastells Gauseningo, das mit einer Niederlage für die Bayern endete, brachte die Entscheidung. Wollte man bisher in dem Gauseningo Luidprands den Ort Gossolengo südlich von Piacenza an der Trebbia sehen, so hielt Weigle dem entgegen, dass aus Luidprands Darstellung nirgends hervorginge, dass Arnulf wesentlich über Verona nach Süden vorgedrungen sei. Er entschied sich daher für Bussolengo am Etschknie oberhalb von Verona, einem Ort, für den auch manche sachliche Gründe sprechen. Als Brückenkopf auf dem etwas höheren südlichen Etschufer gelegen, am Sammelpunkt mehrerer von Süden kommender Straßen, die nördlich des Flusses vereinigt geradlinig auf die Etschklause zuführten, war Bussolengo ein strategischer Punkt erster Ordnung. Setzte Hugo hier über den Fluss, so stand er zwischen den Engpässen der Etsch und dem in Verona liegenden Hauptheer des Bayern und hatte diesem den Rückzug und Nachschub abgeschnitten. So ist es verständlich, dass Arnulf gleich nach der Kunde von der Niederlage seiner Besatzung am Brückenkopf in Eilmärschen nach Norden zog, um sein Heer vor der drohenden Abschnürung zu retten. - Vor dem Abzug des bayerischen Heeres aus Verona kam es hier nach dem Bericht Luidprands noch zu einem großen Tumult und schließlich zu offenem Kampf zwischen den bislang Verbündeten. Graf Milo selbst, in der Befürchtung, von Arnulf als Geisel nach Bayern mitgenommen zu werden, ging zu König Hugo über. Sein Bruder aber verteidigte die Burg der Stadt gegen den Bayern-Herzog, wurde aber schließlich doch überwältigt und zusammen mit seinen Leuten weggeführt. Durch eine glückliche Entdeckung Weigles fällt sogar ein noch etwas helleres Licht auf diese letzten Tage des bayerischen Heeres in Verona. Durch die genaue Untersuchung eines Briefes, den Bischof Rather zwischen August 936 und März 937 aus seinem Exil in Como an den Kleriker Ursus in Verona schrieb, konnte er zahlreiche Anspielungen auf das Verhalten der Bayern in den letzten Tagen ihres Aufenthaltes feststellen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass alles von der Sicht Rathers aus, der sich verteidigen und sein Verhalten entschuldigen wollte, dargestellt ist. Danach hatten die Bayern, als nach der Niederlage bei Bussolengo ihre Lage hoffnungslos geworden war, einen für die Veroneser Bürger kompromittierenden Absage- und Schmähbrief an König Hugo erpresst. Nach Rathers Darstellung war der Verfasser dieses Briefes ein nicht genannter Archidiakon aus der Stadt, der auf diese Weise sich sowie den weltlichen und geistlichen Adel der Stadt bei den Bayern von dem Verdacht der Konspiration mit König Hugo retten wollte und musste. Der Schreiber dieses Absagebriefes war Ursus, der Adressat dieses Rather-Briefes. Diese beiden aber bezichtigten später Rather Hugo gegenüber als den Urheber des verhängnisvollen Schreibens, und der wurde daraufhin vom König verbannt. Dass aber die Bayern mit diesem Brief als Faustpfand gegen die Veroneser noch nicht genug hatten, sondern sich bei ihrem Abzug aus der Stadt auch noch Tumulte und Plünderungen zuschulden kommen ließen, wies wieder sehr glücklich Weigele nach, indem er die gens effera et barbara nicht auf den Burgunder Hugo, wie es bisher geschah, sondern auf die abziehenden Bayern deutete. Wie Weigele bemerkte, wäre es doch unverständlich, wenn Rather aus der Gefangenschaft heraus einem König, vor dem er sich rechtfertigen wollte, sowie seinen Kriegern vorgeworfen hätte, sie seien ein rohes und barbarisches Volk.
Das Unternehmen war vollständig zusammengebrochen. Doch lässt der Bericht Luidprands erkennen, dass der bayerische Herzog gewillt war, mit einem neuen Heer das gleiche Unternehmen noch einmal in Angriff zu nehmen. Auch dass er den Grafen Milo als Geisel mitnehmen wollte, lässt darauf schließen, dass er seine italienischen Pläne noch nicht aufgegeben hatte. Wohl nur sein bald darauf erfolgter Tod hat eine Wiederholung des Zuges vereitelt. Doch allein aus der Tatsache, dass der bayerische Herzog derartiges überhaupt planen und unternehmen konnte, ergeben sich weitreichende Folgerungen. Dieses völlig selbständige Unternehmen Arnulfs, dessen Gelingen Bayern wohl beinahe zwangsläufig aus dem Verband des jungen deutschen Reiches hätte hinauswachsen lassen, war eigentlich die letzte Konsequenz der Zugeständnisse, die König HEINRICH I. 921 vor Regensburg dem Bayern-Herzog hatte machen müssen. Der König hat auch in diesem Falle in keiner Weise Herzog Arnulf gehindert, solche Pläne zu verfolgen, wohl um die mühsam erkaufte Eintracht nicht zu gefährden. Dass ihm aber durch die selbständige Italien-Politik der beiden süddeutschen Herzogtümer und besonders durch diesen Zug Herzog Arnulfs die Notwendigkeit eines eigenen Italien-Zuges nach Italien, von dem Widukind erzählte, vor Augen geführt wurde, ist schon wiederholt ausgesprochen worden. Holtzmann hat nun wahrscheinlich gemacht, dass auch der Erwerb der heiligen Lanze durch den deutschen König mit diesen seinen Plänen zusammenhing. Auf friedlichem Wege und durch Drohungen versuchte er dieses kostbare Symbol, dessen Besitz ihm wichtig für sein Unternehmen schien, von Rudolf von Hoch-Burgund zu erlangen und kam nach Holtzmann tatsächlich im Juni 935 bei seiner Zusammenkunft mit dem französischen König Raoul und Rudolf von Hoch-Burgund am Chiers an das Ziel seiner Wünsche. Dadurch, ferner durch seine Freundschaft zu dem Hoch-Burgunder, die ebenfalls aus dem Jahre 935 rührte und durch einen Vertrag mit Hugo von der Provence, dem Herrn Ober-Italiens, hatte er sich die Grundlagen für sein Eingreifen in Italien geschaffen. Auf diese Weise wollte wohl der deutsche König den gefährlichen Plänen des Bayern-Herzogs in Bezug auf dieses Land begegnen. Doch die beiden Männer starben, ehe sie an die Verwirklichung dieser Pläne gehen konnten.

935 Juli 22
Herzog Arnulf überträgt seinem ältesten Sohn Eberhard die Nachfolge in Bayern und lässt ihm von den Bewohnern Reichenhalls huldigen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die Designation Eberhards durch seinen Vater Arnulf und die darauf folgende Huldigung, die dem designierten neuen bayerischen Herzog in Reichenhall zuteil wurde, werfen wieder ein bezeichnendes Licht auf die inneren Verhältnisse in Bayern. In vollkommen königsgleicher Weise designierte Herzog Arnulf seinen ältesten Sohn Eberhard zu seinem Nachfolger und wies ihm für den Fall seines Todes das "Reich" der Bayern zu. Riezler vermutete, dass das geschehen sei, nachdem sich der Plan der Erwerbung der italienischen Königskrone zerschlagen hatte; doch scheint mir nicht sicher, dass es deswegen geschah, da ja die Möglichkeit eines neuen Zuges nach Italien immer noch gegeben und auch wohl geplant war. Die völlige Unabhängigkeit des Bayern-Herzogs, die man aus dieser Designation seines Nachfolgers im regnum Baiowariorum erkennen kann, und die Ähnlichkeit mit der Designation der Könige ist schon mehrfach bemerkt worden. Breßlau sah hierin sogar noch etwas den üblichen Vorgang Übersteigendes, denn der Treueschwur dem designierten Nachfolger gegenüber, wie er hier von den Leuten von Reichenhall überliefert wird, fehlte bei der Designation OTTOS I. Wie es gerade zu dieser Huldigung in Reichenhall kam, ist nicht klar. Riezler nahm an, es sei entweder ein Landtag hier abgehalten worden oder aber der Herzog habe sich mit seinem Sohn auf einer Rundreise durch das ganze Land befunden und der Vorgang sei zufällig nur aus Reichenhall überliefert. Auch Breßlau war der Ansicht, dass es nicht bei dieser vereinzelten Huldigung an einem Ort geblieben sei. Schwierigkeiten bereitet auch der Ausdruck salinarii cuncti tam nobiles quam ignobiles. Ob unter den salinarii nur die Teilnehmer am Salzbergwerk zu verstehen sind, wie Riezler wollte, oder die Reichenhaller insgesamt, bleibt unklar. Klebel wollte auch die nobiles quam ignobiles mit Freie und Unfreie übersetzen, da es edle salinarii nicht gegeben habe. Die Bedeutung dieses Vorgangs, der noch einmal die mächtige Stellung des Bayern-Herzogs zeigt, wird noch dadurch unterstrichen, dass die Anwesenheit des Erzbischofs von Salzburg dabei ausdrücklich erwähnt wird. Nur kurz mag hier noch angemerkt werden, dass durch diese Notiz und die beim Italienzug erwähnte aus den erst 1921 gefundenen Salzburger Annalen der Zweifel Erbens an der Existenz Eberhards von Bayern widerlegt wurde.

936 August
Herzog Arnulf ist bei der Krönung Ottos I. in Aachen zugegen.
----------------------------------------------------------------------------
Die Krönung OTTOS I. in Aachen bedeutet gegenüber den Vorgängen bei der Erhebung HEINRICHS I. einen bedeutenden Fortschritt in der Richtung auf das Zusammengehörigkeitsgefühl des jungen deutschen Reiches. Dass man aber bei der Nachfolge OTTOS nicht, wie Rörig wollte, den Hauptakzent auf die Designation durch seinen Vater legen kann, hat Mitteis mit Recht noch einmal hervorgehoben. Wahl und Anerkennung durch die Fürsten spielten eine große Rolle. Wir wissen zudem, dass bei der Regelung der Nachfolge nicht alles reibungslos vor sich ging, und dass eine starke Partei lieber die Kandidatur des gleichnamigen Sohnes HEINRICHS I. gesehen hätte. Ich möchte hierin noch den Niederschlag von Verhandlungen sehen, die der endgültigen Nomination OTTOS vorausgingen, denn mir will es im Hinblick auf die nahezu unabhängige Stellung des Bayern-Herzogs nicht einleuchten, dass dieser bedingungslos der Wahl seines vom König bestimmten Nachfolgers seine Anerkennung gegeben hätte. Arnulf hatte im vergangenen Jahr seinen Sohn zu seinem Nachfolger designieren können:
sollte dies der Preis gewesen sein, den HEINRICH I. zahlen musste? Dann wäre auch die Vermutung nicht abwegig, dass zugleich die Abmachungen des "Regensburger Vertrages" aus dem Jahre 921 zwischen den beiden Fürsten erneuert worden wären. Wenn Bayern seine bisherige Stellung im Verband des deutschen Reiches garantiert erhielt, mochte das für die Herzog Arnulf sich mit der Anerkennung des neuen Herrschers durchaus vereinbaren lassen. Dass dann sein Sohn Eberhard diesem militärisch nicht gewachsen war, steht auf einem anderen Blatt. - Unter diesen Umständen konnte auch der bayerische Herzog an den Vorgängen in Aachen teilnehmen. Aus der ausführlichen Schilderung Widukinds können wir entnehmen, dass dabei ein weltlicher und ein geistlicher Akt unterschieden wurden. Der erste spielte in dem von Säulenhallen umgebenen Atrium des Aachener Münsters, wo die duces ac prefectorum principes cum caetera principum militum manu den neuen Herrscher auf einen Thron setzten und ihm durch Handgang und Hilfsversprechen lehnsrechtlich huldigten:
so erst erhielt der Wahlbeschluss seine rechtliche Wirksamkeit. Der geistliche Akt im Innern des Münsters braucht uns hier nicht zu interessieren, wohl aber das anschließende Krönungsmahl, bei dem der bayerische Herzog eines der vier Erzämter ausübte: er versah das Amt eines Marschalls, und nach seiner Anweisung wurden in der nächsten Umgebung der Kaiserpfalz in Aachen Lager aufgeschlagen, in denen die einzelnen Stämme voneinander getrennt ihre Unterkunft fanden. Arnulf von Bayern war kein langes Leben mehr bescheiden und wir können nicht wissen, wie sich in Zukunft sein Verhältnis zum jungen König gestaltet hätte. Seine Teilnahme an der Krönung OTTOS I. lässt aber vermuten, dass er gewillt war, sich wenigstens formell in den Verband des deutschen Reiches einzufügen, wie er es ja auch schon unter HEINRICH I. getan hatte.

936-937
Heinrich, der Bruder Ottos I., heiratet Judith, die Tochter Herzog Arnulfs von Bayern.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die hier berichtete Heirat (beziehungsweise Verlobung) Judiths mit Heinrich, dem Bruder OTTOS I., ist zeitlich schwer einzureihen. Unbrauchbar ist die Angabe Aventins, der diese Verbindung gleich nach der Aussöhnung zwischen HEINRICH und Arnulf vor Regensburg im Jahre 921 zustande kommen ließ, da der jüngere Heinrich erst zwischen 919 und 922 geboren wurde. Seine Nachricht von einer gleichzeitig erfolgten Vermählung einer Tochter HEINRICHS I. Saeopyrga mit einem Sohn Herzog Arnulfs, der den Namen des Vaters trug, ist ebenfalls unrichtig. Unter Saeopyrga verbirgt sich wohl Gerbirga, die nach 928 Giselbert von Lothringen heiratete und die durch OTTO I. später Arnulfs Bruder Berthold zur Frau angeboten wurde. Doch auch die beiden zeitgenössischen Geschichtsschreiber Widukind von Corvey und Hroswitha von Gandersheim, die über die Heirat zwischen Heinrich von Sachsen und Judith von Bayern berichten, drücken sich sehr unbestimmt aus. Dümmler glaubte die Reihenfolge der Erzählung bei Hroswitha so bestimmen zu können, dass die Vermählung nach OTTOS Krönung, aber vor der Erhebung Eberhards stattgefunden habe, also noch zu Lebzeiten des alten Herzogs Arnulf, und er wandte sich gegen die Annahme Köpkes, dass die Besiegung der LUITPOLDINGER der Heirat vorausgegangen sei. Giesebrecht nahm eine Heirat vor der ersten Empörung Heinrichs an und Holtzmann datierte sie auch in die Zeit der Regierung Herzog Arnulfs, ebenso wie Lerche, der auf die innere Wahrscheinlichkeit hinwies, die diese Datierung in sich trägt. Der junge König verpflichtete sich auf diese Weise den mächtigen Bayern-Herzog und besänftigte so auch seinen grollenden Bruder Heinrich, dem dadurch immerhin gewisse Hoffnungen auf die Nachfolge im Herzogtum Bayern geweckt wurden. Eine Heirat, die erst zur Zeit der Empörung der Söhne Arnulfs stattfand, hätte für den König wohl kaum Vorteile gebracht, wie auch die Verbindung mit dem Angehörigen eines aufrührerischen Herzogs-Hauses sehr unwahrscheinlich ist. Viel natürlicher fügt sie sich in die Zeit von Ende 936 oder Anfang 937, zu Lebzeiten Arnulfs, der sich noch vor wenigen Monaten in der Umgebung des jungen Königs in Aachen befunden hatte.

937 Juli 14
Herzog Arnulf von Bayern stirbt.
----------------------------------------
Am 14. Juli starb nach 30-jähriger Regierungszeit Herzog Arnulf von Bayern und wurde im Kloster St. Emmeran zu Regensburg beigesetzt. Über sein Grabmal dort ist der Bericht von Walderdorff zu vergleichen. Die längliche, rechtwinklige Platte aus Kalkstein wurde 1867 wieder an ihren früheren Standort gesetzt und restauriert.
Die späteren Sagen über seinen schrecklichen Tod haben ihren Ursprung wohl in Tegernsee. Der Hass gegen den Mann, der sie durch seine Säkularisationen ihrer großen Güter beraubte, mag den Mönchen wohl diese Fabeleien eingegeben haben. Sie tauchten auch in den mittelalterlichen bayerischen Chroniken wieder auf und hatten etwa folgenden Inhalt. Bischof Ulrich von Augsburg, der Taufpate Arnulfs, mahnte den Herzog, sein an den Klöstern begangenes Unrecht wieder gutzumachen, sonst würde er an einem bestimmten Tag (Ulrich Füterer nannte den Ostertag) in naher Zukunft sterben. Der Herzog verlachte den Bischof, als dieser Tag gekommen war, und er nichts von einer Krankheit in sich spürte. Er veranstaltete ein großes Festmahl am herzoglichen Hof zu Regensburg, bei dem er dann plötzlich vom Tode ereilt wurde. Sein Leichnam wurde im Kloster St. Emmeran beigesetzt, doch die höllischen Geister forderten laut auch seinen Leib zu seiner Seele und als man diesen schließlich wieder aus dem geweihten Ort herausgetragen hatte, stürzten sie ihn in einen See bei Scheyern. Eigenartig ist der Bericht bei Arnpeck, der sich zwar auf Tegernsee, Kremsmünster und Scheyerner Überlieferung stützte, doch daneben noch sonst nicht bezeugte Einzelheiten brachte.
Man könnte natürlich dies alles ins Reich der Fabel verweisen, wenn nicht eine andere Nachricht zum Nachdenken veranlassen würde. Die Annalen von St. Rupert in Salzburg und von Garsten, die sonst recht zuverlässig sind, berichten:
Arnoldus
dux
subito obiit und Arnoldus dux Bawarie obiit subitanea morte und führten beide diesen plötzlichen Tod auf die Strafe Gottes für des Herzogs Säkularisationen zurück. Es ist meines Erachtens nicht ausgeschlossen, dass diese Nachrichten insoweit zutreffen, als Arnulf wirklich ganz unerwartet starb. Wir wissen zwar nichts bestimmtes über sein Lebensalter, doch wurde bereits oben gesagt, dass er beim Tode seines Vaters noch sehr jung gewesen sein muss. Rechnen wir sein Alter zu diesem Zeitpunkt etwa mit 20 Jahren, so war er jetzt, im Augenblick seines Todes, 50. Das war immerhin ein Alter, in dem der Tod noch etwas Unerwartetes sein musste, zumal ja auch sein erst vor vier Jahren unternommener Kriegszug nach Italien und die erst im letzten Jahre erfolgte Reise nach Aachen zur Krönung OTTOS I. zeigen, dass er durchaus noch nicht hochbetagt war. So möchte ich glauben, dass sein Tod aus irgendwelchen Gründen ganz unvorhergesehen eintrat. Das aber wurde von den klösterlichen Geschichtsschreibern als eine Fügung Gottes aufgefasst und so konnten sie die oben erwähnten Legenden darum ranken.